Das 05-Kalenderblatt: 17. bis 20. Dezember

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der zweiten Hälfte dieser Woche geht es um einen Lattenschuss und einen Panenka-Elfer, einen Ersatzschiedsrichter, einen Trainerfuchs und einen Rechtsaußen, mit dem die 05er mehr Geduld hätten haben können.

17. Dezember  

Marcel Risse wird heute 26 Jahre alt.

Heute wird Marcel Risse 26 Jahre alt. Der gebürtige Kölner - der bis dahin nie beim FC gespielt hatte - war von 2010 bis 2013 ein guter Rechtsaußen bei den 05ern, der ohne seine lange Verletzungspause sicher schon in Mainz ein sehr guter Bundesligaspieler gewesen wäre. 2013 wechselte Risse schließlich zum 1. FC Köln, wo er inzwischen zum Rechtsaußen umgeschult wurde. Risse war in Mainz ein Außenstürmer ohne große Tricks, aber mit der erstaunlichen Fähigkeit, wirklich mit dem Kopf durch die Wand zu kommen. Risse verlor oft im Zweikampf seinen Ball und holte ihn sich sofort wieder. Mit seinen Sprints die Linie entlang war Risse vor allem in der beginnenden Saison 2011/12 ein wertvoller Mann; in zehn Spielen schoss er ein Tor und bereitete eins vor. Dann kam die schwere Verletzung; erst in der folgenden Saison kam Risse zurück, fast nur noch als Joker hinter Nicolai Müller. Die 05er hätten vielleicht etwas mehr Geduld mit Risse haben können; die folgende Karriere mit dem FC hätte er in Mainz wohl auch geschafft.

Weitere Ergebnisse am 17. Dezember:

1933: Alemannia-Olympia Worms - FSV Mainz 05 4:1  
1950: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 5:0  
1961: FSV Mainz 05 - Phönix Ludwigshafen 1:1  
1989: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern (A) 5:2  
2003: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 1:0  
2005: FSV Mainz 05 - MSV Duisburg 1:1  

18. Dezember  

Am Freitag wird Horst Schmitt 73 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler aus dem 05-Nachwuchs absolvierte sein einziges Ligaspiel mit der ersten Mannschaft am 4. Februar 1962 beim nicht nur in der Höhe unerwarteten 5:1 gegen TuS Neuendorf.

Weitere Ergebnisse am 18. Dezember:

1927: TG Höchst - FSV Mainz 05 1:5  
1949: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 1:1  
1960: Spfr. Saarbrücken - FSV Mainz 05 6:0  
1966: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 3:1  
1998: FSV Mainz 05 - SG Wattenscheid 09 2:0  
1999: Waldhof Mannheim - FSV Mainz 05 2:1  
2009: FC Schalke 04 - FSV Mainz 05 1:0  
2010: FC St. Pauli - FSV Mainz 05 2:4  
2011: Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 05 1:0  
2012: FC Schalke 04 - FSV Mainz 05 1:2 (DFB-Pokal)

19. Dezember  

Der legendäre Südwest-Trainer Robert Jung hat am Samstag Geburtstag.Ein legendärer Trainer hat am Samstag Geburtstag: Robert Jung wird 71 Jahre alt. Der gebürtige Kaiserslauterer war als aktiver Spieler ein knallharter Manndecker, allerdings nicht beim FCK, bei dem er nur in der Jugend spielte, sondern zunächst beim VfR auf dem Erbsenberg, vor allem aber beim FK Pirmasens, für den er in zehn Jahren genau 250 Mal in der Regionalliga und 2. Bundesliga spielte.

Drei Jahrzehnte lang war Jung nebenberuflich Amateur-, aber auch Profitrainer. In Pirmasens unterrichtete er Mathematik und Sport, dann ging's auf die Autobahn und zum Training. Fünfmal stieg Jung auf; den FSV Salmrohr (1986), die Offenbacher Kickers (1987) und Mainz 05 (1990) brachte er in die 2. Bundesliga, den FK Pirmasens 1997 in die Ober- und 2006 in die Regionalliga. Vor allem sein Durchmarsch mit den 05ern wurde legendär; Jung sprach in dieser Saison mit 62-6 Punkten und 93-20 Toren gern von seinem Husarenritt. Taktisch waren die 05er in jenem Jahr der restlichen Liga haushoch überlegen.

Nennt man ihn einen Defensivtrainer, wird Jung böse. Tatsächlich war eine stabile Defensive zwar immer Grundlage seines Fußballs, aber immer nur zum Zwecke des Ballgewinns - heute würde man das "Pressing" und "Umschaltspiel" nennen: das gegnerische Spiel zerstören und dann mit dem Ball etwas machen. Kein reines Konterspiel aufziehen, sondern mit dem Ball konstruktiv spielen. Das konnten die 05er richtig gut, daher stiegen sie nicht nur auf, sondern blieben sofort als bester Neuling in der Liga, etablierten sich.

Allerdings bald ohne Jung, der die 05er 1992 nach dreieinhalb Jahren verließ. Bei Rot-Weiß Frankfurt - wo er als 05-Trainer Jürgen Klopp entdeckt hatte - funktionierte sein den Mannschaftsgeist und die Atmosphäre fördernder Stil nicht gut. Aber noch 2006 warf Jung mit dem FK Pirmasens Werder Bremen aus dem DFB-Pokal.

