Das 05-Kalenderblatt

Christian Karn. Mainz.
Wie jeden Donnerstag hat die nullfünfMixedZone in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Wir sind schon ein bisschen erschrocken: Es gibt derart viel zu erzählen, dass wir das Kalenderblatt diesmal in zwei Teile trennen. Heute geht es unter anderem um die Geburtstage von zweieinhalb großen Bundesliga-Sechsern und ein außergewöhnliches Kopfballtor. Und am Samstag gibt's ein Extrablatt.

30. Juli

Am 30. Juli stehen nur ein 1:1 im Testspiel gegen Kastel 06 (1980) und ein 7:1 im Südwestpokal gegen Hassia Bingen (1986) im Kalender.

31. Juli  

Hendrik Weiß, langjähriger Linksvertzeidiger der 05er, wird am Freitag 50 Jahre alt.Hendrik Weiß wird am Freitag 50 Jahre alt. Weiß kam 1985 kurz vor seinem 20. Geburtstag vom SV Wiesbaden an den Bruchweg und wurde bald Stammspieler auf dem linken Flügel, stieg 1988 mit den 05ern in die 2. Bundesliga auf, 1989 wieder ab, 1990 wieder auf. 1991 trennten sich die 05er vom langjährigen Linksverteidiger, holten ihn nach heftigen Protesten seiner Kollegen aber schon nach einem halben Jahr vom FSV Frankfurt zurück. Als Weiß 1997 seine Profikarriere beendete, war er der letzte übriggebliebene Feldspieler der Aufstiegsgeneration. In zwölf Jahren hatte er 148 Zweitliga- und 105 Oberligaspiele für die 05er bestritten.

In der jüngeren Vergangenheit, lange nach Weiß' Karriereende, steht der 31. Juli eher für komplizierte Pokalspiele. 2009 trat der VfB Lübeck die 05er mit 2:1 nach Verlängerung vom Platz; es war das letzte Spiel von Jörn Andersen als 05-Trainer. Zwei Jahre später mühten sich die 05er im hohen Gras des Homburger Waldstadions zu einem 2:1 nach Verlängerung gegen den SV Niederauerbach. Und 2014 verliebte sich das 05-Publikum in den jungen Ziguy Badibanga, der mit Asteras Tripolis das Europapokalspiel in der Coface Arena 0:1 verlor.

Weitere Ergebnisse am 31. Juli:

1982: FSV Mainz 05 - FC 08 Homburg/Saar 1:3  
1988: Hertha BSC - FSV Mainz 05 0:0  
1993: FSV Mainz 05 - Carl Zeiss Jena 2:0  

1. August  

Die halbe Mannschaft der frühen 2000er hat am Samstag Geburtstag. Weil sie nicht alle auf dieses Kalenderblatt passen, überspringen wir den ganzen Tag an dieser Stelle und bringen, wenn es so weit ist, ein Kalender-Extrablatt.

2. August

Der Sonntag ist der Geburtstag von Stefan Jambo. Der Mittelfeldspieler, der im Winter 1988/89 die Erfahrung von 64 Bundesligaspielen für Saarbrücken, Nürnberg und Homburg zum Zweitliga-Neuling Mainz 05 mitbrachte, wird 57 Jahre alt. Jambo war Stammspieler in der Rückrunde, aber auch der erfahrene Routinier konnte den Abstieg nicht verhindern. Bereits nach einem halben Jahr wechselte der Mittelfeldspieler in die 2. norwegische Liga, 1991 tauchte er bei Blau-Weiß 90 Berlin noch einmal in der 2. Bundesliga auf.

Des Weiteren wird Roman Schneider 34 Jahre alt. Der Verteidiger gehörte der 05-Amateurmannschaft an, die 2003 in die Regionalliga aufstieg. Schneider bestritt für die 05er 40 Oberliga- und 23 Regionalligaspiele. 

Weitere Ergebnisse am 2. August:

1989: TuS Mayen - FSV Mainz 05 1:1  
1998: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 3:0  

3. August  

Am Montag wird Robert Ratkowski 40 Jahre alt. Der Außenverteidigern, der auf beiden Flügeln auch offensiv zurechtkam, spielte 1999/00 für die 05er; zuvor war er Regionalligaspieler in Essen und Mannheim. Ratkowski war durchaus eine Verstärkung, für damalige Zweitligaverhältnisse ein vor allem technisch starker Verteidiger. Dass er trotzdem nach nur einem Jahr wieder gehen musste, hatte überhaupt keine sportlichen Gründe; die Liaison mit der Freundin eines Mitspielers (die Ratkowski später heiratete - es war also immerhin ernst gemeint) führte dazu, dass der Verteidiger vom harten Kern der Mannschaft nicht mehr akzeptiert wurde. In 32 Zweitliga- und DFB-Pokalspielen für die 05er hatte Ratkowski drei Tore geschossen - zwei beim 5:0 gegen den Chemnitzer FC, bei dem nur Defensivspieler trafen, eins beim Pokalsieg gegen den HSV. Bis 2004 absolvierte Ratkowski weitere 190 Zweit- und Drittligaspiele für Rot-Weiss Essen, Rot-Weiß Oberhausen, Waldhof, Chemnitz und Wattenscheid 09.

