„Ab jetzt kann er da richtig Gas geben“

Jörg Schneider. Mainz.
Yunus Malli war bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte nicht in der Lage, das Spiel seines neuen Teams entscheidend zu prägen. Der Millionen-Transfer des VfL Wolfsburg war beim 1:1 in der Opel Arena von der Abwehr des FSV Mainz 05 weitgehend neutralisiert worden. Sein Ex-Kollege Jhon Cordoba dagegen durfte sich über den ersten Torerfolg im neuen Jahr freuen. Der Mittelstürmer gab sich nachher jedoch als Teamplayer: „Da ist kein großes Gewicht von meinen Schultern gefallen. Ich arbeite immer dran. Bei uns arbeitet jeder, und dieses Tor war halt die Frucht dieser Arbeit.“

Die Abwehr des FSV Mainz 05 hatte ihren ehemaligen Top-Scorer gut im Griff. Yunus Malli erzielte bei seiner Rückkehr keine große Wirkung. "Ab jetzt kann er da richtig Gas geben“, sagte Martin Schmidt nach der Partie. Foto: Ekkie VeyhelmannDie Rolle, die Yunus Malli bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte spielen musste im Team des VfL Wolfsburg, gehört nicht eben zu den Lieblingspositionen des 25-jährigen Technikers. Andries Jonker, der neue Trainer des auch nach diesem 1:1 in der Opel Arena weiterhin abstiegsgefährdeten Klubs, versetzte den ehemaligen Zehner des FSV Mainz 05 in der Partie bei seinem Ex-Klub auf die linke Angriffsseite. Der Holländer hatte mit Malli, Daniel Didavi und Maximilian Arnold drei nominelle Zehner in einer variablen Offensive aufgestellt. Anfangs zog der Ex-05er noch häufig von Linksaußen in die Halbräume im Zentrum, später besetzte Didavi fest die zentrale Position, Malli blieb konstant auf dem Flügel. Jederzeit anspielbar, allerdings ohne große Wirkung in die Tiefe Richtung Strafraum. Die 05-Abwehr stellte sich gut auf diese taktische Variante ein, verteidigte das Ganze recht souverän. Die Wolfsburger entwickelten aus dem Spiel heraus, trotz technischer Sicherheit und Ballbesitz, kaum Torchancen. Die beste hatte noch Malli selbst, der in der 15. Minute von außen in die Mitte zog, aus 20 Metern relativ unbedrängt den Abschluss suchte, mit seinem recht drucklosen Schuss 05-Keeper Jonas Lössl aber vor keine großen Probleme stellte. Ansonsten ging von Malli wenig Gefahr aus.

„Wir kennen ihn natürlich in- und auswendig“, sagte Martin Schmidt nach dem Unentschieden. „Auf der Seite da draußen hat er bei uns nie so gern gespielt.“ Malli begann bei den 05ern einst überwiegend auf der linken Angriffsseite unter Trainer Thomas Tuchel, der damals überwiegend Andreas Ivanschitz auf der Zehn spielen ließ. Erst nach dem Weggang des Österreichers wuchs Malli in der Saison 2013/14 in die zentrale Rolle hinein, zunächst noch häufig als Einwechselspieler, in der nachfolgenden Spielzeit dann endgültig als Stammspieler und Top-Scorer. Im Wolfsburger Spiel war der türkische Nationalspieler nun lange neutralisiert. „Unsere Verteidiger haben ihn gut verteidigt. Wir haben ihn gut isolieren können“, sagte Schmidt und fügte hinzu: „Ab jetzt kann er da richtig Gas geben.“ Eine Anmerkung, der Kollege Jonker mit einem knappen „Einverstanden“ zustimmte.

