Das 05-Kalenderblatt: 14. bis 16. März

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In diesen Tagen geht es um einen Weltreisenden, einen erzwungenen Ausgleich, einen kleinen Bruder, dem mehr Talent nachgesagt wurde als dem großen Bruder, einen stürmischen Außenverteidiger und den ersten Libero.

14. März 

Heute vor 36 Jahren verstarb der Weltreisende Albert Zimmermann.Anfang des Monats haben wir hier die Geschichte von Hans Kroh erzählt, der vor zwei Jahren noch ein Phantom war, dessen Biographie erst durch die Kontaktaufnahme seines Sohnes mit Mainz 05 im Juni 2015 wieder rekonstruiert werden konnte. Heute gibt es eine ähnliche Geschichte; heute geht es um Albert Zimmermann, der heute vor 36 Jahren verstarb; Zimmermann wurde 73 Jahren alt. Unter den 05ern seiner Generation dürfte er die interessanteste Karriere gehabt haben. Der 1907 im gerade erst eingemeindeten Arbeiter-Vorort Mombach geborene Zimmermann sollte eigentlich gar nicht Fußball spielen - der Vater muss aber stolzer auf seinen Sohn gewesen sein, als er zugab: Zimmermann senior sammelte alle Zeitungsausschnitte, in denen sein Sohn erwähnt wurde. Er sammelte sie heimlich, aber sie haben den Krieg überstanden. Die Sammlung, mit der vor bald 90 Jahren die Karriere eines jungen Kickers dokumentiert wurde, existiert immer noch im Familienbesitz, daher wissen wir heute auch, dass der Stürmer - 48 Spiele, 25 Tore für die 05er - zu einem DFB-Lehrgang zur Vorbereitung aufs Olympische Fußballturnier von 1928 eingeladen war. Das wissen wir, weil der Alberts Sohn sich im vergangenen Herbst gemeldet hat, um den bis dahin falsch überlieferten Geburtstag seines Vaters zu korrigieren.

Und dank des Sohns wissen wir jetzt auch, warum Albert Zimmermann ab 1929 in keinem hiesigen Archiv mehr auftauchte: Der junge Fußballer - 21 Jahre alt erst - folgte nämlich 1929 seinem Onkel in die USA, spielte Fußball beim Deutschen Sport-Club Portland in Oregon und beim Teutonia Soccer Club in San Francisco. Sogar aus der Vorkriegs-Immigrantensportszene der Vereinigten Staaten geht also eine Verbindung nach Mainz auf. Karriere machte Zimmermann auf beiden Kontinenten in der Auto-Industrie, zurück in Deutschland dank seiner Englischkenntnisse als Verbindungsmann zwischen Opel und General Motors. Im Krieg landete Zimmermann als Inspektor des Kraftfahrzeugparks der 6. Armee in Stalingrad; ein Zufall rettete damals sein Leben: Als Spezialist gab der Ex-Stürmer zur rechten Zeit am rechten Ort (nämlich Rüsselsheim, weit weg von der Front) einen Lehrgang, und als der vorbei war, ging es schon nur noch darum, möglichst viele Soldaten irgendwie aus dem Kessel rauszuschaffen. Jahre nach dem Krieg landete Zimmermann noch einmal in den USA; dort war er zuständig für den Aufbau von VW-Werkstätten in den Südweststaaten, wo er einige ehemalige Mitspieler aus dem Teutonic SC wieder traf. Den 05ern blieb Zimmermann nach der neuerlichen Rückkehr nach Deutschland sein Leben lang als Zuschauer im Stadion verbunden; auch zu uns, der aktuellen Generation rund um den Verein hat er nun zurückgefunden als der Neueste, aber sicherlich nicht der Letzte, den wir wieder als Fußballer und als Person kennen.

34 Jahre alt wird Daniel Baude. Der Verteidiger aus Sachsen kam 2003 als ehemaliger U18-Nationalspieler aus Mönchengladbach zu den 05-Amateuren, spielte auch wegen einer langen Verletzung in drei Jahren nur 35 Mal in der Regional- und Oberliga und wechselte dann wieder in seine Heimat.