Außerdem haben drei ehemalige 05-Nachwuchsspieler Geburtstag: Steven Kröner (42 Regionalligaspiele von 2009 bis 2011, heute beim FC Homburg) wird 26 Jahre alt, Albert Spahiu (2011/12 18 Regionalligaspiele, heute in der Schweiz beim FC Köniz) 25 Jahre, Christoph Sauter (23 U17-, 49 U19-Bundesligaspiele, Deutscher Meister 2009 mit Thomas Tuchel, heute bei Arminia Ludwigshafen) 24 Jahre. 

Weitere Ergebnisse am 3. August:

1991: Hallescher FC - FSV Mainz 05 2:2  
1993: SpVgg Plattling - FSV Mainz 05 4:3 (DFB-Pokal)
1996: Hertha BSC - FSV Mainz 05 1:0  
1997: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 4:1  
2003: FSV Mainz 05 - Union Berlin 2:1  
2013: Fortuna Köln - FSV Mainz 05 1:2 (DFB-Pokal)

4. August  

Zwei bedeutende 05-Spieler der jüngeren Vergangenheit haben am Dienstag Geburtstag - und einer wird möglicherweise auch als Profi noch ein bisschen Zukunft haben.

Eine typische Svensson-Szene: "Schiri, wir müssen da noch was ausdiskutieren!" Foto: imagoZunächst wird Bo Svensson 36 Jahre alt. Der Däne kam nach dem Bundesliga-Abstieg 2007 von Borussia Mönchengladbach zu den 05ern, was zunächst die große Karriere von Neven Subotic auslöste: Svensson wurde wegen Sehnenproblemen monatelang nicht fit und der junge Subotic machte seine Sache in der Innenverteidigung dermaßen gut, dass er mit 18 Jahren schon unumstrittener Stammspieler war. Wegen einer weiteren Verletzung spielte Svensson in zwei Zweitligajahren lediglich 19 Mal für die 05er.

In der Bundesliga konkurrierte der Däne jahrelang mit Niko Bungert um den Platz neben Nikolce Noveski. Beide wurden hin und wieder von kleineren oder großen Verletzungen zurückgeworfen, beide waren in Phasen Stammspieler, Bungert saß häufiger auf der Bank als Svensson. Dieser beendete seine Karriere vor einem Jahr nach 90 Spielen in fünf Bundesligajahren für die 05er - anfangs häufig im defensiven Mittelfeld, nur 2012/13 langfristig gesetzt in der Innenverteidigung. Aber (von gelegentlichen Missverständnissen mit Christian Wetklo abgesehen) immer auf gutem Bundesliganiveau.

Im vergangenen Jahr war der auf dem Platz oft etwas impulsive, Schiedsrichtern gegenüber nach umstrittenen Entscheidungen hin und wieder etwas unhöfliche Svensson Trainerassistent bei den 05-Profis. In der nun beginnenden Saison ist er Chefcoach der Mainzer U16-Mannschaft.

So beginnt Unsterblichkeit: Elkin Sotos Freistoß zum Derbysieg gegen den FCK. Foto: imagoGenau ein Jahr jünger ist Elkin Soto. Der Kolumbianer kam schon ein halbes Jahr vor Svensson nach Mainz, spielte aber zunächst nicht allzu oft: Es gab Ärger mit seinem Ex-Verein Once Caldas, der dem damals noch offensiven Mittelfeldspieler Vertragsbruch vorwarf, es gab eine lange Sperre, die allerdings mit einer noch längeren Verletzungspause zusammenfiel. Beim Debüt gegen Energie Cottbus zeigte Soto nicht nur mit zwei Torvorlagen, welche Qualität er in die Mannschaft brachte, aber es dauerte fast eineinhalb Jahre, ehe er Leistungsträger werden konnte.

