Das 05-Kalenderblatt: 14. bis 17. Juli

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Es gibt Durcheinander mit einer neuen Regel, das erste Europapokalspiel und die Geburtstage etlicher teils mehr, teils weniger erfolgreicher Flügelspieler.

14. Juli  

Das erste Europapokalspiel des FSV Mainz 05 war eine 90-minütige Massenkarambolage mit vier Mainzer Toren. Hier kollidieren Petr Ruman und Nikolce Noveski mit dem armenischen Torwart Garnik Howhannisjan. Foto: imagoHeute vor zwölf Jahren spielten die 05er im Erstrunden-Hinspiel der Europapokal-Qualifikation gegen den armenischen Pokalsieger MIKA Aschtarak. Petr Ruman, Benjamin Auer, Nikolce Noveski und noch einmal Auer schossen die Tore zum 4:0 im ersten Europapokalspiel des FSV Mainz 05 - aber nicht zum ersten Europapokalspiel in Mainz, denn die Partie fand in Frankfurt statt. Die rund 22.000 Fans, die die Partie sahen - bis dahin das zweitgrößte Heimpublikum in der Mainzer Vereinsgeschichte - hätten selbst bei einem Bundesligaspiel nicht ins Stadion am Bruchweg gepasst. Im UEFA-Pokal, in dem nur Sitzplätze erlaubt sind, hätten die 05er noch wesentlich weniger Karten verkaufen dürfen, aber das kam schon deshalb nicht in Frage, weil die UEFA mit dem Flutlicht am Bruchweg nicht einverstanden war.

Der damalige 05-Trainer Horst Hülß vor 37 Jahren mit dem Südwestpokal. Im Vordergrund als zweiter von rechts: Franz-Peter März, der heute 65 Jahre alt wird.Franz-Peter März wird heute 65 Jahre alt. Der Techniker war acht Jahre lang zunächst junger Spielmacher, später Außenstürmer der 05er. 1974 kam der Rheingauer als 21-Jähriger vom FSV Frankfurt zu den 05ern. Nach dem Lizenzverzicht von 1976 war er einer von wenigen Stammspielern, die in die Amateurliga mitkamen. Bis 1982 gewann März fünf Titel: 1978 und 1981 die Südwestmeisterschaft, 1980 und 1982 den Südwestpokal und als Höhepunkt 1982 die Deutsche Amateurmeisterschaft - allerdings wurde er im Halbfinale und im Endspiel bereits nicht mehr eingesetzt. In jenem Sommer wechselte März zum SV Wiesbaden, bald beendete er seine Karriere.

Zwei ehemalige 05-Amateure werden heute 34 Jahre alt: Marco Toch, der 2005/06 28 Oberligaspiele für die 05er bestritt, und Martin Wengerek, der von 2005 bis 2007 45 Mal im defensiven Mittelfeld des Mainzer Oberligateams spielte.

25 Jahre alt wird schließlich ein großes Talent, das in Mainz zu selten seine Klasse zeigen konnte: Der U21-Nationalspieler Jonas Hofmann, nach jahrelangem Werben der 05er schließlich im August 2014 von Borussia Dortmund als Leihspieler nach Mainz gelassen, präsentierte sich bei den 05ern mit drei Toren in sechs starken Spielen sehr gut, aber eine schwere Verletzung ließ anschließend nur noch vier weitere Einsätze zu. So recht kam Hofmann anschließend noch nicht wieder auf die Beine: Beim BVB blieb der Flügelstürmer ein Ergänzungsspieler, auch sein Wechsel für rund acht Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach führte ihn zunächst nicht weiter: 29 Spiele in eineinhalb Jahren und kein einziges Tor sind nicht das, was beide Seiten sich erhofft hatten.

Am Tag von Hofmanns Geburt ging die Posse um die neue Rückpassregel, die wir bereits im letzten Kalenderblatt angedeutet hatten, in die zweite Runde. Vor dem Heimspiel der 05er gegen Fortuna Köln hatten die Verbände den Regeltext noch einmal verändert: Ein Spieler sieht die Gelbe Karte, steht im heutigen Regelwerk, wenn er "bei einem Rückpass zum eigenen Torhüter den Ball absichtlich auf unkonventionelle Art mit dem Kopf, der Brust oder dem Knie spielt, um die Rückpassregel zu umgehen. Dabei ist unerheblich, ob der Torhüter den Ball anschließend mit der Hand berührt oder nicht. Die Aktion wird als Vergehen geahndet, weil der Spieler damit Sinn und Geist von Regel 12 untergräbt" - das ist nicht der exakte Wortlaut der damaligen Nachbesserung, entspricht ihr aber sinngemäß. Der Kölner Jürgen Niggemann trickste trotzdem so wie ein paar Tage zuvor die Wuppertaler und sah prompt Gelb-Rot. Zu Recht zwar, aber die zahllosen Hochbälle (!), die der Schiedsrichter Hans Fux nach (damals wie heute legalen) Kopfball-Rückgaben verhängte, zeigten, dass er die Regel immer noch nicht begriffen hatte.
 

