Das 05-Kalenderblatt: 19. bis 22. November

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der zweiten Hälfte dieser Woche geht es um einen sehr jungen und einen sehr alten Debütanten im 05-Tor, um den Hattrick eines Innenverteidigers, einen Mann mit (vermutlich) zwei Namen und um das schönste Tor von allen.

19. November  

Murat Doymus, Innenverteidiger der ersten Mainzer U19-Bundesliga-Generation, wird heute 30 Jahre alt.Murat Doymus wird heute 30 Jahre alt. Der Innenverteidiger wurde bei den Mainzer Junioren ausgebildet, gehörte 2003/04 der ersten U19-Bundesliga-Generation der 05er an, spielte bis 2006 bei der U23 und saß einmal in der Bundesliga auf der Bank. Bis 2015 spielte Doymus bei verschiedenen Berliner Ober- und Regionalligisten, außerdem kurzzeitig in der Türkei und Aserbaidschan - und 2010 im DFB-Pokal mit dem Berliner AK 07 gegen Mainz 05. Anschließend wechselte Doymus zurück in die Heimat zum Oberligisten TSV Schott.

Heute vor zehn Jahren wurde die Bundesliga ernsthaft auf einen mazedonischen Innenverteidiger aufmerksam. Der FSV Mainz 05 spielte zuhause gegen Eintracht Frankfurt und nach sechs Minuten stand es 0:2 - durch zwei Eigentore von Nikolce Noveski. So schnell war das in der Liga noch nie jemandem passiert. "Mein erster Hattrick", sagte Noveski allerdings am Ende. In der Halbzeit beförderte sich der Abwehrspieler selbst zum Spielmacher, der mit unbändigem Willen die Mannschaft voran trieb. In dre 66. Minute traf Noveski den Pfosten des Frankfurter Tors. In der 71. Minute ging sein wuchtiger Kopfball zum 1:2 ins Netz. Der Doppelschlag hätte die trotz der Eigentore überragende Vorstellung des Verteidigers gekrönt, für dessen Willensleistung es Komplimente hagelte. Denn Petr Ruman schaffte in der 90. Minute das 2:2 zum spektakulärsten der vielen Unentschieden im Rhein-Main-Derby.

Weitere Ereignisse am 19. November:

1933: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 2:3  
1961: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 3:1  
1978: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 2:2  
1980: 1. FC Kaiserslautern (A) - FSV Mainz 05 2:2  
1986: SSV Überherrn - FSV Mainz 05 0:3  
1989: FSV Mainz 05 - TuS Mayen 4:1  
1995: FSV Mainz 05 - MSV Duisburg 0:1  
2001: FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt 1:1  

20. November  

Der erfolgreichste 05-Torhüter wird am Freitag 63 Jahre alt. Wolfgang Kneib wurde auf dem Höhepunkt seiner Karriere Deutscher Meister und UEFA-Pokalsieger.Eine Torwartlegende aus Zornheim wird am Freitag 63 Jahre alt: der langjährige Bundesligakeeper, Deutsche Meister und Europapokalsieger Wolfgang Kneib, der seine Profikarriere bei Mainz 05 begann. Als 16-Jähriger hatte sich Kneib den 05ern angeschlossen, als 17-Jähriger gehörte er zur ersten Mannschaft, als 18-Jähriger debütierte der fast zwei Meter lange Torwart am 14. Februar 1970 in der Regionalliga. Wolfgang Orben, der kaum älterer Stammtorwart, hatte den 05-Trainer Erich Gehbauer zu nervös gemacht. "Orben, ohnehin der sensiblere der beiden, ließ schon bei der ersten Aktion Unsicherheit erkennen. Da die Erfahrung gelehrt hat, dass Orben seine Nerven nach einem missglückten Auftakt zumeist nicht wieder unter Kontrolle bringt und seine Unsicherheit sich schließlich auf die Vorderleute überträgt, entschloss ich mich zu dem Austausch. Kneib ist fit, der ruhigere Typ und hat seine Sache ausgezeichnet gemacht", erklärte Gehbauer den Torwartwechsel in der 16. Minute. Mit dem gerade erst von einer Meniskus-OP genesenen Kneib erreichten die 05er bei Gummi Mayer Landau ein 0:0.

