„Da kann‘s halt mal rumpeln“

Jörg Schneider. Mainz.
André Ramalho muss in den letzten Trainingseinheiten vor der Heimspielpremiere des FSV Mainz 05 zeigen, ob der Neuzugang nach seiner Wadenverletzung wenigstens einen Kaderplatz anstreben kann. Der Brasilianer ist aber der einzige Wackelkandidat im Vorfeld der Sonntagspartie in der Opel Arena gegen die TSG Hoffenheim. Der 05-Trainer kann personell aus dem Vollen schöpfen und fühlt sich gut aufgestellt. Interessant wird das Aufeinandertreffen von Giulio Donati und TSG-Stürmer Sandro Wagner, die schon in der vergangenen Saison einige Nettigkeiten ausgetauscht haben. Da ist einiges an Konflikt-Potenzial vorhanden.

Bei allem Respekt vor dem kommenden Gegner, Rouven Schröder ist sehr zuversichtlich und hat ein gutes Gefühl, was die Heimspielpremiere des FSV Mainz 05 am Sonntag in der Opel Arena betrifft. Das erste Bundesligaspiel dieser Saison vor eigenem Publikum gegen die TSG Hoffenheim (Anpfiff 17.30 Uhr) bildet bekanntlich den Auftakt zu einem extrem intensiven Programm mit sieben Begegnungen in drei Wochen, das nun dem Team bevorsteht. Und da wäre es nicht schlecht, wenn die Partie in ähnliche Bahnen laufen würde, wie das Heimspiel in der vergangenen Saison, das die Mainzer mit 3:1 durch drei Treffer von Yunus Malli gewannen.

„Die Hoffenheimer machen seit Jahren eine gute Figur im Transferbereich in beide Richtungen“, sagt der 05-Sportdirektor. „Sie haben sich verstärkt, haben etliche deutschsprachige Spieler verpflichtet und sind individuell immer gut aufgestellt, aber“, so der 40-Jährige, „trotzdem sind sie zu schlagen. Sie werden hier offensiv spielen wollen. Das können sie auch, aber am Sonntag nicht so, wie sie es gerne möchten.“ Das ist eine klare Kampfansage des neuen Sportdirektors. Gestützt wird Schröders Zuversicht durch die personelle Lage am Bruchweg. Abgesehen von den Langzeitverletzten Emil Berggreen und Danny Latza sowie dem verletzten Jairo, droht derzeit nur André Ramalho zusätzlich auszufallen. Der Neuzugang aus Leverkusen hatte sich im Testspiel gegen den SV Sandhausen an der Wade verletzt, war bis einschließlich Donnerstag aus dem Trainingsbetrieb rausgenommen und muss in den beiden letzten Trainingseinheiten zeigen, ob er wenigstens auf die Bank kann.

„Ich möchte im Moment nicht sagen, ob er dabei ist oder nicht“, sagte Martin Schmidt in der Spieltags-Pressekonferenz am Freitag. „ich habe ihn noch auf der Rechnung, aber wir werden in den zwei letzten Einheiten sehen, ob es geht und wie er sich macht.“ Der 05-Trainer will sein Team nach den Eindrücken der ordentlichen Auftakt-Partie in Dortmund und nach den Leistungen im Training aufstellen und im ersten Heimspiel, wie er sagt, „nicht wieder alles durcheinander wirbeln.“

Brisantes Duell: Giulio Donati und Sandro Wagner tauschten in der vergangenen Saison einige Nettigkeiten aus auf dem Platz. Der Ex-Darmstädter kommt nun mit der TSG Hoffenheim nach Mainz. Der 49-Jährige hatte sich schon nach dem 1:2 beim BVB auf Jean-Philippe Gbamin als Sechser festgelegt. Daran hat sich nichts geändert. „Wir haben ein Rückgrat gebildet. Es ist absehbar, wer die Aufgaben erfüllen kann“, so Schmidt. „Der Druck ist gerade im zentralen Mittelfeld sehr groß, weil es fünf Spieler sind, die sich anbieten.“ Es werde letztlich von der Systematik und der angestrebten Variabilität abhängen, wer am Sonntag im Mittelfeld auflaufe. Gut möglich, dass neben Gbamin wieder Suat Serdar und Fabian Frei die etwas nach vorne versetzte Doppelacht geben. Auch José Rodriguez und Besar Halimi scharren mit den Hufen. Die größte Auswahl hat der 05-Coach in der Offensivabteilung. „Die Qual der Wahl“, sagt der Schweizer, denn Jhon Cordoba ist topfit und hat sich unter der Woche im Training in exzellenter Form präsentiert. Ebenso Yoshinori Muto, dem die Länderspiele neue Motivation und Praxis geben haben. Auch der Japaner zeige sich in guter Form. Das gelte ebenso für Pablo de Blasis und Yunus Malli, der heiß ist auf seinen Lieblingsgegner. Vier Tore hat der Zehner gegen die TSG erzielt. So viel, wie gegen keinen anderen Bundesligisten. Levin Öztunali habe gute Leistungen im Nationaltrikot abgeliefert und auch die übrigen Offensivkräfte seien bereit. „In der Spitze und auf den Bahnen sind wir gut aufgestellt“, betont Schmidt. „Jetzt muss ich nur ein System finden, wie ich die alle auf den Platz bringe.“

Ein besonders brisantes Duell wird es in jedem Fall geben. Giulio Donati, der Mainzer Heißsporn, trifft auf Sandro Wagner, der nicht gerade wegen seiner Zurückhaltung im zwischenmenschlichen Bereich bekannt ist. In der vergangenen Saison kam’s zwischen dem Italiener und dem damaligen Darmstädter zu heftigen Kontroversen, Provokationen und Attacken. Es ist damit zu rechnen, dass Wagner, ohnehin ein Feindbild für die 05-Fans, nicht gerade wohlwollend empfangen wird in der Arena, sich davon jedoch nicht beeindrucken lassen, sondern besonders motiviert sein wird. Der 05-Trainer hat es vermieden, den Mainzer Rechtsverteidiger speziell für dieses Aufeinandertreffen ins Gebet zu nehmen, „weil ich ihm nichts in den Kopf setzen will.“ Oftmals sei es doch so, wenn man vorher auf gewisse Dinge, die man vermeiden wolle, besonders hinweise, dann passierten sie erst recht. „Ich will kampflustige Spieler auf dem Platz haben. Wagner ist ein guter Stürmer. Giulio ist ein knallharter Verteidiger. Wenn sie aufeinandertreffen, da kann‘s halt mal rumpeln.“ Donati sei erfahren genug, das zu handhaben. „Außerdem hat er ja schon in der Vorbereitung Lehrgeld gezahlt.“ 

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