Bungert: Sind schon etwas enttäuscht

Jörg Schneider. Mainz.
Den Sprung an die Spitze zur alleinigen Tabellenführung in der Europaliga hat der FSV Mainz 05 verpasst. Der Bundesligist kam bei anhaltendem Starkregen nicht über ein 1:1 in der Opel Arena gegen den RSC Anderlecht hinaus. „Man kann uns sicher nicht absprechen, dass wir nicht alles versucht hätten“, sagte 05-Kapitän Niko Bungert. „Nach dem Spielverlauf muss man mit dem Punkt zufrieden sein. Mehr haben wir heute nicht verdient, wobei wir schon etwas enttäuscht sind.“ Nach dem Abschluss aller Hinrundenspiele ist in der Gruppe C alles offen. Die Mainzer, die Belgier und AS Saint-Etienne bleiben mit fünf Punkten im Rennen ums Weiterkommen. Nur Qäbälä FK dürfte nach drei Niederlagen raus sein. Die Stimmen zum Spiel.

„Man hat gemerkt, dass Anderlecht nachher mit dem 1:1 zufrieden war, sich hat tiefer fallen lassen und wir versucht haben, trotz des schweren und tiefen Platzes dann noch zu Torchancen zu kommen. Es war sehr mühsam“, sagte Niko Bungert nach der Partie. „Man kann uns sicher nicht absprechen, dass wir nicht alles versucht hätten. Wir haben viel den Ball laufen lassen, haben Lücken gesucht. Anderlecht ist aber eine Mannschaft, die weiß, um was es geht im Fußball. Die standen kompakt, haben nicht viel zugelassen und waren immer gefährlich mit ihren Kontern. Nach dem Spielverlauf muss man mit dem Punkt zufrieden sein. Mehr haben wir heute nicht verdient, wobei wir schon etwas enttäuscht sind, dass wir da nicht noch etwas mehr Leistung auf den Platz bekommen haben. Beim Gegentor verlieren wir den Ball in der Vorwärtsbewegung, Anderlecht spielt tief nach außen. Ich bin nur mit einem Pressschlag mit dem Vorlagengeber dran, der Ball springt ihm etwas weg und er kann flanken. In der Mitte hat es dann nicht gestimmt mit der Zuordnung. Eine Verkettung von Fehlern. Das klassische Gegentor, das an verschiedenen Ecken hätte verhindert werden können“, so der Innenverteidiger.

„Es ist sehr schade, weil wir es bis dahin ganz gut im Griff hatten. Die heiße Phase hatten wir da schon überstanden, als der Jonas Lössl uns zweimal gerettet hat. Wir hatten eher das Gefühl, das kann was werden mit dem Dreier. Ärgerlich. Es fühlt sich nicht wie Niederlage an, aber wir sind schon etwas enttäuscht. Aber wir müssen es realistisch sehen. Das war eine Mannschaft, die einfach gut spielt und international erfahren ist. Wir waren nicht besser. Wir waren ebenbürtig, von daher ist ein Punkt in Ordnung. Bis jetzt haben wir unseren einzigen Gruppensieg auswärts eingefahren. Von daher muss es kein ganz großer Nachteil sein, dass wir nun auswärts punkten müssen. Uns war klar, dass wir nicht durch die Gruppe marschieren und von oben grüßen, dass es eng werden kann und es Spiele gibt, in denen der Druck da ist und wir unbedingt punkten müssen, um im Rennen zu bleiben um die ersten zwei Plätze. Die Spiele für sich haben aber gezeigt, dass wir sportlich auf Augenhöhe sind.“

Karim Onisiwo hatte Pech bei seiner besten Aktion auf Rechtsaußen: Der Schuss des Österreichers ging an den langen Pfosten. Das wäre das 2:0 und vielleicht eine Vorentscheidung gewesen. Foto: ImagoKarim Onisiwo hätte nach Yunus Mallis Elfmetertor zur Führung fast auf 2:0 erhöht und eine Vorentscheidung herbeigeführt, scheiterte aber am Pfosten. „Wir haben ein gutes Umschaltspiel gezeigt, Chancen kreiert und sind in Führung gegangen. Das hat uns Luft verschafft, Ruhe in unser Spiel gebracht. Da hätten wir auch das 2:0 machen können, das ist uns leider nicht gelungen. In der zweiten Halbzeit war es schwieriger, weil sich Anderlecht gut eingestellt hat auf uns und mit einer Chance zum Ausgleich gekommen ist. Der Boden ist immer tiefer geworden, es waren schwere Bedingungen. Trotzdem hätten wir auch in der zweiten Halbzeit mehr Druck machen müssen und die eine oder andere Torchance herausarbeiten müssen. Wir müssen jetzt auswärts punkten, aber ich denke, dass wir trotzdem eine gute Ausgangslage haben, um in den nächsten Spielen die Punkte zu holen, um weiterzukommen.“

