Das 05-Kalenderblatt: 13. bis 16. März

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In diesen Tagen geht es um einen Oberliga-Torjäger, einen Devisenschmuggel, einen Weltreisenden, einen erzwungenen Ausgleich, einen kleinen Bruder mit mehr Talent als der große Bruder, einen stürmischen Außenverteidiger und den ersten Libero.

13. März  

Bernd Christ, der große Außenstürmer der 1950er, kam heute vor 84 Jahren zur Welt.Ein bedeutender Stürmer kam heute vor 84 Jahren zur Welt: Bernhard Christ, der  kam 1952 von der SpVgg Ingelheim an den Bruchweg wechselte und bis 1960 in 188 Spielen 47 Tore schoss.

Christ begann als Linksaußen, war aber letztlich auf jeder Offensivposition zu finden, je nachdem, wen die 05-Trainer im Angriff noch zur Verfügung hatten. Mit Mittelstürmer Karl-Heinz Wettig und Rechtsaußen Josef Meinhardt war der Ingelheimer ebenso Stammspieler wie mit Linksaußen Wettig und Mittelstürmer Werner Sommer oder mit Linksaußen Willi Hollerbach und Mittelstürmer Wolfgang Elze. Gelegentlich war Christ auch mal Mittelstürmer oder offensiver Mittelfeldspieler. Und als er sich im Mai 1956 in einem Privatspiel gegen den SV Wiesbaden einen Meniskusschaden zuzog, nach erfolgloser konservativer Behandlung im September operiert werden musste und erst kurz vor Weihnachten wieder spielen konnte, hatten die 05er ein Problem, das sie kaum zu lösen vermochten. Erst 1959/60 war der Angreifer kein Stammspieler mehr, schließlich war er einer von sechs alten Helden, die die 05er im Sommer 1960 verließen: Lothar Buchmann - erst 23 Jahre alt -, Heinrich Schaum und Gerhard Bergner wollten von sich aus weg, Christ, Willi Hollerbach und Friedel Reichert bekamen kein Vertragsangebot mehr. Bis dahin war Christ fast jedes Jahr für seine sechs bis acht Tore gut.

Petar Kurdov, der glücklose Stürmerstar der Saison 1988/89, wird heute 55 Jahre alt.Petar Kurdow wird heute 55 Jahre alt. Der Bulgare war 1988 der Königstransfer, mit dem die 05er den sofortigen Wiederabstieg aus der 2. Bundesliga verhindern wollten. Vorab soviel: Es gelang nicht. Kurdow, den dreimaligen bulgarischen Meister, nach Mainz zu holen, war schon eine komplizierte Sache; Vorstandsmitglied Peter Arens flog ohne Einreisevisum nach Sofia, schmuggelte die Leihgebühr von 50.000 Mark unter dem Hemd ins Land, hatte daher sicherheitshalber den Juristen Harald Strutz - damals noch nicht 05-Präsident, sondern zum letzten Mal als stellvertretender Sprecher des Förderkreises für die 05er unterwegs - dabei. Der übrigens hatte 17 Jahre zuvor in der bulgarischen Hauptstadt als Dreispringer bei der Leichtathletik-Europameisterschaft teilgenommen. Große Mengen Wodka mussten noch getrunken werden, ehe der Deal unter Dach und Fach war. Kurdow, in Bulgarien durchaus eine Nummer, ein kleiner, untersetzter Mittelstürmer vom Gerd-Müller-Typ, schoss prompt das schnelle 1:0 beim Debüt gegen die Offenbacher Kickers; es war das vorletzte Spiel vor Strutz' Amtszeit als Präsident. Anschließend aber war der Bulgare in erster Linie verletzt. Immer war klar: Mit ein bisschen Selbstvertrauen und Fitness hätte es etwas werden können; mit seiner technischen Klasse, seinen schnellen Wendungen, seiner Schlitzohrigkeit hatte Kurdow die nötige Qualität. Aber die Fitness fehlte, auch die Flügelstürmer, die er gebraucht hätte, gab es letztlich nicht. So verließ Kurdow die 05er nach einem knappen Jahr, 18 Spielen und zwei Toren wieder.

