Das 05-Kalenderblatt: 17. bis 20. März

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der zweiten Hälfte dieser Woche geht es um drei legendäre Spiele gegen Nürnberg, Dortmund und Schalke sowie um einige große Talente, von denen manche nicht weit kamen, einer an der Europameisterschaft teilnahm, einer gern an der nächsten Europameisterschaft teilnehmen will, und einer von Heinz aus Mainz nach Frankreich vermittelt wurde.

17. März  

Heute vor 103 Jahren kam Emil Izsó zur Welt. Der damals 40-jährige Ungar war von 1953 bis Mitte der Saison 1954/55 Trainer der 05er. Zuvor war Izsó für Hannover 96 und den VfB Oldenburg verantwortlich; Bundestrainer Sepp Herberger hatte ihn nach Mainz vermittelt, als die 05er einen Nachfolger für Georg Bayerer brauchten, der wiederum zu Bayern München gewechselt war. Izsó kündigte einen flexiblen Fußball an; er wollte sich von Bayerers Defensivspiel und vom Doppelstoppersystem (Überzahl hinten, dadurch allerdings Unterzahl vorne) lösen, das Spiel auf den Gegner einstellen. Damit wurden die 05er im ersten Jahr Siebter der Oberliga, ihr bis dahin bestes Nachkriegsergebnis. Im zweiten Jahr aber, in ihrer Jubiläumssaison, landeten die 05er tief im Abstiegskampf; Izsó wurde im Laufe der Saison durch die 05-Legende Gerd Higi ersetzt. Dieser schaffte den Klassenverbleib mit einem Kraftakt in Neuendorf.

Frank Reiss wird heute 53 Jahre alt. Der Manndecker galt als großes Talent, als er 1988 von der SpVgg Eltville nach Mainz kam, bekam auch seine 23 Einsätze in der zweiten Bundesliga, spielte ordentlich, aber hatte letztlich nicht die körperliche Konstitution für den Profifußball. Man hätte ihn als Entwicklungsspieler sehen und aufbauen müssen, aber die Zeit gab es nicht; vielleicht war Reiss mit seinen 25 Jahren auch schon zu alt. Nach einem Jahr wechselte Reiss zurück in den Amateurfußball zum SV Wehen.

Drei heutige Geburtstagskinder: Frank Reiss, Eugen Polanski und Karim Onisiwo.30 Jahre alt wird Eugen Polanski. Der gebürtige Pole, der bereits von seinem achten Lebensjahr an bei Borussia Mönchengladbach ausgebildet worden war, mit 22 schließlich nach Madrid zu Getafe CF gewechselt war, war ein Jahr später, 2009, einer der spektakulären Einkäufe des Aufsteigers Mainz 05; übertroffen höchstens von Andreas Ivanschitz und im Winter von Malik Fathi. Polanski war als erfahrener Erstligaprofi und U21-Nationalspieler eine große Nummer, hatte allerdings einen schwierigen Start: Wegen einer komplizierten Fußverletzung war er erst im November im physischen Zustand, um in der Bundesliga eine Rolle zu spielen, auch das Vertrauen in seine Stabilität musste Polanski erst wieder erlangen. Im Winter aber etablierte er sich schnell als Kämpfer, Balleroberer und Ballschlepper im defensiven Mittelfeld, als absoluter Mannschaftsspieler und als eine Führungsfigur. Lediglich im Torabschluss - der nicht seine Hauptaufgabe war - hatte Polanski deutliche Schwächen; das änderte sich erst nach seinem Wechsel nach Hoffenheim. Immerhin vier Tore schoss er für die 05er, drei davon waren Elfmeter.

Vielleicht war Polanski auch ein bisschen zu sensibel, ein bisschen zu sehr ein Zweifler. Daher verlor er 2012 nach und nach seinen lange unumstrittenen Stammplatz an den bereits 2011 verpflichteten und inzwischen in der Bundesliga angekommenen Julian Baumgartlinger. Im Winter verkauften die 05er den polnischen Nationalspieler zur TSG Hoffenheim; mit dem Nachfolger Niki Zimling wurden sie nie so ganz glücklich.

