Das 05-Kalenderblatt: 10. bis 13. März

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es um einen Spieler mit zwei Namen, sieben Tore nach 1:3-Rückstand, einen Allrounder aus Oberbayern, torgefährliche Verteidiger, einen Überfall, einen Torwart aus schwarzweißer Vorzeit, einen Oberliga-Torjäger und einen Devisenschmuggel.

10. März  

Jan-Michael Marggraf wird heute 48 Jahre alt...Heute wird Jan-Michael Marggraf 48 Jahre alt. Der Österreicher kam 1995 zu Mainz 05, als er noch Jan-Michael Fritz hieß; in seiner kurzen Zeit als 05er heiratete er und nahm den Namen seiner Frau an. Horst Franz, damals 05-Trainer, sah eine Art Mittelstürmer in ihm, aber es reichte nicht. Fritz/Marggraf war ein guter Techniker, hatte aber kein Durchsetzungsvermögen, war einfach kein Zweitligaspieler. Nach nur sieben Ligaspielen (und einem Pokal-Einsatz mit Torerfolg beim SC Neukirchen) verließ Marggraf den Profifußball zum SV Wehen, später zu Hassia Bingen.

Eins der größten Comebacks der 05er liegt heute 43 Jahre zurück: Drei Abwehrfehler brachten die Eisbachtaler Sportfreunde schnell hoch in Führung - 3:1 nach 17 Minuten, zwischendrin hatte Herbert Scheller nach einem schweren Patzer des Westerwälder Torwarts Geißler ausgeglichen. Der Keeper war auch am 2:3 (Scheller) und am 3:3 (Paul Göppl) nicht unschuldig, wurde zur Halbzeit ausgewechselt. Und als in der letzten halben Stunde den Sportfreunden die Kraft ausging, trafen Gerd Klier, Göppl, nochmal Klier, Jürgen Richter und ein drittes Mal Klier zum 8:3-Auswärtssieg. Das Hinspiel hatten die 05er sogar 9:1 gewonnen. Dabei hatten Klier und Gerd Schmidt den gleichen indirekten Elfmeter versucht, den kürzlich Leo Messi und Luis Suárez vorführten, aber Schmidt hatte das leere Tor nicht getroffen.

...Florian Heller 35...35 Jahre alt wird heute Florian Heller. Der Oberbayer war ein Musterbeispiel an Solidität. In den älteren Nachwuchsklassen des FC Bayern war er noch als Stürmer ausgebildet worden, in Fürth und Aue hatte er sich bereits zum seitlichen Mittelfeldspieler entwickelt, bei den 05ern war er ab 2008 drei Jahre lang so ziemlich alles, unter Jörn Andersen auf dem rechten Flügel zunächst häufiger vorne als hinten, unter Thomas Tuchel, der von den Defensivfähigkeiten des vorherigen Rechtsverteidigers Tim Hoogland weniger hielt als von dessen Torgefahr, doch eher Außenverteidiger, meist rechts hinter Hoogland, hin und wieder auch links, gegen Ende sogar wieder ein paar Mal Mittelstürmer.

Heller lebte dabei immer von seiner Schnelligkeit, seiner extremen Laufbereitschaft, seiner Gradlinigkeit - im Sport und in der Persönlichkeit. Der Allrounder war ein bisschen bayerisch verschroben, aber total bodenständig, total uneingebildet, ein guter Kerl in einer Mannschaft allerdings, deren Niveau sich nach und nach von seinem wegentwickelte. Zwei Jahre lang war Heller Stammspieler auf seinen diversen Positionen, im dritten verlor er den Anschluss ein bisschen. Nachdem er in der Hinrunde seiner vierten Saison gar nicht mehr gebraucht worden war, lediglich einmal in der Regionalliga gespielt und einmal in der Bundesliga auf der Bank gesessen hatte, wechselte er zwei Monate vor seinem 30. Geburtstag zum FC Ingolstadt 04. Heute ist Heller U19-Trainer seines letzten Profivereins, der SpVgg Unterhaching.

...und Tevin Ihrig 22.Tevin Ihrig wird heute 22 Jahre alt. Der saubere, präzise Verteidiger aus Worms kam als 14-Jähriger zu den 05ern, war jahrelang Stammspieler in den diversen Jugendmannschaften und ist heute der erste Ersatzinnenverteidiger der U23.

Heute vor 17 Jahren schließlich schossen die 05er den Chemnitzer FC 5:0 ab. Ungewöhnlich an diesem Kantersieg: Die Defensivspieler schossen alle fünf Tore. Zweimal traf der Rechtsverteidiger Robert Ratkowski, jeweils einmal der Linksverteidiger Steffen Herzberger und die beiden defensiven Mittelfeldspieler Thorsten Nehrbauer und Adrian Spyrka. Herzberger, Spyrka und Ratkowski bereiteten außerdem jeweils ein Tor vor.

Und heute vor fünf Jahren gab es den Überfall gegen Nürnberg: Vor Nicolai Müllers Führungstor hatten die 05er schon zweimal den Pfosten getroffen - alles in der ersten Spielminute! Mit 2:1 war der Sieg am Ende trotzdem etwas knapper als nötig.

