Das 05-Kalenderblatt: 2. bis 4. November

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der ersten Hälfte dieser Woche gratulieren wir einem Weisenauer und einem Münchner Verteidiger zum Geburtstag, außerdem einem tschechischen Offensivmalocher und natürlich einer Torjäger-Legende aus Kastel.

2. November  

Walter Ziehmer war als Spieler und Trainer 13 Jahre lang bei Mainz 05.Heute vor 72 Jahren kam Walter Ziehmer zur Welt. Der Libero war nicht viel weniger als eine Weisenauer Legende, als er 1970 nach dem Abstieg des SVW hinüber zum Bruchweg wechselte. Der damals 26-Jährige, der mit der Erfahrung von fast 200 Regionalligaspielen zu den 05ern kam, war uneingeschränkter Stammspieler in seinem ersten Jahr, meist auf seiner gewohnten Position, hin und wieder auch im Mittelfeld. Schon im zweiten Jahr aber verlor Ziehmer innerhalb der Mannschaft an Bedeutung; wenn er spielte, war er weiterhin ein exzellenter Freistoßschütze, aber in der Abwehr mit Hennes Schneider, Klaus Rieger, Willi Löhr und vor allem Herbert Scheller war nicht mehr oft Platz für Ziehmer. Nach insgesamt 55 Regionalligaspielen und zehn Toren für die 05er beendete der Verteidiger schon mit 29 Jahren seine Karriere, blieb aber noch ein ganzes Jahrzehnt als Nachwuchs- und Co-Trainer am Bruchweg. Acht Jahre, vier Monate und zehn Tage nach seinem letzten Einsatz wagte Ziemer nochmal ein Comeback - beim für alle Beteiligten bedeutungslosen Auswärtsspiel des Südwestmeisters beim Tabellenletzten Viktoria Herxheim am letzten Spieltag der Saison 1980/81 wechselte Chefcoach Herbert Dörenberg seinen Assistenten in der 83. Minute ein. Dörenberg, einst Zweitligaprofi der Darmstädter Lilien, war selbst schon seit der 75. Minute auf dem Platz, schoss das 4:1 und bereitete das 5:1 vor.

61 Jahre alt wird Bodo Martens. Der Stürmer spielte von 1974 bis 1976 meist als Joker neunmal in der 2. Bundesliga für die 05er und schoss beim 4:1 gegen den VfR Heilbronn sein einziges Profitor.

Petr Ruman (links) war als Offensivarbeiter und Adjutant des verrückten Torjägers Mohamed Zidan auch dann ungeheuer wertvoll, wenn er selbst nicht traf. Der Juniorentrainer des SV Darmstadt 98 wird heute 39 Jahre alt.Petr Ruman wird heute 39 Jahre alt. Als der Angreifer noch für die SpVgg Greuther Fürth spielte, hatten sich die 05er oft über ihn geärgert: Der blonde Tscheche schoss schon für den Mainzer Angstgegner Franken ein paar Tore gegen den Klub, für den er ab 2005 spielte. Nach dem Wechsel an den Bruchweg schoss Ruman zwar das erste Europapokaltor der 05-Historie, letztlich wurde er aber kein Torjäger, nicht mal Stammspieler in der Startelf, jedoch trotzdem ein wertvoller Stürmer. Ruman war technisch sehr gut, laufstark, geschickt in seinen Bewegungen, vom Typ her eher bescheiden, zurückhaltend. Und der perfekte Sturmpartner für Mohamed Zidan: Der unberechenbare Ägypter schoss in Grund und Boden, was ihm vor die Füße kam, der fleißige Ruman entlastete ihn, nahm Zidan viel Defensivarbeit ab, machte ihm die 13 Tore in 15 Rückrundenspielen 2006/07 erst möglich.

Nach dem Mainzer Abstieg war Rumans Karriere schnell vorbei. Nach sechs Zweitligaspielen verletzte sich der Tscheche zu schwer am Rücken. Es gab noch bis 2009 verschiedene Comeback-Versuche in der Oberliga, der Regionalliga und in Testspielen sowie beim Drittligisten VfR Aalen, aber das hatte letztlich keinen Zweck mehr. Ruman wurde in der Folge Nachwuchstrainer, betreute bei den 05ern die U17 als Co-Trainer, die U16 als Chef, die U19 als Assistent von Stefan Sartori, wechselte dann über den FSV Frankfurt ins Nachwuchsleistungszentrum des SV Darmstadt 98. Daneben betreibt Ruman eine Fußballakademie in Bischofsheim.

