Breiter Kader steckte alle Rückschläge weg

Christian Karn. Mainz.
Die Gelehrten streiten: War nun 2010/11 (mit Platz 5) oder 2015/16 (mit der Qualifikation zur Europapokal-Gruppenphase) die erfolgreichste Saison des FSV Mainz 05? Beide Varianten sind richtig, keine falsch, und welche noch richtiger ist als die andere, das ist Definitionssache. Klar ist eines: Der Erfolg hing auch damit zusammen, dass die 05er in der Hinrunde die Abgänge von Schlüsselspielern, in der Rückrunde die Verletzung Weiterer problemlos wegstecken konnten. Wie das gelungen ist, zeigen wir in Kooperation mit www.fsv05.de in einer Infografik, die die verschiedenen Aufstellungen der vergangenen 17 Spieltage zusammenstellt. In dieser können Sie den Weg jedes einzelnen Spielers durch die Rückrunde verfolgen.

Es ist das Schicksal von Vereinen wie dem FSV Mainz 05, der mal wieder eine Saison ein paar Tabellenplätze höher abgeschlossen hat, als es möglich sein sollte im auf dem Papier im eigentlich gnadenlosen Verdrängungswettbewerb Bundesliga, dass sie dauernd von vorne anfangen müssen. Nach jedem guten Jahr und manch einem schlechten kommt die Konkurrenz und schnappt sich die besten Spieler; so haben die 05er allein in den vergangenen fünf Jahren Joo-Ho Park, Johannes Geis und Shinji Okazaki, Maxim Choupo-Moting und Nicolai Müller, Jan Kirchhoff und Ádám Szalai, Lewis Holtby, Christian Fuchs und André Schürrle verloren, nun Julian Baumgartlinger, und wenn jetzt noch Loris Karius wirklich nach Liverpool gehen sollte, dann müsste man sich nur einigen, wer neben Kirchhoff innen verteidigt und wer rechts, um alleine aus den Abgängen eine brauchbare Bundesligamannschaft zu bauen.

Der Kader ist also ständig in Bewegung bei den grenzüberschreitenden Bundesligisten wie den 05ern. Ständig müssen Spieler ersetzt werden, und weil es einfach kaum möglich ist, einen fertigen Baumgartlinger zu holen und jeden Monat zu bezahlen, weil nicht jeder Zweitliga-Kicker dermaßen schnell und dermaßen spektakulär durchstartet wie Johannes Geis, der ja noch besser war als der beeindruckende Danny Latza, hängt das gern mal mit Experimenten zusammen, mit zwei, drei Anläufen, bis es passt.

Dann verletzt sich mal einer, dann wird mal einer gesperrt, dann wird mal der Abgang eines Stammspielers schon im Voraus antizipiert und der Nachfolger ist schon seit einem halben Jahr da - auch das sorgt für ständige Verschiebungen im Kader. Wenige können sich das leisten, was beispielsweise Marcel Koller mit der österreichischen Nationalmannschaft macht, nämlich immer die gleichen elf Mann aufstellen, weil's einfach passt. An dieser Stelle sollte demnächst eigentlich Julian Baumgartlingers Erklärung für Kollers Erfolg stehen, aber das Schicksal der Grenzüberschreiter hat zugeschlagen, Baumgartlinger hat aber gerade erst in Leverkusen unterschrieben und das Thema ist damit nicht mehr interessant.

Umso höher zu bewerten, auch angesichts des Verlusts der Schlüsselfigur Christian Heidel, ist die Leistung der 05er in der Rückrunde. Die Mannschaft steckte alle Rückschläge weg, verbesserte sich kurz vor Schluss vom Winterpausenplatz acht um drei Plätze, hatte sogar die Champions-League-Qualifikation im Blick, wurde am Ende zwar doch nur Sechster, wird aber trotzdem schon zum vierten Mal im Europapokal spielen, zum ersten Mal in der Gruppenphase. Die Verletzungen von Yoshinori Muto waren kein großes Problem, denn Jhon Córdoba war zur Stelle. Die Formkrise von Yunus Malli war kein großes Problem, denn Jairo Samperio hatte schon angefangen, Tore zu schießen. Leon Balogun, entlastet von Giulio Donati, fing die vielen kleinen Verletzungen von Niko Bungert auf, und als diese beiden gesperrt wurden, waren Bungert und Daniel Brosinski wiederum parat. In der Breite war der Kader so gut besetzt wie wahrscheinlich noch nie; egal was passierte: Irgendjemand war immer da, um zu übernehmen.

29 Spieler standen in den zurückliegenden 17 Partien im Spieltagskader - das ist eine ganze Menge. Darunter sieben, die keine Minute gespielt haben (drei von ihnen waren Ersatztorhüter), und einer, der keine Minute verpasste (das war der Stammtorwart), außerdem zwei, die nur einmal in der Nachspielzeit eingewechselt wurden; Elkin Soto wurde dabei euphorischer begrüßt als Pierre Bengtsson. Und dann gibt es da noch den Emil Berggreen, der noch überhaupt nicht im Kader aufgetaucht ist. Wir haben diese Spieler wie bereits in der Winterpause in fünf Gruppen aufgeteilt: Torhüter, Verteidiger, Stürmer - und zwei Mittelfeldgruppen, nämlich Aufbauspieler wie Baumgartlinger oder Latza sowie Offensivspieler wie Malli, aber auch die Außenstürmer Jairo und de Blasis. Wir haben zusammengestellt, wer an welchem Spieltag von Anfang an spielte, eingewechselt wurde, Ersatzspieler oder verletzt war - wer ausgewechselt wurde, spielte für uns dabei keine Rolle.

In den Spalten sehen Sie die 17 Spiele. Zeilenweise haben wir die Positionen aufgeführt, wobei jede Linie - durchgezogen, geteilt oder gepunktet - einem Spieler entspricht. So können Sie den Weg aller 29 Mann, die es in den Kader geschafft haben, durch die Rückrunde und mitunter von Position zu Position genau verfolgen. 

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