Weitere Ergebnisse am 10. März:

1968: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 2:1  
2001: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 1:1  
2004: Rot-Weiß Oberhausen - FSV Mainz 05 0:0  
2007: FSV Mainz 05 - Arminia Bielefeld 1:0  

11. März  

In der ersten 05-Generation nach dem Ersten Weltkrieg stand der am Samstag vor 82 Jahren jung verstorbene "Addel" Etz (Sechster von links) im Tor.Am Samstag vor bereits 82 Jahren verstarb der erst 37-jährige Adolf Etz. Der Torwart hatte sich schon 1911 als 14-Jähriger den 05ern angeschlossen, war in den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg Stammkeeper, blieb bis 1928 als gelegentlich benötigter Ersatzmann hinter Hans Lautner in der ersten Mannschaft. "Addel" war nicht der einzige Etz bei den 05ern; sein Bruder Julius war von 1929 bis 1933 Trainer der ersten Mannschaft, gewann mit ihr zweimal die Hessenmeisterschaft, kündigte Ende August 1933 seinen Vertrag, um in Mannheim eine Stelle als Schriftleiter beim Nationalsozialistischen Sportverband anzutreten.

Vor 55 Jahren waren die 05er erstmals kurz davor, den Betzenberg zu knacken. Zwar rannte der FCK 90 Minuten lang an, kam aber einfach nicht zu Torchancen, während die 05er hervorragend konterten, immer wieder hinter die weit aufgerückte Abwehr kamen, durch zwei Tore von Manfred Nehren (25., 30.) lange 2:0 führten. In der 80. Minute vergab der Mittelstürmer die große Chance zum 3:0. Und dann kam der Endspurt: Winfried Richter (83.), Werner Liebrich (85.) und Gerhard Settelmeier (87.) schossen vor gerade mal 2.000 Zuschauern die Tore zum 3:2-Heimsieg des FCK. Und es dauerte noch einmal 43 Jahre bis zum ersten 05-Sieg auf dem Betze.

Außerdem haben drei ehemalige 05-Nachwuchskicker Geburtstag. Ralf Puntheller, der 1990 im Profikader stand, aber nie in Pflichtspielen der ersten Mannschaft eingesetzt wurde, wird 45 Jahre alt. Velibor Velemir, durchaus ein talentierter Mittelfeldspieler und deutscher U19-Meister 2009, 26 Jahre. Der Bosnier, der im Finale gegen Borussia Dortmund früh für den verletzten Jan Kirchhoff eingewechselt wurde und schnell Eugen Gopkos Führungstor vorbereitete, spielt heute für Hessen Dreieich. Zwei Jahre jünger ist der Deutsch-Brasilianer Martin Kramer, der von der U16 bis zur U23 mehr oder weniger regelmäßig verteidigte, Anfang 2013 zum FC Homburg wechselte und heute in der Oberliga für den Karlsruher SC II spielt.

Weitere Ergebnisse am 11. März:

1928: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 1:0  
1934: SV Wiesbaden - FSV Mainz 05 2:0  
1951: ASV Landau - FSV Mainz 05 1:3  
1956: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 0:2  
1962: 1. FC Kaiserslautern - FSV Mainz 05 3:2  
1964: SV Völklingen 06 - FSV Mainz 05 1:1  
1973: Phönix Bellheim - FSV Mainz 05 2:3  
1984: FSV Mainz 05 - FSV Salmrohr 2:1  
1989: FSV Mainz 05 - Union Solingen 3:0  
1990: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 0:2  
1995: FSV Mainz 05 - Waldhof Mannheim 1:1  
2006: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 3:0  

12. März  

Am Sonntag vor 94 Jahren wurde Eugen Csákány geboren. Der Rumäne mit ungarischen Wurzeln war in den späten 1940ern und in den 1950ern langjähriger Leistungsträger beim SV Wiesbaden; 1948 spielte er 16 Mal im Mainzer Angriff und schoss sieben Tore. Csákány verstarb 2006 im Alter von 83 Jahren.

Ergebnisse am 12. März:

1950: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 4:0  
1961: FSV Mainz 05 - Phönix Ludwigshafen 3:0  
1967: Phönix Bellheim - FSV Mainz 05 0:5  
1972: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 2:0  
1978: FSV Mainz 05 - 1. FC Sobernheim 4:1  
2005: Werder Bremen - FSV Mainz 05 0:0  

 

13. März  

Bernd Christ, der große Außenstürmer der 1950er, kam am Montag vor 85 Jahren zur Welt.Ein bedeutender Stürmer kam am Montag vor 85 Jahren zur Welt: Bernhard Christ, der  kam 1952 von der SpVgg Ingelheim an den Bruchweg wechselte und bis 1960 in 188 Spielen 47 Tore schoss.