Ergebnisse am 14. März:

1954: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 3:3  
1965: Germania Metternich - FSV Mainz 05 1:3  
1981: FSV Mainz 05 - FC St. Wendel 4:1  
1982: FSV Salmrohr - FSV Mainz 05 1:2  
1987: SpVgg 07 Elversberg - FSV Mainz 05 1:2  
1992: FSV Mainz 05 - TSV München 1860 0:2  
1997: Rot-Weiss Essen - FSV Mainz 05 0:3  
1999: 1. FC Köln - FSV Mainz 05 2:1  
2003: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 1:3  
2015: FC Augsburg - FSV Mainz 05 0:2  

15. März  

Am Mittwoch vor 93 Jahren kam Knut Hansen zur Welt. Der Linksaußen kam 1953 vom TSV Verden/Aller zu den 05ern, war aber nur Ergänzungsspieler hinter Karl-Heinz Wettig. Nach acht Spielen und einem Tor verließ Hansen die 05er 1954 wieder.

Gerade mal 21 Jahre alt wird Levin Öztunali, der Außenstürmer, der nicht dauernd auf seinen Großvater Uwe Seeler angesprochen werden will, der in diesen jungen Jahren schon auf dem Weg zum 100. Bundesligaspiel ist, den wir kürzlich erst hier und vor einem halben Jahr hier vorgestellt haben. Darum sollen an dieser Stelle zwei Links genügen.

Vor 13 Jahren rettete Christoph Teinert den 05ern einen Punkt in Karlsruhe. Zuvor hatten die Mainzer viermal nicht gewonnen; im Wildparkstadion sah es nach dem vierten 0:0 in Folge aus, bis Marco Engelhardt in der 88. Minute einen schlecht abgewehrten Ball in den Winkel donnerte. Aber das späte Anrennen der 05er, die sich mit der Niederlage partout nicht arrangieren wollten, wurde belohnt: Die letzte Aktion des Spiels war ein Freistoß nahe der linken Eckfahne, direkt vor dem Gästeblock. Teinerts Flanke in der 93. Minute kam viel zu hoch, war unerreichbar für die Stürmer, unerreichbar für die Verteidiger, unerreichbar für den Torwart. Und war so nah vors Tor gezogen, dass sie am langen Pfosten zum Ausgleich hineinfiel. Wie es nach diesem erzwungenen Punkt weiterging, verraten wir nächste Woche.

Weitere Ergebnisse am 15. März:

1953: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 2:2  
1959: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 1:1  
1964: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 3:0  
1970: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 3:0  
1996: FSV Mainz 05 - FSV Zwickau 1:0  
1998: FSV Zwickau - FSV Mainz 05 0:0  
2014: TSG Hoffenheim - FSV Mainz 05 2:4  

16. März  

Am Donnerstag, heißt es, werde Mainz 05 112 Jahre alt. Jedoch gibt es starke Hinweise darauf, dass das nicht stimmt. Der 16. März 1905 wird nur in Nachkriegsquellen als Gründungsdatum genannt; die Festschriften zum 20. und 25. Jubiläum des Vereins machen die 05er elf Tage jünger. Darum wollen wir an dieser Stelle noch um ein bisschen Geduld bitten. Ohnehin forschen wir gerade zu diesem Thema; übernächsten Montag haben wir vielleicht sogar neue Erkenntnisse.

