Das 05-Kalenderblatt: 22. bis 25. April

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Ums Wochenende herum geht es um zwei Oberliga-Defensivallrounder, einen oft Verletzten, der überhaupt nicht wie Jean Reno aussieht, und um einen, der nur dachte, das Golden Goal geschossen zu haben.

22. April

Heute wird wird Stefan Graffert 55 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler aus Frankfurt zählt zur ersten und zur vorletzten Oberliga-Generation der 05er: 1980 rückte Graffert von den 05-Junioren in die erste Mannschaft auf, war aber nur ein Jahr lang Stammspieler und verabschiedete sich 1982 zu Eintracht Bad Kreuznach. Zwei Jahre darauf holten die 05er den angehenden Juristen noch einmal für zweieinhalb Saisons zurück. Nach insgesamt 106 Oberligaspielen und 13 Toren wechselte Graffert zur SpVgg Eltville. Heute praktiziert er als Rechtsanwalt in Mainz.

Außerdem haben heute zwei Nachwuchsspieler der 05er Geburtstag: Amir Abardah, 2013/14 gelegentlich in der U17 eingesetzt, inzwischen Offenbacher, sowie Leon Kern, der nun dem älteren Mainzer A-Jugend-Jahrgang angehört, werden 19 Jahre alt.

Ergebnisse am 22. April:

1928: Rot-Weiß Frankfurt - FSV Mainz 05 0:0  
1956: FSV Mainz 05 - VfR Kaiserslautern 3:1  
1979: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 2:1  
1982: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 2:1  
1987: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 0:0  
1990: FSV Mainz 05 - FSV Saarwellingen 4:1  
2007: Hamburger SV - FSV Mainz 05 2:2 
 

23. April  

Nils Döring wird am Samstag 36 Jahre alt. Der Wiesbadener kam als 16-Jähriger zu Mainz 05 und stand nach 80 Oberligaspielen kurz vor dem Profikader, wechselte 2002 aber zum Regionalligateam des 1. FC Kaiserslautern. Über die Spfr. Siegen, den SC Paderborn 07 und Rot Weiss Ahlen (für die er insgesamt 120 Zweitligaspiele bestritt) sowie den SV Wehen kam Döring 2011 zurück nach Mainz; drei Jahre lang spielte der Verteidiger für den TSV Schott, ehe er sich für die Saison 2014/15 wieder den Wehenern anschloss.

Ein Schlüsselspieler im Abstiegskampf 2007: "Leon, der Profi" Andreasen (zweiter von links).33 Jahre alt wird Leon Andreasen. "Leon, der Profi" kam im Winter 2006/07 von Werder Bremen zu den 05ern; hätten diese den Abstiegskampf bestanden, wäre es in hohem Maße dem Dänen zu verdanken gewesen. Andreasen brachte viel Ordnung ins zentrale Mittelfeld, schoss entscheidende Tore, hielt seine Form aber nicht bis zum Schluss. Die 05er mussten Andreasen nach dem Abstieg wieder den Bremern zurückgeben, die ihn bald an Fulham weitergaben, ehe er 2009 zu Hannover 96 wechselte, für die er heute noch spielt. Wenn er spielt, denn die weitere Karriere des Dänen ist geradezu tragisch. Etliche schwere Verletzungen warfen Andreasen immer wieder weit zurück, so fiel er die komplette Hinrunde 2009/10 aus, spielte zwischen dem 4. April 2010 und dem 26. August 2012 kein einziges Mal in der Bundesliga und ab dem 26. September bis zum letzten Spieltag wieder nicht, und auch 2016 konnten die 96er ihren Mittelfeldkämpfer noch nicht einsetzen.

Und 28 Jahre alt wird Marco di Maria, der von 2006 an vier Jahre lang in den Mainzer Nachwuchsteams spielte und dann in den hessischen und unterfränkischen Amateurfußball (Kickers Obertshausen, Bayern Alzenau, Hessen Dreieich) wechselte.

Apropos Verletzungen - zum 17. Mal jährt sich am Samstag das Skandalspiel in St. Pauli. Nach 20 Minuten musste bereits Miroslav Tanjga mit gebrochener Kniescheibe vom Platz, Karriereende für den erfahrenen serbischen Verteidiger. Chaotisch wurde es aber erst in der letzten Viertelstunde. Da hatte sich Dimo Wache den Fuß gebrochen, war nach einer kurzen Behandlungspause machtlos gegen den Ausgleich. Wechseln durften die Mainzer nicht mehr. Schiedsrichter Bernd Hauer unterstellte dem 05-Torwart Schauspielerei und verweigerte eine weitere Behandlung auf dem Platz, die ein Weiterspielen hätte ermöglichen können. 05-Trainer Wolfgang Frank war trotzdem zweimal im Strafraum, um seinem Torwart beizustehen, musste ihn schließlich vom Feld nehmen. Not-Torwart Jürgen Kramny kassierte das 1:2, Wache war erst im August wieder dabei.

