Das 05-Kalenderblatt: 16. bis 18. Mai

Christian Karn. Mainz.
Auch in dieser Woche hat die nullfünfMixedZone wieder tief in die Vereinschronik gegriffen, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was in der Vergangenheit so alles beim FSV Mainz 05 passiert ist. Der Jahreszeit entsprechend geht es diesmal vor allem um gewonnene und verlorene Aufstiegsfinal- und Halbfinalspiele, außerdem um ein tragisches Talent, einen katzenschnellen Verteidiger und die Nummer 5 der 05er - wer weiß, wer das ist?

16. Mai  

Ludwig Scherhag, der erste Mainzer Torschütze des Monats, wird heute 63 Jahre alt...Ludwig Scherhag wird heute 63 Jahre alt. Der gebürtige Koblenzer kam 1980 als Star der TuS Neuendorf zu den 05ern. Auf der linken Offensivseite schoss Scherhag in seiner ersten Saison neun Oberligatore, in der zweiten war er mit 15 Treffern zweitbester Mainzer Angreifer und trotz einer Schienbeinverletzung der überragende Spieler beim 3:0 gegen die Amateure Werder Bremens im Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft. Scherhag bereitete Charly Mähns 2:0 vor und schoss selbst das dritte Tor. Im dritten Jahr wurde der Offensivmann mit einem harten Schuss von linksaußen beim 1:2 gegen den FSV Salmrohr (Karl-Heinz Halter bereitete ein Tor vor und schoss eins) erster Mainzer Torschütze des Monats. Nach vier Jahren, 111 Oberligaspielen und 35 Toren wechselte einer der wichtigsten 05-Spieler in den frühen 1980ern zurück in seine Heimatstadt.

...das an vielen Verletzungen gescheiterte Ex-Toptalent Marius Niculae 35 Jahre.Eine der tragischeren Nebenfiguren des Weltfußballs wird 35 Jahre alt. Der rumänische Stürmer Marius Niculae galt als junger Profi als eins der größten europäischen Talente. Mit 15 Jahren debütierte er beim Spitzenklub Dinamo Bukarest. Als er mit 20 Jahren zu Sporting Lissabon wechselte, hatte er bereits 44 Tore in 100 Ligaspielen geschossen. In Portugal schoss Niculae beim Debüt das Siegtor gegen den Erzrivalen FC Porto, verletzte sich aber nach einem halben Jahr erstmals schwer. Wegen weiterer Verletzungen fehlte der Stürmer immer wieder monatelang. In der Rückrunde 2006/07 sollte Niculae den 05ern im Abstiegskampf helfen, war aber in nur sechs Einsätzen an keinem Tor beteiligt. Die weitere Karriere des Angreifers führte ihn nach Schottland, Griechenland, China, die Ukraine, die Türkei und immer mal wieder zu Dinamo Bukarest, aber nicht mehr zu den großen Vereinen, für die er ohne die Verletzungen wohl das Talent gehabt hätte.

Ergebnisse am 16. Mai:

1965: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 3:3  
1982: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 0:2  
1985: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 1:0  
1986: FK 03 Pirmasens - FSV Mainz 05 2:0  
1999: FSV Mainz 05 - Fortuna Köln 1:1  
2004: Jahn Regensburg - FSV Mainz 05 0:0  
2015: FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 2:0
 

17. Mai  

Der 17. Mai wäre der 123. Geburtstag des großen Kurt Diemer.Eine der frühen großen 05-Legenden, der Verteidiger Kurt Diemer, würde am Dienstag 123 Jahre alt werden. Der in vier A-Länderspielen eingesetzte Ex-Nationalspieler war einer der Spieler, die der Mainzer Fußballpionier Hugo Ries 1919 aus Berlin in die Heimat mitbrachte. Neun Jahre lang war der als "eleganter, trotzdem wuchtiger, katzenschneller und dabei überlegener Verteidiger mit eisernem Willen", aber auch als ein Mensch, "der das Leben nie so recht meistern konnte und doch immer so etwas von einem Grandseigneur an sich hatte" charakterisierte Diemer der unumstrittene Abwehrchef der 05er und eins der großen Mainzer Fußballidole der 1920er. Nach dem 2. Weltkrieg verschlug es Kurt Diemer nach Marburg, wo er schon 1953 im Alter von 60 Jahren verstarb.

