„Am Ende des Spiels wissen wir mehr“

Jörg Schneider. Mainz.
Die mittlerweile elfte Saison in der Bundesliga, die achte Spielzeit in Serie beginnt für den FSV Mainz 05 direkt mit einer der schwierigsten Prüfungen überhaupt: Die Mannschaft von Martin Schmidt steht zum Auftakt am Samstag beim Vizemeister Borussia Dortmund auf der Matte. Das Duell mit Ex-Trainer Thomas Tuchel und dessen Top-Team ist erst einmal nicht dazu angetan, die Erwartungen allzu hoch anzusetzen. Die 05er sind trotzdem mit viel Vorfreude in den Ruhrpott gefahren. „Ein solcher Gegner ist das Beste, was du kriegen kannst für den Start. Ein Gegner, bei dem du nichts zu verlieren hast, ist das Beste um in die Saison reinzugehen“, sagt der Trainer. „Wenn’s nichts zu verlieren gibt, ist meist alles zu holen.“

Jetzt geht’s los, ab heute zählt’s: Der FSV Mainz 05 startet in seine mittlerweile elfte Saison in der Bundesliga. Die achte Spielzeit in Serie beginnt gleich mit einer der schwierigsten Prüfungen überhaupt. Das Team von Martin Schmidt wird am Samstagnachmittag (15.30 Uhr) bei Borussia Dortmund vorstellig. Dass die 05er ausgerechnet ihren Auftakt beim Vizemeister haben, dem größten Konkurrenten des FC Bayern, der den Münchnern die Meisterschaft streitig machen möchte, ist sinnbildlich für diese Spielzeit. Denn die Mainzer stehen vor einer höchst komplizierten Saison, einem Tanz auf drei Hochzeiten mit DFB-Pokal und der erstmaligen Teilnahme an der Gruppenphase der Europaliga, mit einer ganzen Reihe zusätzlicher Spiele also, mit schweren Prüfungen auf unbekanntem Terrain. Ein guter Start wäre hilfreich und wünschenswert für dieses Projekt, doch das Duell mit Ex-Trainer Thomas Tuchel und dessen Top-Team ist erst einmal nicht dazu angetan, die Erwartungen allzu hoch anzusetzen. Was allerdings nichts heißen muss. Im vergangenen Jahr starteten die 05er zu Hause gegen Aufsteiger FC Ingolstadt und kassierten eine 0:1-Heimniederlage. 33 Spieltage später beendete die Mannschaft die Runde auf Platz sechs.

Der 05-Trainer jedenfalls findet es gar nicht so übel, gleich bei einem der dicksten Brocken der Liga auf der Matte zu stehen. „Es geht direkt dorthin, wo es die meisten Zuschauer gibt, wo die größte Stimmung herrscht. Das ist direkt ein Knaller. Da weiß man gleich, was los ist“, sagt der 49-Jährige. „Ein solcher Gegner das Beste, was du kriegen kannst für den Start. Ein Gegner, bei dem du nichts zu verlieren hast, ist das Beste, um in die Saison reinzugehen. Im letzten Jahr hatten wir einen Aufsteiger, da kannst du viel verlieren. Jetzt haben wir Dortmund, einen hoch gewetteten Champions-League-Teilnehmer, der letztes Jahr eine Top-Saison gespielt, sich noch einmal richtig verstärkt hat. Da haben wir überhaupt nichts zu verlieren. Wenn ich es mir wünschen könnte, dann hätte ich am ersten Spieltag immer gerne Bayern, Dortmund oder einen ähnlich starken Gegner auswärts. Da können wir als Mainz 05 hingehen, uns abprüfen, wie weit wir sind.“ Schmidts Motto für diese Aufgabe ist simpel: „Wenn’s nichts zu verlieren gibt, ist meist alles zu holen. Da liegt alles drin und das ist unsere Herangehensweise.“