Einer der Karrierehöhepunkte von Norbert Liebeck war die Platzwahl mit dem Weltmeister Hans Schäfer beim Pokalspiel gegen den 1. FC Köln.Auf jeden Fall Geburtstag hat Norbert Liebeck; der ehemalige 05-Kapitän wird 79 Jahre alt. Liebeck - in Höchst geboren, aber beim MTV 1817 ausgebildet - kam 1955 als Siebzehnjähriger zu den 05ern; 1957 rückte er in die erste Mannschaft auf. Zunächst musste er sich als Rechtsverteidiger und Mittelfeldspieler gegen starke Konkurrenz durchsetzen, Stammspieler war der talentierte junge Mann nur in Phasen. Ab 1959 änderte sich das. Zunächst war Liebeck immer noch ein inzwischen regelmäßig aufgestellter Springer zwischen den Positionen, nach und nach aber setzte er sich im innovativen System des neuen Trainers Heinz Baas im Abwehrzentrum fest. Wenn man so will, war Liebeck der 05-Libero, als der Libero noch nicht erfunden war. Er selbst nennt seine Rolle als Abwehrmann ohne festen Gegenspieler hinter dem Vorstopper (Carlo Storck oder Willi Jakobi) "Ausputzer" - ein Spielmacher im Rückraum wie spätere Spitzen-Liberos von Weltmeister Franz Beckenbauer bis 05-Legende Herbert Scheller war er noch nicht, aber nach einer durchwachsenen Saison 1961/62 spätestens ab 1962 und bis zu seinem Karriereende 1965 als Kapitän unumstrittener Abwehrchef der 05er. Insgesamt spielte Liebeck in acht Jahren 197 Mal für die erste Mannschaft der Mainzer, im letzten Jahr war er Teil der großen Pokalmannschaft, die Werder Bremen und den TSV München 1860 aus dem Wettbewerb warf. Liebeck ist heute noch den 05ern verbunden, seit 1996 ist er Beiratsmitglied.

Weitere Geburtstagskinder am Donnerstag: Gerhard Bold......und Devante Parker.62 Jahre alt wird Gerhard Bold. Der stürmische Außenverteidiger kam 1975 vom FC Rodalben zu den 05ern, spielte im ersten Jahr schon keine schlechte Rolle in der 2. Bundesliga, gehörte dann der jungen Garde an, die die wirtschaftlich schwer angeschlagenen 05er nach dem Rückzug aus dem Profifußball stabilisieren sollte. Lange war Bold nicht zu halten; über Hassia Bingen (1977/78) kam er bald zum Karlsruher SC, mit dem er 1980 in die Bundesliga aufstieg. Zuvor war er ein technisch guter, dynamischer, kopfballstarker Linksverteidiger, kein Linienläufer, sondern ein spielstarker Kombinationsspieler. Beim KSC spielte er als Mannschaftskapitän im defensiven Mittelfeld. Nach seiner Fußballkarriere, die er 1986 beim 1. FC Kaiserslautern beendete, stieg der lange Pfälzer in den Vorstand des FCK auf.

Devante Parker wird am Donnerstag 21 Jahre alt. Der Außenstürmer wird hin und wieder mit seinem großen Bruder Shawn verglichen, also wollen wir das auch tun: "Deva" ist drei Jahre und neun Tage jünger als der heutige Profi des FC Augsburg, er ist kleiner, schneller, nicht ganz so torgefährlich, aber spielerisch talentierter als sein Bruder. Der ist freilich eher zentraler Stürmer, Devante war eher Außenstürmer, der seine ersten Einsatzminuten in der Bundesliga schon hatte, acht in der Saison 2014/15, nur ein Stückchen Nachspielzeit in der vergangenen Saison. Vom Kurs in den großen Profifußball ist der junge Parker zuletzt ein bisschen abgekommen; in der U23, in der er mittlerweile zum Rechtsverteidiger umgeschult wurde, stagnierte er zuletzt. Während Shawn nach langen Verletzungen gerade einen Neustart in der 2. Bundesliga versucht, hat Devante Parker derzeit gewissen Nachholbedarf.

Ergebnisse am 16. März:

1969: Teutonia Landsweiler-Reden - FSV Mainz 05 2:1  
1980: Viktoria Herxheim - FSV Mainz 05 1:1  
1986: FSV Mainz 05 - SpVgg 07 Elversberg 2:0  
2008: TSV München 1860 - FSV Mainz 05 1:1  
2009: SV Wehen - FSV Mainz 05 0:2  
2013: TSG Hoffenheim - FSV Mainz 05 0:0 

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