Das 05-Kalenderblatt

Christian Karn. Mainz.
Auch in dieser Woche hat die nullfünfMixedZone wieder tief in die Vereinschronik gegriffen, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Wir haben unter anderem den Geburtstag des Mittelstürmers gefunden, ein bedeutendes Pokalspiel und eine denkwürdige Partie in Fürth. Das Ergebnis der Recherchen stellen wir Ihnen regelmäßig in einer Serie vor - im 05-Kalenderblatt.

16. April

Ein typisches Okazaki-Tor: Der Kopfball-Abstauber gegen Borussia Mönchengladbach. Foto: imagoBeim VfB Stuttgart wundert man sich womöglich heute noch, was da passiert ist: Fast verschenkt hat der VfB vor knapp zwei Jahren seinen Angreifer Shinji Okazaki an den FSV Mainz 05. Im zweiten Jahr in Stuttgart hatte der Japaner siebenmal getroffen, im ersten (zwei Rückrundentore) und im dritten (ein Tor in 25 Spielen) aber überhaupt nichts von dem gezeigt, was ihn immerhin zum Rekordtorjäger unter den derzeit aktiven Spielern in seiner Nationalmannschaft macht - was womöglich damit zusammenhängt, dass Okazaki fast nur als Außenstürmer eingesetzt wurde. Direkt vor dem Transfer nach Mainz für eine kolportierte Ablöse von rund 1,5 Millionen Euro wurde Christian Heidel nochmal nervös: Der Stürmer traf beim Confederations Cup gegen Italien und Mexiko und der 05-Manager befürchtete, dass sich die Premier League noch in die Verhandlungen einmischen könnte. In Mainz wurde Okazaki als Mittelstürmer nach kurzer Anlaufzeit eine Art Torjäger: Lange Phasen ohne Treffer wurden immer wieder durch Doppelpacks unterbrochen - fünf im ersten Jahr, einer im zweiten. Insgesamt traf Okazaki für die 05er bislang 25 Mal. Längst ist er der torgefährlichste Japaner der Bundesligageschichte, aber auch ohne Treffer als Pressingspezialist wertvoll. Nachdem die 05er im Winter ein angeblich auf über 13 Millionen Euro dotiertes Kaufangebot von Leicester City abgelehnt hatten, könnte es passieren, dass Okazaki in der Sommerpause für eine gewaltige Ablöse nach England wechselt - aber das ist Spekulation. Fakt dagegen ist, dass der Stürmer heute 29 Jahre alt wird.

Den 43. Geburtstag kann ein Mann feiern, der einer von Okazakis Vorgängern im Mainzer Sturmzentrum werden sollte. Arild Stavrum hatten die 05er im Sommer 2002 vom Besiktas JK als Nachfolger von Blaise Nkufo verpflichtet, aber weil der norwegische Ex-Nationalspieler (zwei Länderspiele 1995) und schwedische Torschützenkönig von 1998 den Medizincheck nicht bestand, wurde der Vertrag aufgelöst und Benjamin Auer nach Mainz geholt. Stavrum wurde später erfolgloser Erstligatrainer in Norwegen, Zeitungskolumnist und Romanautor.

Weitere Ergebnisse am 16. April:

1933: Union Böckingen - FSV Mainz 05 2:2  
1950: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 0:0  
1961: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 1:3  
1967: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 2:4  
1972: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 3:1  
1978: FSV Mainz 05 - Ludwigshafener SC 4:1  
1979: FSV Mainz 05 - FC St. Wendel 2:1  
1986: FSV Mainz 05 - VfL Hamm/Sieg 2:1  
1989: FSV Mainz 05 - SC Freiburg 2:1  
1994: FSV Mainz 05 - SC Fortuna Köln 0:3  
1995: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 1:0  
2000: 1. FC Köln - FSV Mainz 05 1:0  
2005: Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 05 1:1

17. April

Die 05-Delegation beim wichtigen Auswärtssieg in Neuendorf.Am Freitag hat Jacques Goumai Geburtstag. Der ehemalige Nationalspieler Togos wird ebenfalls 43 Jahre alt. Goumai kam im Januar 1998 vom FC St. Pauli zu den 05ern, schoss beim Debüt gegen die SpVgg Unterhaching prompt ein Tor (objektiv wohl irregulär - Stürmerfoul), war aber wie viele Neuzugänge in jenen Jahren nicht die erhoffte Verstärkung: In zehn weiteren Zweitligaspielen für die 05er traf der Stürmer nie wieder. 1999 wechselte Goumai zum SV Wehen, setzte sich aber auch in der Regionalliga nicht durch.

