Das 05-Kalenderblatt: 21. bis 23. März

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der ersten Hälfte dieser Woche geht es um eine Angriffs- und zwei Abwehrlegenden, um einen Zweitliga-Debütanten, den besten Torjäger seit 1979, um einen sensiblen Ungarn und einen Trainer mit hoher Bier-Rechnung und um das wildeste Kampfspiel des Jahrhunderts.

21. März  

Heute vor 114 Jahren kam Josef Kretschmann zur Welt. Der damals 55-jährige Diplomsportlehrer wurde 1957 Nachfolger von 05-Trainer Gerd Higi, der aus beruflichen Gründen keine Zeit mehr für die Mannschaft hatte; nach zwei Jahren gab es so wieder einen hauptamtlichen Coach. Als Aktiver hatte der gebürtige Ostpreuße in den 1920ern bei Tennis Borussia Berlin und dem SC Charlottenburg auf dem rechten Flügel gestürmt, dann als junger Trainer den VfL Benrath (1934) und den 1. SV Jena (1940) zur Gauligameisterschaft geführt, anschließend auch Rot-Weiß Frankfurt, Holstein Kiel, Borussia Dortmund, Werder Bremen, Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg betreut. Mit dem BVB wurde Kretschmann 1950 Westmeister, allerdings hatte er die Mannschaft erst im April übernommen. Mainz 05 war von 1957 bis 1959 seine letzte Trainerstation.

Als Anreiz für seine neue Mannschaft führte Kretschmann eine ungewöhnliche Erfolgsprämie ein: Für jeden Punkt lobte er aus, jedem Spieler ein Glas Bier zu spendieren. Das wurde teuer, weil sich die Stürmer im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigerten, die 05er fast jedes zweite Spiel gewannen und mit 33:27 Punkten die beste Bilanz ihrer Oberligazeit erreichten. Nach den Siegen gegen Speyer und Neuendorf im Oktober und Dezember waren sie sogar zweimal Tabellenzweiter, am Ende Sechster.

Wiederholen ließ sich der Erfolg nicht; auch wegen großer Verletzungsprobleme gab es viele Lücken in der Mannschaft, die Kretschmann gar nicht schließen konnte. Ohne je tatsächlich auf einem der beiden letzten Plätze zu stehen, landeten die 05er tief im Abstiegskampf, kamen aber mit einer späten Siegesserie rechtzeitig ins stabile Mittelfeld. Nach jener Saison holten die 05er Heinz Baas als Kretschmanns Nachfolger; der ehemalige Stürmer aus Frankfurt und Offenbach blieb so lange 05-Trainer wie vor ihm niemand und nach ihm lediglich Jürgen Klopp.

Dennis Weiland sah gegen Wacker Burghausen schon nach 23 Minuten Gelb-Rot - und das Spiel wurde damit erst richtig interessant. Kurz vor Schluss flog auch Robert Nikolic mit Gelb-Rot runter, dazwischen schoss Niclas Weiland, der hier noch den Schiedsrichter anherrscht, das Siegtor in einem legendären, lärmenden Kampfspiel. Foto: imagoVor zwölf Jahren schlugen die 05er Wacker Burghausen 1:0. Der 05-Mittelfeldspieler Sandro Schwarz hatte kurz zuvor noch "dreckige Siege" gefordert, gegen die Bayern zeigten die Mainzer, wie die gehen. Es war ein legendäres Kampfspiel, das die 05er am selbst für diese Zeit ungewohnt schlechtgelaunten, aggressiven Bruchweg am Ende zu Neunt gewannen. Der Höhepunkt: Marco Rose, der sich ärgerte, statt Eckball nur Einwurf zu bekommen, den kurzerhand dem nächsten Burghauser ins Kreuz schmiss und dadurch doch noch die Ecke bekam.

Aber nicht nur an angenehme Dinge erinnert man sich heute bei Mainz 05: Der 21. März ist auch der Todestag zweier legendärer 05-Spieler. Heute vor neun Jahren verstarb Josef Amadori, vier Jahre später Gerd Klier.

Amadori, ein Nachkriegs-05er der ersten Stunde, war jahrelang eine wichtige Stütze der Mainzer Abwehr. Bis 1951 spielte Amadori an der Seite der 05-Legende Gerd Higi, nach dessen Karriereende war er selbst Abwehrchef, anfangs Rechtsverteidiger, bald Mittelläufer. Dabei war Amadori nicht nur ein knallharter Manndecker, sondern auch gefürchtet für seine Standards: Mindestens 23 seiner 35 dokumentierten Tore für die 05er waren Elfmeter, auch Freistöße verwandelte der Verteidiger gelegentlich. Im Abstiegskampf 1954/55 kündigte Amadori seinen Vertrag, um sich auf seine Schreinerei zu konzentrieren; bis dahin hatte er mindestens 215 Mal für die 05er gespielt. Der Mombacher wurde 85 Jahre alt.

