Adler: Mal gucken, wie weit es geht

Jörg Schneider. Lüneburg.
René Adler, die neue Nummer eins im Tor des FSV Mainz 05, möchte im DFB-Pokal weit kommen mit seiner Mannschaft. „Der Pokal ist ein super cooler Wettbewerb. Ich weiß, wie es sich anfühlt, nach Berlin zu kommen. Jetzt sind wir nicht so vermessen und sagen, wir wollen unbedingt nach Berlin. Aber so etwas als Vision als ein Fernziel zu haben, gehört dazu“, sagte der 32-Jährige nach dem 3:1-Erstrunden-Erfolg der 05er beim Lüneburger SK. „Heute haben wir angefangen. Mal gucken, wie weit es geht.“

Fast eine Stunde benötigte René Adler für den Weg vom Rasen in die Kabine. Autogrammwünsche erfüllen. Posieren für Selfies mit den Fußball-Fans. Interviews. Das Lüneburger Stadion in den Sülzwiesen, wo der neue Torhüter des FSV Mainz 05 mit seinem Team gerade mit einem 3:1-Sieg gegen den Lüneburger SK locker die zweite Runde im DFB-Pokal genommen hatte, ist HSV-Land. Rund 65 Kilometer sind es von dort bis zum Hamburger Volksparkstadion, wo der 32-Jährige bekanntlich bis zu diesem Sommer fünf Jahre aktiv war. Natürlich stand der Keeper dort im allgemeinen Interesse. Spötter witzelten schon, die Interviews dauerten so lange, weil der ehemalige Nationaltorhüter es genieße, mal nicht eine Niederlage der Hamburger erklären zu müssen. Diese Aufgabe musste dann einen Tag später Adlers Nachfolger, der Ex-05er Christian Mathenia übernehmen nach dem 1:3-Erstrunden-Aus des HSV beim VfL Osnabrück. Adler selbst ist in den fünf Jahren in der Hansestadt zweimal in der ersten Runde rausgeflogen und weiß deshalb ganz gut, wie eine solche Pleite jegliche Aufbruchsstimmung vor einer Bundesligasaison ersticken kann.

Die erste Hürde ist genommen. Wenn es nach René Adler geht, soll die nächste Runde im DFB-Pokal bei weitem nicht die letzte sein für Mainz 05. Foto: ImagoIn Mainz herrscht nach dem souveränen Auftritt eine Woche vor dem Heimspielstart gegen Hannover 96 dagegen eine freudige Erwartung auf die Saison vor. „Ich glaube, es war wichtig, dass wir mit einem Sieg gestartet sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, wie es andersherum ist“, sagte Adler in Lüneburg. „Dann hat man schon bevor die Runde losgeht Druck und Unruhe. Wir haben es richtig gut gemacht, die äußeren Bedingungen angenommen. Es war für uns und unsere Art und Weise Fußball zu spielen schwierig in der Kombination mit dem Wetter und den Platzverhältnissen. Das war wieder ein wichtiger, weiterer Entwicklungsschritt. Jetzt sind wir natürlich alle heiß auf den Start zu Hause.“ Das überraschende, zwischenzeitliche 1:1 des Regionalligisten mit diesem abgefälschten Glücksschuss des Regionalligisten in den Winkel, an den der 05-Torhüter nicht dran kam, hatte für den Routinier dabei dennoch einen  positiven Aspekt. „Wir haben es gut angenommen und uns nach dem Rückschlag mit dem Gegentor nullkommanull aus der Ruhe bringe lassen, unser Spiel durchgezogen. Es war wichtig, dass man das auch erlebt hat, denn wir werden ja nicht ohne Dellen durch die Saison gehen, vielleicht ja auch schon am nächsten Wochenende. Da gilt es sich zu schütteln während des Spiels, weiterzumachen. Das haben wir getan, haben unsere Hausaufgaben erfüllt und sind eine Runde weiter.“