15. Juli

Die morgigen Geburtstagskinder: Richard Schiffmann......und Yoshinori Muto.Morgen liegt die Geburt von Richard Schiffmann exakt 82 Jahre zurück. Der Angreifer kam vor 62 Jahren vom SV Weisenau an den Bruchweg und war sofort Stammspieler. Zunächst war Schiffmann Mittelstürmer zwischen der 05-Legende Karl-Heinz Wettig und dem Neuzugang Willi Hollerbach aus Kostheim, bald tauschte er seine Position mit dem bulligen Hollerbach. Diverse Verletzungen setzten Schiffmann immer wieder langfristig außer Gefecht, dennoch schoss er in drei Jahren für die 05er 21 Tore in 62 Spielen. 1958 wechselte der Außenstürmer zu Wormatia Worms, setzte sich dort aber nicht durch.

25 Jahre alt wird morgen Yoshinori Muto, der japanische Angreifer, der in Mainz seine Klasse immer wieder andeutete, aber immer noch nicht dauerhaft zeigen konnte. Zwei schwere Verletzungen führten dazu, dass der als Flügelstürmer ausgebildete, aber in Mainz fast nur als Mittelstürmer eingesetzte Muto in seinen beiden Mainzer Jahren nur 20 bzw. 19 Spiele absolvierte, im zweiten Jahr oft nur eingewechselt wurde, immerhin schon zwölf Tore schoss. Jetzt ist Jhon Córdoba nicht mehr dabei; bleibt Muto gesund, kann's seine Saison werden.
 

16. Juli  

Am Sonntag haben Gerd Schmidt und Peter Van der Heyden Geburtstag.Am Sonntag haben zwei alte 05er Geburtstag: Gerd Schmidt wird 71 Jahre alt. Der gebürtige Wiesbadener kam 1971 vom FSV Frankfurt an den Bruchweg und war knapp vier Jahre lang der Spielmacher im linken Mittelfeld. Erst 1974/75 wurde Schmidt vom fünf Jahre jüngeren und deutlich torgefährlicheren Werner Nickel verdrängt - Schmidt selbst war ein guter Vorbereiter, aber traf selbst nicht oft. Nach 79 Regional- und 25 Zweitligaspielen wechselte der kleine Techniker zu Germania Wiesbaden.

41 Jahre alt wird Peter Van der Heyden. In Belgien hat der Linksverteidiger vielleicht keinen Legendenstatus; dazu fehlte ihm möglicherweise ein bisschen die Extravaganz. Aber mit 280 Erstligaspielen, die große Mehrheit für den FC Brügge, 51 Einsätzen in der Champions- und Europa-League und 21 Länderspielen, zwei Meistertiteln und zwei Pokalsiegen ist Van der Heyden eine große Nummer in seinem Heimatland. Der Eindruck, den der Abwehrspieler in Deutschland hinterließ, ist nicht ganz so groß. 2008 verpflichteten die 05er Van der Heyden vom VfL Wolfsburg, der ihn nach 43 Bundesligaspielen ausgemustert hatte. Bis zu einer schweren Verletzung kurz nach der Winterpause war der Belgier als Nachfolger von Marco Rose und Benjamin Weigelt Stammspieler und durchaus ein wichtiger Leistungsträger. Nach dem Aufstieg kam er zu acht weiteren Bundesliga-Einsätzen, ehe er sich im Winter wieder dem FC Brügge anschloss. 2016 erst beendete Van der Heyden seine Karriere in der dritten belgischen Liga.
 

17. Juli  

Daniel Brosinski hat Grund zur Freude: Am Monntag wird der Rechtsverteidiger 29 Jahre alt.Am Montag feiert Daniel Brosinski seinen 29. Geburtstag. Der Karlsruher hatte in der Saison 2014/15 die schwierige Mission, dem in seinem letzten Mainzer Jahr überragenden Zdenek Pospech nachzufolgen und machte das nicht schlecht. Freilich war der Neuzugang aus Fürth als Rechtsverteidiger konkurrenzlos. Ein echtes Backup für die Position hatten die 05er nicht. 2015/16 hatte Brosinski ernsthafte Konkurrenz; gegen Leon Balogun, der sich ohnehin eher zum Innenverteidiger entwickelte, setzte er sich in der Hinrunde durch. Nach der Winterpause wurde Brosinski vom Neuzugang Giulio Donati verdrängt, war aber wegen dessen Sperren und der Verletzung von Linksverteidiger Gaetan Bussmann doch wieder insgesamt 24 Mal in der Startelf. Bei der Niederlage in Frankfurt schoss Brosinski sein erstes Bundesligator. Und im vergangenen Jahr spielte sich der Defensivallrounder erneut als Linksverteidiger fest, in einer komplizierten Saison als einer der konstantesten 05er: Brosinski ist einer der Profis, die ihr gewisses Grundniveau nicht oft übertreffen, aber auch nie unterbieten, die nie verletzt und selten gesperrt sind, die man immer gern im Kader hat.

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