Da ist der Heimsieg

Christian Karn. Mainz.
Wenn auch der Darmstädter Trainer seine Mannschaft überlegen gesehen zu haben behauptet: Selbst zwei geschenkte Elfmeter reichten den Hessen nicht, um den ersten Heimsieg des FSV Mainz 05 in der Opel Arena zu gefährden. Das frühe 1:0 durch Pablo de Blasis und der Strafstoßtreffer von Yunus Malli nach einer knappen Stunde hielten bis in die Nachspielzeit. Und während die 05er in der ersten Hälfte noch viel höher hätten führen müssen, kam aus der Darmstädter Drangphase der letzten halben Stunde bis auf das Elfmetertor in der 91. Minute kein Torschuss heraus.

FSV Mainz 05 - SV Darmstadt 98 2:1 (1:0)

Donnerstag, 15. September 2016, 29.987 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Lössl - Donati, Bell, Hack, Bussmann - Gbamin, Brosinski - Öztunali (73. Onisiwo), Malli (83. Serdar), de Blasis (90+1. Bungert) - Córdoba.
Reserve: Huth, Jairo, Frei, Onisiwo, Holtmann. Trainer: Schmidt.

SV Darmstadt 98: Esser - Höhn (79. Sirigu), Milosevic, Sulu, Holland - Heller (59. Schipplock), Jungwirth, Gondorf, Bezjak (59. Ben-Hatira) - Kleinheisler, Colak.
Reserve: Heuer Fernandes, Guwara, Obinna, Niemeyer. Trainer: Meier.

Schiedsrichter: Dr. Brych (München).

Tore: 1:0 de Blasis (5., Bussmann), 2:0 Malli (56., Foulelfmeter, Sulu an Malli), 2:1 Gondorf (90+1., Elfmeter).

Gelbe Karten: Brosinski, Bell, Córdoba - Milosevic.

Besonderes: 45. Minute: Lössl hält den Elfmeter (Bell gegen Colak) von Colak.

"Wir waren sicherlich nicht die schlechtere Mannschaft", erzählte der Darmstädter Trainer Norbert Meier nach dem Derby seines SV 98 beim FSV Mainz 05. Das, mit Verlaub, ist Unsinn. Zwar gab es für die Fans des FSV Mainz 05 wieder nicht den entspannten, souveränen Heimsieg, aber diesmal können sie damit leben. Gegen den auswärts weiterhin schwachen Nachbarn waren sie eine Stunde lang derart überlegen, dass sie sie trotz des geschenkten Strafstoßes in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, den der gefeierte Jonas Lössl hielt, viel höher als 2:0 hätten führen müssen. Und bei allem Aufwand in ihrer aktiven Phase der letzten halben Stunde brachten die Gäste bis zu ihrem zweiten fragwürdigen Elfmeter der Partie, mit dem sie in der Nachspielzeit auf 2:1 verkürzten, keinen einzigen Torschuss zustande.

Zwei Veränderungen gab es nach der Länderspielpause in der Mainzer Aufstellung. Fabian Frei hatte seine Blessur überstanden, stand im Kader, aber für die Startelf reichte es noch nicht. Daniel Brosinski kam für den Schweizer ins defensive Mittelfeld. Außen spielte wieder Pablo de Blasis anstelle von Karim Onisiwo. Erstmals seit seiner Verletzung im Pokalspiel in Unterhaching war Jairo Samperio wieder im Kader.

Die Darmstädter begannen die Partie mit einer Aggressivität und Wucht, die die 05er im ersten Moment zu überraschen schien. Aber die gewöhnten sich bald daran. Levin Öztunali machte den Anfang, als er in der fünften Minute den Linksverteidiger Fabian Holland zwang, einen Steilpass eben nicht ins Toraus laufen zu lassen, sondern ins Spiel zu bringen. Giulio Donati fing den Befreiungsschlag ab, eröffnete den Angriff mit Brosinski. Dessen Heber über die Abwehr spielte Gaetan Bussmann flach nach innen, wo auch Jhon Córdoba der Torschütze hätte werden können, de Blasis der Torschütze wurde.

Ein bisschen überließen die Mainzer den Gästen weiterhin die Initiative. Pressen, den Ball jagen, kontern, schnell angreifen, das gefiel ihnen in dieser Phase des Spiels. Hinten war dabei nicht viel los. Nach mehreren aussichtslosen Bällen in den Strafraum musste sich Jonas Lössl in der 9. Minute erstmals strecken, um Antonio Colak den Ball vor dem Kopf wegzuschlagen. Erst in der 18. Minute war's knapp: Der tückische Schuss von Laszlo Kleinheisler kam besser als im ersten Moment erwartet aufs Tor, wäre vielleicht an die Latte geklatscht. Lössl lenkte den Ball sicherheitshalber über die Latte - und der Konter hätte geradezu das 2:0 sein müssen. Die 05er kombinierten sich sehr schnell und geradlinig durch die Mitte, Córdoba war am Torwart vorbei, dabei nicht so weit abgedrängt worden, kam möglicherweise etwas ins Stolpern, schoss ans linke Außennetz.