24 Jahre alt wird Karim Onisiwo. Der Sohn einer Nigerianerin und eines Wieners und Jugendfreund von David Alaba kam im Winter zu Mainz 05; erst am Vortag war sein Vertrag beim SV Mattersburg vom Wiener Arbeits- und Sozialgericht rückwirkend für ungültig erklärt worden. Der von Martin Schmidt als "schnell und trickreich" beschriebene flexible Angreifer musste nach seinem Wechsel erst auf die Freigabe warten, dann eine Zehenentzündung auskurieren. Am vergangenen Wochenende gab er in Dortmund sein Debüt in der deutschen Bundesliga; die österreichische kannte er ja schon.

Ergebnisse am 17. März:

1957: VfR Kaiserslautern - FSV Mainz 05 1:3  
1963: TuRa Ludwigshafen - FSV Mainz 05 1:1  
1968: FSV Mainz 05 - Ludwigshafener SC 4:0  
1974: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 2:1  
1985: FSV Mainz 05 - FC Ensdorf 3:1  
1991: FSV Mainz 05 - Rot-Weiss Essen 1:0  
2000: Hannover 96 - FSV Mainz 05 2:1  
2012: FC Augsburg - FSV Mainz 05 2:1  

18. März  

Am Freitag vor 76 Jahren wurde Albert Bangel geboren. Der Angreifer debütierte 1958 als 18-Jähriger in der Mainzer Oberligamannschaft, schoss binnen zwei Jahren in 19 Spielen vier Tore, setzte sich langfristig nicht durch.

Vor 75 Jahren kam Georg Tripp zur Welt. Der Rechtsaußen kam 1966 von den Offenbacher Kickers zu den 05ern, die zwei Jahre zuvor schon seinen jüngeren Bruder, den Mittelstürmer Karl-August, genannt "Charly", verpflichtet hatten; zuvor hatte der gebürtige Marburger "Schorsch" Tripp schon für den 1. FC Köln gespielt, allerdings nicht oft.

Während Charly, der Torjäger des Vorjahres, gerade verletzt war, kam der große Bruder herausragend in die erste Saison; nach drei Spieltagen hatte er schon drei Tore in seiner Bilanz, darunter zwei beim 3:2-Sieg im Topspiel gegen den 1. FC Saarbrücken. Nach fünf Treffern in neun Partien verletzte sich aber auch Schorsch, Charly war gerade erst zurückgekommen. Auf das Comeback seines Bruders musste er bis zum letzten Spieltag warten.

Drei morgige Geburtstagskinder: "Schorsch" Tripp, Jahmir Hyka und Stefanos Kapino1967/68 hatten die Tripps ihre größte gemeinsame Wirkung. Unter dem neuen Trainer, dem Ex-Nationalspieler und Ex-05-Stürmer Erich Bäumler, der jedoch kurz vor Saisonende unter merkwürdigen Umständen beurlaubt wurde, traf Charly zwar nur noch achtmal, Schorsch schoss dafür 18 Tore, jeweils drei beim 3:1 gegen den VfR Frankenthal (dazu kam ein verschossener Elfmeter), beim 4:0 gegen den Ludwigshafener SC und beim 5:1 beim SSV Mülheim. Es hätte zum Aufstieg in die Bundesliga reichen können - oder zumindest zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde -, erst am drittletzten Spieltag verloren die 05er durch ein unglückliches 0:1 gegen Völklingen den Anschluss an die Spitze.

Im folgenden Jahr war Charly nicht mehr da; der Mittelstürmer spielte nun für den VfL Osnabrück. Und Schorsch hatte wieder Verletzungsprobleme, verpasste ein Drittel der Saison, schoss nur fünf Tore. Schließlich wechselte der Rechtsaußen im November 1969 - die engen heutigen Transferperioden gab es noch nicht - nach elf Saisonspielen und nur zwei Toren auf Vermittlung des Frankreich-Kenners Heinz Bender zum FC Metz; bis 1977 spielte er noch im Nachbarland, zunächst für die Erstligisten Metz und CS Sedan dann für die unterklassigen Klubs aus Avignon, Angoulême, Laval sowie zum Abschluss für Racing Paris.

