Auch Jara sondiert den Markt

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 fährt im Juli, wie schon vor zwei Jahren, ins Trainingslager an den Genfer See. Wie der Bundesligist in der Saison-Vorbereitung personell aufgestellt sein wird, ist derzeit Gegenstand der Strategiegespräche zwischen Trainer und Manager. Martin Schmidt will den Kader an die Spiel-Philosophie anpassen und braucht dafür punktuelle Verstärkungen. In der Offensive, aber auch im Abwehrbereich. Denn neben Nikolce Noveski und Junior Diaz sucht offenbar auch Gonzalo Jara einen neuen Klub, der dem Chilenen mehr Einsatzzeit bietet. Christian Heidel signalisiert Gesprächsbereitschaft.

Sollte Gonzalo Jara (hier im Duell mit Arjen Robben) mit einem Wechselwunsch zu einem Klub kommen, der dem Chilenen mehr Einsatzzeit verspricht, wäre der 05-Manager gesprächsbereit. Foto: ImagoWie schon vor zwei Jahren zieht es den FSV Mainz 05 im Sommer in den mondänen französischen Kurort Evian le Bains. Der Bundesligist zieht vom 16. bis 22. Juli ins Hotel Royal am Genfer See, einen Luxusschuppen, in dem der betuchte Gast für 300 bis 3000 Euro pro Nacht entspannt schlummern kann. Auf dem Programm stehen zwei Testspiele in der Umgebung, die noch terminiert werden müssen.

Bevor die Mannschaft dann einen neuen Anlauf im DFB-Pokal (6. bis 8. August) unternimmt und eine Woche später in die neue Saison startet, ist offenbar die schon seit längerer Zeit im Raum stehende Asien-Reise geplant, in der das Team zwei Freundschaftsspiele in Korea bestreiten soll. Die erste Trainingseinheit nach der Sommerpause hat Martin Schmidt für Montag, 29. Juni (10 Uhr) am Bruchweg angesetzt. Bis dahin sollte dann Loris Karius seine Knieverletzung auskuriert haben. Der 05-Keeper musste das Vorbereitungs-Trainingslager der U21-Nationalmannschaft wegen seiner anhaltenden Reizung der Patella-Sehne absagen. Karius wird in Mainz behandelt, hat aber die U21-EM Mitte Juni in Tschechien noch im Blick.

Im Laufe dieser Woche beraten der 05-Trainer und Christian Heidel in ihren Strategie-Gesprächen noch darüber, wie die Trainingsgruppe letztlich aussehen soll, die dann die Vorbereitungen auf die siebte Bundesliga-Saison in Serie aufnehmen wird. Der Abgang von Junior Diaz steht bevor und auch Gonzalo Jara soll mit seiner Situation im Kader nicht zufrieden sein und Wechselgedanken hegen. Der 05-Manager signalisierte bereits Gesprächsbereitschaft, sollte der Chilene mit einem Angebot eines anderen Klubs vorstellig werden.

Auch die Frage, ob die derzeit ausgeliehenen Spieler einen Platz im neuen 05-Kader erhalten oder endgültig abgegeben werden, soll zügig geklärt werden. Und der ein oder andere Neuzugang steht sowieso auf der Wunschliste. Heidel hat angekündigt, dass der Kader der Vorbereitung möglichst auch in die Saison starten soll. Schmidt will seine Trainingsgruppe etwas verkleinern und hat gewisse Veränderungen im Auge. „Dieses Jahr habe ich einen Kader übernommen und versucht damit den Fußball umzusetzen, wie wir ihn in Mainz gerne sehen wollen“, sagt der Schweizer. „Jetzt wollen wir den Kader anpassen an unsere Philosophie.“

Das große Thema bleibt das Tempo im Angriff und im Umschaltspiel. Jonas Hofmann wäre ohne seine schwere Verletzung die optimale Verstärkung in dieser Thematik gewesen. Das hat der Offensivmann, der jetzt nach Dortmund zurückkehrt, in der Anfangsphase der Saison untermauert. Nach einem ähnlichen Profil werden die Verantwortlichen forschen. Der Japaner Yoshinori Muto, an dessen Transfer vom FC Tokio die 05er arbeiten, könnte eine gute, wenn auch teure Lösung sein. In den Planungen von Trainer und Manager wird in jedem Fall die Suche nach einem Stürmer, der Tore schießen kann, ein zentrale Rolle spielen. Shinji Okazaki könnte in dieser Transferperiode noch abspringen. Der Japaner hat zwölf Treffer erzielt. Yunus Malli sechs, Ja-Cheol Koo fünf. Johannes Geis, dessen Bleiben ebenfalls nicht sicher ist, schoss vier Tore. Sami Allagui und Nicolás Castillo, die ohnehin die Erwartungen nicht erfüllten, sind weg. Im Angriff besteht also dringend Handlungsbedarf.

„Es sind viele Dinge, die wir in den Strategiegesprächen ansprechen“, sagt Schmidt, dem auch das Thema Ausgewogenheit am Herzen liegt. „Wir waren in dieser Saison eine der kleinsten Mannschaften der Liga. Wir müssen robuster werden“, sagt der 48-Jährige. Mit Nikolce Noveski ist ein 1,90-Meter-Mann von Bord gegangen. Das Anforderungsprofil für Neuzugänge sollte also im Längenbereich deutlich über dem Maß eines Pablo De Blasis liegen.

Martin Schmidt erholt sich ab nächste Woche in seiner Heimat im Wallis von den Strapazen seiner erfolgreichen Mission als Cheftrainer. Christian Heidel verlegt sein Büro nach Florida in ein Ferienhaus. Für den Manager gibt es viel zu tun bis zum Trainingsauftakt. Das Liga-Geschehen ist zu Ende, doch die Personalplanung bleibt spannend.

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