4-3-3: Nicht schlecht fürs erste Mal

Jörg Schneider/Christian Karn. Wolfsburg.
Die taktische Flexibilität im Spiel des FSV Mainz 05 ist unter der Regie von Sandro Schwarz deutlich größer geworden, auch wenn die Punktausbeute dies noch nicht so richtig widerspiegelt. Die Prinzipien und Automatismen, die der neue Cheftrainer mit der Mannschaft entwickelt, verfestigen sich mehr und mehr. Das Team hat schon gezeigt, dass in unterschiedlichen Grundformationen Leistungen möglich sind, mit denen man Spiele gewinnen kann. Im Auswärtsspiel in Wolfsburg reichte es für die 05er nur zu einem 1:1-Unentschieden. Immerhin der erste Auswärtspunkt in einer Partie, in der ein Dreier aufgrund der Spielanteile absolut drin war.

Nach Alexandru Maxims Pass wurde Karim Onisiwo auf dem Weg zum möglichen Joker-Siegtor vermeintlich elfmeterreif gefoult. Der Video-Assistent jedoch erkannte, dass der Tatort einen Schritt vor dem Strafraum lag. Foto: imagoStefan Bell fühlte sich nach den taktischen Umstellungen in dieser Partie und den praktizierten Grundordnungen in der bisherigen Saison schon an die Zeiten von Thomas Tuchel erinnert. In denen die 05er innerhalb einer Partie diverse Aufstellungsvarianten und taktische Dinge praktizieren konnten, je nach Anforderung. Sandro Schwarz hatte das Vorhaben seines Vorgängers gründlich studiert und richtig gelesen. Der 05-Coach stellte dem 4-2-3-1 von Martin Schmidt zunächst ein 4-3-3 entgegen. „Mit drei Spielern im Zentrum Überzahl herstellen, das war das, was wir wollten. Das haben wir insgesamt sehr gut gemacht“, sagte der 38-Jährige. Jean Philippe Gbamin war aus der Innenverteidigung nach vorne gerückt, spielte gegen den Ball den defensivsten Sechser neben Fabian Frei und Danny Latza. Über den Franzosen lief aber der Spielaufbau von hinten heraus. Vor allem in der ersten halben Stunde dominierte das Trio die Wolfsburger mit klarem Spiel, vielen Balleroberungen, Umschalt- und Angriffsaktionen.

„Wir waren auf das 4-2-3-1 eingestellt. Uns war wichtig, dass wir in beide Richtungen einen Sechser mehr hatten. Wir wollten viel Zutrauen haben im Ballbesitz, nicht tief stehen und gucken, was passiert. Wir haben die Pressinglinie weiter nach vorne verlegt. Mit drei Sechsern haben wir gegen den Ball, aber auch im Ballbesitz mit einer sechs und zwei Achtern klare Dominanz gehabt. Leider hat das Tor gefehlt“, so der Trainer, dessen Fazit dieser System-Premiere lautete: „Dafür, dass wir erstmals im 4-3-3 gespielt haben, war es eigentlich nicht schlecht.“

Ohne die Unterstützung einer möglichen Führung verloren die 05er den Faden nach einer halben Stunde. Die individuell stark besetzten Wolfsburger kamen plötzlich ins Spiel, hatten Möglichkeiten, ohne die ganz großen Chancen herauszuspielen. Und wenn es mal mehr brannte, war René Adler wie gewohnt zur Stelle. Schwarz führte das wechselnde Übergewicht auf zu viele leichte Ballverluste seiner Leute zurück. „Wir waren auch im Freilaufverhalten nicht mehr so aktiv. Ähnlich war es Anfang der zweiten Hälfte. Wir hätten Konter starten können, aber dann kam der Ballverlust, dann ging’s wieder in die andere Richtung. Die Wolfsburger kamen oft mit einem flachen Sechser im Aufbau, da hatten wir in der Phase nicht so den Zugriff. Damit konnte sie das Spiel in den ballentfernten Halbraum verlagern“, erklärte der 05-Coach.

Der stellte nach dem Rückstand um, nahm mit Frei einen der Sechser runter, brachte Alexandru Maxim als klaren Zehner. „Dann im 4-2-3-1 mit Maxim war‘s wieder wesentlich besser“, betonte Schwarz. Der Neuzugang holte sich die Bälle ab, war sehr aktiv in den Halbräumen, brachte das Mainzer  Spiel in Drucksituationen und war mit Ecken und Freistößen gefährlich. Auch die anderen Offensivwechsel des 05-Trainers sorgten dafür, dass die 05er in der Schlussphase am Auswärtserfolg schnupperten. Viktor Fischer war für Pablo De Blasis, Karim Onisiwo für Öztunali gekommen. Der Österreicher lief nach Maxims genauem Zuspiel den Konter, der zunächst zur Elfmeterentscheidung, dann zum Freistoß führte, den Maxim ans Außennetz zirkelte. Am Ende ein verdienter Punktgewinn. „Mit etwas mehr Konsequenz wäre auch ein Sieg für uns möglich gewesen“, betonte Schwarz.

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