Das 05-Kalenderblatt: 15. bis 18. September

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Nicht alles war erfreulich: Ein ehemaliger Mannschaftskapitän und ein eigentlich gar nicht so schlechter Stürmer und Trainer sind gestorben. Andererseits haben zwei große Talente und ein erfahrener Mann Geburtstag. Yunus Malli schoss einen Hattrick - und dann war da noch dieses 8:2 gegen den FCK...

15. September  

Dirk Scherrer wird heute 52 Jahre alt. Scherrer kam 1984 als 18-Jähriger aus der 05-Jugend in die erste Mannschaft und setzte sich sofort als Libero durch. Lediglich am ersten Spieltag verpasste der talentierte Verteidiger die letzte halbe Stunde; in der besten Abwehr jener Oberligasaison war er als Nachfolger von Jürgen Menger, der zum Zweitligisten SC Freiburg gewechselt war, sofort ein Leistungsträger. Der ehemalige 05-Torwart Horst-Dieter Strich, der die Mainzer als Trainer übernommen hatte, hatte Scherrer in ein innovatives Abwehrsystem integriert; der giftige Libero spielte nicht hinter den Manndeckern, sondern stellte auf einer Höhe mit diesen eine hohe Abseitsfalle, was zu nur 29 Gegentoren in 34 Spielen führte und nach zwei achten Plätzen zur Vizemeisterschaft hinter Eintracht Trier. Im zweiten Jahr ließ Scherrer etwas nach. Neuzugang Michael Müller, als Manndecker gestartet, und später der bisherige Linksverteidiger Bernd Münch verdrängten ihn von der Liberoposition, worauf Scherrer 1986 zum SV Wiesbaden wechselte.

49 Jahre alt wird Claus Junginger. Der Verteidiger spielte in deren späten Verbands- und frühen Oberligazeit, also um 2000 herum, bei den Amateuren des FSV Mainz 05. Nach seiner Karriere wurde Junginger Nachwuchsfußball-Funktionär beim DFB. 

Michael Osei wird 46 Jahre alt. Der Ghanaer wurde 1996/97 in fünf Mainzer Zweitligaspielen eingewechselt, schoss beim Debüt das Siegtor gegen den VfB Leipzig, setzte sich aber nicht durch.

Ergebnisse am 15. September  

1929: FSV Mainz 05 - VfL Neu-Isenburg 5:2  
1935: FSV Mainz 05 - SV Weisenau 6:1  
1957: FSV Mainz 05 - SV St. Ingbert 5:1  
1963: FSV Mainz 05 - SV Weisenau 4:1  
1968: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 0:0  
1974: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 3:0  
1982: FSV Mainz 05 - FC St. Wendel 2:2  
1985: SpVgg Elversberg - FSV Mainz 05 0:0  
1990: Eintracht Braunschweig - FSV Mainz 05 5:1  
1991: Waldhof Mannheim - FSV Mainz 05 1:1  
2002: FSV Mainz 05 - SSV Reutlingen 05 1:3  
2005: Sevilla FC - FSV Mainz 05 0:0 (UEFA-Pokal)
2012: Bayern München - FSV Mainz 05 3:1  
2016: FSV Mainz 05 - AS Saint-Étienne (Europa League) 1:1
 

16. September  

Radoslav Zabavnik, der direkt hinter Adam Szalai über dessen soeben entstehendes erstes Bundesligator staunt, wird am Samstag 37 Jahre alt. Foto: imago1933 kamen die Nazis in Deutschland an die Macht und krempelten alles um, auch den Sport. Im Spätsommer begann die erste Saison der Gauliga, die die Zahl der deutschen Erstligisten von rund 500 auf 177 Vereine in 16 Staffeln reduzierte. Die 05er verloren ihr erstes Spiel gegen den späteren Meister ihrer Staffel, die Offenbacher Kickers, 0:2. Im zweiten Spiel, am Samstag vor 84 Jahren, überraschten sie die Liga und sich selbst: Die 05er gewannen 8:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Herbert Burkhardt (3x), Jakob Schneider (2x), Karl Scherm und Karl Posselmann (2x) trafen gegen den späteren Rivalen der Mainzer. Der wiederum gewann das Rückspiel gegen die 05er mit 7:1, unter anderem durch fünf Tore des Stürmers Peter Zängry, der im Hinspiel gefehlt hatte.

Radoslav Zabavnik wird am Samstag 37 Jahre alt. Der Slowake verteidigte von Winter 2009/10 bis Sommer 2013 häufiger auf der rechten als auf der linken Seite das Mainzer Tor. Zabavnik war bereits ein in verschiedenen osteuropäischen Ligen erfahrener Mann, als er am gleichen Tag wie Malik Fathi nach Mainz kam. In fünf aufeinanderfolgenden Jahren hatte der Nationalspieler vier Landesmeisterschaften gewonnen: 2003 und 2004 in der Slowakei mit dem MSK Zilina, 2005 in Bulgarien mit ZSKA Sofia, 2007 in Tschechien mit Sparta Prag. In Mainz verdrängte er Florian Heller aus der Startelf. Als eiserner Kämpfer war der Slowake ein durchaus populärer Spieler bei den 05ern, allerdings nicht immer auch ein Stammspieler. In der Hinrunde 2011/12 saß er gar nur einmal auf der Bank; in der Rückrunde war er auf einmal anstelle von Fathi links hinten gesetzt. Nach einer sehr wechselhaften Saison 2012/13 verließ der WM-Teilnehmer von 2010 die 05er zum SV Sandhausen, für den er auch wegen Verletzungen kein einziges Spiel machte.

