Das 05-Kalenderblatt

Christian Karn. Mainz.
Auch in dieser Woche hat die nullfünfMixedZone wieder tief in die Vereinschronik gegriffen, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Auf dem Platz war noch nicht viel los, lediglich diverse Amateurteams wurden teils zweistellig abgeschossen - und dabei ein modernes Bundesligastadion eröffnet. Diverse Linksverteidiger haben Geburtstag, vor allem aber ein legendärer Rebell.

2. Juli

Am heutigen Donnerstag stehen für die 05er keine besonderen Jahrestage an.

3. Juli  

Am morgigen Freitag wird Klaus Rieger 72 Jahre alt. Der defensive Mittelfeldspieler kam 1969 als Nachfolger des langjährigen 05ers Manfred Zimmer vom VfR Bürstadt an den Bruchweg. Drei Jahre lang war Rieger Stammspieler beim FSV Mainz 05. Zunächst gehörte ihm das linke Mittelfeld. Nach dem Karriereende des legendären Linksverteidigers Heinz Wassermann spielte Rieger bereits 1970/71 häufig in der Abwehr, 1971/72 fast nur noch hinten links.

Schon 1972 verließ Rieger die 05er wieder; der Defensivmann war einer aus der Zwischenmannschaft, mit der die 05er ihren Generationswechsel der frühen 1970er überbrückten. In 82 Regionalligaspielen hatte er vier Tore geschossen; für Wormatia Worms absolvierte Rieger weitere 47 Spiele (1 Tor). Mit der Wormatia qualifizierte er sich 1974 für die neue 2. Bundesliga, aber er kam nicht mehr mit in die neue Spielklasse, sondern wechselte (wie Wassermann 1970) zum VfR Groß-Gerau.

Zur gleichen Zeit wie Rieger spielte auch Hennes Schneider für die 05er. Der Verteidiger wird am Freitag 64 Jahre alt. Der Ginsheimer Schneider rückte 1969 von den Junioren ins Regionalligateam auf. Stammspieler wurde er, weil der damalige 05-Trainer Erich Gehbauer im März 1970 den Libero demontierte: Der fast 32-jährige Carlo Storck, jahrelang Abwehrchef und damals Rekordspieler der 05er, machte gegen den FV Speyer ein ungewohnt schwaches Spiel; bereits nach 17 Minuten wechselte ihn Gehbauer aus. Schneider, bis dahin viermal eingewechselt und schon einmal Vertreter von Storck, blieb in diesem Spiel noch auf der Bank. Jürgen Salowski, Storcks Einwechselspieler, schoss nach "Bimbo" Bopps Anschlusstor das 2:2, aber nach Riegers Platzverweis verloren die 05er 2:3.

Storck jedenfalls spielte nie wieder als 05-Libero, nur noch gelegentlich im Mittelfeld. Ab dem folgenden Spiel übernahm der 18-jährige Schneider die anspruchsvolle Position bis zum Saisonende. 1970 holten die 05er einen neuen erfahrenen Libero, den 26-jährigen Walter Ziehmer vom Regionalliga-Absteiger SV Weisenau, der lange bei den 05ern blieb, erst als Spieler, später als Co- und Jugendtrainer. Weil aber die 05er in jener Saison große Defizite im Angriff hatten, mussten in der Hinrunde einige Mittelfeldspieler in der Spitze aushelfen und Ziehmer im Mittelfeld; Schneider etablierte sich doch wieder monatelang als Libero. Und als ihn Ziehmer im Winter wieder verdrängte, musste gleichzeitig der Kapitän und Vorstopper Helmut Müllges seine Karriere wegen einer langwierigen Oberschenkelproblemen beenden - wieder wurde ein Platz frei für Hennes Schneider.

Ein historischer Treffer: Florian Heller überwindet Gonsenheims Marvin Bylsma zum 1:0 des FSV Mainz 05 gegen die Mainzer Stadtauswahl - das erste Tor in der Coface Arena. Foto: imagoEndgültig wurde der Ginsheimer Libero, als auch Ziehmer 1971/72 seine Verletzungsprobleme hatte. Wie gut funktionierte, zeigte vor allem das 5:0 gegen den FK Pirmasens, bei dem der neue 05-Trainer Bernd Hoss dem Gegner das Mittelfeld überließ, erst vor dem eigenen Strafraum die Bälle erobern und dann schnell nach vorne kombinieren ließ. Die drei Spitzen rochierten ständig, Schneider und der Rechtsverteidiger Herbert Scheller stürmten mit, Pirmasens hatte keine Chance. So dass die Frage unbeantwortet bleibt, aber dennoch im Raum steht: Was wäre möglich gewesen, hätte sich Schneider nicht schon mit 22 Jahren in den Amateurfußball zum SV Weisenau verabschiedet - und weiterhin zu den Mainzer Hofsängern.

Was Hennes Schneider an seinem 60. Geburtstag gemacht hat, wissen wir nicht. Vielleicht war er tatsächlich in der Coface Arena. Denn die wurde an diesem Tag, am Freitag vor vier Jahren, mit einer Gala und einem 8:0 der 05er gegen eine Mainzer Stadtauswahl eröffnet. Florian Heller schoss das erste Tor im neuen Stadion.

