Angst wäre der falsche Ansatz

Jörg Schneider. Marbella.
Das Ziel heißt Paderborn: Seit einer Woche ist Julian Baumgartlinger wieder im Mannschafstraining des FSV Mainz 05. Der Österreicher hat sich vorgenommen, bis zum Rückrundenstart am kommenden Samstag so fit und leistungsstark zu sein, dass es im ersten Heimspiel wenigstens für einen Kurzeinsatz reicht. Im heutigen nicht öffentlichen Testspiel gegen Bayer Leverkusen soll der Mittelfeldspieler schon mal den Ernstfall proben.

Julian Baumgartlinger (blaues Leibchen) stieg gegen Ende des Mainzer Trainingslagers in Marbella wieder ins Mannschaftstraining ein. Foto: Jörg Schneider

Geisterspiel gegen Leverkusen

Dreimal 45 Minuten spielen die 05er am Samstag gegen Bayer 04 Leverkusen. Bis auf die drei abwesenden Asiaten und Christoph Moritz, bei dem es vorsichtig aufwärts geht, sollen alle 05-Profis eingesetzt werden. Zuschauer und Presse müssen bekanntlich draußen bleiben - ebenso die Scouts der Gegner. Die 05-Beobachter ihrerseits hätten heute gern das Spiel zwischen Hannover 96 und Werder Bremen verfolgt, werden aber ebenfalls nicht ins Stadion gelassen.

Am Sonntag steht Auslaufen auf dem Programm, der Montag ist frei für die 05-Spieler. Am Dienstag steigen sie in eine normale Vorbereitungswoche auf das Spiel gegen den SC Paderborn 07 am kommenden Samstag (15.30 Uhr) ein.

Seit der letzten Länderspielpause Anfang November hat Julian Baumgartlinger kein Spiel mehr für den FSV Mainz 05 bestritten. Der Österreicher spürte beim Lehrgang seiner Nationalmannschaft eine Reizung im Knie, die offenbar durch Überbelastung aufgetreten war, sagte die Länderspiele ab und fuhr zurück nach Mainz, um sich in Ruhe aufs nächste Bundesligamatch vorzubereiten. Doch die Verletzung wurde massiver und langwierig. „So richtig schlau ist keiner daraus geworden“, sagt Baumgartlinger. Insgesamt dauerte es drei Wochen, bis ein Spezialist in München feststellte, welche Sehne in der Kniekehle genau betroffen war. Wichtige Zeit, die verloren ging. Danach musste der 05-Profi zwei Wochen völlig ohne Belastung sein und gezielt behandelt werden. Mit Reha und allem dauerte es schließlich bis zum 3. Januar, ehe der 27-Jährige wieder trainieren konnte. „Es ging dann recht schnell, nachdem wir drei Wochen gebraucht hatten, um zu wissen, was es genau war.“

Jetzt steht das Comeback an. „Ich möchte im Testspiel gegen Leverkusen viel spielen“, sagt der 05er „und dann, sehen in welcher Verfassung ich bin. Ich bin jetzt froh, dass ich da bin, wo ich bin.“ Baumgartlinger möchte bereit sein für die Bundesliga, „für eine anspruchsvolle Rückrunde“, wie er sagt. Eine Rückrunde, die der Profi und dessen Team jedoch optimistisch angehen. Die verletzten Spieler stehen weitgehend wieder zur Verfügung, der Klub hat zwei Verstärkungen verpflichtet. Die Spieler kennen die Situation, wissen auf was es ankommt. „Aber wir legen unser ganzes Bewusstsein auf uns selbst“, sagt der 27-Jährige. „Dass wir selbst topfit sind. Wir können nicht beeinflussen, wie Paderborn, Hannover und Hertha drauf sind, aber wir wollen topfit und bereit sein für diese Begegnungen.“

Julian Baumgartlinger (links, mit Daniel Brosinski) will unbedingt gegen Paderborn wieder spielen. Foto: Jörg SchneiderDie 05er starten bekanntlich mit einer Englischen Woche gegen diese drei Gegner in die Halbserie. „Wir müssen unsere Mentalität beibehalten und auch die wichtigen Elemente unseres Spiels wie Gegenpressing, kompromisslose Verteidigung im Block, Aggressivität in allen Bereichen. Das weiß jetzt jeder bei uns“, so Baumgartlinger nach dem Trainingslager in Marbella.

Der Profi hat das Gefühl nach den Tagen in Spanien, dass die Mannschaft in ihrer Vorbereitung da steht, wo sie stehen soll. Nur die Ergebnisse in den Testspielen stimmten nicht. Nicht zuletzt wegen fehlender Durchschlagskraft im Angriff. Das sehen auch die Spieler selbst. „Wir wissen, dass einer aufstehen muss und vorne das bringen muss, was wir brauchen“, erklärt der Österreicher. „Pablo De Blasis hat die Chance bekommen, sich zu zeigen. Bei ihm sehe ich einige Parallelen zu Shinji Okazaki, aber auch Sami Allagui traue ich zu, die Position übernehmen zu können.“

Für Okazaki, den zuverlässigsten Mainzer Torschützen, sind die Asien-Spiele zwar schon vorbei, der Gesundheitszustand des Japaners ist allerdings unklar. In den ersten Spielen könnte er fehlen. „Ich hoffe, dass alle drei Asiaten fit zurückkommen“, hatte Baumgartlinger noch gesagt, „denn die kannst du immer reinschmeißen, wenn du sie brauchst, und sie sind ein Zugewinn.“

Die Testspiele mag Baumgartlinger nicht überbewerten. „In den letzten drei Jahren kann ich mich an kein Vorbereitungsspiel erinnern, das wir verloren haben. Und trotzdem hatten wir immer wieder Probleme in verschiedenen Bundesliga-Phasen. Ich bin optimistisch, dass wir die Leistung bringen. Mit 18 Punkten müssen wir immer wachsam sein, aber davor Angst zu haben, wäre der falsche Ansatz.“

Und wie steht’s nun mit dem anderen wichtigen Thema, der Vertragsverlängerung? „Ich fühle mich sehr wohl in Mainz“, sagt Baumgartlinger. „Wir sprechen darüber, und ich bin froh, dass wir darüber sprechen. Was dabei rauskommt, kann ich noch nicht beurteilen. Ich möchte in erster Linie spielen, der Mannschaft helfen, und dann sehen wir weiter. Ich habe mir kein Datum gesetzt, bis wann die Sache entschieden sein soll.“

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