Der Kapitän Günter Dutiné vor dem legendären Pokalspiel gegen Nürnberg im Februar 1965.Am 16. September 2015 schließlich verlor die große Mainzer Pokalmannschaft von 1965 einen ihrer wichtigsten Spieler: Günter Dutiné, Mannschaftskapitän der 05er von 1965 bis 1967, verstarb im Alter von 78 Jahren.

Der Mittelfeldspieler aus Urberach kam 1963 von Viktoria Aschaffenburg an den Bruchweg und hatte schon im ersten Jahr großen Anteil daran, dass die 05er, zuvor nur Zwölfter im Südwesten, in der neuen Regionalliga sofort den vierten Platz erreichten. Der laufstarke und offensiv denkende Techniker brachte eine nie dagewesene Torgefahr ins rechte Mittelfeld der Mainzer. Auch dank seines guten Kopfballspiels traf Dutiné in 106 Pflichtspielen für die 05er 32 Mal, darunter einmal in der Pokalrunde 1964/65 im Heimspiel gegen den TSV München 1860. Im folgenden Viertelfinalspiel gegen Nürnberg wurde Dutiné einer von nur elf 05ern, die in den 106 Jahren vor der Eröffnung der Coface Arena ein Heimspiel vor weit mehr als 20.000 Zuschauern bestritten.

Drei Jahre lang war der Mittelfeldspieler ein wichtiger Leistungsträger der 05er, erst 1966/67 wurde er von Horst Klinkhammer nach und nach abgelöst und beendete als 30-Jähriger seine Profikarriere. Im Raum Urberach war Dutiné noch lange Trainer mehrerer Vereine im Amateurfußball.

Weitere Ergebnisse am 16. September  

1934: FSV Mainz 05 - SV Flörsheim 7:1  
1956: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 1:2  
1961: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 1:3  
1962: Eintracht Bad Kreuznach - FSV 0:0  
1967: FSV Mainz 05 - SpVgg Weisenau 1:0  
1973: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 2:2  
1978: Röchling Völklingen - FSV Mainz 05 0:1  
1979: SpVgg EGC Wirges - FSV Mainz 05 1:1  
1984: FSV Mainz 05 - SpVgg Elversberg 3:0  
1987: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 1:1  
2000: Borussia Mönchengladbach - FSV 1:1  
2006: Energie Cottbus - FSV Mainz 05 2:0  
2007: FSV Mainz 05 - SC Freiburg 1:1 
 

17. September  

Am Sonntag wird ein ehemaliger Juniorennationalspieler der 05er 33 Jahre alt: Der Innenverteidiger Younes Idrissi spielte zwar nur neun Regionalligaspiele (fünf für Mainz 05 II, vier für Arminia Bielefeld II) und landete anschließend in der Oberliga, absolvierte aber auch zwei U20-Länderspiele für den DFB.

Ergebnisse am 17. September:

1950: Phönix Ludwigshafen - FSV Mainz 05 6:1  
1972: FSV Mainz 05 - FV Speyer 3:1  
1988: SC Freiburg - FSV Mainz 05 1:1  
1989: FSV Mainz 05 - SV Edenkoben 3:3  
1993: FC St. Pauli - FSV Mainz 05 1:0  
1995: Fortuna Köln - FSV Mainz 05 1:0  
2005: FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 1:2  
2011: 1. FC Kaiserslautern - FSV Mainz 05 3:1
 

18. September  

Am Montag vor 89 Jahren kam Helmut Schreiber zur Welt. Das einzige Spiel des Mittelfeldspielers in der ersten Mannschaft der 05er war das 4:2 gegen den ASV Oppau am 6. März 1949.

