Bell: „Das gibt man nicht so leicht auf“

Jörg Schneider. Mainz.
Stefan Bell gehört zu den Profis im Bundesligateam des FSV Mainz 05, die sich komplett mit dem Verein identifizieren. Der Vize-Kapitän hat nun ein Zeichen gesetzt und seinen Vertrag vorzeitig verlängert. Mit seiner Unterschrift dokumentiert der 25-Jährige sein Vertrauen in eine sportlich erfolgreiche Zukunft. „Ich bin davon überzeugt, dass wir auch nächste Saison in der Bundesliga spielen werden. Ich hatte Lust hier zu bleiben, und ich sehe gute Voraussetzungen was die Mannschaft angeht und die sportliche Leitung. Ich denke, auch die Umstrukturierung wird bald vom Tisch sein. Es ist eigentlich alles bereitet dafür, dass es bald wieder mehr positive Schlagzeilen von Mainz 05 gibt“, sagte der Innenverteidiger am Rande des Testspiels gegen den KSC.

Stefan Bell hat das Testspiel gegen den Karlsruher SC im Bruchwegstadion nur als Zuschauer verfolgt. Muskuläre Probleme im Bauchbereich zwingen den Vize-Kapitän des FSV Mainz 05 in dieser Woche zur Pause. Vor diesem 1:1 gegen den Zweitligisten sprach der 25-Jährige ausführlich mit den Medienvertretern über seine Vertragsverlängerung. Bell und der Verein hatten bekanntlich am Donnerstag vorzeitig auf ihre ursprünglich bis 2018 festgeschriebene Zusammenarbeit zwei weitere Jahre draufgepackt. Sportdirektor Rouven Schröder bezeichnet den Profi, der aus der Jugendarbeit der 05er hervorging und der 2009 mit der 05-A-Jugend Deutscher Meister wurde, als „Leistungsträger, Fixpunkt der Mannschaft, Identifikationsfigur für Verein und Fans". Martin Schmidt erklärte, dass man schon im Sommer beschlossen habe, mit Bell zu reden, um ihn unbedingt in Mainz zu behalten, „weil er einer von hier ist und in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle übernehmen muss. Ich bin sehr froh, dass er den Schritt nun gemacht hat. Vor allem zum jetzigen Zeitpunkt. Das passt“, sagt der Trainer.

Klares Signal im Abstiegskampf: Stefan Bell verlängerte seinen Vertrag bei den 05ern vorzeitig um zwei weitere Jahre. Foto: Ekkie Veyhelmann„Es ist ja kein Geheimnis, dass ich sehr lange hier bin, sehr viel erlebt habe mit dem Verein, meine ganze fußballerische Karriere in der Bundesliga hier verbracht habe. Ich hatte eine bewegte Zeit hier mit vielen Höhen, Tiefen und Rückschlägen. Jetzt habe ich es geschafft, ein wichtiger Spieler zu werden. Das gibt man nicht so leicht auf“, betont Bell. „Ich habe die Chance bekommen vom Verein, um zwei weitere Jahre zu verlängern. Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat und wir uns einigen konnten.“ Eine große Überwindung habe er dafür nicht aufbringen müssen. „Sicher, man überlegt immer, was man tut, aber es ist grundsätzlich so, dass ich davon überzeugt bin, dass wir auch nächste Saison in der Bundesliga spielen werden. Ich hatte Lust hier zu bleiben, und ich sehe gute Voraussetzungen was die Mannschaft angeht und die sportliche Leitung. Ich denke, auch die Umstrukturierung wird bald vom Tisch sein. Es ist eigentlich alles bereitet dafür, dass es bald wieder mehr positive Schlagzeilen von Mainz 05 gibt. Der Klub wertet die Unterschrift des Kapitäns zum jetzigen Zeitpunkt als ein wichtiges Zeichen, als deutliche Signalwirkung für die Mannschaft. „Das war nicht der einzige Grund, aber der, warum wir es jetzt gemacht haben“, sagt Bell. „Es ist ein guter Zeitpunkt, um ein solches Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass ich vollstes Vertrauen habe in uns als Mannschaft. Ich hoffe, es ist der Auftakt zu einer positiven Restsaison.“