Weitere Ergebnisse am 23. April:

1950: FSV Mainz 05 - ASV Oppau 2:2  
1961: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 0:2  
1969: SV Alsenborn - FSV Mainz 05 4:0  
1972: FSV Mainz 05 - Phönix Bellheim 4:1  
1977: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 1:3  
1978: ASV Idar-Oberstein - FSV Mainz 05 1:4  
1986: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 2:2  
1989: SV Meppen - FSV Mainz 05 4:1  
1995: FSV Mainz 05 - SG Wattenscheid 09 2:0  
2004: FSV Mainz 05 - MSV Duisburg 4:1  
2005: FSV Mainz 05 - Hannover 96 2:0  
2006: FSV Mainz 05 - FC Bayern München 2:2  
 

24. April  

Alex Elliott wird am Sonntag 29 Jahre alt. Der Kanadier spielte von 2008 bis 2010 unregelmäßig für die Mainzer Regionalligamannschaft.

Außerdem jähren sich ein paar auf diese oder jene Weise legendären Spiele:

Am Sonntag vor 23 Jahren stand Sekunden nach einem 0:1 in Mannheim auf einmal der 05-Stürmer Tomasz Jaworek auf dem Dach der 05-Ersatzbank, um sich aus einem Rudel von rund 50 pöbelnden Waldhof-Fans einen zu greifen, der, so Jaworek, "Jürgen Klopp angegriffen hat. Wir sind eine Mannschaft, Jürgen ist mein Freund, also ist es normal, dass ich ihn verteidige."

Vor sechs Jahren gab es am Bruchweg ein 3:3 gegen die Eintracht mit jeweils zwei Toren von Alex Meier und Aristide Bancé sowie dem einzigen Bundesligator von Jan Simak für Mainz 05.

Ein Jahr später holten die 05er beim 1. FC Nürnberg jenen vorentscheidenden Punkt zur Europapokal-Qualifikation, von der direkt nach dem Spiel erstmals die Rede war: "Wir wollen der einzige Verein bleiben, der immer auf den ersten fünf Plätzen stand", sagte Thomas Tuchel nach dem 0:0. Das hatte Christian Wetklo mit einer umstrittenen Aktion in der Nachspielzeit gerettet - der Torwart war schon deutlich vor dem Strafraum, erwischte aber, im Fliegen hinter sich greifend, den Ball wohl tatsächlich noch auf der Sechzehner-Linie. Die Nürnberger tobten vor Wut, sahen aber, als die erste Aufregung sich gelegt hatte, ein: Rot für den Torwart hätte nur eine schwierige Freistoßposition gebracht, den (von wenigen) geforderten Elfmeter hätte es gar nicht geben können.

Am Sonntag vor einem Jahr schoss Stefan Bell - hier beim 1:0 - seinen Doppelpack gegen Schalke. Foto: imagoUnd am Sonntag vor einem Jahr gab es im 302. Mainzer Erstligaspiel (und im hundertsten Pflichtspiel von Julian Baumgartlinger) den schnellsten Doppelpack eines Mainzer Verteidigers im Profifußball: Stefan Bell traf gegen Schalke binnen dreieinhalb Minuten zum 1:0 und 2:0-Endstand.

Weitere Ergebnisse am 24. April:

1955: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 3:8  
1960: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 1:0  
1966: FSV Mainz 05 - BSC Oppau 5:1  
1983: FK Clausen - FSV Mainz 05 2:3  
1985: FSV Mainz 05 - SV Leiwen 2:0  
1988: FSV Mainz 05 - Viktoria Herxheim 2:0  
1994: Hertha BSC - FSV Mainz 05 5:0  

25. April  

Am Montag vor 93 Jahren kam Hermann Ronde zur Welt...Am Montag vor 93 Jahren kam Hermann Ronde zur Welt. Der kleine Mittelfeldspieler kam 1950 schon im recht fortgeschrittenen Fußballeralter vom SV Zeilsheim zu den 05ern, war aber noch fünf Jahre lang regelmäßig dabei, ohne jemals eine Stammposition zu haben: Die meisten seiner 120 Oberligaspiele für Mainz 05 bestritt Ronde im linken Mittelfeld, aber auch etliche auf der rechten Seite, in der Abwehr und als Flügelstürmer. Ronde war ein Auffüllspieler, ein Allrounder, der, wenn er seinen Stammplatz verlor, anderswo auf dem Feld weiterhin gegen den Mann und im eigenen Aufbau wertvoll war.

...vor 75 Jahren Horst Schuch...Und damit kommen wir zu Horst Schuch, am Montag vor 75 Jahren geboren und ähnlich vielseitig. Als der damals 18-Jährige 1959 aus der 05-Jugend ins Oberligateam übernommen wurde, war er bereits Rechtsverteidiger, wurde bei seinen noch recht wenigen Einsätzen aber auch auf allen anderen Positionen auf der rechten Seite eingesetzt, dreimal auch als Innenverteidiger. Im zweiten Jahr spielte Schuch immer noch nicht regelmäßig, inzwischen meist im Abwehr- oder Mittelfeldzentrum. Schuchs Durchbruch kam, als 1961 die Stammspieler Helmut Müllges und Norbert Liebeck oft fehlten, wodurch sich die ganze Statik der 05-Abwehr verschob, erst rechts und dann in der Mitte lange ein Platz frei wurde für den Nachwuchsmann. Schuch setzte sich rechts schließlich fest und war drei Jahre lang Stammspieler.