4. Juli

Bis auf ein paar Testspiele gegen Amateurteams steht am 4. Juli nichts in den 05-Archiven.

5. Juli

Am Sonntag hat Ansgar Brinkmann Geburtstag...Am Sonntag wird Ansgar Brinkmann 46 Jahre alt. Der selbsternannte "Letzte Rebell" - der Spitzname "Weißer Brasilianer" ist eine Erfindung der Medien, die Brinkmann gar nicht so sehr mag - müsste vom Talent her eigentlich 400 Bundesliga- und 80 Länderspiele absolviert haben, machte aber viel zu wenig aus seinen Möglichkeiten. Brinkmann sagt selbst, er sei viel zu spät auch im Kopf ein Profi geworden. In der Tat war der Angreifer ein Spieler, der sich gern ein bisschen nonkonformistisch verhielt, sich als Antipode zum Trainer gefiel, immer wieder für einen Skandal gut war, nie länger als nötig bei einem Verein verweilen wollte. Mit drei Vereinen in der Jugend und 15 als Erwachsener zählt er zu den Profis mit den meisten Stationen in seiner Karriere und seine größten Erfolge sind nur zwei Bundesliga-Aufstiege: 1998 mit Eintracht Frankfurt, 2002 mit Arminia Bielefeld. Passend: Als Brinkmann mit 29 Jahren endlich die Bundesliga erreichte, kam er direkt vom absoluten Tiefpunkt seiner Karriere: Beim Oberligisten BV Cloppenburg war er nur ein halbes Jahr zuvor in die A-Klasse zur Reserve degradiert worden.

Ansgar Brinkmann war von Haus aus ein dribbelstarker, fintenreicher Rechtsaußen, wurde aber 1987 mit Bayer Uerdingen (und Oliver Bierhoff) als Verteidiger Deutscher U19-Meister. Mit 18 Jahren kam er in die 2. Bundesliga - dreieinhalb Jahre beim VfL Osnabrück waren seine längste Zeit bei einem Verein. Über Preußen Münster kam Brinkmann 1993 zu den 05ern, für die er in zwei Jahren und 55 Zweitligaspielen sieben Tore schoss. Bei seinen weiteren Vereinen (noch einmal Münster, FC Gütersloh, SC Verl, wieder Gütersloh, Cloppenburg und Frankfurt, Tennis Borussia Berlin und erneut Osnabrück, Bielefeld, LR Ahlen, FC Kärnten, Dynamo Dresden und zum Schluss noch einmal Preußen Münster) wurde Brinkmann im Laufe der Jahre auf dem Platz immer weiter nach hinten geschoben.

6. Juli  

...Sven Eichinger am Montag.Am Montag wird Sven Eichinger 44 Jahre alt. "Eiche", bereits Jugendspieler der 05er, kam 1997 über den SV Wiesbaden, den SV Weisenau, den SV Edenkoben, die TSG Pfeddersheim und RWO Alzey 1997 zurück zu den 05ern, deren zweite Mannschaft gerade in die Verbandsliga aufgestiegen war. Sechs Jahre lang war Eichinger ein unumstrittener Führungsspieler im zentralen Mittelfeld der 05-Amateure, mit denen er 1999 die Ober- und 2003 die Regionalliga erreichte sowie dreimal den Südwestpokal gewann. Nach dem Aufstieg verabschiedete sich Eichinger von seinem Verein; sein Beruf ließ sich nicht mit Drittligafußball vereinbaren. Eichingers Karriere-Höhepunkt war das erste DFB-Pokalspiel der 05-Amateure: Der Gladbach-Fan hielt mit seinen Kollegen 120 Minuten lang ein 0:0 gegen die Borussia und schoss im Elfmeterschießen das 1:1 - verlor allerdings 2:4.

7. Juli

Am Dienstag vor 79 Jahren kam Albert Neunecker zur Welt. Der Angreifer stand in den frühen 1960ern lange an der Schwelle zwischen der ersten und zweiten Mannschaft der 05er, wurde aber von 1959 bis 1964 nur zehnmal eingesetzt. Sein einziges Tor schoss Neunecker 1961 beim 2:4 in Frankenthal.

8. Juli

Mainz 05 1956/57 zu Gast in Aue. Vorne rechts: Alfred Höfer.Die Geburt von Alfred Höfer liegt am Mittwoch 87 Jahre zurück. In der Oberligazeit der 05er war der Koblenzer, der 1951 vom VfL Kesselheim zur zweiten Mannschaft der 05er gewechselt war und 1952 Hermann Ronde ins Mittelfeld verdrängte, ein ungeheuer wichtiger Mann auf der linken Abwehrseite, offensiv fast ohne Wirkung, defensiv aber unumstritten; von gelegentlichen Verletzungen abgesehen (ein Meniskusriss kostete ihn die komplette Saison 1957/58) war Höfer bis zu seinem Karriereende 1959 immer Stammspieler. Sein einziges Tor für die 05er schoss Alfred Höfer im drittletzten Spiel seiner Laufbahn in seiner Heimatstadt: Beim 4:3 bei der TuS Neuendorf brachte Höfer die 05er mit 3:2 in Führung; die Niederlage bedeutete den Abstieg der einstigen Spitzenmannschaft aus der Oberliga.

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