Dass es so kommen wird, dass die 05er ihre Probleme in den Griff kriegen und wieder Erfolgserlebnisse einsammeln, davon ist der Abwehrchef felsenfest überzeugt. Die Stimmung in der Mannschaft sei trotz den beiden Niederlagen zuletzt „eigentlich selbstbewusst gut. Es ist nicht so, dass wir Gefahr laufen, den Glauben an uns zu verlieren oder verunsichert zu werden. Das sehe ich ganz und gar nicht. Ich glaube vielmehr, dass wir wissen, woran wir arbeiten müssen. Der klare Auftrag an die nächsten Wochen ist, dass wir uns mehr Großchancen herausspielen und mehr Tore erzielen.“ Für das derzeitige Tief im Angriff hat der Innenverteidiger auch nur Indizien, keine gesicherten Fakten, woran es liegen kann, dass zuletzt vorne so wenig zusammenging. „Ich bin kein Experte für die Offensive“, sagt der Abwehrspieler, der selbst vier Treffer erzielt hat nach Standradsituationen. „Es war oft so, dass wir vorne die letzten 20, 30 Meter vor dem Tor zu unsauber gespielt haben, zu wenige Leute im Sechzehner oder an den falschen Positionen hatten. Ich glaube nicht, dass wir alles umschmeißen müssen, aber die Details vorne müssen besser werden. Grundsätzlich sind die Spieler, die wir auf dem Platz haben, gut genug, um das hinzukriegen. Es geht nur darum, den Plan, den wir vorher bekommen, im Spiel einfach besser umzusetzen.“

Die Situation sei konträr zu der in der Vorrunde, besser als im Herbst des vergangenen Jahres. „Damals waren wir manchmal froh, eine Mannschaft aufs Feld zu bekommen, die fit war. Jetzt ist es so, dass wir meist 22 fitte Spieler haben. Eigentlich eine gute Situation, um den Konkurrenzkampf zu erzeugen und zu fördern. In der Hinrunde war es aber oft so, dass wir das Gefühl hatten, zwei, drei Tore schießen wir in jedem Spiel. Wenn wir nur eins bekommen, gewinnen wir. Jetzt ist es andersrum. Wir kriegen meist nur ein Gegentor, schießen aber vorne nicht genug.“ Das könne vielleicht damit zusammenhängen, dass man sich seit dem Winter darauf konzentriert habe, die Defensive zu stärken, was ja auch gelungen sei. „Man sieht ja auch an unserer Spielweise, dass gerade die offensiven Außenbahnspieler sich sehr stark im läuferischen Bereich in der Defensive verausgaben. Möglicherweise fehlt dann manchmal etwas im Spiel nach vorne“, sagt Bell.

Auch den Weggang von Yunus Malli, der mit sechs Toren und sieben Torvorlagen noch immer die interne Top-Scorer-Rangliste anführt, dürfe man nicht außer Acht lassen. „Yunus ist ganz klar ein Spieler für uns gewesen, den wir nicht so schnell eins zu eins ersetzen können. Wir müssen uns an die Spielwiese ohne ihn erst gewöhnen. Man kann jetzt nicht von Bojan, der auf dem Papier der Eins-zu-eins-Ersatz war, erwarten, dass er nach einem Monat direkt so spielt wie Yunus. So kreative Spieler brauchen ihre Zeit, um ihre Stärken einzubringen, um zu wissen, wie die Mitspieler ticken, wo sie hinlaufen, wie die Mannschaft spielt. Das haben wir doch auch bei Jairo, Levin Öztunali, Pablo De Blasis oder Karim Onisiwo gesehen, wie lange sie gebraucht haben. Das ist bei Bojan nicht anders. Bei ihm sieht jeder, der unser Training verfolgt, dass er vom Typ her trotz seiner Vita sehr professionell und demütig ist. Er gibt zu keiner Sekunde das Gefühl, dass er etwas ausklingen lässt oder mit seiner Rolle schon zufrieden ist.“

Stefan Bell vertraut darauf, dass die Mannschaft genügend Qualität besitzt und in allen geforderten Bereichen in der Lage ist, die Situation anzunehmen, zu bewältigen und sich im Abstiegskampf erfolgreich zu behaupten. Diese Situation sei nicht neu fürs Team, vor allem nicht so neu, wie man es nun darstelle. „Wir mussten immer kämpfen, waren in jeder Saison mal unten mit dabei und nahe dran am Abstiegskampf. Wir haben uns nur immer sehr schnell wieder da rausgeschossen“, sagt der 25-Jährige. „Es sind viele im Kader, die diese Situation kennen und einschätzen können. Wir sind noch weit weg vom Saisonfinale. Wir brauchen vier Siege. Die schaffen wir auf jeden Fall gegen die Gegner, die wir noch haben.“

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