28 Jahre alt wird am Freitag Jahmir Hyka. Der Albaner kam 2008 als hochgepriesenes Talent nach Mainz. Der 20-jährige Dribbler war ohne Zweifel ein begnadeter Kicker, technisch extrem gut, extrem leichtfüßig, schnell - in der Theorie muss man solche Spieler holen, wenn man sie bekommen kann. In der Praxis stellte sich jedoch heraus, dass die Theorie nicht immer stimmt. Die Mentalität passte nicht; Hyka war ein total lieber Kerl, aber er arbeitete nicht genug, verließ sich zu sehr auf sein Talent, das Durchsetzungsvermögen fehlte. Ähnlich wie ein paar Jahre später Filip Djuricic, der "Cruijff des Balkan" hatte man Hyka vielleicht zu früh zu sehr gelobt. Zwei Jahre lang war er oft im Kader; die 05er sahen immer sein Potenzial, er war ein viel zu guter Kicker, um nicht wenigstens auf der Bank zu sitzen. Aber am Ende reichte es doch nur für fünf Zweit- und acht Erstligaspiele, keins über 90 Minuten, fast nur Einwechslungen, keine Torbeteiligung. Über zwei Zwischenstationen in Griechenland und Albanien landete Hyka 2011 beim FC Luzern in der Schweiz; dort setzte er sich doch noch durch. Ein bisschen nahm der Linksfuß den Weg Elkin Sotos vom linken Flügel ins defensive Mittelfeld, ein bisschen kann man die beiden vergleichen - der große Unterschied: Sotos Kriegermentalität, die der junge Hyka (noch?) nicht hatte.

Und Stefanos Kapino wird 22 Jahre alt. Der griechische Torwart kam vor knapp zwei Jahren nach Mainz, in einer Phase, in der noch unklar war, ob Loris Karius wirklich schon weit genug war, um einen Stammplatz in der Bundesliga zu haben. Christian Wetklo und Heinz Müller waren gerade aussortiert worden, Dario Kresic von Bayer Leverkusen abgeworben, die 05er hatten den Mut, mit drei extrem jungen Torhütern in die Saison zu gehen: Karius war 21 Jahre alt, Kapino 20, Robin Zentner als dritter Mann 19.

Der bemerkenswert selbstbewusste Grieche konnte nicht zeigen, was er wirklich drauf hatte, weil Karius tatsächlich schon weit genug war und sich durchsetzte. So bleiben als Eindrücke vom Herausforderer nur ein aberwitziges Dribbling gegen Hertha BSC nach der Roten Karte des Konkurrenten und während dessen kurzer Sperre eine Partie in Dortmund, bei der Kapino vier Tore kassierte, aber ansonsten ähnlich spektakulär hielt wie kürzlich Karius im gleichen Stadion.

Kapino blieb nur ein Jahr in Mainz. Die Nummer 3 in der griechischen Nationalmannschaft, vor dem Wechsel nach Mainz bereits Stammspieler beim Topklub Panathinaikos AO, sitzt seit Sommer beim Erzfeind Olympiakos Piräus auf der Bank, dürfte aber noch eine gute Karriere vor sich haben.

Ergebnisse am 18. März:

1928: FSV Mainz 05 - Ludwigshafener FG 01 4:5  
1934: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 2:1  
1951: FSV Mainz 05 - SpVgg Andernach 2:1  
1956: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 3:3  
1962: VfR Kaiserslautern - FSV Mainz 05 1:0  
1973: FSV Mainz 05 - SV Alsenborn 4:1  
1979: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 2:1  
1984: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 1:0  
1990: FSV Mainz 05 - VfL Hamm/Sieg 2:0  
2001: FSV Mainz 05 - VfL Osnabrück 2:0  
2002: FSV Mainz 05 - Waldhof Mannheim 3:0  
2006: Bayer Leverkusen - FSV Mainz 05 1:2  
2007: Werder Bremen - FSV Mainz 05 2:0  

19. März  

Mainz 05 anno 1954; hinten als zweiter von rechts steht Josef Meinhardt, der am Samstag vor 93 Jahren zur Welt kam."Seppel" Meinhardt kam am Samstag vor 93 Jahren zur Welt. Der Hechtsheimer war um 1950 herum einer der bedeutendsten 05-Spieler; in der alten Oberliga spielte niemand häufiger für Mainz 05; mit wahrscheinlich 221 Einsätzen (211 sind von 1948 bis 1956 nachgewiesen, seine Einsätze von 1946 bis 1948 nicht lückenlos dokumentiert) steht Meinhardt heute noch in der Top 20 der Mainzer Rekordspieler, zwischen Jürgen Kramny (230) und Steffen Herzberger und Manfred Petz (jeweils 213).