Die Darmstädter hatten vielleicht ein paar Standards zu viel. Die waren harmlos, hätten aber jederzeit gefährlich sein können. Die Mainzer Angreifer wiederum boten ihren Hinterleuten immer wieder erstklassige Läufe durchs offene Zentrum der Gäste, aber auch über die rechte Angriffsseite, jedoch hätten die Pässe sauberer zu ihnen kommen können. In der 26. Minute kam er, gespielt von Alex Hack, der sich dazu aus einer 1:3-Unterzahl befreit hatte. Könnte sein, dass Yunus Malli vorne sich zu spät gegen den Querpass, für den Torschuss entschied. Torwart Michael Esser blockte den Schuss ab, Hacks Kopfball nach der folgenden Ecke kam knapp nicht aufs Tor, knapper als der von Florian Jungwirth nach der Darmstädter Ecke in der 28. Minute.

Es bestand immer eine latente Bedrohung für die 05-Führung, konkret wurde sie kaum. Aber ein 2:0 hätte den hoch überlegenen Mainzern gut getan. Córdoba versuchte das in der 30. Minute nach einem Lauf um den Linksverteidiger herum vorzubereiten, aber die Hereingabe des Mittelstürmers war nicht zu gebrauchen. Sechs Minuten später rutschte der Kolumbianer an Öztunalis Flanke vorbei. Es gab unzählige Eckbälle - es hätten mehr sein müssen. Es gab nach einer hohen Ball-Rückeroberung von Bussmann eine Flanke von Malli aus dem Hinterhalt und einen Lattentreffer von Córdoba (37.). Es gab nach einer kurzen Zwischenoffensive der Darmstädter, die mit einer vom Darmstädter verschuldeten Kollision von Lössl mit Colak endete, einen Kopfball von Bell, der übers Tor ging. Und in der 45. Minute gab es den Elfmeter für die Gäste nach einem Kopfball von Bell, der den nicht mitspringenden Colak mit dem Ellbogen berührte - eine absurde Entscheidung. Aber eine Entscheidung ohne Folgen: Colak schoss, Lössl hielt, rannte dem Abpraller nach, lag knapp innerhalb des Strafraus auf den Ball und wartete den Abpfiff ab. Dem mehrmals vergebenen 2:0 durften die 05er durchaus nachtrauern, aber es hätte schlimmer kommen können.

Lange hat der FSV Mainz 05 auf den ersten Heimsieg der Saison warten müssen. Jetzt hat er ihn, und er war am Ende ungefährdeter, als er sich angefühlt hat - weil der von den Fans und Kollegen umjubelte Jonas Lössl im entscheidenden Moment den absurden ersten Elfmeter der Darmstädter gehalten hatte. Foto: imagoEs kam besser. Denn in der 56. Minute bekamen auch die 05er ihren Strafstoß. Yunus Malli zappelte sich durch den Strafraum, fand keine offene Schussbahn, fiel am Ende über das Bein von Aytac Sulu. Auch Malli nahm sich selbst den Ball und schoss besser, flach in die Mitte. 2:0. Darmstadt reagierte mit einem Doppelwechsel, allerdings positionsgebunden, zwei neue offensive Flügelspieler kamen für die beiden alten. Schnell gab's (offenbar zu Unrecht, aber mit Eckball-Abstoß-Entscheidungen auf dieser Seite hatte das Schiedsrichtergespann das ganze Spiel über Schwierigkeiten) Ecke für Darmstadt, und der Ball wäre ins Tor gerutscht, hätte nicht wieder Lössl aufgepasst - erstmals hörte man in der Opel Arena "Jonas Lössl!"-Sprechchöre (61.).

Als es aber in der 68. Minute wild wurde, hätte auch der TOrwart nichts mehr retten können. Noch weit in der Darmstädter Hälfte sprang Gbamin unter einem Ball durch und der Konter lief. Donati lief den Ball ab, spielte den Rückpass zu Lössl schlampig, spielte ihn so, dass ihn der eingewechselte Sven Schipplock abfangen konnte. Der Stürmer war schon am Torwart vorbei, aber zu weit außen, um selbst zu schießen. Und der Querpass landete im Rücken von Colak. Alles gut gegangen.

Viel Kontrolle über die Partie hatten die 05er nicht seit dem Doppelwechsel. Sie waren hektisch, machten seltsame Flüchtigkeitsfehler. Sie gewannen (wieder) im zentralen Mittelfeld keinen Ball mehr. Sie hatten immer noch den unaufhaltsamen Jhon Córdoba für gelegentliche Entlastung. Und sie hatten das Glück, dass Änis Ben-Hatira, der andere neue Darmstädter, seine Freistöße mit großer Konsequenz in Lössls Arme flankte. Hinten klärten sie alles, was es zu klären gab, Torchancen hatten die Gäste eigentlich nicht mehr. Nur Brych hatte noch einen Elfmeter in der Pfeife. Handspiel soll's gewesen sein, in der 92. Minute, und wie der Schiedsrichter auf die Idee kam, Niko Bungert, der aus vielleicht einem halben Meter einen Kopfball abbekam, Absicht zu unterstellen, ist ähnlich rätselhaft wie zuvor der Pfiff gegen Bell. Gegen Jerome Gondorf hatte Lössl keine Chance. Aber sei's drum: Donati drosch den Anstoß weit nach vorne ins Seitenaus und die letzten Sekunden gingen für Gemecker und Konfusion drauf. Den Einwurf führten die Darmstädter nicht mehr aus.

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