Adler möchte mit seiner neuen Mannschaft weit kommen in dieser Pokalrunde. „Der Pokal ist ein super cooler Wettbewerb. Ich weiß, wie es sich anfühlt, nach Berlin zu kommen. Jetzt sind wir nicht so vermessen und sagen, wir wollen unbedingt nach Berlin. Aber so etwas als Vision, als ein Fernziel zu haben, gehört dazu. Dafür muss man jede Runde die Gegner aus dem Weg räumen. Egal, ob die Lüneburg, Dortmund oder Gladbach heißen. Heute haben wir angefangen. Mal gucken, wie weit es geht.“ Adler hat 2009 mit Bayer Leverkusen das Pokalfinale erreicht und in Berlin dann 0:1 gegen Werder Bremen verloren. Interessant dabei: Im vorangegangenen Halbfinale stand Adler im Tor, als die Leverkusener den 05ern in der Verlängerung mit 4:1 den Weg nach Berlin zustellten. Mittelstürmer Aristide Bancé hatte damals das von Jörn Andersen trainierte 05-Team mit seinem Treffer in der 88. Minute zum 1:1 in die Verlängerung geschossen. Seit dem Zweitligaaufstieg 1988 ist dies immer noch der größte Pokalerfolg in der jüngeren 05-Geschichte. Daneben erreichten die Mainzer in dieser Zeit noch dreimal das Viertelfinale.

Wie weit es in dieser Spielzeit geht, muss sich zeigen. Die zweite Runde wird am kommenden Sonntag (18 Uhr) in der ARD-Sportschau ausgelost. Für die Mainzer ist zunächst einmal wichtig, dass die Mannschaft in Lüneburg ein gutes Bild abgegeben, sich ernsthaft und in ansprechender Form präsentiert und die Arbeit von Trainer Sandro Schwarz in der sechswöchigen Vorbereitungsphase bestätigt hat. „Man kann unseren Auftritt wirklich als seriös bezeichnen“,  sagte der 05-Sportvorstand. Rouven Schröder sprach von einer souveränen Leistung. Das Team sei sehr fokussiert und konzentriert gewesen in allen Mannschaftsteilen. „Wir nehmen das Erfolgserlebnis mit und fühlen, dass wir insgesamt auf einem guten Weg sind. Wir merken, dass wir eine gute Truppe beieinander haben.“

Brosinski: Vor dem Tor galliger werden

Das Ziel sei gewesen, sagte Daniel Brosinski, der Elfmeter-Torschütze zum 2:1, nie etwas anbrennen zu lassen. „Wir haben uns gesagt, wenn wir das so angehen wie ein Erstligist und uns nicht dem Regionalligisten anpassen, wird es hier nur einen Sieger geben, dann müssen wir auch nicht zittern. Wir hatten uns optimal vorbereitet. Der Trainer hat uns das Gefühl gegeben, dass hier überhaupt keine Zweifel aufkommen dürfen, wenn wir das professionell angehen.“ Ein kleines Manko sei lediglich die Chancenverwertung gewesen. „Wir müssen galliger werden vor dem Tor, nicht noch mal einen Querpass spielen, sondern auf die Kiste draufhauen und die guten Chancen auch machen“, betonte der 29-Jährige.

„Ich bin davon überzeugt, dass in der Phase jetzt überhaupt erstmal wichtig ist, dass wir viele Chancen herausspielen können“, erklärte Stefan Bell. „Auf der anderen Seite haben wir keine Torchancen zugelassen, waren schon sehr gut gegen den Ball und vor allem auch im Gegenpressing. Das ist wichtig für uns, gerade wenn wir viel Ballbesitz haben. Das wird auch in der Bundesliga wichtig werden, dass wir Phasen haben, in denen wir im Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte mal einen Risikopass spielen, die Kugel verlieren, aber dann direkt wieder erobern. Den Gegner mal etwas einschnüren, damit es nicht ständig hin und her geht. Das ergibt sich aus der Bereitschaft die Meter zu machen, aber auch aus der Raumaufteilung, dass überall ein Spieler steht in den Positionen.“ Es sei dabei ganz gut, dass im Mittelfeld die zwei Sechser und der Zehner schon gut eingespielt seien, die Positionen sehr gut besetzten, um in die Räume reinzukommen, so der 05-Vize-Kapitän. Bell sieht die eigentliche Herausforderung solcher Pokal-Spiele sowieso in der eigenen Befindlichkeit der Profis. „Es liegt am meisten bei uns, dass wir an die Leistungsgrenze gehen und nicht unterbewusst nur mit 95 Prozent spielen. Das ist wichtiger als Taktik und eingeübte Spielzüge.“

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