Das 05-Kalenderblatt: 1. bis 4. Januar

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In den ersten Tagen des neuen Jahres geht es unter anderem um einen EM-Torschützen, den ersten Spanier bei Mainz 05, einen zu intelligenten Verteidiger, einen zu professionellen Routinier und um den ehemaligen 05-Kapitän.

1. Januar  

Das einzige Neujahrskind mit Profierfahrungen bei Mainz 05: Dirk Rammenzweig wird heute 44 Jahre alt.Am Neujahrstag hat Dirk Rammenzweig Geburtstag. Der Verteidiger wird 44 Jahre alt. Rammenzweig war einer der ersten 05-Spieler, die nach den Zweitliga-Aufstiegen 1988 und 1990 aus der eigenen Jugend ins Profiteam kamen und dort irgendeine Rolle spielen; große Bedeutung erreichte keiner von ihnen, bis 1995 Markus Kreuz auftauchte. Rammenzweig war 1987 als 14-Jähriger von der TSG Frei-Weinheim zu den 05ern gekommen, stand bereits 1991 im Zweitligakader, musste aber noch zwei Jahre auf sein Debüt warten. 1993/94 erst wurde er 16 Mal in der 05-Abwehr eingesetzt, meist als Einwechselspieler, im April tatsächlich viermal hintereinander in der Startelf, weil Holger Greilich gerade verletzt war.

Rammenzweig war technisch nicht schlecht, ein sehr guter Kopfballspieler mit gutem Passspiel. Im heutigen Fußball hätte er - auf welchem Niveau auch immer - ein ordentlicher Sechser werden können. Für einen Verteidiger der frühen 1990er hätte er ein größerer Rabauke sein müssen; nach der damaligen Art konnte er den Gegenspieler nicht konsequent genug ausschalten, daher reichte es nicht für eine längere Karriere. Die brauchte Rammenzweig aber nicht unbedingt; er war ein intelligenter Typ und musste nicht ausschließlich auf den Fußball setzen.

22 Jahre alt wird zum Jahresbeginn Patrick Schulz, U17-Stammtorwart der Saison 2011/12 und danach zwei Jahre lang Ersatzkeeper der U19, 19 Jahre alt wird Nico Siegert, Linksverteidiger im aktuellen U19-Team.

Außerdem sicherten sich die 05er am Neujahrstag 1928 mit einem 3:0 beim Tabellenletzten Germania Wiesbaden die Vizemeisterschaft der Bezirksliga Hessen. Albert Zimmermann (2) und Alois Draisbach schossen die Tore.

2. Januar  

Hanno Balitsch war kein großer Faktor im ersten Mainzer Bundesligajahr. Der erfahrene Profi war eine Nummer zu groß für einen Verein, dessen Erfolg auf seiner spezieller Mentalität basierte. Foto: imagoHanno Balitsch wird am Montag 36 Jahre alt. Der Darmstädter war um seinen 24. Geburtstag herum einer der ersten großen Transfers des FSV Mainz 05: 88 Bundesligaspiele hatte Balitsch schon für den 1. FC Köln und Bayer Leverkusen bestritten, eigentlich war er mindestens eine Nummer zu groß für die 05er, als er in der ersten Winterpause nach dem Aufstieg an den Bruchweg kam.

Der selbstbewusste Ex-Kapitän der U21-Nationalmannschaft, der sogar schon ein A-Länderspiel bestritten hatte, sollte mit seiner Erfahrung, seinen taktischen und technischen Fähigkeiten das zentrale Mittelfeld stabilisieren und tat das nur bedingt. Sicherlich hätte er mit etwas mehr Geduld ins Mainzer Spiel passen können, allerdings hielt es der erfahrene Profi in Mainz nur ein halbes Jahr aus. Der ganze Verein war ihm zu harmonisch, das nicht nur natürlich gewachsene, sondern von Christian Heidel und Jürgen Klopp gezüchtete Gemeinschaftsgefühl war ihm suspekt, Balitsch verglich die 05er sicherlich nicht nur im Scherz gar mit einer Sekte. Und als der Spieler bereits am Saisonende zu Hannover 96 ging (wo er fünf Jahre lang ebenso Leistungsträger war wie später beim FC Nürnberg, ehe er seine Karriere nach 343 Bundesligaspielen beendete), war den 05ern klar: Für gestandene Bundesligaspieler waren sie noch nicht weit genug. Noch mussten sich neue Profis an die Mentalität der Aufstiegsgeneration anpassen. Einzelgänger waren Störfaktoren, Hanno Balitsch passte nicht. Zehn Jahre später hätte ein junger Balitsch sicher eine bessere Rolle gespielt.

...und manchmal passiert das, was keiner erwartet. Wie dieser wunderbare Kopfballaufsetzer Julian Baumgartlingers zum Siegtor gegen Schalke. Foto: imagoJulian Baumgartlinger wird 29 Jahre alt. Der als Jugendlicher vor allem beim TSV München 1860 ausgebildete Salzburger spielte bis 2016 fünf Jahre für die 05er und war in seinem letzten Jahr nicht mehr nur gelegentlich aushilfsweise, sondern ganz offiziell ihr Mannschaftskapitän. Seit Sommer spielt der Sechser bei Bayer Leverkusen.