Sotos Wiedergeburt ereignete sich am 2. Mai 2008. Nach einem überstandenen Kreuzbandriss kam der Kolumbianer über Kurzeinsätze nach und nach ins Team zurück. Gegen den FCK wurde er erstmals schon zur Halbzeit eingewechselt. 1:1 stand es in der letzten Minute, es gab einen letzten Freistoß. Soto schnappte sich den Ball und schnickte ihn zum Derbysieg in den Winkel - eins jener besonderen Tore, die sehr vielen Fans noch jahrelang im Kopf bleiben. Auch im folgenden Jahr war Soto zwar meist nur Einwechselspieler; nach seiner Umschulung zum Sechser war der Kampftechniker ab 2009 einer der Lieblingsspieler des Publikums. Legendär wurden seine scharfen, aber präzisen und fairen Balleroberungen; solche Spiele wie die Partie gegen Nürnberg 2012, in der Soto fast nichts gelang, waren die absolute Ausnahme. Damals gingen in den ersten Minuten zwei Grätschen schief. Nach dem zweiten Foul wurde Soto schon vom Schiedsrichter Kinhöfer zu größerer Vorsicht ermahnt und fand zu keinem Zeitpunkt zurück in die Partie...

Sotos (bisher) letzter Bundesligatreffer: Ein Schuss aus großer Entfernung und spitzem Winkel, der in hohem Bogen uns leere Dortmunder Tor flog. Foto: imagoHäufiger sah man aber die klassische Soto-Körperhaltung: In Bodennähe quer in der Luft, mit einem Arm auf dem Rasen abgestützt, der eine Fuß irgendwo im Nichts, Augen und der Fuß am Ball. Und irgendwo in der Nähe ein Gegenspieler, dem nicht ganz klar war, was gerade passiert ist. Torbeteiligungen wurden immer seltener, aber im defensiven Mittelfeld war Soto jahrelang unverzichtbar. Erst 2013 ließ der inzwischen 33-Jährige etwas nach; in der vergangenen Saison wurde er im Winter mit spektakulären Treffern gegen Bayern München, in Hannover und in Dortmund nochmal eine Art Kurzzeit-Torjäger.

Ein tragischer Zusammenprall mit Rafael van der Vaart - sicher kein Mordversuch; die Frage "Foul oder nicht?" wurde ohne klares Ergebnis tagelang diskutiert - schien im April Sotos Karriere zu beenden: Im Knie war alles kaputt. Die Krücken hat der Kolumbianer - der eigentlich in die Heimat zurückwollte, aber nach der Verletzung einen weiteren Einjahresvertrag angeboten bekam und nach gewisser Bedenkzeit unterschrieb - schon vor etlichen Wochen weggelegt. Ein Comeback des sicherlich populärsten Spielers im aktuellen 05-Kader scheint überhaupt nicht mehr ausgeschlossen, aber es wird noch einige Zeit dauern. Und angesichts des 35. Geburtstags, den Soto am Dienstag feiern kann, muss man wohl annehmen, dass es bei ein paar Abschiedsspielen bleiben wird.

Seinen 24. Geburtstag feiert Christian Clemens. Der ehemalige Juniorennationalspieler (38 Länderspiele von der U16 bis zur U21) spielt seit dem vergangenen Winter für die 05er; der gebürtige Kölner, der beim FC zum Profi wurde, steht bis zum Ende der nun beginnenden Saison als Leihspieler unter Vertrag. Im 05-Trikot bestritt der offensive Flügelspieler in der vergangenen Rückrunde neun Bundesligapartien. Gegen Eintracht Frankfurt schoss er sein erstes Tor für die Mainzer.

Weitere Geburtstagskinder am 4. August: Christian Clemens und Tim Müller.19 Jahre alt wird schließlich der Mittelfeldspieler Tim Müller. Der Sohn des langjährigen 05-Abwehrchefs Michael Müller kam als Elfjähriger von Fontana Finthen an den Bruchweg und ist nach unter anderem 23 U17- und 35 U19-Bundesligaspielen nun in der U23-Mannschaft angekommen, wartet aber noch auf sein Drittligadebüt. Beim 4:0 am ersten Spieltag in Kiel saß Müller auf der Bank.

Gestern abend dürfte manch einer daran gedacht haben, als die 05er noch recht deutlich vor dem Spielende 3:0 gegen Lazio Rom führten: Am Dienstag wird die womöglich bis heute größte Testspiel-Überraschung der 05er genau neun Jahre zurückliegen. Damals schlugen die Mainzer den Liverpool FC, der durchaus in einer sehr respektablen Aufstellung antrat, unter anderem mit Jamie Carragher, Sami Hyypiä, Djimi Traoré, Boudewijn Zenden, Steve Gerrard, Xabi Alonso und Peter Crouch in der Startelf, durch Tore von Markus Feulner, Tobias Damm, Ranisav Jovanovic, Chadli Amri und Fatmir Pupalovic 5:0. Die Torschützen deuten schon an, dass die 05er in den folgenden Monaten große Probleme in der Bundesliga hatten; am Ende der Saison stiegen sie ab.