Der Rheingauer Gerd Klier war um 1970 herum ein großartiger Torjäger. Als Mittelstürmer des FC 08 Villingen war er 1968/69 und 1969/70 der Toptorjäger der Regionalliga Süd, im folgenden Jahr verdrängte er gar den acht Jahre älteren Superstar Uwe Seeler beim Hamburger SV aus dem Sturmzentrum ins offensive Mittelfeld. Auf Dauer setzte sich Klier aber nicht durch in der Bundesliga, 1971 bereits wechselte er zum neuerdings reichen FSV Mainz 05.

Gerd Klier, heute noch der drittbeste Torjäger, den die 05er je hatten, verstarb heute vor fünf Jahren.Für die Mainzer war der kleine, stämmige, im Strafraum ungeheuer geschickte Klier ein Volltreffer. Sein Vorgänger Jürgen Richter hatte mit zwölf Saisontoren wirklich kein schlechtes Jahr gespielt, war aber eigentlich ein Mittelfeldspieler, blieb als solcher auch noch jahrelang wichtig für die 05er. Klier schlug sofort ein, schoss 21 Tore im ersten Jahr, 19 im zweiten, sogar 28 im dritten. 1973 war er der beste Torschütze im 54-Tore-Sturm mit Herbert Renner (18) und Manfred Kipp), der die 05er in die Aufstiegsrunde zur Bundesliga schoss. 1972/73 und 1973/74 wurde er in der Südweststaffel zum dritten und vierten Mal Torschützenkönig der Regionalliga. In den beiden Jahren der 05er in der neuen 2. Bundesliga traf Klier insgesamt 27 Mal, nach dem Rückzug in den Amateurfußball schließlich 19 Mal in der Amateurliga - in nur 22 Spielen. Denn bereits im Winter ließen die 05er einen Streit mit ihrem Torjäger eskalieren, manch einer unterstellte dem Verein daraufhin, er habe den teuren Stürmer geschickt loswerden wollen. Klier beendete seine Karriere bei Kastel 06. In absoluten Zahlen ist er mit 117 Toren der drittbeste Torjäger der dokumentierten Vereinsgeschichte hinter Gerhard Bopp (177) und Charly Mähn (126), die aber beide seine beeindruckende Quote von durchschnittlich 0,60 Treffern pro Spiel nicht erreichen. Heute vor fünf Jahren verstarb Klier nach längerer Krankheit im Alter von nur 67 Jahren.

Weitere Ergebnisse am 21. März:

1954: 1. FC Kaiserslautern - FSV Mainz 05 6:0  
1965: FSV Mainz 05 - VfR Kaiserslautern 4:0  
1971: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 2:1  
1981: Röchling Völklingen - FSV Mainz 05 2:2  
1987: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 0:0  
1992: Rot-Weiß Erfurt - FSV Mainz 05 3:0  
1999: FSV Mainz 05 - SpVgg Unterhaching 1:0  

22. März  

Alfred Spiegler wird morgen 63 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler kam 1975 vom SV Kirchheimbolanden zu den 05ern, spielte in Mainz aber trotz der vielen Ausfälle in der Stammelf keine große Rolle. Nach einem Jahr, acht Zweitliga- und zwei Pokalspielen schloss sich Spiegler nach einem Jahr wieder dem SVK an.

Vor 31 Jahren schoss Armin Maier 23 Saisontore für Mainz 05; das schaffte seitdem keiner mehr. Am Dienstag wird Maier 52 Jahre alt.52 Jahre alt wird der erfolgreichste 05-Torjäger der vergangenen 37 Jahre: Armin Maier schoss 1984/85 23 Saisontore; das schaffte vor ihm zuletzt "Bimbo" Bopp 1978/79 (27 Tore) und seither keiner mehr. Selbst in der überragenden Wiederaufstiegssaison 1989/90 blieb Charly Mähn bei 22 Toren stehen, Andrey Voronin wurde 2003 Zweitliga-Torschützenkönig mit 20 Treffern.

Die 05er hatten den Ober-Olmer 1982 aus der eigenen Jugend ins Oberligateam gezogen. Der illegal aufgebaute Etat war gerade zusammengebrochen, die 05er brauchten billige Spieler und fanden diese im Nachwuchs. Maier brauchte seine Zeit, um im Erwachsenenfußball anzukommen; im zweiten Jahr setzte er sich durch und schoss bereits 15 Tore, entweder als Linksaußen oder wie bereits im Juniorenfußball als Sturmpartner des sechs Monate jüngeren Guido Schäfer in einer gerade mal 19-jährigen Doppelspitze. Maier war ein großer, bulliger Stürmer, immer gefährlich mit dem Kopf und dem linken Fuß, der Weg in die Bundesliga schien in seiner überragenden dritten Saison vorgezeichnet.

Maier blieb jedoch kein dauerhafter Torjäger. In den beiden folgenden Jahren traf er nur noch jeweils fünfmal, 1987 verließ er die 05er nach 138 Einsätzen und 50 Toren nicht in den Profifußball, sondern über den Rhein zum SV Wiesbaden.

