Auswärtsquote verbessern heißt das Ziel

Jörg Schneider. Mainz.
Die Rückkehr von Mittelstürmer Jhon Cordoba ins Team, die ansprechende Form der übrigen Offensivkräfte sowie der Zuwachs durch zwei vielversprechende Neuverpflichtungen im Angriff, lassen den FSV Mainz 05 mit Zuversicht zum Auswärtsspiel am Samstag bei der TSG Hoffenheim reisen. Die Defensivorganisation steht zwar im dritten Spiel in Folge gegen einen besser platzierten Kontrahenten im Vordergrund, aber „wir werden unsere Wege nach vorne finden. Uns zu verteidigen, ist auch nicht so einfach, weil wir unberechenbar sind, vorne vier Stürmer auf dem Platz haben, die schnell sind. Ich bin überzeugt, dass wir da zu unseren Möglichkeiten kommen“, sagt der 05-Trainer.

Die Enttäuschung nach dem ersten Auftritt dieser Saison im September vergangenen Jahres in der Opel Arena war groß beim FSV Mainz 05. Das 4:4 im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim bot zwar ein Spektakel, doch der Ärger darüber, dass die Elf von Martin Schmidt nach eigener 3:0-Führung und späterem 4:1-Vorspung am Ende mit dem Unentschieden zufrieden sein musste, dazu noch Gaetan Bussmann mit einer Roten Karte verlor, war überall greifbar. Im Laufe der Vorrunde relativierte sich vieles bei der Betrachtung dieses Gegners. Die Mannschaft aus dem Kraichgau hat bis heute insgesamt zehn Mal die Punkte geteilt, siebenmal gewonnen und steht nach ihrer ersten Niederlage zum Rückrundenauftakt in Leipzig auf Platz fünf der Bundesliga.

Danny Latza hat die letzten vier Treffer der 05er erzielt. In Hoffenheim sind die Mainzer Stürmer aufgefordert, nachzulegen. Foto: Ekkie Veyhelmann„Ich habe nach diesem Spiel gesagt, dass dies ein Team war, das in dieser Saison weit vorne sein wird, dass diese Offensive unheimlich Qualität hat“, betont Schmidt vor dem Rückspiel am Samstag (15.30 Uhr) in der Sinsheimer Arena. „Ein paar Wochen später hat sich das bestätigt, da war unser 4:4 gar nicht mehr so schlimm. Wir waren plötzlich das Team, das ihnen vier Tor eingeschenkt hat, das gegen sie unentschieden gespielt hat. Gegen eine Mannschaft, die bis vor einer Woche das einzig ungeschlagene Team war. Ich glaube heute, das war kein schlechter Auftakt.“  Sein Kollege Julian Nagelsmann habe die Hoffenheimer im Vergleich zur vorangegangenen Saison stabilisiert, weiterentwickelt, den Spielstil kultiviert. Mit einer Variabilität, die der Liga gut tue. „Hoffenheim  ist eine sehr spielstarke Mannschaft von hinten raus, sie haben sehr gute Ballbesitzphasen, spielen unheimlich gute Bälle in die Spitze mit Vertikalbällen über zwei, drei Stationen. Wenn sie in des Gegners Hälfte sind, brauchen sie nur wenige Kontakte. Das hat hohe Qualität im Ballbesitz und im Umschaltspiel. Das haben nicht viele in der Liga“, sagt der 05-Trainer. Die Mainzer Herangehensweise am Samstag werde deshalb sicher ähnlich sein wie in den vergangenen zwei Begegnungen mit dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund. Die Defensivorganisation steht damit auch im dritten Spiel hintereinander gegen einen Klub, der in der Tabelle vor den 05ern rangiert, absolut im Vordergrund. „Diese Variabilität des Gegners muss man verteidigen. Die Läufe in die Tiefe muss man aufnehmen, die Räume muss man eng machen und verdichten. Da werden wir wieder auf das Härteste abgeprüft werden und gefordert sein.“

Der 49-Jährige ist sich jedoch sicher, dass seine Mannschaft  offensiv in jedem Fall zu ihren eigenen Möglichkeiten komme. „Ein Team, das so spielt, gibt vieles im Rücken frei, viele Räume. Der Gegner steht in seinem Positionsspiel breit auf dem Platz. Da gibt es nach Balleroberungen Schnittstellen. In diese Räume muss man reinlaufen und da rein kontern. Unsere Herausforderung wird sein, das klug und mit möglichst viel Präzision zu machen. Wir wissen, dass es geht gegen die und werden selbstbewusst auf dem Platz stehen. Wir werden unsere Wege nach vorne finden, davon bin ich überzeugt. Uns zu verteidigen, ist auch nicht so einfach, weil wir unberechenbar sind, vorne vier Stürmer auf dem Platz haben, die schnell sind. Ich bin überzeugt, dass wir da zu unseren Möglichkeiten kommen.“

