Baumgartlingers Rekorde sichern Bengtsson ab

Christian Karn. Mainz.
Julian Baumgartlinger ist wohl der einzige Mainzer, der sich direkt für die Europameisterschaft in Frankreich qualifiziert. Der Kapitän des FSV Mainz 05 gewann mit der österreichischen Nationalmannschaft 3:2 in Montenegro; dabei stellte sein Team zwei neue ÖFB-Rekorde auf. Durch die Niederlage Montenegros und ihren 2:0-Sieg in Liechtenstein haben die Schweden, bei denen der 05er Pierre Bengtsson nicht spielte, zumindest die Playoffs sicher; der zweite Platz ist noch nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich.

Julian Baumgartlinger hat mit der österreichischen Nationalmannschaft zwei Rekorde auf einmal aufgestellt. Das 3:2 in Podgorica gegen Montenegro war der achte Pflichtspielsieg und der siebte Auswärtssieg in Folge - beides gab es selbst in den größten Zeiten des ÖFB-Teams in den 1930ern noch nie.

Die österreichische Nationalmannschaft mit dem 05-Kapitän Julian Baumgartlinger ließ nach der bereits im September vollendeten EM-Qualifikation nicht nach und holte im neunten Spiel den achten Sieg. Foto: imagoIn einer torreichen Partie, in der der italienische Schiedsrichter Daniele Orsato nicht jeden Treffer anerkannte und dabei nicht immer richtig entschied, spielte der bereits im September für die EM qualifizierte Tabellenführer seiner Gruppe in der längst gewohnten Standard-Aufstellung Almer - Klein, Dragovic, Prödl, Fuchs - Baumgartlinger, Alaba - Harnik, Junuzovic, Arnautovic - Janko, also mit einem aktuellen und einem ehemaligen Mainzer, insgesamt mit neun aktuellen oder ehemaligen Spielern der deutschen Bundesliga.

Los ging es mit einem montenegrischen Abseitstor in der fünften Minute. Die Österreicher rissen dann das Spiel an sich, steckten aber nach einem Fehler von Dragovic das 0:1 durch den montenegrischen Kapitän Mirko Vucinic (heute al-Jazira Club Abu Dhabi, einst AS Rom und Juventus Turin, 32.) ein - der erste Rückstand Österreichs in der gesamten Qualifikation, allerdings wegen eines Handspiels von Vucinic irregulär. Montenegro spielte daraufhin Fußball, gab sich nicht mit der knappen Führung zufrieden, attackierte die Österreicher hoch, hielten das 1:0 aber nur bis in die 55. Minute. Dann spielte Stuttgarts Martin Harnik einen fiesen Querpass in den Fünfer auf den Basler Marc Janko, dem der Ausgleich wirklich nicht mehr schwer fiel. 

Das vermeintliche 2:1 des Bremers Zlatko Junuzovic zählte wegen eines Stürmerfouls von Janko nicht (65.). Und direkt nach einer starken Reaktion des Torhüters Robert Almer (Austria Wien) brachte Fatos Beciraj (Dinamo Minsk) im Abschluss eines schlecht abgewehrten Eckballs Montenegro mit einem verdeckten Schuss von der Strafraumgrenze wieder in Führung (68.) - wieder ein umstrittenes Tor, diesmal ging es um die Frage, wie nahe Vucinic an Becirajs Schuss stand, ob seine klare Abseitsposition aktiv und damit strafbar oder passiv und damit egal war.

In der Schlussphase drehten die Österreicher das Spiel in die gewohnte Richtung. Marko Arnautovic (Stoke City) schoss in der 81. Minute das wohl eleganteste Tor des Spiels; der Ex-Bremer überlief auf dem Weg von links nach rechts durch den Strafraum vier Verteidiger und fand aus der Drehung die offene Schussbahn ins lange Eck. Mehr oder weniger zufällig fiel in der Nachspielzeit das österreichische Siegtor: Harniks Passversuch landete abgefälscht vor den Füßen des eingewechselten Marcel Sabitzer, der in der 92. Minute das 3:2 schoss. Vucinic hatte kurz zuvor Rot gesehen für eine Schiedsrichterbeleidigung.

Julian Baumgartlinger hatte auf seiner gewohnten Position als defensiverer Sechser hinter dem angriffslustigen David Alaba keine spektakulären Momente. In einem verglichen mit den vorherigen Spielen der Österreicher, vor allem mit dem überragenden 4:1 in Schweden, eher mittelmäßigen Spiel erfüllte der Mainzer Kapitän seine Rolle unauffällig, aber gut.

Schweden schlägt Liechtenstein ohne Pierre Bengtsson

Für Baumgartlingers Klubkollegen Pierre Bengtsson ist der österreichische Sieg eine gute Nachricht; auch ein Unentschieden hätte gereicht. Durch ihren eigenen 2:0-Sieg in Vaduz gegen Liechtenstein bauten die Schweden ihren Vorsprung auf den vierten Platz auf unüberbrückbare vier Punkte aus. Zumindest die Playoffs haben die Skandinavier damit sicher.

Schön war auch ihre Partie im Rheinstadion nicht. Die Schweden mühten sich gegen die überforderten Liechtensteiner, hatten aber kaum gute Aktionen. Der ehemalige Hamburger Marcus Berg (Panathinaikos) brachte sein Team in der 18. Minute in Führung. Zlatan Ibrahimovic verschoss einen Foulelfmeter (40.), traf aber in der 55. Minute zum 2:0. Bengtsson wurde nicht eingesetzt.

Weil auch Russland sein Spiel in Moldawien gewann (2:1), sind die schwedischen Chancen auf eine direkte EM-Qualifikation nicht mehr hoch. Da die Russen den direkten Vergleich gegen Schweden mit 1:0/1:1 gewonnen haben, würde ihnen am Montag ein Unentschieden reichen, um Platz zwei zu verteidigen. Schweden sollte Moldawien schlagen können, braucht aber eine Niederlage Russlands. Zwar qualifiziert sich auch der beste der neun Drittplatzierten direkt, aber in dieser Liste hat die Gruppe F mit den Kandidaten Rumänien (13 Punkte) und Ungarn (15 Punkte - die Spiele gegen den Tabellenletzten werden dabei nicht gewertet) bereits jetzt einen Vorsprung, den Schweden nicht mehr aufholen kann.

Unterdessen qualifizierte sich die Schweiz mit einem 7:0 gegen San Marino für die Europameisterschaft. Fabian Frei kann damit auf eine EM-Nominierung hoffen; derzeit ist der Mainzer Mittelfeldspieler ja verletzt.

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