Vor 29 Jahren verloren die 05er 1:3 gegen Wormatia Worms. Es war die letzte Niederlage gegen einen rheinhessischen Rivalen in einem Pflichtspiel - und die zweitletzte insgesamt. Ein 2:5 im Test in Worms im September 2009 unterbrach die Serie nach knapp 23 Jahren.

Vor 14 Jahren schoss schließlich Michael Thurk sein Tor des Monats. Blaise Nkufo schlug im Saarbrücker Ludwigspark eine lange Flanke aus dem Rückraum, die Thurk volley nahm und wie Marco van Basten im EM-Finale 1988 aus spitzem Winkel zum 1:0-Sieg ins Tor knallte.

Weitere Ereignisse am 2. November:

1930: FSV Mainz 05 - VfL Neu-Isenburg 4:0  
1952: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 0:0  
1958: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 2:0  
1974: VfR Mannheim - FSV Mainz 05 2:5  
1980: FSV Mainz 05 - Röchling Völklingen 1:0  
1991: SV Darmstadt 98 - FSV Mainz 05 1:3
1996: Stuttgarter Kickers - FSV Mainz 05 2:1  
2008: Rot Weiss Ahlen - FSV Mainz 05 0:2  

3. November  

Hermann Lutz, kurzzeitig 05-Stammtorwart in den 1970ern, wird am Dienstag 64 Jahre alt.Am Dienstag wird Hermann Lutz 64 Jahre alt. Der Pfälzer stand bereits in der Zweitligasaison 1975/76 elfmal im 05-Tor und war nach dem Rückzug in den Amateurfußball ein Jahr lang Stammkeeper. Bis 1981 bestritt Lutz anschließend weitere 72 Zweitligaspiele für die Würzburger Kickers und den FC Augsburg.

55 Jahre alt wird der "unheimliche Norbert" Hönnscheidt. Der Mittelstürmer war die Hauptfigur im womöglich größten Vabanquespiel der Mainzer Vereinsgeschichte. Elf Jahre lang hatten die 05er versucht, sich nach dem Rückzug neu aufzustellen und in den Profifußball zurückzukommen. Zur Halbzeit dieser Ära schienen sie auf einem guten Weg, brachen jedoch unerwartet (nicht aber unverschuldet) zusammen. 1987 wollten sie den Wiederaufstieg erzwingen. Der vor allem 1985 aufgestellte Kader war weitgehend eingespielt, hatte nicht mehr viele Lücken, die die Mainzer konsequent schlossen. Das Torwartproblem lösten sie mit der Verpflichtung des besten Keepers der Südwestliga, Stephan Kuhnert aus Worms. Frank Haun aus Kaiserslautern verstärkte das Mittelfeld. Und mit Hönnscheidt wollten sie endlich einen adäquaten Sturmpartner für Charly Mähn holen.

Dieser war ein klassischer Strafraumstürmer, der sich vor allem über Tore definierte. Hönnscheidt war nicht der beweglichste Angreifer, hatte aber einen wahnsinnigen Instinkt und das komplette Abschlusspaket großer Torjäger.

Der "unheimliche Norbert" Hönnscheidt wird am Dienstag 55 Jahre alt.Der 27-jährige Kasteler mit der Erfahrung von 143 Erst- und Zweitligaspielen für Eintracht Frankfurt, Wormatia Worms und den 1. FC Saarbrücken war allerdings teuer. Weil die 05er nichts zahlen konnten, der FCS aber ohne Ablöse keine Freigabe erteilte, wurde Hönnscheidt zu jeweils sechs Monaten Reamateurisierungs- und Wechselsperre verdonnert. Im Winter kauften die 05er den Stürmer schließlich frei, mit Geld, das sie gar nicht hatten. Finanziell war der Verein mal wieder ruiniert, monatelang flossen keine Gehälter und vielleicht hätte Mainz 05 die Saison nicht überlebt - hätte nicht Hönnscheidt voll eingeschlagen, in 13 Ligaspielen neunmal getroffen und die 05er schließlich mit fünf Treffern in der Aufstiegsrunde in die inzwischen lukrative 2. Bundesliga geschossen.