Zurückhaltende Stürmer

Die 05-Stürmer gaben sich zuletzt allerdings recht zurückhaltend in ihren Abschlussaktionen. Danny Latza hat die letzten vier Mainzer Tore alleine erzielt - als Sechser. „Schlussendlich ist es mir egal, wer die Tore macht“, sagt Schmidt. „Wichtig ist, dass wir eigene Torchancen kreieren, in die Box reinkommen. Ob das über die Flügel passiert, übers Zentrum oder auch mal mit Distanzschüssen abschließen. Die können ja auch über die Flügel herausgespielt werden, wenn dann nach der Flanke der Ball abprallt. Da muss man halt auch stehen.“ Dass Latza beim Ausgleich gegen die Dortmunder beispielsweise dort stand und per Kopfball das 1:1 erzielte mit einem „Schweinsteiger-Laufweg“, wie Kollege Stefan Bell nachher anerkennend betonte, sei kein Zufall. „Danny bringt da eine zusätzliche Qualität mit rein. Beim Gegentor gegen Dortmund haben wir uns aufgeregt, dass er schon auf dem Weg über den Flügel nach vorne war und deshalb die Sicherung im Zentrum nicht allzu optimal war. Beim Ausgleich waren wir dann froh, dass er als Sechser vorne am zweiten Pfosten stand und einnickte“, erklärte der Trainer.

„Was Gefahr ist, ist auch immer Risiko. Das Risiko abzuwägen und gescheit einzuschätzen, das kommt jetzt auf uns zu. Wir sind überzeugt, dass wir mit der Gewalt, die wir vorne allmählich entwickeln, weitaus kerniger werden als zuletzt. Mit Jhon Cordoba, der wieder da ist, mit Bojan Krkic, der hinten dran ist und den guten letzten Pass hat, mit Levin Öztunali, der von Spiel zu Spiel besser wird, mit Jairo, der nicht wiederzuerkennen ist gegen über dem letzte Herbst, mit Robin Quaison, den wir dazu geholt haben, mit Pablo DE Blasis, der vorne überall rumspringt. Wir werden zu unseren Möglichkeiten und Toren kommen.“ Die Abwehr habe außerdem in den letzten zwei Spielen lediglich ein Gegentor gekriegt. Die 05-Defensive habe dabei zwei Top-Scorer der Liga (Modeste und Aubameyang) verteidigt, die beide kein Tor gemacht haben. „Auch an der Qualität, mit der wir momentan verteidigen, sieht man, dass da was vorangegangen ist bei uns. Die Konzentration, die Organisation in  der Defensive stimmt besser. Außer bei der einen Panne mit dem frühen Gegentor gegen die Dortmunder. Deshalb sind wir auf einem guten Weg, sowohl vorne wie hinten besser dazustehen und erfolgreich zu agieren.“

Auf fremden Plätzen haben die Mainzer bisher nur zweimal gewonnen - in Augsburg und in Bremen. Bei einem Unentschieden (in Wolfsburg) und sechs Niederlagen. Da besteht Nachholbedarf für die Rückrunde. „In der vergangenen Saison waren wir auswärts besser als zu Hause. Jetzt ist es so, dass wir daheim sehr stabil sind und aus den Spielen, wenn wir sie schon nicht gewinnen, wenigstens mit einem Unentschieden rausgehen. Wir wissen, dass wir auswärts was machen müssen. Es ist eines der Ziele, die wir besprochen haben“, sagt der Schweizer. Es habe in der Vorrunde Spiele gegeben, in denen sein Team auswärts zu wenig investiert habe und müde gewesen sei durch vorangegangene Europaligaspiele. „Wir sind bestrebt, in der Auswärtsstatistik eine höhere Quote herauszuholen als bislang.“

Die Tatsache, dass den Hoffenheimern der rotgesperrte Torjäger Sandro Wagner (zehn Treffer) fehlt, haben die 05er registriert. Sicherlich mit positiven Gedanken. „Wir werden dadurch nicht anders aufstellen“, sagt Schmidt. „Für ihr Spiel wird es aber sicherlich einiges verändern. Auf uns kommt damit ein anderer Reiz zu. Anstelle eines Spielers, der bei ihnen vorne ständig gesucht wird, ist es nun so, dass sie mit zwei dynamischen, wirbeligen Angreifern kommen, die in die Räume vorstoßen. Das muss anders verteidigt werden.“

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