Auffälliger Frei liefert Belege

Jörg Schneider. Dortmund.
Der FSV Mainz 05 ist einer von sieben Klubs, die nach dem Bundesligastart ohne Punkte in die Länderspielpause gehen. Dennoch haben die 05-Profis bei ihrer 1:2-Niederlage in Dortmund belastbare Fakten geschaffen und aufgezeigt, dass die Mannschaft von Martin Schmidt durchaus wieder eine ordentliche Rolle in dieser Liga spielen kann. „Ich denke, das erste Spiel war ein Statement, dass man in der Vorbereitung nicht alles falsch gemacht hat“, sagte Fabian Frei, für den diese Auftaktpartie ein großer Schritt nach vorne war. „Das war wichtig für mich nach der schwierigen Vorsaison. Das tut mir gut und gibt mir Selbstvertrauen.“

Viel Präsenz und eine starke Leistung im Mittelfeld: Fabian Frei (hier gegen Sebastian Rode) hat einen guten Einstand in die neue Saison gegeben. Foto: ImagoDie Bundesliga hat begonnen und gönnt sich gleich schon wieder eine Pause. Der Länderspiel-Terminplan der Fifa will es so. Auch am Mainzer Bruchweg bleibt deshalb nur ein Rumpfkader zurück, der sich die nächsten knapp zwei Wochen bis zum ersten Heimspiel am Sonntag in acht Tagen in der Opel Arena gegen die TSG Hoffenheim damit beschäftigt, den ersten Auftritt der neuen Saison gründlich zu analysieren, neu gewonnene Erkenntnisse zu verarbeiten und umzusetzen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Der FSV Mainz 05 ist mehr oder weniger erwartungsgemäß leer ausgegangen beim Start. Die Mannschaft von Martin Schmidt hat eine 1:2-Niederlage bei Borussia Dortmund kassiert. Und sich kräftig darüber geärgert, denn diese Niederlage war unnötig und im Endeffekt selbst verschuldet. Einmal nicht aufgepasst in der eigenen Abwehr, einen vermeidbaren Elfmeter provoziert, die eigenen Möglichkeiten nicht genutzt. Das reichte dann einer Spitzenmannschaft wie dem top besetzte Top-Team von Thomas Tuchel, um die ersten drei Punkte einzufahren.

Doch die 05er haben mit ihrer Leistung beim BVB belastbare Fakten geschaffen. Die Schlussphase in der Vorbereitung mit dem glücklichen Weiterkommen im DFB-Pokal hatte wenig Aufschluss darüber geben können, wie weit die Mannschaft in ihrer Entwicklung ist, wie stabil die neue Formation auf dem Platz stehen werde, welches Potenzial im Team schlummert. Die Mainzer haben nun Belege geliefert, haben im Westfalenstadion mit einem klug ausgetüftelten Matchplan ihres Trainers, einer taktisch hervorragenden Darbietung, mit demselben läuferischen und kämpferischen Elan wie in der vergangen Erfolgssaison beim großen Favoriten eine erste schwere Aufgabe anständig erfüllt. Mit etwas mehr Kaltblütigkeit in der Offensive hätten die 05-Profis sogar ein erstes Ausrufezeichen setzen können. Das gibt trotz der Niederlage Zuversicht für die komplizierten Wochen, die bald kommen.

„Wir hätten hier gerne etwas mitgenommen“, sagte Daniel Brosinski nach der Partie. „Ich denke, dass wir aber trotzdem auf dieser Leistung aufbauen können und in zwei Wochen gestärkt gegen Hoffenheim wiederkommen.“ Die Mannschaft habe sich nach der schwachen Vorstellung in Unterhaching auf ihre Stärken besonnen, habe konzentriert ihre Aufgaben erledigt und nehme viel Positives mit aus diesem Start-Auftritt. „Das war eine deutliche Steigerung“ sagte der Linksverteidiger, „die uns sicher viele nicht zugetraut haben. Mit mehr Kaltschnäuzigkeit hätten wir aus einem guten Spiel einen Punkt mitnehmen müssen. Das müssen uns andere hier erst einmal nachmachen.“

Die Leistung sei ein großer Schritt nach vorne gewesen, betonte Fabian Frei und meinte damit die Mannschaft, vor allen Dingen aber seine eigene Leistung. Nach der für ihn komplizierten Vorsaison mit vielen Verletzungen und der Suche nach Form und richtiger Position, lieferte der Schweizer im Westfalenstadion eine starke Vorstellung ab. Im engmaschigen Defensivblock gelang es Frei in seiner vorgezogenen zentralen Rolle immer wieder die Passwege der Dortmunder zuzustellen, Bälle zu erobern und dem eigenen Umschaltspiel Impulse zu geben. So auffällig wie in dieser Partie hat man den 27-Jährigen selten gesehen im 05-Trikot. „Ich denke, das erste Spiel war ein Statement, dass man in der Vorbereitung nicht alles falsch gemacht hat“, sagte Frei nachher. Für ihn selbst sei es wichtig, nun zu wissen, dass er 90 Minuten unter Vollbelastung spielen könne. „Es hat nur ein Törchen gefehlt, das wäre schön gewesen.“ Zwei Anläufe dazu hat Frei genommen. In der 26. Minute scheiterte der Mittelfeldspieler nach Pass von Yunus Malli aussichtsreich im Strafraum am BVB-Keeper. In der 56. Minute verhinderte ein Bein eines Abwehrspielers gerade noch Freis Torerfolg nach schönem Konter, bei dem der Schweizer Ausgangs- und Endpunkt war. Außerdem spielte Frei den Pass auf Christian Clemens für die größte Chance der Mainzer überhaupt. „Mit der Leistung von heute kann ich gut schlafen“, sagte der 05-Profi. „Das war wichtig für mich nach der schwierigen Vorsaison. Das tut mir gut und gibt mir Selbstvertrauen.“ Taktisch, kämpferisch und von der Einstellung her sei dieser Bundesligastart eine klare Steigerung gewesen. Für die Mannschaft genauso wie für ihn selbst.

Die 05er haben viel mitgenommen aus dem Westfalenstadion. Nur keine Punkte. Ob dies gelungen wäre, wenn der angeschlagene Jhon Cordoba einsatzfähig gewesen wäre, ist hypothetisch. Doch auch ohne den kolumbianischen Mittelstürmer  war die Möglichkeit da, wenigstens ein Remis zu entführen. „Wir hätten hier was mitnehmen müssen“, sagte Christian Clemens nachher zerknirscht. „Ich habe gedacht, ich wäre mehr unter Druck gewesen und hätte nicht so viel Zeit“, sagte der Außenstürmer zu seiner Großchance in der 48. Minute, die den Ausgleich für die 05er hätte bringen müssen. „Es tut mir leid für die Mannschaft. Hätte ich getroffen, hätten wir uns belohnt für ein sehr gutes Spiel. Das ist schon ärgerlich.“

  

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