Samir Balagic wird am Sonntag 41 Jahre alt. Der slowenische Innenverteidiger kam 1999 von Rudar Velenje zu den 05ern, in einer Phase, in der der damalige 05-Trainer Wolfgang Frank etwas zu wahllos Spieler einkaufen ließ. Balagic war einer derer, die die Mannschaft überhaupt nicht weiterbrachten, ähnlich wie Serjik Teymourian oder Neil Murray, aber die anderen wurden wenigstens hin und wieder eingesetzt. Balagic schaffte nur 15 Testspieleinsätze, wechselte nach einem Jahr weiter zum VfR Mannheim und später zu Wattenscheid 09, wurde auch bei den beiden Regionalligisten kein Stammspieler.

Und auch am Sonntag feiern mehrere Nachwuchskicker der 05er Geburtstag: Björn Miehe, 2000/01 Einwechselspieler im Oberligateam, wird 36 Jahre alt, Sebastian Markowitz, der von 2006 bis 2008 U19-Stammspieler war, sich in der Regionalliga anschließend nicht durchsetzte, 27 Jahre. Und Jakob Friedrich aus dem aktuellen B-Juniorenteam wird 17 Jahre alt.

Ergebnisse am 13. März:

1927: FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 2:1  
1932: FK 03 Pirmasens - FSV Mainz 05 5:0  
1949: SpVgg Andernach - FSV Mainz 05 3:1  
1955: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 0:1  
1960: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:0  
1966: FK 03 Pirmasens - FSV Mainz 05 1:1  
1976: FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 4:2  
1977: FSV Mainz 05 - SpVgg Weisenau 3:0  
1983: FSV Salmrohr - FSV Mainz 05 4:0  
1988: FSV Salmrohr - FSV Mainz 05 1:1  
1993: Stuttgarter Kickers - FSV Mainz 05 1:2  
1994: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 1:1  
2010: FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 1:0  
2011: FSV Mainz 05 - Bayer Leverkusen 0:1  

14. März  

Am Montag vor 35 Jahren verstarb der Weltreisende Albert Zimmermann.Anfang des Monats haben wir hier die Geschichte von Hans Kroh erzählt, der vor einem Jahr noch ein Phantom war, dessen Biographie erst durch die Kontaktaufnahme seines Sohnes mit Mainz 05 im vergangenen Juni wieder rekonstruiert werden konnte. Heute gibt es eine ähnliche Geschichte; heute geht es um Albert Zimmermann, der am Montag vor 35 Jahren verstarb; Zimmermann wurde 73 Jahren alt. Unter den 05ern seiner Generation dürfte er die interessanteste Karriere gehabt haben. Der 1907 im gerade erst eingemeindeten Arbeiter-Vorort Mombach geborene Zimmermann sollte eigentlich gar nicht Fußball spielen - der Vater muss aber stolzer auf seinen Sohn gewesen sein, als er zugab: Zimmermann senior sammelte alle Zeitungsausschnitte, in denen sein Sohn erwähnt wurde. Er sammelte sie heimlich, aber sie haben den Krieg überstanden. Die Sammlung, mit der vor bald 90 Jahren die Karriere eines jungen Kickers dokumentiert wurde, existiert immer noch im Familienbesitz, daher wissen wir heute auch, dass der Stürmer - 48 Spiele, 25 Tore für die 05er - zu einem DFB-Lehrgang zur Vorbereitung aufs Olympische Fußballturnier von 1928 eingeladen war. Das wissen wir, weil der Alberts Sohn sich im vergangenen Herbst gemeldet hat, um den bis dahin falsch überlieferten Geburtstag seines Vaters zu korrigieren.