Baumgartlinger brauchte nach seinem Wechsel von Austria Wien zu den 05ern eine gewisse Zeit, um sich in der Bundesliga zu akklimatisieren, aber das wussten die 05er. Didi Constantini, der ehemalige 05-Trainer und damals Nationalcoach Österreichs, versprach: Im zweiten Jahr wird er den Durchbruch schaffen. Und im zweiten Jahr schaffte er den Durchbruch; von einer langwierigen Verletzung in der Saison 2013/14 und einer etwas kürzeren vor Weihnachten 2014 abgesehen war er seither ein unumstrittener Stammspieler, im Nationalteam ebenso wie in der Bundesliga. Auch in Leverkusen wurde Baumgartlinger schon 16 Mal eingesetzt, allerdings nicht immer von Anfang an.

Baumgartlinger ist ein Arbeiter im zentralen Mittelfeld, ein im Raum sehr präsenter Dauerläufer, der Haupt-Balleroberer der 05er. Zum perfekten Fußballer fehlt ihm lediglich ein bisschen Qualität im Passspiel, auch torgefährlich ist Baumgartlinger nicht oft; die beiden Treffer in der vergangenen Rückrunde gegen Schalke 04 und Werder Bremen passten nicht ins Bild.

24 Jahre alt wird am Montag Dominik Jolic, der von 2010 an drei Jahre lang für die U19 und U23 der 05er spielte.

Lange vorher, am Montag vor 62 Jahren, trennten sich die 05er durch ein Tor von Walter Sonnenberger und ein Eigentor von Hans Nebelung mit 1:1 vom FV Speyer.

3. Januar  

76 Jahre liegt am Dienstag die Geburt von Miguel Garriga zurück. Der Spanier spielte von 1961 bis 1966 auf allen möglichen Positionen im Mittelfeld und im Angriff 15 Mal für die erste Mannschaft der 05er, dann wechselte er zum SV Gonsenheim.

Stefan Markolf, einer der ungewöhnlicheren 05-Spieler, wird am Dienstag 33 Jahre alt.

Stefan Markolf wird am 33 Jahre alt. Der Linksverteidiger aus Nordhessen spielte im Mainzer Zweitligateam keine ganz große Rolle und war dennoch ein bedeutender Spieler - einer der ganz wenigen Kicker, die es mit einer körperlichen Behinderung in den Profifußball schafften: Markolf ist seit der Geburt annähernd gehörlos. Zu den 05ern kam er 2004 als Oberligaspieler vom KSV Baunatal. In der Regionalligamannschaft der Mainzer setzte er sich erst spät durch, nach dem Abstieg war er zwei Jahre lang Stammspieler in der Oberliga Südwest. Und 2007/08 gehörte Markolf zumindest in der Hinrunde fest zum 18er-Kader der Mainzer Zweitligamannschaft, acht Mal spielte er mit, zweimal von Anfang an. Fußballerisch wäre mehr drin gewesen. Markolf hat es sich früh angewöhnt, über die Optik seine Gehörlosigkeit zu kompensieren, hatte immer den Kopf oben, hatte eine überragende Übersicht, war ein guter Aufbauspieler, aber vielleicht etwas zu brav; daher setzte er sich am Ende nicht durch. Der einzige Profi in der deutschen Gehörlosen-Nationalmannschaft, der bei deren EM 2011 im Viertelfinale das Siegtor gegen die Türkei schoss, verließ die 05er nach jener Saison und spielte seitdem für den Wuppertaler SV, Hessen Kassel und wieder den KSV Baunatal.

31 Jahre alt wird Sven Petry, der in der ersten U19-Bundesliga-Generation der 05er 25 Mal spielte und zwei Tore schoss. Und 22 Jahre alt wird Maximilian Wagener, Ersatzspieler in der letztjährigen 05-Drittligamannschaft.

Ergebnisse am 3. Januar:

1937: FSV Mainz 05 - VfB Unterliederbach 1:4  
1954: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 1:2  
1965: Phönix Bellheim - FSV Mainz 05 2:2  

4. Januar  

Und am Mittwoch vor 63 Jahren kam Karl-Heinz Schäfer zur Welt.Am Mittwoch wird Karl-Heinz Schäfer 63 Jahre alt. Der offensive Mittelfeldspieler kam 1977 vom SV Wiesbaden zu den 05ern, war bald Stammspieler und mit zehn Toren ein Faktor zum zweiten Gewinn der Südwestmeisterschaft. Nach dem verpassten Aufstieg wechselte Schäfer zur reichen SG Harxheim, kam nach zwei Jahren als Linksverteidiger zurück, wurde aber auf dieser Position bald vom Neuzugang Hans Keller verdrängt. Bis er 1982 wieder nach Harxheim ging, bestritt Schäfer insgesamt 63 Pflichtspiele für die 05er.

Weitere Ereignisse am 4. Januar:

1953: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 4:0  
1959: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 1:1  
1981: SpVgg Elversberg - FSV Mainz 05 3:3  

 

► Alle Artikel zur Historie

► Zur Startseite

 

► Alle Artikel zur Historie

► Zur Startseite