Bells Plädoyer für seine Mannschaft

Jörg Schneider. Wolfsburg.
Stefan Bell hat seine Seuchenperiode in der Abwehr gestoppt. Der Vize-Kapitän des FSV Mainz 05 lieferte zusammen mit seinem Nebenmann Alexander Hack eine starke Leistung beim 0:0 im Bundesliga-Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg ab. So leidenschaftlich, wie sich der 25-Jährige im Spiel präsentierte, hielt Bell nachher ein Plädoyer für seine Mannschaft und appellierte an alle 05er, die Erwartungen nicht zu überhöhen. „Wir müssen aufpassen, dass auch im Umfeld realisiert wird, dass es trotzdem ein schweres Jahr ist und bleibt. Das Schlimmste, was uns als Verein passieren könnte, wäre, dass wir am Ende im gesicherten Mittelfeld stehen und es kommt in irgendeiner Form eine Enttäuschung auf.“

Rouven Schröder herzte in der Mixed Zone der Wolfsburger VW Arena seinen Vize-Kapitän und gratulierte Stefan Bell für dessen Leistung. „Super Stefan, klasse Saves. Prima“, sagte der Sportdirektor nach dem 0:0 des FSV Mainz 05 beim VfL. Auch ein Innenverteidiger ist nur ein Mensch. Und deshalb tat dem zuletzt etwas unglücklich agierenden 25-jährigen Abwehrchef das Lob genauso gut, wie seine Leistung und die der übrigen Defensivleute der 05er bei diesem leidenschaftlich erkämpften Punkt beim favorisierten Gegner. Die Seuche, die Bell am Fuß klebte und einige Gegentreffer produzierte, scheint fürs Erste gestoppt zu sein. Bell hinterließ weitgehend einen souveränen Eindruck im Zweikampf und dominierte die Luftduelle.

Stefan Bell hatte eine Menge Arbeit mit dem Nationalstürmer Mario Gómez. Dass es am Ende ein 0:0 gab, spricht für seine Rückkehr zur gewohnten Bundesligaform. Foto: imago„Es war für uns alle in der Defensive sehr wichtig. Zwei Spiele, in denen wir defensiv nicht zufrieden waren und auch ich nicht zufrieden war mit meiner Leistung. In der auch Jonas Lössl etwas in der Kritik stand, in ungerechtfertigter Weise. Wir haben nun gezeigt, dass wir uns auch auf unsere Defensive verlassen können. Dass mal so ein Spiel kommt, in dem wir kein Tor schießen und trotzdem ein gutes Gefühl mitnehmen sowie diesen Auswärtspunkt. Wir haben es mit hundert Prozent Leidenschaft verteidigt“, sagte Bell, der von einer Wunde unter dem rechten Auge gezeichnet war als Folge einer Abwehraktion gegen Nationalspieler Julian Draxler.

„Wir sind nicht ins Spiel gegangen und haben gesagt, wir gehen auf das 0:0“, betonte der 05-Profi. „Wir haben aber nicht viel zugelassen. Wenn der Ball bei den Wolfsburgern läuft, ist das wegen der brutalen Qualität von denen sehr schwer, aber wir haben das insgesamt gut gemacht. Im Umschalten hat vielleicht etwas die Frische gefehlt. Da waren die Pässe vielleicht etwas zu lang und wir etwas zu langsam im Nachrücken. Das war aber sicher der Situation geschuldet, dass wir sehr viel gegen den Ball arbeiten mussten. Auch die Offensivspieler. Man hat gemerkt, dass Karim Onisiwo und Levin Öztunali außen in der Defensive unheimlich viel beschäftigt waren. Da fehlte dann manchmal die letzte Luft, wenn wir den Ball hatten.“

Die Kombination Bell und Alexander Hack hat sich bewährt. Das Duo unterstützte sich gegenseitig, man half immer wieder dem anderen aus, wenn‘s brenzlig wurde. „Ich habe ja schon häufig mit Hack zusammen gut gespielt. In den letzten zwei Jahren hat jeder Innenverteidiger schon mal mit jedem gespielt. Wir kennen uns sehr gut. Heute hat es sehr gut funktioniert. Ich glaube, aber man muss Jonas Lössl diesmal herausstellen, weil er uns den Punkt gehalten hat mit wichtigen Paraden.“ Nach Bells Ansicht stand der dänische Torhüter zu Unrecht in der öffentlichen Kritik. „Jonas hat auch in den letzten Wochen keinen Fehler gemacht. Er hatte einen schweren Stand, weil ihn alle mit Loris Karius verglichen haben zu dessen bester Zeit, was nicht gerecht ist. Ich freue mich für Jonas, dass er uns den Punkt gehalten hat.“

Und weil er gerade so gut in Fahrt war, hielt Stefan Bell gleich noch ein leidenschaftliches Plädoyer. „Wir müssen gucken, dass die Erwartungen nicht zu hoch steigen. Wir sind durch den ersten Block gut gekommen, haben vielleicht ein paar Verletzte zu viel. Im nächsten Block kommen wieder drei englische Wochen mit Pokal dazu. Wir sind voll im Soll und können zufrieden sein. Wir haben natürlich ein paar Gegentore zu viel, aber wir haben viele Tore geschossen. Wir waren vor diesem Spieltag der drittbeste Angriff. Darauf kann man auch stolz sein. Man sollte sich vielleicht auch nicht immer auf das konzentrieren, was nicht so gut ist, sondern herausstellen, dass wir nach vorne sehr stark sind, viele Tore und Standardtore gemacht haben.“ Man habe gesehen, dass sich die Mannschaft von Rückschlägen nicht unterkriegen lasse und schon sehr gefestigt sei. „Wir haben in jedem Spiel vier, fünf Wechsel gehabt im Team. Und trotzdem stand immer eine Mannschaft auf dem Platz, die eingespielt wirkte und kompakt stand. Es gibt uns ein sehr gutes Gefühl, dass wir im Moment 18 bis 20 Leute haben, die regelmäßig Einsätze bekommen und es dabei keinen Substanzverlust gibt. Das ist vielleicht das größte Kompliment, das man uns machen kann. Und auch dem Trainer sowie Rouven Schröder, dass sie einen Kader zusammengestellt haben, der breit und qualitativ gut ist, gute Leistungen abliefert und dem man nicht ansieht, dass wir jedesmal so viel rotieren“, erklärte der Vize-Kapitän.

Mainz 05 habe die Herausforderung Europa angenommen. „Wir hatten nie Angst davor. Ich glaube, wir können es einordnen und wissen, dass die Bundesliga der Schwerpunkt sein muss. Wir müssen aufpassen, dass im Umfeld realisiert wird, dass es trotzdem ein schweres Jahr ist und bleibt. Dass keiner von uns erwarten sollte, dass wir wieder ähnlich oben mitspielen wie letztes Jahr. Das Schlimmste, was uns als Verein passieren könnte, wäre, dass wir am Ende im gesicherten Mittelfeld stehen und es kommt in irgendeiner Form eine Enttäuschung auf.“

Man dürfe nicht vergessen, dass die Mannschaft jung sei und in der Entwicklung stecke. „Wir haben einen sehr jungen, ich glaube den zweitjüngsten Kader überhaupt, und sehr viele Spieler spielen regelmäßig. Nüchtern betrachtet gibt es zehn bis zwölf Klubs, die in der Tabelle über uns stehen müssten, wenn es normal läuft. Wir sind sehr zufrieden, wie es im Moment läuft.“

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