Ernst-Ludwig Karsch wird am Samstag 59 Jahre alt.59 Jahre alt wird am Samstag Ernst-Ludwig Karsch. Der offensivstarke Rechtsverteidiger war in den 1980ern durchaus eine Nummer im Südwesten als giftiges Zweikampfmonster; gegen ihn zu spielen machte keinen Spaß. In seiner langen Karriere bei Eintracht Bad Kreuznach (1975-81) und Hassia Bingen (1981-87) lebte Karsch vor allem von seiner Laufstärke und Robustheit. 1987/88 spielte der Routinier bei den 05ern, wurde aber eigentlich gar nicht gebraucht und nur zweimal in der Oberliga eingewechselt - sowie dreimal in der Zweitliga-Aufstiegsrunde eingesetzt.

Am Samstag vor 14 Jahren wäre am Bruchweg beinahe ein Zweitligaspiel abgebrochen worden. Den Vierten Offiziellen gab es damals nicht und als Christof Babatz nach einer Viertelstunde beim Stand von 0:0 gegen Alemannia Aachen den Schiedsrichter Kai Voss umschoss, musste Stadionsprecher Klaus Hafner die Frage durchsagen: "Ist zufällig ein Schiedsrichter anwesend?" Denn Voss wurde vom Mainzer Mannschaftsarzt Klaus Gerlach aus dem Verkehr gezogen. Die Frage nach dem Spielstand hatte er mit "1:0, Tor von Sandro Schwarz" beantwortet - Diagnose: Schwere Gehirnerschütterung. Ein Schiedsrichter aus dem Amateurfußball ließ sich schließlich auftreiben, der an der Seitenlinie die Fahne von Holger Grabanowski übernahm, der wiederum anstelle von Voss das Spiel als Schiedsrichter fortsetzte. Die 75 Minuten als Ersatz-Schiri blieben der einzige Zweitliga-Einsatz an der Pfeife für den niedersächsischen Linienrichter, der gut 16 Monate später tödlich verunglückte.

Weitere Ergebnisse am 19. Dezember:

1926: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 5:1  
1965: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 2:1  
1971: FSV Mainz 05 - Gummi Mayer Landau 1:1  
1982: FSV Mainz 05 - FC Ensdorf 4:0  
2014: FSV Mainz 05 - Bayern München 1:2  

20. Dezember  

Frank Kinkel wird am Sonntag 42 Jahre alt.Am Sonntag wird Frank Kinkel 42 Jahre alt. Der Linksverteidiger, der 2000 mit einer gewissen Bundesliga-Erfahrung vom SSV Ulm 1846 zu den 05ern wechselte, war ein physisch präsenter Linksfuß, aber technisch hat es nicht gereicht. Kinkel spielte nur acht Mal für die 05er und schloss sich dann dem SV Babelsberg 03 an.

Genau zehn Jahre ist es am Sonntag her, dass Ferydoon Zandi einen Elfmeter an die Latte schoss und einen mächtigen Sturm im Wasserglas entfachte. Dienstag Abend war's auf dem Betzenberg, mit 1:1 und Mainzer Überzahl war das DFB-Pokal-Achtelfinale zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem FSV Mainz 05 ins Elfmeterschießen gegangen. Und das hatte für die Mainzer gar nicht gut angefangen: Stefan Blank und Ingo Hertzsch hatten für den FCK getroffen, Christof Babatz über das Tor geschossen, FCK-Torwart Jürgen Macho den Schuss von Christian Demirtas gehalten. Zandi hätte die 05er mit dem fünften Elfmeter in extremsten Zugzwang bringen können und verpatzte es: Sein Versuch prallte von der Latte auf die Torlinie und sprang nach vorne weg - jedenfalls sahen es so die Schiedsrichter. Auch die genauesten Zeitlupen, Standbilder und Perspektiven lösten nicht zweifelsfrei auf, ob diese auf Tor hätten entscheiden können und selbstverständlich interpretierten die Klubs unterschiedliche Tendenzen hinein. Denn Toni da Silva verkürzte auf 2:1, Dimo Wache hielt gegen Halil Altintop, Fabian Gerber glich aus, Marco Engelhardt und Mohamed Zidan trafen zum 3:3, Daniel Halfar verfehlte das Tor. Und Petr Ruman brachte die 05er mit einem eleganten Heber ins Viertelfinale.

Zandi schießt, Wache fliegt, das Tor wackelt, die Schiedsrichter sagen: Kein Treffer. Foto: imagoDie Pfalz tobte. Der offizielle Einspruch des FCK wurde in zwei Instanzen zweimal abgewiesen; selbst wenn ihm der Nachweis gelungen wäre, dass der Ball hinter der Linie gewesen sei, wäre die Tatsachenentscheidung nicht gekippt worden. Die Grundsatzdiskussion dagegen wurden die 05er lange nicht los. Der FCK legte die Schattenseite der Fairplay-Wertung offen, die die 05er ein halbes Jahr zuvor in den Europapokal gebracht hatte. Um der Auszeichnung gerecht zu werden, argumentierten die Pfälzer, hätten die 05er von sich aus ein Wiederholungsspiel anbieten müssen. Letztlich mussten sie sich aber damit abfinden, binnen weniger Monate zwei Heimspiele gegen den Nachbarn aus der Landeshauptstadt verloren zu haben. Der ganze Quatsch wäre allen natürlich erspart geblieben, hätte Zandi den Elfmeter einfach ins Tor geschossen.

Weitere Ergebnisse am 20. Dezember:

1931: FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt 1:4  
1936: TuRa Kastel - FSV Mainz 05 3:1  
1964: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 3:1  
1970: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:1  
1981: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 0:0  
1987: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 0:0  

 

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