Cordoba-Entscheidung fällt nach Fünferblock

Jörg Schneider. Mainz.
Ein Defensivspieler, ein Flügelstürmer und eine Sturmspitze. Das sind die 05-Neuzugänge, die Martin Schmidt für die nächste Saison im Auge hat und die er bis Mitte Mai mit seinem Noch-Manager Christian Heidel auf den Weg bringen will. Wobei der gesuchte Mittelstürmer aus dem eigenen Kader kommen könnte - wenn die 05er die fünf Millionen teure Kaufoption für Jhon Cordoba wahrnehmen. Diese Entscheidung, wie auch die im Fall Christian Clemens, soll nach dem bevorstehenden Fünf-Spiele-Block in der Bundesliga fallen.

Christian Heidel hatte diese Woche erklärt, dass massive Kaderveränderungen für die neue Runde nicht zu erwarten seien, weil der Großteil der Profis über die Saison hinaus vertraglich an den FSV Mainz 05 gebunden ist. Trotzdem laufen die Kaderplanungen am Bruchweg derzeit auf vollen Touren. Die Tatsache, dass der Manager irgendwann Ende Mai oder im Juni seinen Schreitisch im früheren VIP-Bereich des alten Stadions räumen wird, spiele dabei überhaupt keine Rolle, betonte Martin Schmidt dieser Tage. „Christian ist mein Ansprechpartner“, sagt der 05-Trainer. „Wir haben die Dinge soweit vorbereitet, das wird so weiter gehen bis Mitte Mai. Wir hatten schon am Dienstag wieder die erste Kaderplanungs-Sitzung. Auch da waren schon wieder neue Namen im Gespräch, wo wir ein Scouting ausgelöst haben.“

Jhon Cordoba muss in den kommenden Spielen möglichst viele und gute Argumente liefern, um den 05ern die Entscheidung zu erleichtern, ob sie die Kaufoption wahrnehmen sollen. Der 48-Jährige hat klare Vorstellungen davon, wie sein Kader in der neuen Spielzeit aussehen soll. Und will dies in den nächsten Wochen in die Wege leiten. Drei Positionen will der 05-Coach neu besetzen. Zwei davon mit externen Neuzugängen. Auf einer Position könnte ein aktueller Profi ab Sommer zum Neuzugang werden. Und zwar auf der Planstelle des Mittelstürmers. „In der Sturmspitze werden wir etwas machen“, sagt Schmidt. „Ob das letztlich Jhon Cordoba ist oder ein anderer, werden wir sehen.“ Cordoba hat derzeit gute Karten auf eine Weiterbeschäftigung nach dem Auslauf des Leihvertrages Ende der Saison. Das Spiel des Kolumbianers vereint alle Anforderungen, die die Mainzer an einen Mittelstürmer für ihre Spielweise stellen. Der Bundesligist hat eine Kaufoption mit dem FC Granada vereinbart, die bei etwa fünf Millionen Euro liegen soll, die aber wie Heidel angedeutet hat, offenbar nachverhandelbar ist. Cordobas Vorteil gegenüber einem neu zu suchenden, externen Mittelstürmer, ist die aktuelle Form und das große Potenzial, das der 22-Jährige hat. „Jhon kam im Herbst wegen Verletzung nicht richtig zugange“, sagt Schmidt. „Seitdem er fit ist, merkt man in jedem Spiel eine deutliche Steigerung. Im ersten Spiel haben wir gesagt, er macht gut die Bälle fest. Im zweiten kam dazu, dass er sich gut durchtankt und sehr  zweikampfstark ist. Jetzt in Hoffenheim hatte er zudem gute Chancen und hat einen Treffer erzielt. Wie oft er da in die Tiefe gegangen ist. Wenn Yunus Malli ihn nicht übersieht, macht er zwei Tore. Man sieht so langsam seine ganze Bandbreite. Der kann vieles.  Wir werden uns die nächsten Spiele angucken und dann entscheiden wir.“

Wo ganz sicher in der Kaderplanung was gemacht werde, sei auf der Außenbahn, kündigt Schmidt an. „Wir leben von der Außenbahn. Im Moment haben wir Jairo, Christian Clemens und Pablo de Blasis. Das ist zu wenig. Wir können da zu wenig abwechseln. Uns fehlt da Robustheit.“ Der vierte Außenbahnspieler im Kader, Karim Onisiwo, hat sich wegen Verletzung bislang nicht zeigen können. Schmidt würde aber gerne noch einen Stürmer dazu holen, der ein ähnliches Anforderungsprofil aufweist wie der Österreicher. „So einen Typ wie Onisiwo wollen wir unbedingt nochmal haben“, erklärt der Coach, der mit fünf Flügelleuten plant. Was wohl bedeutet, dass Schmidt darauf pochen wird, im Fall Clemens die Kaufoption zu ziehen und die mit dem FC Schalke 04 vereinbarte Ablösesumme, die bei rund drei Millionen Euro liegen soll, zu zahlen. Clemens hat sich als wichtiger Faktor fürs 05-Angriffs- und Umschaltspiel etabliert. Der Rechtsaußen überzeugt sowohl als Torschütze als auch in der Chancenvorbereitung. Nach den nächsten fünf Spielen soll die endgültige Entscheidung fallen.

Die dritte neu zu besetzende Stelle betrifft die Abwehr. „In der Defensive muss auch noch etwas passieren“, sagt Schmidt, ohne sich allerdings näher zu äußern, welche Position ihm da vorschwebt. Als Neuzugang muss im Moment auch Fabian Frei gesehen werden. Der Schweizer, der im Sommer als Königs-Transfer vom FC Basel kam und den Weggang von Johannes Geis kompensieren sollte, absolvierte in der Vorrunde drei Spiele, ehe ihn eine Knieverletzung bis Weihnachten rauswarf. In der Rückrunde kämpft sich der Nationalspieler nun als Joker heran und zeigt dabei starke Leistungen bei seinen Kurzansätzen. Vor allen Dingen in Hoffenheim gab sich der vielseitige Mittelfeldspieler auffallend. „Er war ein sehr guter Einwechsler“, sagt der 05-Trainer. „Er war sofort gefährlich, konnte selbst das 2:2 machen und hat dem Jairo den Ball zum 2:3 reingelegt. Jetzt ist Fabi dran und richtig fit.“ Das Problem des 27-Jährigen: Die konstant guten Leistungen von Danny Latza auf der Doppelsechs. Latza und Julian Baumgartlinger sind die laufstärksten Spieler im Team, unermüdliche Zweikämpfer, Verteidiger und Ankurbler. Frei ist eher der Stratege, der Pass- und Ideengeber, der sich allerdings in Sachen Körperlichkeit im Spiel erhebliche gesteigert hat. Und der nun auf seine Chance warten muss.

 „Fabian kommt ins Team, wenn ich weiß, dass er die Aufgabe komplett erfüllen kann, die ich ihm stelle“, sagt Schmidt. „Wir werden ihn brauchen.“ Möglicherweise schlägt Freis Stunde schon ziemlich schnell auf der Doppelsechs. Baumgartlinger geht belastet mit vier Gelben Karten in die mit dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am Sonntag beginnende Englische Woche.

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