Durch die Verpflichtung Heinz Wassermanns im Sommer 1964 verlor der Verteidiger den Stammplatz, drei Jahre lang war er unregelmäßiger dabei, in der starken Mannschaft der Saison 1967/68 noch einmal gesetzt. Bis zum Ende seiner Profikarriere im Sommer 1970 spielte Schuch insgesamt 204 Mal in der Liga und im DFB-Pokal für Mainz 05, dabei schoss er fünf Tore.

...vor 41 Jahren Marcio Rodrigues.41 Jahre alt wird am Montag Marcio Rodrigues Machado, einer der ersten Brasilianer bei Mainz 05. Marcio kam 1998 von Internacional Santa Maria nach Mainz und wurde nie der Torjäger, den die 05er sich erhofft hatten, traf in 39 Zweitligaspielen nur viermal, war daher meist nur ein Einwechselspieler. Der Regionalligist Offenbacher Kickers konnte anschließend auch nicht viel mit Marcio anfangen. Und doch hat der Brasilianer einen gewissen Legendenstatus in Mainz. Das hängt zusammen mit dem Pokalspiel gegen Hertha BSC am 30. November 1999. In einem bis dahin unansehlichen Spiel hatte der Champions-League-Teilnehmer nach einer guten Stunde das 1:0 geschossen, durch Michael Thurks erstes Profitor aber das 1:1 kassiert. Verlängerung - und Überzahl für die Berliner, die nun kurzen Prozess machen wollten, die 05er kaum noch von deren Strafraum wegließen. Jedoch spielte im ersten Mainzer Entlastungsangriff in der 99. Minute Sirous Dinmohammadi einen seiner fabelhaften Steilpässe auf Marcio, der das 2:1 für die 05er schoss - und einen vermeintlich fatalen Fehler machte: Offenbar im Irrglauben, er habe gerade das Golden Goal geschossen und das Spiel sei vorbei, riss sich der Brasilianer das Trikot vom Leib, schwenkte es über dem Kopf. Schiedsrichterbetreuer Rocky Mayer, Schlimmstes ahnend, versuchte noch, Marcio einzufangen, purzelte in seinem Entsetzen kopfüber über die Werbebande. Denn Marcio hatte schon Gelb gesehen. "Und es tat mir in der Seele weh", sagte zwar Schiedsrichter Helmut Fleischer, aber Gelb-Rot musste er trotzdem zeigen, ging nicht anders.

Jürgen Klopp, so geht zumindest die Legende, bekam nicht viel mit von dem, was anschließend passierte. Marcio soll ihn aus Versehen in der Kabine eingeschlossen haben, Klopp habe sich auf das verlassen müssen, was durch die dünnen Wände von den Tribünen an sein Ohr drang. Und es war laut am Bruchweg. Die 05-Fans wurden tatsächlich der zehnte Mann, der die Unterzahl wenigstens ein bisschen wettmachte. Hertha stürmte. Belagerte den Strafraum. Die 05er zogen sich zurück in ein 4-4-0-System mit Thurk als Rechtsverteidiger. An der Seitenlinie standen Wolfgang Frank und Serjik Teymourian, der iranische Ersatzspieler, synchrongestikulierend. Bälle flogen in den Strafraum und wurden - vor allem von Steffen Herzbergers Schädel - wieder hinausbefördert. Beim Anstoß zur zweiten Hälfte der Verlängerung waren nur zwei Mainzer nahe der Mittellinie, die den Ball einfach in Richtung Eckfahne schlugen und sich in die Abwehr zurückzogen. Dimo Wache boxte einen Ball aus dem Winkel, den Sterbliche normalerweise nicht erreichen können. Hertha ließ überhaupt keine Entlastung zu, bis in die 121. Minute, in der Thurk um ein Haar das 3:1 geschossen hätte. Die Mainzer Mauer hielt. Der Ausgleich fiel nicht mehr. Neun Mainzer Spieler brachten das 2:1 gegen elf Berliner über die Zeit. Und in gewisser Weise war Marcios Treffer wirklich ein Golden Goal.

19 Jahre alt wird schließlich Zaki Ech-Chad, vor zwei Jahren noch Innenverteidiger der Mainzer U17, heute U19-Bundesligaspieler von Darmstadt 98.

Ergebnisse am 25. April:

1965: FSV Mainz 05 - Ludwigshafener SC 1:2  
1971: FC Homburg/Saar - FSV Mainz 05 2:2  
1992: TSV München 1860 - FSV Mainz 05 1:1  

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