17 Jahre vor Goumais Geburt bestanden die 05er den bis dahin dramatischsten Abstiegskampf ihrer Historie. Am vorletzten Spieltag ihrer Jubiläumssaison, am 17. April 1955, hatten sie beim Spitzenklub TuS Neuendorf eigentlich gar keine Ambitionen, sondern bereiteten sich auf eine Niederlage und ein Endspiel gegen Wormatia Worms vor - gewannen dann aber in Koblenz nach 0:2-Rückstand 3:2 und waren vorzeitig gerettet. Die ausführliche Geschichte dieses Abstiegskampfs lesen Sie hier.

Weitere Ergebnisse am 17. April:

1932: VfL Neckarau - FSV Mainz 05 2:1  
1966: Ludwigshafener SC - FSV Mainz 05 1:1  
1977: FC Rodalben - FSV Mainz 05 1:3  
1983: VfL Hamm/Sieg - FSV Mainz 05 2:2  
1988: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 1:3  
1991: VfL Osnabrück - FSV Mainz 05 0:0  
1993: FSV Mainz 05 - Carl Zeiss Jena 2:0  
1998: FSV Mainz 05 - Energie Cottbus 0:0  
2009: FSV Mainz 05 - Rot Weiss Ahlen 0:0  
2010: Hamburger SV - FSV Mainz 05 0:1  

18. April

Am Samstag jährt sich ein Schlüsselmoment für Mainz 05 zum elften Mal. Bereits am 17. April hatte die "Tour de Frank'" begonnen, die binnen zweier Tagen die höchsten drei Fußballmannschaften der 05er in drei Auswärtsniederlagen auf engstem Raum führte - vor den Toren Fürths verlor die U23 das Regionalligaspiel beim 1. SC Feucht 1:2. Torschützen für die Franken waren Roberto Hilbert, der gerade erst, am 11. April 2015, Bayer Leverkusens 2:0 gegen die 05er vorbereitet hatte, und der heutige 05-Co-Trainer Peter Perchtold. Tags drauf unterlag vormittags die U19 der SpVgg Greuther Fürth 0:4, nachmittags dann gab es die klischeebeladenste Niederlage der Profis bei ihrem Angstgegner. Alles war dabei, was ein richtiges Fiasko ausmacht: Ein Eigentor (Tamás Bódog, 34. Minute). Ein verschossener Elfmeter (Toni da Silva, 42. Minute). Sofort danach ein Kontertor des unbeliebtesten Gegenspielers (Sascha Rösler, 43. Minute). Ein Platzverweis (wieder Bódog, 70. Minute). Aus dem Gästeblock war ab der Halbzeit gar nichts mehr zu hören; die frustrierten 05-Fans saßen in der Sonne und ignorierten das Spiel, ein bis heute einmaliger Protest. Nach der 1:3-Niederlage am Ronhof hakten die 05er den Aufstieg endgültig ab. Gut Einen Monat später aber qualifizierten sie sich doch noch für die Bundesliga.

Zwölf Jahre zuvor, am 18. April 1992, hatten die 05er mal wieder tief im Abstiegskampf gesteckt. In Leipzig durften sie sich keinen Ausrutscher mehr erlauben. Der 05-Vorstand stellte in einer Leipziger Kirche Kerzen auf, in der Hoffnung, damit ihren Spielern beistehen zu können. Vor 3.000 Zuschauern in der Ruine des Zentralstadions, das einst 100.000 Personen Platz geboten hatte, traf Fabrizio Hayer in der letzten Aktion der Partie per Freistoß zum 1:0-Auswärtssieg in Leipzig. Gerettet waren die 05er damit noch lange nicht, aber es sah wieder gut aus.