Mainzer Aufstiegsjubel mit Milorad Pekovic, dem größten Fan der eigenen Mannschaft, und Torjäger Aristide Bancé. Foto: imagoErst 76 Jahre alt wird Günther Diederich, ein offensiver Mittelfeldspieler, der beim 1:4 in Neunkirchen am 8. März 1959 sein einziges Ligaspiel für die 05er bestritt.

Sieben Jahre liegt schließlich eins der wichtigsten Spiele des FSV Mainz 05 in seiner jüngeren Vergangenheit zurück: Als Tabellenzweiter der 2. Bundesliga fuhren die 05er am 17. Mai 2009 in ein Stadion, in dem sie nicht gern spielten - an den Fürther Ronhof, wo sie noch nie gewonnen und erst einmal einen Punkt geholt hatten. Es ging für beide Klubs um den Aufstieg. Und die 05er gewannen das Spitzenspiel durch Markus Feulners Tor nach einer Stunde und Elkin Sotos 2:0 in der vorletzten Minute 2:0 - der Aufstieg war damit immer noch nicht sicher, aber im Heimspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen einen Drei-Punkte-Vorsprung auf den Relegationsplatz herzugeben, das schien undenkbar. Tatsächlich machten die 05er erst durch das 4:0 gegen RWO die Rückkehr in die Bundesliga klar, aber das Schlüsselspiel war der erste Sieg in Fürth.

Weitere Ergebnisse am 17. Mai:

1981: FSV Mainz 05 - SpVgg Elversberg 3:0  
1987: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern (A) 5:0  
1992: SV Darmstadt 98 - FSV Mainz 05 2:1  
 

18. Mai  

Am Mittwoch wird Dieter Ingendae 57 Jahre alt. Der Torwart, der als junger Profi drei Bundesligaspiele für Bayer Uerdingen absolviert hatte, sollte 1986 Nachfolger des Jugoslawen Slobodan Sujica werden, der die 05er hatte verlassen müssen, weil sein Visum nicht verlängert worden war. Ingendae überzeugte die 05er aber nicht restlos, so dass sie sich 1987 wieder nach einem neuen Torwart umsahen und schließlich von Wormatia Worms den besten Keeper der Oberliga Südwest verpflichten konnten: Stephan Kuhnert. 

Ermin Melunovic war nur bei anderen Klubs ein Torjäger.43 Jahre alt wird Ermin Melunovic. Der jugoslawische Stürmer war bei Eintracht Trier eine Legende, als er zur Rückrunde 1999/00 zu den 05ern wechselte. Beim Debüt schoss er bereits sein erstes Tor - die 05-Fans hatten den sportlich starken, aber mental angreifbaren Offenbacher Torwart Goran Curko mal wieder derart verunsichert, dass er bei einem Rückpass ein kapitales Luftloch schlug und Melunovic den Ball nur noch ins leere Tor schubsen musste. Weil im weiteren Verlauf der Saison nicht mehr viel passierte, liehen die 05er den Angreifer immer wieder aus; als Leihspieler des 1. FC Schweinfurt 05 schoss er 2001/02 14 Saisontore in der 2. Bundesliga. Später spielte Melunovic noch einmal für die 05er, außerdem für Jahn Regensburg, den SV Wehen, Fortuna Düsseldorf, Viktoria Aschaffenburg, noch einmal Eintracht Trier, Waldhof Mannheim und Darmstadt 98.

