Beister geht ans andere Ende der Welt

Christian Karn. Mainz.
Maximilian Beister war beim FSV Mainz 05 zuletzt nicht mehr allzu populär; nach seinem lustlosen Auftritt im Drittligaspiel in Bremen war der bei den Profis bereits aussortierte Stürmer auch in der U23 nicht mehr erwünscht, manch einer wird ihn ans Ende der Welt gewünscht haben. Dort ist Beister nun tatsächlich angekommen; bis Ende Mai spielt er auf Leihbasis in der australischen A-League für Melbourne Victory. Die Frage, was aus den weiteren 13 Monaten Vertragslaufzeit bei Mainz 05 wird, wird sich im kommenden Jahr allerdings noch stellen.

Maximilian Beisters Bilanz bei Mainz 05 ist nicht allzu beeindruckend: sieben Testspiele, zwei Drittliga-Einsätze, fünf Minuten Bundesliga. Vorerst geht die arg ins Stocken geratene Laufbahn des Stürmers in Australien weiter. Foto: imagoEinstweilen ist der FSV Mainz 05 Maximilian Beister losgeworden. Der 26-jährige Angreifer spielt ab sofort am anderen Ende der Welt, in der australischen A-League, die heute erst Transferschluss hatte. Der Melbourne Victory FC, der mit einem Punkt aus zwei Spielen in die neue Saison gestartet ist, lieh Beister bis Ende Mai 2017 aus. "Wir haben in den vergangenen Wochen intensiv an einer Lösung gearbeitet und diese im Sinne aller Beteiligten vorerst gefunden", sagt 05-Sportdirektor Rouven Schröder. "Maximilian Beister hat seine Zukunft nun selbst in der Hand."

In Mainz dürfte diese Zukunft trotz eines Anschlussvertrags über dreizehn weitere Monate bei den 05ern eher nicht liegen, dafür hat sich der Stürmer zu unbeliebt gemacht. Die 05er hatten geglaubt, ein schönes Schnäppchen gemacht zu haben, als sie den ehemaligen Junioren-Nationalspieler im Juni 2015 unmittelbar nach seiner Vertragsauflösung in Hamburg ablösefrei verpflichteten. Mit 46 Bundesligaspielen und vierzehn Torbeteiligungen hatte der dynamische Flügelspieler ordentliche Zahlen vorzuweisen, im ersten Testspiel schoss er prompt das erste und dritte Saisontor seines neuen Vereins. Ein auf zwei bis drei Wochen Ausfallzeit prognostiziertes Knochenmarködem, das sich über Monate in die Länge zog, nahm Beister jedoch früh aus der Vorbereitung. Martin Schmidt war mal mehr, mal weniger zufrieden damit, wie Beister am Comeback arbeitete und setzte ihn in der Bundesliga schließlich nur einmal ein: fünf Minuten beim Ex-Klub, beim HSV. "Da kommt ein Julian Derstroff. Dieselbe Position, dasselbe Training, und der macht den Leon Balogun und den Daniel Brosinski in den Trainings-Spielen weg, schießt Tore, ist von Anfang an voll dabei, und der Maxi winkt ihn fast vorbei“, schimpfte Schmidt im November. Beister müsse sich dagegenstemmen. "Du denkst, wenn du wieder kerngesund bist, dass alle auf dich warten. Wir warten immer bis ein Spieler gesund ist. Wenn es dann so ist, erwarten wir, dass er liefert. Wir sind geduldig, bis er merkt, um was es geht, aber Maximilian ist gefordert."

Bereits in der vergangenen Rückrunde war Beister nicht mehr in Mainz. Beim TSV München 1860 spielte er nur acht Mal in der zweiten Liga mit. Nach seiner Rückkehr wurde Beister nicht in den Profikader der Mainzer aufgenommen, sondern zur U23 delegiert. Im August scheiterte ein Wechsel zum SV Darmstadt 98, dessen Trainer Norbert Meier den Spieler noch aus gemeinsamen Zeiten bei Fortuna Düsseldorf kannte; das mehrwöchige Probetraining habe ihm Spaß gemacht, sagte Beister, aber die "Lilien" konnten sich nicht zu einem Vertragsangebot durchringen. Ähnlich wie im Jahr zuvor Chinedu Ede, der ebenfalls keine Bundesliga-Perspektive in Mainz mehr hatte, sollte der Rückkehrer in der dritten Liga eine ernsthafte Rolle spielen und sich gegebenenfalls für einen Transfer in den Profifußball empfehlen; anders als Ede, der vier ordentliche Spiele machte und dann in die Niederlande wechselte, nahm Beister die Aufgabe nicht an. Beim 1:2 im Drittligaspiel bei Werder Bremen II wechselte Sandro Schwarz den Profi schon nach einer guten halben Stunde aus, sein Auftritt muss unmotiviert, inakzeptabel gewesen sein. Nach der Auswechslung soll sich Beister aus dem Bremer Drittligastadion verdrückt haben, erst zur Heimfahrt soll er wieder aufgetaucht sein, "das deckt sich mit meiner Beobachtung", kommentierte das der U23-Manager Manfred Lorenz. Beister wurde zunächst für einige Tage, dann ganz vom Training freigestellt, von da an ging es wohl nur noch darum, ihm den Weg aus dem Verein heraus nicht noch mit einer Abfindung zu vergolden.

Bis Mai ist Beister nun weg. Dann wird sich die Frage stellen, was mit den letzten dreizehn Monaten des ursprünglichen Dreijahresvertrags passiert.

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