„Es war natürlich etwas Besonderes für mich wieder hier zu sein und viele Freunde wiederzusehen. Ich bin auch gut empfangen worden, dafür bin ich dankbar. Das hat Spaß gemacht. Ich wünsche dem Verein auch alles Gute“, sagte der Profi, der im Winter für 12,5 Millionen Euro Ablöse in die Autostadt gewechselt war, etwas gezwungen nach dem Punktgewinn in Mainz, der seiner Mannschaft tabellarisch nicht groß weitergeholfen hat. „Natürlich hätten wir hier drei Punkte gebraucht, aber insgesamt müssen wir mit dem Ergebnis zufrieden sein.“

Öztunalis Zweikampfhärte

Dass die Wolfsburger überhaupt ein Remis holten konnten, lag auch daran, dass die 05er es dem Gegner recht einfach machten, in Führung zu gehen. Der Eckball, den Mario Gomez zum 1:0 über die Linie drückte, resultierte aus einer 05-Fehlerkette, für die Stefan Bell nachher Erklärungen fand. „Es war zum einen so, dass der Ball perfekt gespielt war“, sagte der Innenverteidiger. „Genauso, dass der am ersten Pfosten vielleicht dran kommen und verlängern könnte. Vielleicht hat Giulio Donati deshalb gedacht, er lässt ihn lieber durch und Jonas Lössl hat vielleicht gezögert. Ich habe Gomez aus den Augen verloren. Ich habe kurz zum Ball, geguckt, dann war er weg. Es ist das Schwierigste als Verteidiger, wenn ein Stürmer beim Eckball auf den zweiten Posten läuft, weil man dann als Verteidiger eigentlich vom Schützen wegläuft. Man muss dann eine Mischung finden, den Gegenspieler im Auge haben und gucken, wo der Ball ist. Es kommt nicht von ungefähr, dass oft am zweiten Pfosten einer blank steht.“ Immerhin brauchten die 05er nur wenige Minuten, um auszugleichen. Levin Öztunalis überragende Balleroberung gegen Ricardo Rodriguez, der Tempo-Konter mit dem finalen Pass auf Jhon Cordoba, der seinen ersten Treffer in diesem Jahr erzielte. „Das war ein Super-Tor und auch für Jhon sehr wichtig, dass er so ein Ding bekommt, dass er nur noch den Fuß hinhalten muss“, betonte der 05-Kapitän, der jedoch besonders Öztunali hervorhob. Der 20-Jährige ist derzeit der wirkungsvollste Mainzer Angreifer. „Er hat in der Zeit bei uns eine sehr gute Entwicklung genommen“, sagte Bell. „Was bei ihm sehr gut ist, er hat Zweikampfhärte bekommen und läuft heute ständig gut zwei Kilometer pro Spiel mehr als am Anfang. Es ist brutal, was er für ein Spieler für uns sein kann, wenn er solche Aktionen hat wie vor dem Ausgleich.“

Jhon Cordoba gab sich nachher als Teamplayer, der die Erleichterung darüber, nach langer Zeit mal wieder einen Treffer erzielt zu haben, etwas herunterspielte. „Da ist kein großes Gewicht von meinen Schultern gefallen“, sagte der Mittelstürmer. „Ich arbeite immer dran. Bei uns arbeitet jeder, und dieses Tor war halt die Frucht dieser Arbeit. Trotzdem braucht man als Stürmer Tore. Dieser Treffer hat mir einen zusätzlichen Kick gegeben, zusätzliche Motivation für das nächste Spiel.“ Natürlich schaue ein Angreifer nach den Minuten und der Zeit, die vergehe ohne einen eigenen Treffer. „Aber in der Art und Weise, wie wir spielen als Gemeinschaft hat jeder seine Aufgabe und jeder weiß, dass er für diese Aufgabe in diversen Spielsituationen kämpfen muss. Da ist das Individuum nicht so wichtig. Hauptsache man arbeitet für die Mannschaft, dann kommt das Tor automatisch irgendwann. Wir trainieren so, dass wir immer Vollgas geben. Das wird im Laufe der Saison auch nicht stoppen. Wir entwickeln uns weiter, wir werden daran weiter arbeiten. Wir haben diesen Punkt geholt. Das war das Minimalziel. Jetzt wissen wir aber auch genau, dass wir in Darmstadt wieder Vollgas geben müssen, um den Dreier zu holen“, erklärte der Kolumbianer.

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