Weitere Ergebnisse am 18. April:

1965: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 2:1  
1971: Wormatia Worms - FSV 1:3  
1981: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 2:1  
1982: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 6:1  
1997: FSV Mainz 05 - Waldhof Mannheim 2:0  
1999: FSV Mainz 05 - FC Gütersloh 1:0  

19. April

Positiver Auftakt einer bitteren Niederlage: Im DFB-Pokalspiel beim Chemnitzer FC (5:5 n.V., 4:5 i.E.) brachte Niki Zimling die 05er mit 1:0 in Führung. Es war sein bisher letztes Spiel für Mainz 05. Foto: imagoAm Sonntag feiern drei Ex-05er Geburtstag, von denen einer womöglich bald wieder in Mainz auftauchen wird. Von allen dreien hatten sich die 05er mehr erhofft. Norbert Otto wird 58 Jahre alt. 1982, kurz bevor die 05er in der Jughard-Affäre fast zusammenbrachen, wechselte der Torjäger der Amateure von Eintracht Frankfurt an den Bruchweg. Als Charly Mähns neuer Sturmpartner schoss Otto in der Oberligasaison 1982/83 neun Tore, dann verabschiedete er sich schon wieder zu den Eisbachtaler Sportfreunden. Wäre es den 05ern nicht wirtschaftlich so schlecht gegangen, hätten sie den Stürmer vielleicht halten können, allerdings mussten sie in jenem Sommer gar dem A-Junioren-Trainer kündigen und den Spielbetrieb der Bezirksligamannschaft einstellen, um in der Oberliga über die Runden zu kommen.

Seinen 30. Geburtstag feiert Niki Zimling. Der ehemalige dänische Nationalspieler (EM-Teilnehmer 2012) kam im Januar 2013 als Nachfolger von Eugen Polanski nach Mainz, fügte sich mit zwei frühen Toren im Bundesligaspiel gegen Wolfsburg und im Pokalspiel gegen Freiburg gut ein, wurde aber in anderthalb Jahren nie die erhoffte Stütze im zentralen Mittelfeld. Im vergangenen Sommer liehen die 05er den Dänen an Ajax Amsterdam aus, aber auch beim niederländischen Meister ist Zimling nur ein Ergänzungsspieler. Unlängst gab Ajax bekannt, die Kaufoption nicht zu ziehen und den Mittelfeldspieler nach der Saison wieder nach Mainz zu schicken.

25 Jahre alt wird Robin Mertinitz. Mit 16 Toren war der Stürmer in der Mainzer Meisterschaftssaison 2008/09 der Torschützenkönig der U19-Bundesliga Süd/Südwest. Im Endspiel gegen Borussia Dortmund schoss er den 2:1-Siegtreffer der 05er. Im Erwachsenenfußball setzte sich Mertinitz jedoch nicht durch. Im Regionalligateam war er zwei Jahre lang kein Stammspieler, schoss aber insgesamt immerhin acht Tore. Seither spielt der Stürmer für diverse Südwest-Ober- und Regionalligisten: für den SC Idar-Oberstein, den FSV Salmrohr und aktuell den FK Pirmasens.

Weitere Ergebnisse am 19. April:

1953: Phönix Ludwigshafen - FSV Mainz 05 1:3  
1959: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 4:3  
1964: ASV Landau - FSV Mainz 05 1:3  
1975: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 2:2  
1984: FSV Mainz 05 - FC 08 Homburg/Saar 0:2  
1986: SC Birkenfeld - FSV Mainz 05 1:0  
2014: Borussia Dortmund - FSV Mainz 05 4:2  

20. April

Am Montag feiern drei Spieler ihren Geburtstag, die bei den 05ern keine großen Spuren hinterlassen haben. 51 Jahre alt wird Udo Weiß, der 1983 an den Bruchweg kam, aber nur wegen der Verletzungen von Helmut Wagner regelmäßig in der Hinrunde spielte. Nach 21 Oberligaspielen in zwei Jahren und keinem Tor wechselte der Linksaußen zum FV Geisenheim.