Imre Szabics wird am Dienstag 35 Jahre alt.Imre Szabics wird 35 Jahre alt. Der Ungar kam ebenfalls in einer Krise zu den 05ern; nach zwei Erstligajahren hatte die Konkurrenz fast die komplette Mainzer Offensive weggekauft, die Rückkehr von Andrey Voronin war ebenso gescheitert wie die Verpflichtung des Argentiniers German Denis, wodurch Jürgen Klopp kurz vor Saisonbeginn immer noch ohne adäquaten Angriff da stand. Der Szegediner hatte schon einige Tore für Ferencváros, Sturm Graz und den VfB Stuttgart geschossen; beim 1. FC Köln hatte er 2005/06 auch wegen einer Verletzung keine Rolle gespielt. Die Mainzer holten den kleinen, kompakten Mittelstürmer erst kurz vor Saisonbeginn, hatten aber letztlich nicht viel Freude an ihm. Der sensible Stürmer kam in einer Phase, in der in der Mannschaft wenig funktionierte, hatte die Vorbereitung verpasst, verletzte sich auch erst einmal, wurde erst im Herbst Stammspieler. Und hätte aber einen Vorlagengeber gebraucht, einen wie Toni da Silva, einen wie Niclas Weiland, einen wie Michael Thurk - alle waren nicht mehr da. Letztlich funktionierte es einfach nicht. Nach nur zwei Saisontoren verließ der ungarische Fußballer des Jahres 2003 die 05er wieder zum Zweitliga-Konkurrenten FC Augsburg.

Schließlich wird Tim Fahrenholz morgen 22 Jahre alt. Der kleine Dribbler stammt aus der Jugend von Darmstadt 98 und war im Nachwuchs der 05er von 2010 bis 2013 ein guter Torschütze und ein noch besserer Vorbereiter. Im U23-Team schaffte Fahrenholz anschließend den Anschluss nicht so recht, auch eine lange Verletzung kam dazwischen, so dass er im Winter 2014/15 die 05er verließ und ins Oberligateam des Karlsruher SC wechselte. Inzwischen debütierte Fahrenholz in der 2. Bundesliga, heute abend beim Spiel in Freiburg darf er sogar aufs Startelf-Debüt hoffen.

Ergebnisse am 22. März:

1959: FK 03 Pirmasens - FSV Mainz 05 4:1  
1964: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 2:1  
1970: FSV Mainz 05 - FV Speyer 2:3  
1975: 1. FC Schweinfurt 05 - FSV Mainz 05 0:0  
1982: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 2:1  
2002: 1. FC Schweinfurt 05 - FSV Mainz 05 0:3  
2009: FSV Mainz 05 - TSV Alemannia Aachen 1:4  
2014: FSV Mainz 05 - FC Bayern München 0:2  
2015: FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg 1:1  

23. März  

Der im Oktober 2014 verstorbene Helmut Müllges würde am Mittwoch 76 Jahre alt werden.Am Mittwoch vor 76 Jahren kam Helmut Müllges zur Welt. Der Verteidiger rückte 1959 als 19-Jähriger aus dem eigenen Nachwuchs ins Mainzer Oberligateam auf und etablierte sich sofort als Manndecker im Team von Heinz Baas. Mit Carlo Storck, Norbert Liebeck, Ulrich Rother, später auch Toni Burghardt bildete Müllges in den 1960ern eine überdurchschnittliche Abwehr. Der harte, kampfstarke Verteidiger spielte 1963 gar als Verletzter eine wichtige Rolle. als er als Statist auf Rechtsaußen - Auswechslungen gab es damals noch nicht - kurz vor Saisonschluss das Siegtor gegen Neuendorf schoss, eins von seinen insgesamt elf Toren.

1965 stand Müllges in allen vier Spielen der ersten großen Pokalsaison der 05er im Team, das den späteren Deutschen Meister Werder Bremen und den Titelverteidiger TSV München 1860 aus dem Wettbewerb warf. 1968 war er ein Schlüsselspieler in der ersten 05-Elf, die Bundesliga-Ambitionen entwickelte. Und als der Verein 1970 fast den kompletten Kader austauschte, war der Mannschaftskapitän und Vorstopper der einzige Spieler der alten Generation, der bleiben durfte. Nach einer Verletzung im Winter beendete Helmut Müllges, der einst von den Junioren gekommen und von Verletzungen abgesehen immer Stammspieler war, nach zwölf Jahren, 300 Liga- und fünf DFB-Pokalspielen im 05-Trikot seine Laufbahn. In der langen Geschichte der 05er spielten nur acht Spieler noch häufiger als er. In den elf Regionalligajahren von 1963 bis 1974 kein einziger.

Müllges verstarb am 25. Oktober 2014 im Alter von 74 Jahren.

Ergebnisse am 23. März:

1952: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 6:0  
1958: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 5:3  
1969: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 3:0  
1980: FSV Mainz 05 - FC St. Wendel 2:0  
1985: Eisbachtaler Sportfreunde - FSV Mainz 05 0:3  
1986: FK Clausen - FSV Mainz 05 0:0  
2008: FSV Mainz 05 - TSG Hoffenheim 1:1  

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