Und dank des Sohns wissen wir jetzt auch, warum Albert Zimmermann ab 1929 in keinem hiesigen Archiv mehr auftauchte: Der junge Fußballer - 21 Jahre alt erst - folgte nämlich 1929 seinem Onkel in die USA, spielte Fußball beim Deutschen Sport-Club Portland in Oregon und beim Teutonia Soccer Club in San Francisco. Sogar aus der Vorkriegs-Immigrantensportszene der Vereinigten Staaten geht also eine Verbindung nach Mainz auf. Karriere machte Zimmermann auf beiden Kontinenten in der Auto-Industrie, zurück in Deutschland dank seiner Englischkenntnisse als Verbindungsmann zwischen Opel und General Motors. Im Krieg landete Zimmermann als Inspektor des Kraftfahrzeugparks der 6. Armee in Stalingrad; ein Zufall rettete damals sein Leben: Als Spezialist gab der Ex-Stürmer zur rechten Zeit am rechten Ort (nämlich Rüsselsheim, weit weg von der Front) einen Lehrgang, und als der vorbei war, ging es schon nur noch darum, möglichst viele Soldaten irgendwie aus dem Kessel rauszuschaffen. Jahre nach dem Krieg landete Zimmermann noch einmal in den USA; dort war er zuständig für den Aufbau von VW-Werkstätten in den Südweststaaten, wo er einige ehemalige Mitspieler aus dem Teutonic SC wieder traf. Den 05ern blieb Zimmermann nach der neuerlichen Rückkehr nach Deutschland sein Leben lang als Zuschauer im Stadion verbunden; auch zu uns, der aktuellen Generation rund um den Verein hat er nun zurückgefunden als der Neueste, aber sicherlich nicht der Letzte, den wir wieder als Fußballer und als Person kennen.

33 Jahre alt wird Daniel Baude. Der Verteidiger aus Sachsen kam 2003 als ehemaliger U18-Nationalspieler aus Mönchengladbach zu den 05-Amateuren, spielte auch wegen einer langen Verletzung in drei Jahren nur 35 Mal in der Regional- und Oberliga und wechselte dann wieder in seine Heimat.

Ergebnisse am 14. März:

1954: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 3:3  
1965: Germania Metternich - FSV Mainz 05 1:3  
1981: FSV Mainz 05 - FC St. Wendel 4:1  
1982: FSV Salmrohr - FSV Mainz 05 1:2  
1987: SpVgg 07 Elversberg - FSV Mainz 05 1:2  
1992: FSV Mainz 05 - TSV München 1860 0:2  
1997: Rot-Weiss Essen - FSV Mainz 05 0:3  
1999: 1. FC Köln - FSV Mainz 05 2:1  
2003: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 1:3  
2015: FC Augsburg - FSV Mainz 05 0:2  

15. März  

Am Dienstag vor 92 Jahren kam Knut Hansen zur Welt. Der Linksaußen kam 1953 vom TSV Verden/Aller zu den 05ern, war aber nur Ergänzungsspieler hinter Karl-Heinz Wettig. Nach acht Spielen und einem Tor verließ Hansen die 05er 1954 wieder.

Vor zwölf Jahren rettete Christoph Teinert den 05ern einen Punkt in Karlsruhe. Zuvor hatten die Mainzer viermal nicht gewonnen; im Wildparkstadion sah es nach dem vierten 0:0 in Folge aus, bis Marco Engelhardt in der 88. Minute einen schlecht abgewehrten Ball in den Winkel donnerte. Aber das späte Anrennen der 05er, die sich mit der Niederlage partout nicht arrangieren wollten, wurde belohnt: Die letzte Aktion des Spiels war ein Freistoß nahe der linken Eckfahne, direkt vor dem Gästeblock. Teinerts Flanke in der 93. Minute kam viel zu hoch, war unerreichbar für die Stürmer, unerreichbar für die Verteidiger, unerreichbar für den Torwart. Und war so nah vors Tor gezogen, dass sie am langen Pfosten zum Ausgleich hineinfiel. Wie es nach diesem erzwungenen Punkt weiterging, verraten wir nächste Woche.

Weitere Ergebnisse am 15. März:

1953: Saar Saarbrücken - FSV Mainz 05 2:2  
1959: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 1:1  
1964: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 3:0  
1970: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 3:0  
1996: FSV Mainz 05 - FSV Zwickau 1:0  
1998: FSV Zwickau - FSV Mainz 05 0:0  
2014: TSG Hoffenheim - FSV Mainz 05 2:4  

16. März  

Am Mittwoch, heißt es, werde Mainz 05 111 Jahre alt. Jedoch gibt es starke Hinweise darauf, dass das nicht stimmt. Der 16. März 1905 wird nur in Nachkriegsquellen als Gründungsdatum genannt; die Festschriften zum 20. und 25. Jubiläum des Vereins machen die 05er elf Tage jünger. Darum wollen wir an dieser Stelle noch um ein bisschen Geduld bitten; übernächsten Sonntag greifen wir das Thema wieder auf.