Christ begann als Linksaußen, war aber letztlich auf jeder Offensivposition zu finden, je nachdem, wen die 05-Trainer im Angriff noch zur Verfügung hatten. Mit Mittelstürmer Karl-Heinz Wettig und Rechtsaußen Josef Meinhardt war der Ingelheimer ebenso Stammspieler wie mit Linksaußen Wettig und Mittelstürmer Werner Sommer oder mit Linksaußen Willi Hollerbach und Mittelstürmer Wolfgang Elze. Gelegentlich war Christ auch mal Mittelstürmer oder offensiver Mittelfeldspieler. Und als er sich im Mai 1956 in einem Privatspiel gegen den SV Wiesbaden einen Meniskusschaden zuzog, nach erfolgloser konservativer Behandlung im September operiert werden musste und erst kurz vor Weihnachten wieder spielen konnte, hatten die 05er ein Problem, das sie kaum zu lösen vermochten. Erst 1959/60 war der Angreifer kein Stammspieler mehr, schließlich war er einer von sechs alten Helden, die die 05er im Sommer 1960 verließen: Lothar Buchmann - erst 23 Jahre alt -, Heinrich Schaum und Gerhard Bergner wollten von sich aus weg, Christ, Willi Hollerbach und Friedel Reichert bekamen kein Vertragsangebot mehr. Bis dahin war Christ fast jedes Jahr für seine sechs bis acht Tore gut.

Petar Kurdov, der glücklose Stürmerstar der Saison 1988/89, wird am Montag 56 Jahre alt.Petar Kurdow wird am Montag 56 Jahre alt. Der Bulgare war 1988 der Königstransfer, mit dem die 05er den sofortigen Wiederabstieg aus der 2. Bundesliga verhindern wollten. Vorab soviel: Es gelang nicht. Kurdow, den dreimaligen bulgarischen Meister, nach Mainz zu holen, war schon eine komplizierte Sache; Vorstandsmitglied Peter Arens flog ohne Einreisevisum nach Sofia, schmuggelte die Leihgebühr von 50.000 Mark unter dem Hemd ins Land, hatte daher sicherheitshalber den Juristen Harald Strutz - damals noch nicht 05-Präsident, sondern zum letzten Mal als stellvertretender Sprecher des Förderkreises für die 05er unterwegs - dabei. Der übrigens hatte 17 Jahre zuvor in der bulgarischen Hauptstadt als Dreispringer bei der Leichtathletik-Europameisterschaft teilgenommen. Große Mengen Wodka mussten noch getrunken werden, ehe der Deal unter Dach und Fach war. Kurdow, in Bulgarien durchaus eine Nummer, ein kleiner, untersetzter Mittelstürmer vom Gerd-Müller-Typ, schoss prompt das schnelle 1:0 beim Debüt gegen die Offenbacher Kickers; es war das vorletzte Spiel vor Strutz' Amtszeit als Präsident. Anschließend aber war der Bulgare in erster Linie verletzt. Immer war klar: Mit ein bisschen Selbstvertrauen und Fitness hätte es etwas werden können; mit seiner technischen Klasse, seinen schnellen Wendungen, seiner Schlitzohrigkeit hatte Kurdow die nötige Qualität. Aber die Fitness fehlte, auch die Flügelstürmer, die er gebraucht hätte, gab es letztlich nicht. So verließ Kurdow die 05er nach einem knappen Jahr, 18 Spielen und zwei Toren wieder.

Samir Balagic wird 42 Jahre alt. Der slowenische Innenverteidiger kam 1999 von Rudar Velenje zu den 05ern, in einer Phase, in der der damalige 05-Trainer Wolfgang Frank etwas zu wahllos Spieler einkaufen ließ. Balagic war einer derer, die die Mannschaft überhaupt nicht weiterbrachten, ähnlich wie Serjik Teymourian oder Neil Murray, aber die anderen wurden wenigstens hin und wieder eingesetzt. Balagic schaffte nur 15 Testspieleinsätze, wechselte nach einem Jahr weiter zum VfR Mannheim und später zu Wattenscheid 09, wurde auch bei den beiden Regionalligisten kein Stammspieler.

Und auch am Montag feiern mehrere Nachwuchskicker der 05er Geburtstag: Björn Miehe, 2000/01 Einwechselspieler im Oberligateam, wird 37 Jahre alt, Sebastian Markowitz, der von 2006 bis 2008 U19-Stammspieler war, sich in der Regionalliga anschließend nicht durchsetzte, 28 Jahre.

Ergebnisse am 13. März:

1927: FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 2:1  
1932: FK 03 Pirmasens - FSV Mainz 05 5:0  
1949: SpVgg Andernach - FSV Mainz 05 3:1  
1955: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 0:1  
1960: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:0  
1966: FK 03 Pirmasens - FSV Mainz 05 1:1  
1976: FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 4:2  
1977: FSV Mainz 05 - SpVgg Weisenau 3:0  
1983: FSV Salmrohr - FSV Mainz 05 4:0  
1988: FSV Salmrohr - FSV Mainz 05 1:1  
1993: Stuttgarter Kickers - FSV Mainz 05 1:2  
1994: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 1:1  
2010: FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 1:0  
2011: FSV Mainz 05 - Bayer Leverkusen 0:1  
2016: Borussia Dortmund - FSV Mainz 05 2:0

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