Dort fehlte Hönnscheidt wegen eines dreifachen Bänderrisses bis Oktober. Zwar schoss er schon beim ersten Kurzeinsatz das Siegtor bei Blau-Weiß 90 Berlin, letztlich konnte aber auch er den Abstieg nicht verhindern. Diesmal aber kamen die Mainzer schnell zurück in die 2. Liga, dank der 20 Tore von Hönnscheidt (und der 22 von Mähn). Nach dem Aufstieg schob Trainer Robert Jung den Torjäger nach und nach ins Mittelfeld - was gut funktionierte. Hönnscheidt lief mehr als früher, ließ Bälle für die Mitspieler prallen, arbeitete gut und schoss weiterhin viele entscheidende Tore. 1992 schließlich verließ Hönnscheidt die 05er nach 132 Ligaspielen und 49 Treffern. Drei Jahre später kam er aus dem hessischen Amateurfußball ins 05-Amateurteam zurück, am 8. Dezember 1995 spielte er bei einem insgesamt miserablen 0:1 gegen Lübeck ein letztes Mal in der 2. Bundesliga.

Weitere Ereignisse am 3. November:

1929: FSV Mainz 05 - SV Darmstadt 98 5:3  
1935: FSV Mainz 05 - SV Kostheim 12 1:1  
1957: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 3:3  
1984: FSV Salmrohr - FSV Mainz 05 2:2  
1985: FSV Mainz 05 - FSV Salmrohr 1:1  
1995: Arminia Bielefeld - FSV Mainz 05 2:0  
1997: SC Freiburg - FSV Mainz 05 2:1  
2013: FC Augsburg - FSV Mainz 05 2:1  

4. November  

Günther Rybarczyk, als Ergänzungsspieler zweimal Deutscher Meister mit Bayern München, bei den 05ern ein aggressiver Offensivverteidiger, beim SC Paderborn und seinen Vorgängern mehr oder weniger alles, wird am Mittwoch 64 Jahre alt.Am Mittwoch wird Günther Rybarczyk 64 Jahre alt. Der Verteidiger war der Sensationstransfer der 05er in den 1970ern: Rybarczyk kam von den Bayern, dem Weltmeisterklub, wo er mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Uli Hoeneß, Sepp Maier gespielt hatte! Allerdings nicht oft: In zwei Jahren setzten die Bayern den Abwehrspieler nur sechsmal ein, dennoch kam er als zweimaliger Deutscher Meister nach Mainz.

Rybarczyk war ein harter, aggressiver Offensivverteidiger, aber auch ein guter Techniker - man sah, wie er es in den Bayern-Kader geschafft hatte. Dort verteidigte er meist links, in Mainz von 1973 bis 1976 eher rechts und am Ende in der Mitte, als Manndecker oder Libero. Vor allem war er aber ein Typ, eine dominante Figur mit der Ausstrahlung eines Führungsspielers.

Als sich die 05er 1976 in den Amateurfußball zurückzogen, kam Rybarczyk nicht mit. Bis dahin hatte er für die 05er in 65 Zweitligaspielen drei Tore geschossen. Beim FC Villingen und TuS Schloß Neuhaus kam er jedoch nur noch zu vier weiteren Einsätzen in der 2. Bundesliga. Beim SC Paderborn, dem Nachfolger des TuS, war Rybarczyk noch jahrzehntelang Spieler, Trainer, Manager, Funktionär, mehr oder weniger alles, was es bei einem Fußballklub gibt.

Heiko März wird 42 Jahre alt. Der Mittelfeldmann spielte am 6. Juni 1993 beim 0:2 in Leipzig sieben Zweitliga-Minuten für die 05er.

Weitere Ereignisse am 4. November:

1928: SpVgg Arheilgen - FSV Mainz 05 1:3  
1934: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 3:2  
1951: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 2:3  
1956: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 2:0  
1962: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 1:0  
1973: FSV Mainz 05 - FC Homburg/Saar 3:2  
1979: SV Leiwen - FSV Mainz 05 0:2  
1988: Eintracht Braunschweig - FSV Mainz 05 0:0  
2000: Rot-Weiß Oberhausen - FSV Mainz 05 1:0  
2002: FSV Mainz 05 - Karlsruher SC 2:2  
2006: Bayer Leverkusen - FSV Mainz 05 1:1  
2007: SC Paderborn 07 - FSV Mainz 05 1:1  
2011: FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 3:1  
2012: Werder Bremen - FSV Mainz 05 2:1  

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