Aus Lothringen in die weite Welt

Christian Karn. Mainz.
In Metz war Gaetan Bussmann offenbar ein hoch geachteter und kommunikativer Spieler. In Mainz ist alles ein bisschen größer für den Neuzugang. Die Sprache will gelernt sein, Bundesliga ist etwas ganz anderes als der französische Fußball. Bussmann scheint aber keine Angst zu haben vor der Herausforderung. Die Chance war da, Grund zu Grübeln gab es nicht, verrät der neue Linksverteidiger des FSV Mainz 05, ein Spieler, der seine größte Stärke im Kopfball sieht - auch offensiv.

In Frankreich, sagt Gaetan Bussmann, gibt es zwei Möglichkeiten, wenn man die eigene Liga für ausgereizt erachtet: Bundesliga oder Premier League. Nun war Bussmann als ein Zweitligaspieler, der lediglich eine Saison in der Ligue 1 erlebt hat, nämlich die vergangene, und als Vorletzter mit gehörigem Rückstand abgestiegen ist, lange vor Saisonende schon keine Chance mehr hatte, noch lange nicht am Ende seiner Möglichkeiten. Umso begieriger war der neue Linksverteidiger des FSV Mainz 05, sich nicht groß damit aufzuhalten, bei Stade Rennes, HSC Montpellier, dem SC Bastia, vielleicht sogar in Bordeaux oder Marseille sich zu beweisen. "Eine Sache von zwei Tagen" war's, sagt Bussmann. Kein Grund zum Zögern und Grübeln. Wenn die Bundesliga anruft, sagt man: Ja. "Ich habe das als große Chance gesehen", sagt Bussmann.

Im Dienstagstraining spielte der Rumpfkader der 05er - ohne die Nationalspieler und Verletzten, ohne die wegen diversen leichteren Blessuren fehlenden Niko Bungert, Niki Zimling, Jairo Samperio und Christian Clemens, ergänzt durch eine Reihe U23- und U19-Spieler - auf dem Kleinfeld. Acht gegen sieben Feldspieler, zweimal sieben und ein Joker, der immer zur Mannschaft in Ballbesitz gehörte. Erst ohne Torhüter auf zweimal zwei Minitore, dann mit Torhütern auf die großen Tore. Bussmann war Linksverteidiger in der Kette mit Daniel Brosinski, Henrique Sereno und Alexander Hack, spielte schon ordentlich mit, war aber recht still, rief wenig und wurde wenig gerufen. Ein bisschen Eingewöhnung scheint noch nötig für den Spieler, der erst seit dem Wochenende in Mainz ist.

"Ich will schnell die deutsche Sprache lernen", sagt Bussmann - auf französisch, mit Dolmetscherin. "Es liegt an mir, mich zu integrieren und Anschluss zu finden." Grundsätzlich scheint er kommunikativ zu sein; das verrät auch seine große Online-Aktivität nach Bekanntgabe seines Transfers. In seiner Umgebung muss der Wechsel größere Aufregung verursacht haben. Viele Glückwünsche sind in die Welt gepostet worden, ein gewisser Stolz auf einen Sohn des Vereins, der es geschafft hat, in die Bundesliga zu kommen, ist zu erkennen. Und ein ausführlicher Brief des Spielers kursiert, in dem sich Bussmann bei ganz Metz bedankt, bei Trainern, Spielern, Funktionären, Fans, Freunden, und mit einem kleinen Bonbon schließt: "Ich behalte die Nummer, die ich beim FC Metz getragen habe: #24" - gleichzeitig auch die Nummer, die durch Joo-Ho Parks Wechsel nach Dortmund frei wurde. Nur eine Frage der Zeit womöglich, bis Bussmann auch in Mainz zu hören und lesen ist.

Kopfballtore im roten Trikot mit der Nummer 24 - was gegen SM Caen funktioniert hat, will Gaetan Bussmann auch gegen Bundesligisten zeigen. Foto: imagoDass sich der 24-Jährige an eine neue Umgebung gewöhnen musste, das ist lange her. Nur bei zwei Vereinen spielte er bislang: In frühen Jugendjahren und später noch ein halbes Jahr als Leihspieler in seiner Geburtsstadt Épinal, in der späteren Jugendzeit und fast seiner kompletten bisherigen Profikarriere 100 Kilometer weiter in Metz. "Aber ich konnte nicht ewig dort bleiben", sagt Bussmann. "Um im Fußball weiterzukommen, musste ich wechseln."

Das Niveau der Bundesliga (wenn auch letztlich nur bei einem der beiden beteiligten Teams) hat Bussmann beim 3:0 seines neuen Klubs gegen Hannover 96 aus nächster Nähe beobachten können. "Die ganze Mannschaft war stark", so beschreibt er seinen Stadion-Eindruck von den 05ern und explizit von seinem direkten Konkurrenten Pierre Bengtsson: "er war sehr stark. Es ist eine Herausforderung, sich in dieser Mannschaft durchzusetzen. Ich bin fit, aber den Unterschied zwischen der französischen Liga und der Bundesliga merke ich." Auf seinem Weg in Richtung Stammformation setzt Bussmann vor allem auf seine Kopfballstärke; Lufthoheit war bei den 05ern in der Vergangenheit nicht in jedem Raum auf dem Spielfeld gegeben. Und auf seine Offensivqualitäten. "Ich suche den Abschluss", sagt Bussmann, und das belegen 14 Tore in etwas mehr als fünf Profijahren: Fünf in der dritten Liga, sechs in der zweiten, drei im einzigen Erstligajahr. "Standards", erklärt Bussmann, "Kopfbälle. Und ein Elfmeter."

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