Die Gesichter des (mittlerweile überbotenen) Mainzer Bundesliga-Startrekords: André Schürrle an der Eckfahnengitarre, Adam Szalai an den Trommelschuhen und Lewis Holtby mit dem Flaschenmikro. Foto: imagoLewis Holtby wird 27 Jahre alt. Der Rheinländer mit englischem Vater galt beim Übergang vom Jugend- in den Erwachsenenfußball als überragendes Talent, schoss als 18-Jähriger Aachener bereits die 05er ab und landete ein paar Wochen vor seinem 20. Geburtstag selbst als Leihspieler vom FC Schalke 04 am Bruchweg. Holtby war die schillernde Figur in jener spektakulären Saison 2010/11, der Leadsänger bei den Torjubel-Ritualen mit Gitarrist André Schürrle und Drummer Adam Szalai, die die 05er zum Bundesliga-Startrekord und in den Europapokal schossen. Dabei war der kleine Zehner nicht immer Stammspieler; mit zwei Treffern und sieben Vorlagen in den ersten sieben Spielen kam Holtby überragend in die Saison, ließ aber schnell nach und hatte nur noch zwei weitere Torbeteiligungen, bis er am vorletzten Spieltag beim entscheidenden 3:1 auf Schalke das 1:1 und das 3:1 vorbereitete und das 2:1 selbst schoss. Holtby war natürlich nicht zu halten, wechselte zurück zu den Schalkern, schaffte es dann nicht, sich in Tottenham zu etablieren, wurde vom Hamburger SV in die Bundesliga zurückgeholt. Der Topstar, den manch einer im 20-jährigen Talent gesehen hatte, das immerhin dreimal in der deutschen A-Nationalmannschaft spielte, wurde Holtby nicht. Dafür fehlt ihm die Dynamik.

Am 18. September 2003 schließlich verstarb in Rüsselsheim der ehemalige 05-Stürmer und -Trainer Erich Bäumler. Der Oberpfälzer war 1960 als 30-Jähriger von Eintracht Frankfurt zu den 05ern gekommen; ein Jahr zuvor hatte er mit der Eintracht deren einzige Deutsche Meisterschaft gewonnen. Horst Hülß, der später unter Bäumler für Mainz 05 spielte, charakterisierte ihn als einen "erstklassigen Außenstürmer. Er war schnell, trickreich und konnte Tore machen" - im ersten Jahr allerdings mangels Alternativen auf dieser Position fast nur als Mittelstürmer. Bäumler traf 13 Mal, wurde dann nach der Verpflichtung Erwin Baders mal ins offensive Mittelfeld zurückgezogen, mal wieder rechtsaußen aufgestellt, und schoss weitere zwölf Tore.

Der Torjäger und Ex-Nationalspieler Erich Bäumler, auf diesem 56 Jahre alten Mannschaftsbild hinten der zweite Spieler von links, verstarb am Montag vor vierzehn Jahren.1962 wechselte Bäumler zu Opel Rüsselsheim, wo er 1964 Trainer wurde. 1967 holten ihn die 05er zurück. Und obwohl mal wieder kein Geld da und von der großen Pokalmannschaft der Saison 1964/65 nur noch eine Handvoll Spieler übrig war, hatte Bäumler eine herausragende Mannschaft zur Verfügung: Im Tor Kurt Planitzer, vor ihm Libero Carlo Storck, Vorstopper Helmut Müllges, die Außenverteidiger Heinz Wassermann und Horst Schuch, die Läufer Richard Klauss und Horst Klinkhammer, Halbstürmer Horst Hülß und die Spitzen Georg Tripp, Charly Tripp und "Bimbo" Bopp. Eine Mannschaft, die zum dritten Mal in Folge zur Spitzengruppe der Liga zählte, dicht an der Aufstiegsrunde dran war und trotzdem mittlerweile in Vergessenheit geraten ist. Warum Bäumler nach 23 Spielen gehen musste, wusste keiner so genau. "Im Nachhinein habe ich mir Vorwürfe gemacht, dass ich in dieser Situation nicht stärker aufgetreten bin", sagte Jahrzehnte später der damalige 05-Kapitän Hülß. "Das Unternehmen hatte ja einen sehr guten Anfang genommen." Karl-Heinz Wettig, die Nachkriegs-Stürmerlegende, brachte die Saison zu Ende und wurde mit vier Punkten Rückstand Vierter. Bäumler wurde 73 Jahre alt.

Am Montag vor zwei Jahren schließlich schoss Yunus Malli drei Tore gegen Hoffenheim - es war (nach der lockeren englischen Definition, wonach die Tore nicht direkt nacheinander und nicht in der gleichen Spielhälfte fallen müssen) der dritte von bisher fünf Mainzer Bundesliga-Hattricks und der zweite gegen die TSG.

Weitere Ereignisse am 18. September:

1927: FSV Mainz 05 - SV Wiesbaden 4:1  
1932: Alemannia-Olympia Worms - FSV Mainz 05 2:2  
1949: FSV Mainz 05 - SG Weisenau 3:2  
1955: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:0  
1960: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 2:2  
1966: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 1:0  
1977: FSV Mainz 05 - 1. FC Haßloch 5:0  
1983: FSV Salmrohr - FSV Mainz 05 6:1  
1985: FSV Mainz 05 - FK Clausen 3:1  
1994: FSV Mainz 05 - SV Meppen 1:1  
1999: Chemnitzer FC - FSV Mainz 05 1:1  
2002: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 2:0  
2004: Arminia Bielefeld - FSV Mainz 05 1:1  
2010: Werder Bremen - FSV Mainz 05 0:2  
2016: FC Augsburg - FSV Mainz 05 1:3

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