Die beiden Torhüter wechselten sich zunächst weiter ab. Kneib blieb sechs Spiele lang im Tor, wurde dann wegen Überlastung auf die Bank zurückgenommen, kam wegen einer Verletzung Orbens für die letzten dreieinhalb Spiele der Saison zurück in den Kasten. 1971/72 hatte Kneib die geringfügig größeren Einsatzzeiten - 18 Spiele gegenüber 15 von Orben, der seinerseits diesmal zweimal eingewechselt wurde, einmal wegen Verletzung, einmal, weil Kneib nicht gut spielte. Jener machte im März vier Spiele am Stück - die längste Mainzer Torwartserie in jener Saison.

Weil beide gleich gut waren. Orben talentierter, spektakulärer, ein großartiger Flieger, der alle Ecken des Tors erreichte, Lufthoheit im Strafraum hatte, Präsenz bei den Flanken, ein gutes Auge, eine feine Balltechnik. Kneib, einen halben Kopf größer als Orben, war ruhiger, sachlicher, nicht so reizbar, nicht so emotional wie sein Konkurrent. Er hatte eine bemerkenswert dominante Ausstrahlung und trainierte die Defizite in Sachen Beweglichkeit, die seine Größe mitbrachte, mit Fleiß weg. 

1972/73 brach sich Kneib im Auftaktspiel (5:3 in Neuendorf) bei 3:1-Führung kurz vor der Halbzeit den Knöchel und fehlte lange. Nach seinem Comeback gehörte die Rückrunde weitgehend ihm. Ab 1973 war er fast immer im Tor.

Bereits 1975 wechselte Kneib hinunter zum mal wieder reichen Nachbarn SV Wiesbaden in die 3. Liga. Die SVW-Legende Bernd Rupp vermittelte ihn schon nach einem Jahr zu seinem Ex-Klub Borussia Mönchengladbach. Dort erst machte der inzwischen immer noch erst 23-Jährige große Karriere. 112 Bundesligaspiele, obwohl es dort einen gewissen "Otto" Kleff gab, halb so groß und doppelt so spektakulär wie Kneib, eine der schillerndsten Figuren der Bundesliga in jenen Jahren. Kneib gewann 1977 die Meisterschaft und 1979 den UEFA-Cup, jeweils ohne eine Minute im Wettbewerb zu verpassen. 1980 wechselte er als Nachfolger des damals noch nicht großen Uli Stein zu Arminia Bielefeld; seine Karriere beendete er erst 1995 als 42-Jähriger nach 508 Profispielen. Und noch zwei Jahrzehnte später wirkt Kneib, als könne er jederzeit für einen verletzten Stammtorwart einspringen.

Außerdem haben zwei Nachwuchsspieler Geburtstag: Bernd Kruschewski, von 2004 bis 2007 U19- und U23-Torwart der 05er mit 13 Einsätzen in der U19-Regionalliga und dreien in der höchsten Nachwuchsmannschaft, wird 28 Jahre alt, Marcel Costly, selten aufgestellter Rechtsverteidiger der aktuellen U23, 20 Jahre.

Der Beweis: Martin Pieckenhagen hat (im Alter von 39 Jahren und fünf Tagen) für Mainz 05 in der Bundesliga gespielt. Und musste in dieser Szene gleich mal einen Platzverweis riskieren. Foto: imagoAm Freitag vor fünf Jahren schoss Sami Allagui das vielleicht schönste Mainzer Bundesligator. Auswärtsspiel in Gladbach. Ein schwieriges Spiel. 0:0 zur Halbzeit, dann ging die Borussia zweimal gegen den Ersatztorwart in Führung. Christian Wetklo hatte sich früh verletzt. Martin Pieckenhagen, der älteste Neuzugang und mit 39 Jahren und fünf Tagen der älteste Debütant, den es bei den 05ern je gab, musste in der 25. Minute übernehmen und entging erst einmal haarscharf einem Platzverweis. André Schürrle glich zum 1:1 aus, Sami Allagui zum 2:2. Dann kam die 88. Minute, in der ein Gladbacher Angriff auf der linken Abwehrseite der 05er hängenblieb. Christian Fuchs einen sagenhaften Diagonalball über locker 50, 60 Meter nach vorne schickte. Der genau zwischen den Innenverteidigern runterfiel. Und da war Allagui. Der den Ball mit langem Bein senkrecht in die Luft schoss, den Torwart darunter durchrennen ließ, von den Verteidigern in die Zange genommen hinterher sprang und mit der Stirn den Ball nicht einfach so ins Tor schickte, sondern präzise genau ins große B der Borussia-Raute, die das Netz verziert. Siegtor zum Auswärtssieg ins Herz der Borussia. Wir finden: Besser geht's nicht.