Weniger gern erinnern sie sich an ein Spiel, das fünf Jahre später in Rumänien stattfand. Trotz gewaltiger Überlegenheit erreichten die 05er nur ein 1:1 bei Gaz Metan Medias. Der Torwart der Rumänen muss das Spiel seines Lebens gemacht haben. Im Elfmeterschießen schieden die 05er aus dem Europapokal aus.

Weitere Ergebnisse am 4. August:

1963: FSV Mainz 05 - Phönix Bellheim 3:1  
1974: FSV Mainz 05 - Bayern Hof 2:0  

5. August  

Colin Bell, in den späten 1980ern 05-Profi und später Trainer der 05-Amateure, gewann vor kurzem als Chefcoach des 1. FFC Frankfurt die Frauen-Champions League. Wenige andere 05er werden diesen Pokal je in die Luft stemmen können... Foto: imagoAm Mittwoch wird Colin Bell 54 Jahre alt. Der Engländer, der als 20-Jähriger von Leicester City (wo heute die Ex-05er Christian Fuchs und Shinji Okazaki spielen) zum Südwest-Oberligisten VfL Hamm/Sieg gewechselt war, kam 1987 als Spieler an den Bruchweg. Für die 05er schoss Bell in 21 Oberligaspielen sechs Tore, nach dem Aufstieg spielte er 19 Mal in der 2. Bundesliga. Dann beendete er seine Karriere mit nur 27 Jahren. Sein halbes Leben ist Colin Bell nun Trainer: Chef bei der TuS Koblenz, Co-Trainer beim 1. FC Köln, Chefcoach bei Dynamo Dresden, Co-Trainer beim SV Waldhof, Cheftrainer bei seinem deutschen Stammklub VfL Hamm/Sieg. 2001 kam Bell zurück nach Mainz. Mit den 05-Amateuren gewann er dreimal den Südwestpokal, 2003 führte er den Mainzer Nachwuchs in die damals drittklassige Regionalliga. Nach dreieinhalb Jahren trennten sich die 05er von Bell. Bis 2011 war dieser Trainer bei Preußen Münster und beim Nachwuchs der TuS Koblenz, dann wechselte er in den Frauenfußball, zunächst zum SC Bad Neuenahr, 2013 zum 1. FFC Frankfurt, mit dem er vor gut zwei Monaten die Champions League gewann.

Seinen 38 Geburtstag kann am Mittwoch Milorad Pekovic feiern. Um den Rahmen nicht vollends zu sprengen, gehen wir an dieser Stelle auch darauf gar nicht weiter darauf ein, sondern verweisen auf unsere Würdigung eines der populärsten 05-Spieler der 2000er anlässlich seines Karriereendes: http://www.nullfuenfmixedzone.de/der-ehrliche-treter-tritt-ab

Erst 28 Jahre alt wird Zamir Daudi. Der Verteidiger kam 2003 von Borussia Mönchengladbach zur U19 der 05er, spielte keine große Rolle, etablierte sich aber anschließend im höheren hessischen Amateurfußball. Seit 2014 ist Daudi afghanischer A-Nationalspieler. Am gleichen Tag wie er kam Damian Raczka zur Welt, der ebenfalls in seiner Jugend für Gladbach sowie für den FC Schalke 04 spielte, ehe er 2008 nach Mainz kam. Der Pole bestritt für die U23 der 05er elf Mal in der Regionalliga, spielte dann kurzzeitig für den bulgarischen Erstligisten Lokomotiw Mesdra und ist nun ebenfalls im oberen deutschen Amateurfußball unterwegs.

Am Mittwoch vor genau 20 Jahren begann die Zweitligasaison der 05er mit einem Kopfballtor von Stephan Kuhnert in der Nachspielzeit des ersten Spiels. Der Torwart rettete den Punkt beim 2:2 gegen Hannover 96 - der aber am Ende nichts wert war. Denn es gab eine Spielberechtigungsliste und Thomas Ziemer, der Torschütze zum 1:0, der im Vorjahr nur ausgeliehen war und im Sommer erst fest verpflichtet wurde, fehlte auf dieser Liste - die 05er hatten den Transfer zwar gemeldet, aber offenbar zu kurzfristig. Das Spiel wurde als Sieg für Hannover gewertet.

Weitere Ergebnisse am 5. August:

1961: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:1  
2001: FSV Mainz 05 - SpVgg Unterhaching 2:0  
2007: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 1:6 (DFB-Pokal)

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