Für Rouven Schröder war das 1:1 unter dem Strich ein  gerechtes Unentschieden. „Das muss man so sehen. Wir haben sehr ordentlich begonnen und viel Aufwand betrieben, ohne die ganz großen Chancen zu kreieren. Wir hatten einen klaren Elfmeter für uns, den wir sicher reingemacht haben, hatten die Situation mit Onisiwo und dem Außenpfosten, aber auch die zwei großen Situationen von Anderlecht, in denen der Jonas Lössl sehr gut pariert. In der zweiten Halbzeit kann man kurz und knapp sagen: Eine Chance De Blasis am kurzen Pfosten, eine Chance Teodorczyk zum 1:1. Wir sind im letzten Drittel des Spiels nicht mehr zu Torchancen gekommen. Das ging Anderlecht genauso. Daran müssen wir arbeiten, dass wir da noch zielstrebiger werden und mit Offensivaktionen das Publikum nochmal anheizen“, sagte der 05-Sportdirektor. „Aber man sollte schon unterstreichen, dass wir in der Europaliga ungeschlagen sind und unsere Konkurrenzfähigkeit bewiesen haben. Drei Mannschaften mit fünf Punkten. Da ist alles drin. Das wird spannend. In der Bundesliga haben wir auswärts auch schon gewonnen. Das können wir auch. Die Jungs wollen jedes Spiel gewinnen“, so der 41-Järhige, der an ein Weiterkommen glaubt.

„Wir haben das gut gemacht. Wir wussten, dass es nicht einfach werden würde. Ich glaube, dafür haben wir ganz gut gespielt“, sagte Anderlecht-Coach René Weiler. „Das war ein verdienter Punktgewinn. Der Elfmeter war vermeidbar. Fehler passieren immer, das ist menschlich. Im Sechzehner sollte man aber nicht unbedingt am Boden grätschen. Ich möchte mich an den Rechnungen in der Tabelle der Gruppe nicht beteiligen. Ich freue mich, dass wir gegen die Konkurrenten auswärts jeweils ein Unentschieden herausgeholt haben, allerdings dürfen wir zu Hause keinesfalls verlieren gegen diese Mannschaften. Das würde alles ändern in der Gruppe. Wir müssen uns gut vorbereiten und zu Hause gegen Mainz drei Punkte holen. Insgesamt ist es so in dieser Gruppe, dass drei Mannschaften auf Augenhöhe sind. Das spiegelt sich in der Tabelle wieder.“

Der Trainer des FSV Mainz 05 war vor allem mit der starken Leistung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit zufrieden, bemängelte nur, dass nicht mehr aus dieser Offensivpower herausgesprungen war. „Wir wollten ein Heimspiel daraus machen, wollten furios starten. Das haben wir geschafft, haben das Spiel in die Hand genommen, gut verteidigt, gut gekontert, gut umgeschaltet, gute Spielzüge gemacht. Deshalb bin ich sehr zufrieden mit der ersten halben Stunde“, sagte Martin Schmidt. „Wir sind in Führung gegangen. Dann kam eine Phase, in  der wir das Spiel etwas beruhigt haben, im Griff hatten, mussten aber zwei Großchancen zulassen, wo wir beide Male auf der halbrechten Seite nicht gut ausgesehen haben. Deshalb denke ich, dass der Vorsprung zur Pause sogar etwas schmeichelhaft war. Der Gegner kam zweimal vors Tor, da hat Jonas Lössl zweimal super gerettet. Wir hatten klare Zweikampfwerte, Laufwerte auf unserer Seite, alles, was es eigentlich ausmacht, das Spiel zu dominieren. Erst in der Phase 60. bis 75. Minute haben wir etwas nachgelassen. Wir mussten da sicherheitshalber Suat Serdar auswechseln, weil er wieder Oberschenkelprobleme hatte, da wollten wir auf Nummer sicher gehen. Das gab einen kleinen Bruch. Das Gegentor darf so nicht passieren. Da hat die Kette zu weit rüber geschoben, der Ball ging über Stefan Bell hinweg, und hinten ging es nicht mehr auf. Da stand keiner mehr am Stürmer dran. Das ist ärgerlich. Wir haben dann hinten raus nochmal Druck gemacht, wollten das Spiel unbedingt gewinnen. Es ging 1:1 aus. Ich glaube, das ist gerecht. Die Effizienz zählt, die war beidseitig mit einem Tor da“, betonte der 05-Coach.

„Wir haben uns heute im Zentrum sehr schwer getan. Jhon Cordoba hatte es besonders schwer vorne. Er hat in der zweiten Halbzeit versucht, sich ins Halbfeld zurück fallenzulassen auf die zehn, um mehr Freiheiten zu kriegen. Da wurde er zwar oft angespielt, aber es ging nicht weiter, weil wir vorne drin keinen zum Anspielen mehr hatten. Das war das, was in der zweiten Halbzeit gefehlt hat, die Spitze, das Spiel in die Spitze. Wir kamen außen zwar durch, aber in der Mitte war nichts. Da hat uns die Durchschlagskraft gefehlt. Wir haben alles versucht, um mit Tempo außen durch zu kommen. Es hat nicht gereicht. Es war wie gegen Darmstadt. Aus den Chancen der ersten halben Stunde muss mehr rauskommen als ein Tor. Da müssen wir noch dran arbeiten, dass wir uns da belohnen, diese Phasen besser nutzen müssen, weil es sonst passiert, dass man ein Tor kriegt und nicht mehr zurückkommen kann. Wir sind weiter ungeschlagen in der Europaliga. Wir sind mit der Leistung zufrieden, werden den Weg weiter gehen und müssen die fehlenden Punkte auswärts holen. Da sind wir dann in der Rolle des Herausforderers, die uns im Moment sicher besser liegt. Wenn wir auswärts einen Sieg holen und keines der Spiele verlieren, ist die Chance aufs Weiterkommen immer noch vorhanden.“

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