Einer der Karrierehöhepunkte von Norbert Liebeck war die Platzwahl mit dem Weltmeister Hans Schäfer beim Pokalspiel gegen den 1. FC Köln.Auf jeden Fall Geburtstag hat Norbert Liebeck; der ehemalige 05-Kapitän wird 78 Jahre alt. Liebeck - in Höchst geboren, aber beim MTV 1817 ausgebildet - kam 1955 als Siebzehnjähriger zu den 05ern; 1957 rückte er in die erste Mannschaft auf. Zunächst musste er sich als Rechtsverteidiger und Mittelfeldspieler gegen starke Konkurrenz durchsetzen, Stammspieler war der talentierte junge Mann nur in Phasen. Ab 1959 änderte sich das. Zunächst war Liebeck immer noch ein inzwischen regelmäßig aufgestellter Springer zwischen den Positionen, nach und nach aber setzte er sich im innovativen System des neuen Trainers Heinz Baas im Abwehrzentrum fest. Wenn man so will, war Liebeck der 05-Libero, als der Libero noch nicht erfunden war. Er selbst nennt seine Rolle als Abwehrmann ohne festen Gegenspieler hinter dem Vorstopper (Carlo Storck oder Willi Jakobi) "Ausputzer" - ein Spielmacher im Rückraum wie spätere Spitzen-Liberos von Weltmeister Franz Beckenbauer bis 05-Legende Herbert Scheller war er noch nicht, aber nach einer durchwachsenen Saison 1961/62 spätestens ab 1962 und bis zu seinem Karriereende 1965 als Kapitän unumstrittener Abwehrchef der 05er. Insgesamt spielte Liebeck in acht Jahren 197 Mal für die erste Mannschaft der Mainzer, im letzten Jahr war er Teil der großen Pokalmannschaft, die Werder Bremen und den TSV München 1860 aus dem Wettbewerb warf. Liebeck ist heute noch den 05ern verbunden, seit 1996 ist er Beiratsmitglied.

Weitere Geburtstagskinder am Mittwoch: Gerhard Bold......und Devante Parker.61 Jahre alt wird Gerhard Bold. Der stürmische Außenverteidiger kam 1975 vom FC Rodalben zu den 05ern, spielte im ersten Jahr schon keine schlechte Rolle in der 2. Bundesliga, gehörte dann der jungen Garde an, die die wirtschaftlich schwer angeschlagenen 05er nach dem Rückzug aus dem Profifußball stabilisieren sollte. Lange war Bold nicht zu halten; über Hassia Bingen (1977/78) kam er bald zum Karlsruher SC, mit dem er 1980 in die Bundesliga aufstieg. Zuvor war er ein technisch guter, dynamischer, kopfballstarker Linksverteidiger, kein Linienläufer, sondern ein spielstarker Kombinationsspieler. Beim KSC spielte er als Mannschaftskapitän im defensiven Mittelfeld. Nach seiner Fußballkarriere, die er 1986 beim 1. FC Kaiserslautern beendete, stieg der lange Pfälzer in den Vorstand des FCK auf.

Devante Parker wird am Mittwoch 20 Jahre alt. Der Außenstürmer wird hin und wieder mit seinem großen Bruder Shawn verglichen, also wollen wir das auch tun: "Deva" ist drei Jahre und neun Tage jünger als der heutige Profi des FC Augsburg, er ist kleiner, schneller, nicht ganz so torgefährlich, aber spielerisch talentierter als sein Bruder. Der ist freilich eher zentraler Stürmer, Devante eher Außenstürmer, der seine ersten Einsatzminuten in der Bundesliga schon hatte, acht in der vergangenen Saison, nur ein Stückchen Nachspielzeit in dieser, der in der U23 Stammspieler ist, dort nun lernen muss, noch mehr Tore zu schießen. Alles andere kann er, wenn er sich im Abschluss noch ein bisschen verbessert, hat Devante Parker alle Möglichkeiten.

Ergebnisse am 16. März:

1969: Teutonia Landsweiler-Reden - FSV Mainz 05 2:1  
1980: Viktoria Herxheim - FSV Mainz 05 1:1  
1986: FSV Mainz 05 - SpVgg 07 Elversberg 2:0  
2008: TSV München 1860 - FSV Mainz 05 1:1  
2009: SV Wehen - FSV Mainz 05 0:2  
2013: TSG Hoffenheim - FSV Mainz 05 0:0  

 

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