Anderlecht, Saint-Étienne, Qäbälä

Christian Karn. Mainz.
Rouven Schröder tut nur kurz enttäuscht, Harald Strutz rührt die Werbetrommel: Dem FSV Mainz 05 wurden mit dem belgischen Rekordmeister RSC Anderlecht und dem einstigen französischen Serienmeister AS Saint-Étienne zwei namhafte Gegner aus Nachbarländern und mit dem FK Qäbälä aus Aserbaidschan ein gut erreichbarer Exot als Gruppengegner in der Europa League zugelost. "Wir sind sehr froh, eine solche Gruppe erwischt zu haben", sagt Schröder, Strutz spricht von großer "Vorfreude auf diese Gruppenphase".

Die Städte Brüssel, Saint-Étienne und Baku werden in den kommenden Monaten Besuch aus Mainz bekommen. In der Gruppe C der Europa League wurden die 05er dem belgischen Rekordmeister RSC Anderlecht aus einem Vorort der belgischen Hauptstadt, dem zehnmaligen französischen Meister AS Saint-Étienne und dem aserbaidschanischen Tabellendritten Qäbälä FK, der seine internationalen Spiele in der Hauptstadt Baku austrägt, zugelost. Das sind zwei Fahrten von überschaubarer Länge und ein Flug in eine entlegene, aber gut erreichbare Metropole.

"Klar, eine große Enttäuschung", sagte Rouven Schröder. Der Sportdirektor der 05er wollte gegen Manchester United und den Dundalk FC spielen, leistete sich den Scherz, wurde dann ernst: "Wir sind sehr froh, eine solche Gruppe erwischt zu haben", sagte Schröder. "Es ist eine sehr ausgeglichene Gruppe mit leichten Vorteilen für Anderlecht und Saint-Étienne - aber diese Favoriten werden wir versuchen anzugreifen. Und mit einem Überraschungsteam, das wir nicht unterschätzen dürfen. Wir müssen uns jetzt erst einmal über die Gegner informieren. Das ist super interessant. In dieser Gruppe ist alles drin, es ist keiner dabei, von dem wir sagen würden, dass er jetzt schon durch ist. Das ist eine gute Ausgangsposition."

05-Präsident Harald Strutz und Sportdirektor Rouven Schröder sind zufrieden mit der Auslosung. Foto: FSV Mainz 05Die ASSE, um 1970 herum mit sieben Meistertiteln in zehn Jahren, mit bedeutenden Spielern wie dem jugoslawischen Torwart Ivan Curkovic, dem "Grünen Engel" Dominique Rocheteau, den Revelli-Bründern Hervé und Petrick, mit den späteren Nationaltrainern Aimé Jacquet (Weltmeister 1998) und Jacques Santini (Confederations-Cup-Sieger und Weltnationaltrainer 2003) und mit dem legendären afrikanischen Torjäger Salif Keita das Maß aller Dinge in Frankreich, hat schon zwei Qualifikationsrunden hinter sich. Zunächst setzte sich der Sechste der Ligue 1 durch ein Tor des slowenischen Stürmers Robert Beric mit 0:0/1:0 gegen AEK Athen durch, dann trotz der Roten Karte gegen Torwart Stéphane Ruffier im Rückspiel mit 2:1/0:0 gegen Beitar Jerusalem. Die 05er kennen das Team aus Zentralfrankreich noch vom Testspiel vor einem Jahr im Trainingslager in Albertville, das nach dem Führungstor von Christian Clemens 1:1 endete.

Gegen den RSC Anderlecht haben die 05er auch schon gespielt, aber das ist länger her. Im Januar 2003 verloren sie im Trainingslager 1:2 gegen die Belgier; den späten Ausgleich durch Sandro Schwarz konterte der aktuelle Vizemeister mit einem Elfmetertor. In den Europa-League-Playoffs ließ der Klub aus Brüssel dem tschechischen Fünften Slavia Prag mit zwei 3:0-Siegen keine Chance. Zuvor war der seit wenigen Wochen vom bisherigen Nürnberger Trainer René Weiler betreute RSC in seiner einzigen Champions-League-Qualifikationsrunde mit 2:2/0:2 am russischen Vizemeister FK Rostow gescheitert.

Der FK Qäbälä schließlich ist ein völlig Unbekannter für die 05er. Der Tabellendritte aus Aserbaidschan hat (gemeinsam mit Maccabi Tel Aviv) den längsten Weg in die Gruppe C hinter sich, setzte sich in vier Qualifikationsrunden gegen den georgischen Vizemeister FK Samtredia (5:1/1:2), den ungarischen Vierten MTK Budapest (2:1/2:0), den Fünfen Frankreichs OSC Lille (1:1/1:0) und nun den slowenischen Pokalsieger NK Maribor (3:1/0:1) durch.

Harald Strutz spricht vom Trip nach Baku als "eine Abenteuerreise, die wir dabei haben", neben "zwei namhaften Vereinen, die auch gut erreichbar sind." Die relativ kurzen Wege nach Saint-Étienne und Brüssel sieht der 05-Präsident als "ein großes Plus und für unsere Fans eine schöne Sache. Wir werden sicherlich viele Fans mitnehmen und entsprechend die Werbetrommel rühren. WIr sind voller Vorfreunde auf diese Gruppenphase." Die genauen Ansetzungen und die Reihenfolge der Spiele sollte im Laufe des Nachmittags bekanntgegeben werden.

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