Josip Landeka wird 28 Jahre alt. Als A-Junior der 05er in der Saison 2005/06 war der Mittelfeldtechniker kroatischer U19-Nationalspieler, später im Oberligateam ein wertvoller Torvorbereiter. 2008 verließ Landeka die 05er, seither bestritt er für die Stuttgarter Kickers, den SV Wehen, Carl Zeiss Jena, den Chemnitzer FC, Darmstadt 98 und sein aktuelles Team, die SGS Großaspach, 174 Drittligaspiele, so viele wie wenige andere in dieser Liga.

Ein Jahr jünger ist Oliver Hoch, der Linksaußen des hoch gehandelten Mainzer 1988er-Jahrgangs, aus dem es letztlich aber nur Roman Neustädter und Daniel Davari in den hochklassigen Profifußball - und in A-Nationalteams - schafften. Hoch setzte sich schon in der U23 der 05er nicht mehr durch und spielt heute für Alemannia Waldalgesheim - zusammen mit etlichen ehemaligen 05-Junioren.

Weitere Ergebnisse am 20. April:

1969: FSV Mainz 05 - FV Speyer 1:0  
1977: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 0:6  
1980: FSV Mainz 05 - Eisbachtaler Sportfreunde 1:3  
1994: Hertha BSC - FSV Mainz 05 5:0  
1996: SG Wattenscheid 09 - FSV Mainz 05 2:1  
2000: FSV Mainz 05 - Rot-Weiß Oberhausen 1:1  
2001: Alemannia Aachen - FSV Mainz 05 1:0  
2012: FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg 0:0  
2013: Borussia Dortmund - FSV Mainz 05 2:0  

21. April

Am Dienstag wird der Höhepunkt der DFB-Pokal-Historie der 05er genau sechs Jahre zurückliegen. Die Pokalsaison 2008/09 unter Jörn Andersen hatte schwach begonnen: Im Erstrundenspiel beim SV Babelsberg 03 brauchten die 05er die Verlängerung zum 2:1-Sieg. Dann nahmen sie Fahrt auf: Unter anderem durch einen herrlichen Distanzschuss von Milorad Pekovic schlugen sie in der zweiten Runde den 1. FC Köln am Bruchweg 3:1. Mit dem gleichen Ergebnis gewannen sie das Achtelfinale in Freiburg. Im Viertelfinale traf Aristide Bancé in der 88. Minute zum 1:0 gegen den FC Schalke 04 - zum ersten Mal standen die 05er damit in der vorletzten Pokalrunde. Das Halbfinale gegen Bayer Leverkusen ging nach einem weiteren Bancé-Tor in der 88. Minute in die Verlängerung. In der Düsseldorfer Halle - die BayArena wurde gerade umgebaut - verloren die 05er allerdings den Schwung und verloren etwas zu deutlich 1:4.

Weitere Ergebnisse am 21. April:

1963: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 3:1  
1968: FSV Mainz 05 - Röchling Völklingen 0:1  
1973: VfB Theley - FSV Mainz 05 1:2  
1974: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 4:0  
1985: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 1:2  
1991: FSV Mainz 05 - TSV Havelse 2:1  
2002: MSV Duisburg - FSV Mainz 05 1:1  
2003: FSV Mainz 05 - MSV Duisburg 3:1  

22. April

Am Mittwoch schließlich wird Stefan Graffert 54 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler zählt zur ersten und zur vorletzten Oberliga-Generation der 05er: 1980 rückte Graffert von den 05-Junioren in die erste Mannschaft auf, war aber nur ein Jahr lang Stammspieler und verabschiedete sich 1982 zu Eintracht Bad Kreuznach. Zwei Jahre darauf holten die 05er den angehenden Juristen noch einmal für zweieinhalb Saisons zurück. Nach insgesamt 106 Oberligaspielen und 13 Toren wechselte Graffert zur SpVgg Eltville. Heute praktiziert er als Rechtsanwalt in Mainz.

Weitere Ergebnisse am 22. April:

1928: Rot-Weiß Frankfurt - FSV Mainz 05 0:0  
1956: FSV Mainz 05 - VfR Kaiserslautern 3:1  
1979: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 2:1  
1982: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 2:1  
1987: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 0:0  
1990: FSV Mainz 05 - FSV Saarwellingen 4:1  
2007: Hamburger SV - FSV Mainz 05 2:2  

 

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