Meistens spielte der Schlosser irgendwo vorne rechts, häufiger als Außenstürmer als im offensiven Mittelfeld. Wenn er auch nie ein ganz großer Knipser wrude, war Meinhardt immer torgefährlich, 1954/55 gar gleichauf mit Karl-Heinz Wettig der erfolgreichste Mainzer Torjäger - was aber weniger an überragenden eigenen Zahlen lag, mehr an der Schwäche der Mitspieler, die Meinhardts acht Treffer in 30 Spielen nicht überboten. Neben den insgesamt 47 Toren, die er in zehn Jahren als 05er schoss, bereitete Meinhardt auch etliche Treffer vor.

1956 verließ der inzwischen, im Alter von 32 Jahren, doch nicht mehr vollendet spritzige und daher endgültig ins Mittelfeld zurückgezogene Hechtsheimer die 05er im Streit: Ebenso wie die 05-Legende Wettig wurde er nach einem nicht näher benannten Eklat in einer Spielersitzung kurz vor Saisonende suspendiert. Nach einer Saison bei der SpVgg Andernach beendete Meinhardt 1957 seine Oberligakarriere.

Am Samstag vor fünf Jahren schließlich gab es einen fürchterlichen Streit zwischen den 05ern und Jürgen Klopp. Der Trainer von Borussia Dortmund ärgerte sich über das Mainzer Ausgleichstor in Dortmund; der Ex-05er Mohamed Zidan war liegengeblieben, die Mainzer hatten weitergespielt, Petar Sliskovic das Tor geschossen, worauf Klopp zur 05-Bank stürmte und sich furchtbar aufregte - aber im weiteren Verlauf des Abends war schnell alles wieder gut.

Weitere Ergebnisse am 19. März:

1933: FSV Mainz 05 - Karlsruher FV 5:0  
1950: FSV Mainz 05 - 1. FSV Trier-Kürenz 4:2  
1967: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 2:1  
1972: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 0:1  
1978: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 1:2  
1989: FSV Mainz 05 - FC 08 Homburg/Saar 0:0  
1994: TSV München 1860 - FSV Mainz 05 0:2  
1995: SV Meppen - FSV Mainz 05 3:0  

20. März  

Am Sonntag vor 95 Jahren wurde Georg Grab geboren. Der Linksaußen spielte von 1947 bis 1949 für die 05er und schoss in zwanzig Spielen sechs Tore.

89 Jahre zurück liegt der größte sportliche Erfolg der 05-Vorkriegsgeschichte - ein Unentschieden, das noch nach Jahrzehnten immer wieder erwähnt wurde, so im Nachruf auf Abwehrchef Kurt Diemer, den sein damaliger Mitspieler Toni Brandel 1953 nach dessen Tod verfasste. "...gleichviel, ob er dabei über das Ziel hinaussschoss und einmal Hans Lautner, das andere Mal Willi Koch zusammenstauchte, als letzterer in dem sensationellen 3:3 gegen den Nürnberger "Club" 1927 den Elfmeter verschuldete, und somit den sicheren Sieg verscherzte", schrieb Brandel ein gutes Vierteljahrhundert nach dem Spiel. "Mainz war damals schon viel zu klein ob der drei Tore gegen Heiner Stuhlfauth - in zehn Minuten. Es hätte kopfgestanden, wie zur schlimmsten Fastnachtszeit nicht!"