Weitere Ereignisse am 20. November:

1932: FSV Mainz 05 - VfR Bürstadt 5:0  
1949: 1. FC Kaiserslautern - FSV Mainz 05 7:0  
1982: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 1:3  
1988: Viktoria Aschaffenburg - FSV Mainz 05 2:1  
1994: FC St. Pauli - FSV Mainz 05 3:1  
1998: KFC Uerdingen 05 - FSV Mainz 05 1:2  
1999: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 1:0  
2004: FSV Mainz 05 - VfL Bochum 1:0  

21. November  

Am Samstag wird Preston Zimmerman 27 Jahre alt. Der Stürmer aus dem Pazifischen Nordwesten der USA spielte von 2009 bis 2011 44 Mal für die 05er in der Regionalliga und schoss 10 Tore. Beim SV Darmstadt 98 war Zimmerman anschließend kein schlechter Drittligaspieler, dann wechselte er zum TSV Schott.

Weitere Ereignisse am 21. November:

1926: SV Wiesbaden - FSV Mainz 05 4:1  
1948: VfL Neustadt/Wst. - FSV Mainz 05 2:0  
1964: Ludwigshafener SC - FSV Mainz 05 6:1  
1981: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 0:0  
1992: Eintracht Braunschweig - FSV Mainz 05 6:0  
1993: FSV Mainz 05 - Hansa Rostock 3:1  
1997: Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 2:2  
2003: MSV Duisburg - FSV Mainz 05 0:1  
2009: Borussia Dortmund - FSV Mainz 05 0:0  

22. November  

Mainz 05 1952. Zweiter von links ist Ilija Popovic, elfter von rechts wahrscheinlich Georg Monek.Am Sonntag vor 85 Jahren kam ein komplizierter Spieler zur Welt. Ilija Popovic, der 1952 von Racing Strasbourg zu den 05ern wechselte, war sportlich eine klare Verstärkung. In 22 Saisonspielen schoss der Techniker, der mal im Sturm, mal im Mittelfeld spielte, neun Tore. Der Jugoslawe war nicht sonderlich robust, aber ein wertvoller Mann für die damalige 05-Generation. Nur verlassen konnte man sich auf ihn überhaupt nicht. Popovics Trainingsbeteiligung ließ zu wünschen übrig und es kam schon mal vor, dass man ihn vor dem Spiel bei der Polizei abholen musste. Die 05er verlängerten daher den Einjahresvertrag des Jugoslawen nicht. Für den FSV Frankfurt, den FV Speyer und Phönix Ludwigshafen schoss dieser in den folgenden sieben Jahren noch 52 weitere Oberligatore. Manches spricht dafür, dass Popovic identisch ist mit einem jungen Mann, der sich bereits 1951 als Georg (György?) Monek vorstellte, den 05ern erzählte, vom ungarischen Spitzenklub Vasas Budapest zu kommen, im Training einen so guten Eindruck hinterließ, dass er als neuer Starstürmer verpflichtet wurde, aber noch vor dem ersten Spieltag vor der Wiesbadener Kriminalpolizei untertauchte.

Alexander Karatajew wird am Sonntag 42 Jahre alt. Als Jugendspieler bei Bayern München galt Karatajew als überragendes Talent, als kommender Spielmacher auf Weltklasseniveau. Wurde er aber nicht: Als die 05er den Russen 1996 von Lok Moskau holten, bekamen sie einen technisch blendenden, aber schlampigen und schwer übergewichtigen Spieler, der sich nicht auf die 2. Bundesliga einließ, nur sechsmal spielte und dann in unteren russischen Ligen versackte.

Weitere Ereignisse am 22. November:

1925: FV Saarbrücken - FSV Mainz 05 0:1  
1936: FSV Mainz 05 - TuRa Kastel 3:1  
1975: SpVgg Greuther Fürth - FSV Mainz 05 4:2  
1987: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 3:1  
1989: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 0:5  
1991: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 1:1  
2002: Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 1:0  
2014: FSV Mainz 05 - SC Freiburg 2:2  

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