Bungert: „Wir sind jetzt gefordert“

Jörg Schneider. Mainz.
Am Freitagabend, im ersten von zwei Heimspielen hintereinander, hat der FSV Mainz 05 die Chance, die düstere Stimmung nach der 0:4-Packung bei der TSG Hoffenheim zu vertreiben und sich wieder mehr Richtung Bundesliga-Mittelfeld zu orientieren. In den beiden Begegnungen mit dem FC Augsburg und eine Woche später mit Werder Bremen braucht die Mannschaft Erfolgserlebnisse, sonst heißt das Thema Abstiegskampf. Die 05er bereiten sich in dieser Woche weitgehend hinter verschlossenen Türen auf die kommende Partie vor. Das einzige öffentliche Training des Teams gibt’s heute Nachmittag um 15 Uhr.

Nur ein einziges Mal, heute Nachmittag um 15 Uhr, ist im Trainingszentrum am Bruchweg auch Publikum erwünscht. Ansonsten bereiten sich die Fußball-Profis des FSV Mainz 05 in dieser Woche ausschließlich hinter verschlossenen Türen auf die nächste Partie in der Bundesliga vor. Am Freitagabend (20.30 Uhr) empfängt das Team von Martin Schmidt in der Opel Arena den FC Augsburg. Eine Mannschaft, die am letzten Spieltag mit dem Last-Minute-Erfolg über Werder Bremen die Mainzer in der Tabelle überholt hat. Ebenso wie der FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach.

Die Mainzer starten also als 13. in diesen 20. Spieltag. Für die 05er wird dies ein richtungsweisender Auftritt. Eine Partie, in der die Mannschaft zeigen muss, wohin die Reise in den nächsten Wochen geht. Mittelfeld oder Abstiegskampf. Beides liegt in dieser Rückrunde sehr nahe beisammen. Objektiv betrachtet haben die Mainzer alle Chancen, die durch die 0:4-Pleite in Hoffenheim entstandene schlechte Stimmung relativ schnell und deutlich zu verbessern, alle Krisen-Szenarien beiseite zu schieben. Ein Heimsieg gegen die Augsburger und noch einmal drei Punkte eine Woche später gegen den SV Werder Bremen im zweiten Heimspiel in Folge und die Welt kann schon wieder ganz anders aussehen. In Augsburg und in Bremen holte die Schmidt-Elf im Übrigen ihre beiden bisher einzigen Auswärtssiege dieser Saison. Aktuell sind die 05er nur zwei Zähler vom einstelligen Tabellenplatz entfernt. Der Vorsprung auf die Gefahrenzone beträgt immerhin noch sechs Punkte. Die Konstellation mit den beiden Heimspielen bietet der Mannschaft nun eine günstige Gelegenheit, die Situation zu beruhigen und sich in Richtung der selbstgesteckten Ziele zu orientieren. Nach vier sieglosen Spielen in Folge sollten dafür möglichst eine Ausbeute von sechs Punkten und keinesfalls weniger als vier Zähler herausspringen. Gelingt dies nicht, ist Abstiegskampf angesagt.

Niko Bungert und seine Mannschaft stehen am Freitag vor einer richtungsweisenden Partie im eigenen Stadion. "Wir sind jetzt gefordert", sagt der Kapitän vor dem Spiel gegen den FC Augsburg. Foto: Ekkie VeyhelmannDie vier Gegentore in Sinsheim haben die vermeintlich neue Defensiv-Stabilität weder stark erschüttert. Die fehlende Konsequenz im Angriff, die mangelhaften Bemühungen im Erarbeiten und Verwerten eigener Torchancen, die seit Wochen auffällig ist, kommt erschwerend hinzu. „Wenn wir nur das Ergebnis sehen, müssen wir sagen, weder die Defensive noch die Offensive haben funktioniert“, sagte André Ramalho nach dem Hoffenheim-Schock. „Es ist jedoch nicht der Moment, Schuldige zu finden. Wir haben eine Situation, die wir als Mannschaft verpennt haben. Wir wollten nach dem Rückstand unbedingt ein Tor schießen und haben dann selbst noch drei gefangen. Das sieht blöd aus und zeigt nicht, wie das Spiel war. Wir müssen aber auf jeden Fall solche Gegentore vermeiden.“ Der brasilianische Mittelfeldspieler sieht jedoch auch die Probleme im Spiel nach vorne. „Es passiert schon seit einigen Spielen, dass wir die Dinge nicht richtig zu Ende spielen“, sagte der 24-Jährige. „Wir müssen in jedem Fall aufpassen, dabei aber Ruhe bewahren, richtig trainieren und unsere Fehler korrigieren. Dann werden wir es besser machen und das nächste Spiel gewinnen.“

