Bengtsson muss weiter bangen

Christian Karn. Mainz.
Russland hat mit einem 1:0 gegen Schweden die EM-Qualifikationsgruppe G wieder spannend gemacht. Nicht was den ersten Platz betrifft. Der dürfte den Österreichern (die am Samstagabend noch gegen Moldawien spielen) kaum noch zu nehmen sein. Aber der Vorsprung der erstmals in dieser Qualifikation geschlagenen Schweden auf den Relegationsplatz beträgt nur noch einen Punkt. Und der Sieger der Partie Montenegro - Liechtenstein (ebenfalls noch am Samstagabend) käme von unten zumindest auf drei Punkte an die Russen heran.

Schweden hat in Russland 0:1 verloren. Damit muss auch Pierre Bengtsson, Linksverteidiger des FSV Mainz 05, weiter um die EM-Teilnahme bangen; zwar war es die erste Niederlage seines Teams, aber aufgrund einiger Unentschieden beträgt der Vorsprung auf die Russen jetzt nur noch einen Punkt. Den direkten Vergleich haben die Skandinavier bereits verloren.

Bengtsson spielte erneut am rechten Ende der schwedischen Abwehrkette. Dabei legte der 05er enorme Wege zurück: Beide Abwehrreihen rückten ohnehin bei Ballbesitz weit nach vorne, machten das Spielfeld eng, sorgten für viel Bewegung. Bengtsson ging auf seinem Flügel außerdem immer wieder weit nach vorn mit, weiter als der Linksverteidiger Martin Olsson von Norwich City.

Pierre Bengtsson ging auf dem rechten Flügel weite Wege, verlor aber mit Schweden das Verfolgerduell gegen Russland mit 0:1. Foto: imagoEs war ein attraktives, schnelles Spiel, das lange Zeit nur einen Makel hatte: Beide Mannschaften spielten ihre Angriffe nicht zu Ende. Beide kamen an und in den Strafraum, liefen aber entweder ins Abseits (weshalb das Tor von Kapitän Roman Schirokow/Spartak Moskau in der 8. Minute nicht zählte), oder bekamen den letzten Pass nicht an den Mann. Über Olssons Abwehrseite gelang das den Russen zumindest hin und wieder. So hielt der erfahrene Torwart Andreas Isaksson (mittlerweile Kasimpasa SK) in der 19. Minute seines 122. Länderspiel stark gegen Schirokow.

Ein (allerdings zunächst viel zu weit geschlagener) Eckball von Bengtsson führte in der 23. Minute zu einem schwedischen Tor, das allerdings ebenfalls abgepfiffen wurde. Vor dem Treffer des in Russland beim FK Krasnodar spielenden Verteidigers Andreas Granqvist sah der englische Schiedsrichter Mark Clettenburg ein Stürmerfoul.

Auch weiterhin ließen beide Mannschaften viel Raum hinter ihrer Abwehr. Während die eher defensiv aufgestellten Schweden sich allerdings schwer taten, in diesen Raum hereinzukommen, hatten die Russen mit ihren drei Spitzen und den Offensivverteidigern bessere Möglichkeiten. Bengtsson hatte viel Arbeit mit dem kleinen Außenverteidiger Juri Schirkow (Dynamo Moskau), dadurch erschwert, dass der Mainzer den Linksaußen, Oleg Schatow von Zenit St. Petersburg, nicht zu sehr in seinen Rücken bekommen durfte.

In der 38. Minute zahlte sich das Powerplay der Russen, die immer wieder lange Bälle in den Raum schickten, auf ihre Sprinter vertrauten, schließlich aus. Schirokow schickte Igor Smolnikow (ebenfalls Zenit) mit der Hacke in den Strafraum. Der Rechtsverteidiger von Zenit spielte unmittelbar vor dem Torwart quer an den Elfmeterpunkt zu seinem Vereinskollegen Artjom Dsjuba. Und der lange Mittelstürmer wartete einen Moment, bis die Gasse zwischen den Verteidigern aufging, und traf ins leere Tor.

In der Halbzeit war überraschend Feierabend für den allerdings nicht überzeugenden schwedischen Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic. Dieser sah in den ersten Minuten der zweiten Hälfte von der Bank aus erste gefährliche Szenen auf beiden Seiten: Der russische Torwart Igor Akinfejew musste viel riskieren gegen den starken Mittelfeldmann Emil Forsberg, Granqvist kompensierte hinten einen Fehler von Bengtsson. Der soeben nicht, wie von einigen Seiten vermutet, nach Mainz, sondern zum FC Sunderland gewechselte und für Ibrahimovic eingewechselte Ola Toivonen flog in der 49. Minute an einer Bengtsson-Flanke vorbei, dennoch lag das 2:0 viel deutlicher in der Luft als ein 1:1. Nur spielten die Russen ihre Angriffe nicht zu Ende.

Nach einer Stunde ging auch Bengtsson aus der Partie; der ehemalige Hamburger Marcus Berg (Panathinaikos) kam. Ein notwendiger Wechsel; der schwedische Trainer Erik Hamrén musste einen Verteidiger opfern zugunsten eines weiteren Angreifers. Und die Schweden kämpften sich ins Spiel und in die Offensive, arbeiten und mühten sich, nur kamen selten echte Chancen dabei heraus. Akinfejew hielt einen abgefälschten Forsberg-Schuss (62.), hatte danach lange nichts Besonderes zu tun. Vorne rettete erst in der 82. Minute Olsson nach einem Schuss von Dynamo Moskaus Linksaußen Aleksandr Kokorin auf der Linie.

Dadurch konnte das Spiel ab der 88. Minute noch einmal hochinteressant werden. Erst hielt Akinfejew einen Schuss von Berg. Dann einen des zuletzt eingewechselten Isaac Kiese Thelin (Girondins Bordeaux, 90.). Die Russen wirkten hektisch in der Schlussphase, verteidigten mit allen Mann, kamen aber nicht mal in die Konter. In der 92. Minute lief mal einer, aber viel zu langsam; trotzdem hatte Kokorin am Ende seine Chance. Auch Kokorins Versuch nach exakt 93 Minuten war letztlich harmlos. So konnte Akinfejew Sekunden vor Ablauf der vier Nachspielminuten eine letzte Heldentat zeigen: Forsbergs Distanzschuss kam hart und platziert aufs untere rechte Eck. Akinfejew flog und parierte. Und Ende. Eine der beiden Mannschaften wird wohl in die Relegation müssen. Pierre Bengtssons Schweden haben die Chance, sich im direkten Duell nach oben abzusetzen, verpasst.

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