Alle Daten gesammelt in neun Wochen Vorbereitung: Trainer Martin Schmidt muss nun die richtigen Spieler finden und einen pragmatischen Matchplan austüfteln für den Saisonstart bei Borussia Dortmund. Foto: Jörg SchneiderWie weit die 05-Profis sind, welches Leistungsvermögen im Team steckt, ist nur schwer einzuschätzen vor diesem ersten Liga-Auftritt. Neun Wochen Vorbereitung, zehn Testspiele, ein Pokal-Auftritt haben noch kein klares Bild zeichnen können von der Stärke dieses Kaders der Saison 16/17, der zu großen Teilen zusammen geblieben ist und sich trotzdem neu formiert hat und neu finden muss. Zu viele Unbekannte stecken noch in dieser Gleichung nach der Vorbereitung. Beispielsweise im zentralen Mittelfeld, in dem das Team durch den Weggang von Julian Baumgartlinger und die Verletzung Danny Latzas bisher noch nicht die Defensivorganisation wiedergefunden hat, die in der abgelaufenen Saison eine der Stärken im Mainzer Gefüge war. Die Neuzugänge in diesem Mannschafts-Segment zeigen allesamt vielversprechende Ansätze, haben die Gruppe mit ihren fußballerischen Qualitäten in jedem Fall aufgewertet, doch die Sicherheit in den Abläufen, die optimale Raumaufteilung, die Abstimmung mit den übrigen Mannschaftsteilen und die Aggressivität im Pressing ist noch in keiner der Konstellationen, die Schmidt bisher probiert hat, ausgeprägt und gefestigt. Ähnliches gilt auch für die Offensive, in der sich bisher eigentlich nur Jhon Cordoba und Pablo De Blasis als verlässliche, formstarke Stammspieler präsentiert haben. Cordoba ist angeschlagen, muss um seinen Einsatz in Dortmund bangen. Yoshinori Muto hat nach der langen Verletzungspause noch keinen 90-Minuten-Einsatz in den Knochen. Wie schnell der Japaner wieder in seine alte Rolle hineinwächst, weiß im Moment niemand. Der wochenlange Ausfall von Jairo kommt erschwerend hinzu.

Nun sind die Mainzer gerade in der Offensive sehr breit aufgestellt, haben mit der Verpflichtung von Levin Öztunali einen weiteren Angreifer mit reichlich Bundesligaerfahrung dazu bekommen, doch eine veritable Frühform war gerade bei den Spielern auf der Außenbahn bisher noch nicht zu erkennen. Die Vorstellung der Mannschaft im ersten Pflichtspiel in Unterhaching hat ebenfalls nicht dazu beigetragen, hohe Erwartungen in den Bundesligastart zu setzen. Vielleicht ist das ganz gut so. Und aus solchen Pokal-Auftritten lassen sich ohnehin selten konkrete Rückschlüsse für die Bundesliga ableiten. Nach Schmidts Auffassung ist die  schwache Vorstellung in Haching „die beste Voraussetzung, um nun mit wachem Verstand und ausgefahrenen Antennen in die Bundesligasaison zu gehen. Da war viel drin zum Aufarbeiten. Die Erfahrung aus Spielen wie in Haching ist unbezahlbar. Wir haben da so viel gelernt, das wird wertvoll sein für unsere nächsten Wochen.“

Im Pokal nach Fürth

Etliche Stunden nach der Europa League wurde am Freitag die zweite Runde des DFB-Pokals ausgelost. Die 05er mussten lange warten, bis DFB-Teammanager Oliver Bierhoff sie in der drittletzten Loskugel fand und zum Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth schickte. Die Partie findet am 25. oder 26. Oktober statt, in der ersten von drei englischen Wochen nach der zweiten Länderspielpause der Saison.

Die Vorfreude im Team sei groß, sagt der 05-Trainer, der weiß, was den 05ern in Dortmund bevorsteht. „Die haben eine Nationalmannschaft auf dem Platz, die haben eine Bundesligamannschaft auf der Bank und eine weitere Bundesligamannschaft auf der Tribüne. Wir wissen, was uns da erwartet. Wir wissen, wo die Favoritenrolle ist. Gerade das macht es doch aus. Wenn du gegen Dortmund spielst, macht es nichts aus, ob es das erste oder das zehnte Spiel der Saison ist. Dieser Herausforderung stellen wir uns.“

 Als Underdog, dem ohnehin kaum jemand ein Erfolgserlebnis zutraut, in eine solche Partie zu gehen, ist eine Rolle, die den Mainzern häufig gut gepasst hat. In diesem Fall kann die Mannschaft gegen einen solchen Gegner die Rolle des Außenseiters übernehmen und sich daran aufrichten, mit einer guten und konzentrierten Leistung Sicherheit finden, sich weiterentwickeln. Wenn die Gesamtleistung stimmt, kann auch eine zu erwartende Niederlage im Signal Iduna Park eine Aufbauhilfe für den weiteren Saisonverlauf dienen. Trainer und Mannschaft hätten in dieser Woche die richtigen Schlüsse aus dem Pokal-Auftritt gezogen, konzentriert und intensiv an den Inhalten gearbeitet und sich umfassend vorbereitet auf die Prüfung beim BVB, betont Schmidt. „Ich bin in dieser Woche nicht rein mit der Heugabel und habe alles umstecken wollen. Sondern wir haben mit Ruhe und Bedacht gearbeitet.“ Was dabei herauskommt? „Am Ende des Spiels wissen wir mehr.“

 

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