3:3 gegen den "Club", den großen 1. FC Nürnberg, zur Halbzeit sogar eine 3:1-Führung. Natürlich schnell ein bisschen verklärt; so hatte Brandel mit dem "sicheren Sieg" nicht ganz Recht, denn der Elfmeter bedeutete nicht den Ausgleich, sondern das 1:0 für Nürnberg. Auch hatte der erste Niedergang des damals erst viermaligen Deutschen Meisters schon begonnen. Mit Hochkarätern wie Heiner Stuhlfauth, Hans Kalb und "Bumbes" Schmidt galten die Franken wenige Jahre vorher noch als beste Mannschaft Kontinentaleuropas. Als sie am 20. März 1927 in der Süddeutschen Endrunde am mit 12.000 Zuschauern ausverkauften Fort Bingen auftraten, waren die Weltklassespieler noch dabei, aber bereits über ihren Zenit hinaus.

Willi Freitag hatte bereits im Hinspiel (1:0 für den "Club") den gefürchteten Spielmacher Kalb gut im Griff. Im Rückspiel verwandelte dieser zwar einen Elfmeter zur nie bezweifelten Nürnberger Führung - Willi Koch hatte einen Schuss mit der Hand abgewehrt. Aber in den zehn Minuten vor der Halbzeit nutzten die 05er eine Überzahl - nach einem Zusammenprall musste ein Nürnberger lange behandelt werden -, um das Spiel zu drehen: Der große Torwart Stuhlfauth war gegen Georg Kaisers Schuss ins kurze Eck zum 1:1 machtlos, ebenso gegen den Abschluss des Linksaußen zum 3:1 direkt vor der Pause. Nur der Freistoß von Paul Lipponer zum 2:1 war nicht ganz unhaltbar. In der zweiten Hälfte glichen die Nürnberger schnell aus, mussten sich aber am Ende mit einem 3:3 abfinden.

So sieht man aus, wenn man ein Jahrhunderttor geschossen hat. So wie Fabian Gerber in der 20. Sekunde des Jubiläumsspiels gegen Schalke. Foto: imagoAuf den Tag genau 78 Jahre später war das Mainzer Stadion erneut ausverkauft, diesmal mit 20.300 Zuschauern, und wieder gegen einen Altmeister, nicht den Lokalrivalen, aber doch einen großen Konkurrenten der einstmals großen Nürnberger, mit dem er inzwischen eng befreundet war: Der FC Schalke 04 kam inmitten der Feierlichkeiten zum 100. Jubiläum zum Bundesligaspiel nach Mainz. Eine Woche zuvor hatten die Schalker die Tabellenführung erlangt, einen Tag vor dem Spiel hatte ihr Manager Rudi Assauer den Ablösestreit um den Ex-Mainzer Mimoun Azaouagh eskalieren lassen; die 05er waren daher gleichsam euphorisch und aggressiv. "Wir sind rausgekommen ins Stadion, da war diese Choreographie auf den Rängen, dazu diese sensationelle Stimmung", schwärmte damals der Mittelfeldspieler Fabian Gerber, "das war Gänsehaut, das war wie im Traum. Wir waren eh schon motiviert bis in die Haarspitzen, und dann das noch. Unglaublich."

Die nächsten Sekunden erlebte Gerber wie in Trance: Anstoß. Ball nach links raus. Ballverlust. Einwurf Schalke. Ballgewinn. Michael Thurk rannte. Flanke. Kopfballverlängerung Niclas Weiland. Am langen Pfosten stand Gerber frei. Und noch bevor sich der Rauch des Jubiläumsfeuerwerks aus dem Stadion verzogen hatte, noch bevor die Choreo abgebaut war, noch bevor einige Zuschauer freien Blick aufs Spiel hatten, stand es 1:0. Gerber drehte ab, ein Jubellauf begleitet von einem akustischen Orkan, vom Jubiläumsroar zum Jubiläumstor. 20 Sekunden waren erst gespielt. Und einige Zuschauer konnten das Tor nicht mal sehen, weil die Jubiläumschoreographie so schnell gar nicht abgebaut werden konnte.

Weitere Ergebnisse am 20. März:

1932: Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 2:1  
1949: VfL 07 Neustadt/Weinstraße - FSV Mainz 05 2:4  
1955: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:0  
1966: FSV Mainz 05 - TSC Zweibrücken 4:0  
1976: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 2:1  
1983: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 0:0  
1988: FSV Mainz 05 - SC Birkenfeld 1:2  
1993: FSV Mainz 05 - SC Freiburg 0:2  
1998: FSV Mainz 05 - Fortuna Köln 2:2  

 

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