An Melunovics siebten Geburtstag, vor 36 Jahren also, spielten die 05er in der Oberliga Südwest gegen die SG Ellingen-Bonefeld. Sigi Iser (3), Willi Reichert und Franz-Peter März (je 2), Herward Koppenhöfer, Manfred Nimführ und Rainer Krönung schossen die Tore zum 10:0 - es war der höchste Sieg der 05er in einem Ligaspiel.

Drei Jahre später kam am 18. Mai Dennis Weiland zur Welt - allerdings nicht der linke Mittelfeldspieler, der mit den 05ern in die Bundesliga aufstieg, sondern der gleichnamige Amateurspieler aus Hessen, der 2005/06 drei Oberligaspiele für die zweite 05-Mannschaft absolvierte.

Beim Wintertraining in Marbella zeigte Henrique Sereno, dass er grundsätzlich eine Verstärkung sein könnte, in der Liga spielte er aber auch anschließend nicht für Mainz 05. Foto: imago31 Jahre alt wird am Mittwoch Henrique Sereno. Der portugiesische Verteidiger, der einst als Reservist des FC Porto mehr oder weniger die Europa League gewonnen und 2011/12 für den 1. FC Köln in der Bundesliga gespielt hatte, kam im vergangenen Sommer aus der Türkei zu den 05ern, die nach dem Abgang von Nikolce Noveski noch einen erfahrenen Verteidiger wollten. Eine Rolle spielte der zweimalige portugiesische A-Nationalspieler nicht; nicht nur wegen diverser Verletzungen schaffte er es nur dreimal auf die Bank.

Und 25 Jahre alt wird Steven Lewerenz. Der Rechtsaußen aus Hamburg war 2013/14 mit sieben Toren und 16 Vorlagen eine Schlüsselfigur für den Aufstieg der Mainzer U23 in die 3. Liga. Über die Würzburger Kickers wechselte Lewerenz inzwischen zu Holstein Kiel.

Vor 13 Jahren, am 18. Mai 2003, fiel eines der legendärsten 05-Tore. Das war der berühmte Sololauf von Tamás Bódog: Niclas Weiland hatte den Innenverteidiger an der Mittellinie in die bis auf Bódog und den Torwart leere Lübecker Hälfte geschickt. Der Weg war frei für den Ungarn, aber gefühlte Kilometer weit. Während Bódog, der Athlet, mit mächtigen Schritten aufs Tor zustapfte und schließlich traf, blieb Andrey Voronin, der Torjäger - so will es zumindest die Legende und wer sind wir, dass wir an dieser Stelle widersprechen würden? - auf Höhe der Trainerbank stehen und lachte sich kaputt. So etwas hatte er noch nie erlebt. Bódog hatte eine Viertelstunde eher bereits ein vergleichsweise konservatives Kopfballtor erzielt und war beim 5:1 gegen Lübeck, mit dem sich die 05er eine gute Ausgangsposition vor dem Aufstiegs-Endspiel verschafften, ein entscheidender Spieler.

Die 05er stiegen aber nicht auf, ebensowenig wie fünf Jahre später trotz des 5:1 gegen den FC St. Pauli am letzten Spieltag. Zwar ließen das überragende Sturmduo Félix Borja (2 Tore)/Srdjan Baljak (3 Tore) den Hamburgern keine Chance, aber die Schützenhilfe der SpVgg Greuther Fürth gegen die TSG Hoffenheim blieb aus, die 05er wurden nur Vierter der 2. Liga - das bedeutete den Abschied von Jürgen Klopp, dem Ex-Stürmer, Ex-Verteidiger, Trainer und Volksheld, nach 18 Jahren.

Weitere Ergebnisse am 18. Mai:

1936: FV Biebrich 02 - FSV Mainz 05 1:0  
1970: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 6:2
1991: SV Waldhof Mannheim - FSV Mainz 05 1:2  
1997: FSV Mainz 05 - Stuttgarter Kickers 1:0  
2000: FSV Mainz 05 - Tennis Borussia Berlin 2:1  
2013: VfB Stuttgart - FSV Mainz 05 2:2 
 

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