Der Trainer hat seinem Team vorgeworfen zu brav gewesen zu sein, sich zu stark von der Härte, von Provokationen des Gegners und von dessen ständigen Versuchen, den Schiedsrichter beeinflussen zu wollen, beindrucken lassen. „Ich würde es nicht grundsätzlich aufs Lamentieren und Reden mit dem Schiedsrichter und solchen Dingen fokussieren“, erklärte der 05-Kapitän. Doch auch Niko Bungert sah Defizite in der eigenen Präsentation auf dem Platz. „Grundsätzlich haben da ein paar Prozent gefehlt. Die letzte Überzeugung, der letzte Wille, dass man jedem Mitspieler in die Augen gucken kann und sieht, es geht noch was, wir holen hier noch einen Punkt. Das war nicht da“, betonte der Innenverteidiger. „Hoffenheim hatte das mehr als wir. Das hat den Unterschied ausgemacht. Die bessere Mannschaft waren sie diesmal nicht, aber die paar Prozent, was den unbedingten Willen angeht, hatten die mehr. Das ist einfach schade. Uns ist klar, dass wir gegen Augsburg drei Punkte holen müssen, um Ruhe reinzubringen und was auch an der Zeit ist. Wir sind jetzt gefordert.“

Eine ähnlich konzentrierte und aufmerksame Defensivleistung wie gegen die Kölner und den BVB in den beiden ersten Heimspielen ist auch die Voraussetzung für die Partie gegen die Augsburger. Darauf aufbauend braucht die Offensivarbeit der 05-Profis mehr Klarheit, mehr Präzision und vor allem Überzeugung. Jhon Cordoba, Yoshinori Muto, Pablo De Blasis, Jairo, Levin Öztunali. Das ist keine schlechte Besetzung, die der 05-Coach da aufbieten kann. Doch allen Angreifern fehlt momentan die Klarheit, das Durchsetzungsvermögen. Bojan Krkic, der prominente Neuzugang, hat nach seinem Kurzauftritt in Sinsheim eine komplette Trainingswoche mehr zur Verfügung, um sich in das Mainzer Offensivgefüge zu integrieren, seine spielerischen Qualitäten, die dringend gebraucht werden und für die der international erfahrene Mann  geholt worden ist, in die Mannschaft einzubringen. Das Heimdebüt des 26-Jährigen dürfte eine spannende und interessante Geschichte werden am Freitagabend.

Gegen die Augsburger könnte dann auch erstmals der Neuzugang aus der italienischen Serie A ins Geschehen eingreifen. Robin Quaison musste in Hoffenheim noch zuschauen. Der Linksaußen war gesperrt. Der Schwede hatte in seinem letzten Auftritt für UD Palermo die fünfte Gelbe Karte kassiert. „Wir haben das mit der Gelb Karte schon gewusst“, sagte Rouven Schröder, „aber es kam auch für uns überraschend, dass die Sperre übernommen wird.“ Mit der Freigabe aus Sizilien war gleichzeitig auch ein Schreiben an die DFL rausgegangen, in der die Sperre für den Spieler angekündigt war. „Es gab schon Fälle, dass eine Rote Karte beim Wechsel übernommen wird, aber bei Gelb wussten wir das nicht. Das hat sich am Freitagmorgen vor dem Spiel dann bestätigt. Wir haben dreimal nachgefragt bei der DFL, ob es wirklich so ist, dass sich diese Gelbsperre angleicht“, erklärte der 05-Spordirektor. Die FIFA-Regel sei jedoch eindeutig.

 Im Heimspiel können die Mainzer nach dem jetzigen Stand der Dinge in Bestbesetzung antreten. Im Gegensatz zum FC Augsburg. Der Gegner muss auf den Ex-05er Ja-Cheol Koo verzichten, der sich gegen Bremen eine Bänderverletzung im Sprunggelenk zuzog und etliche Wochen ausfällt. Im zentralen Mittelfeld fehlen dem FCA zudem der verletzte Jan Moravek sowie der gelbgesperrte Dominik Kohr. Und auch hinter dem Einsatz von Daniel Bayer, der zuletzt wegen Achillesfersenproblemen fehlte, steht ein Fragezeichen. Die Augsburger werden in Mainz aber wohl ihren Neuzugang Moritz Leitner, der von AS Rom kam, erstmals präsentieren.

 

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