21 nullfünf als gutes Omen?

Jörg Schneider. Mainz.
Die Bühne ist bereitet für einen großen Europapokal-Abend: Der FSV Mainz 05 empfängt heute um 21.05 im zweiten Heimspiel der Europa League den belgischen Rekordmeister RSC Anderlecht zum Duell um die Tabellenführung in der Gruppe C. Die Mannschaft von Martin Schmidt will nicht durch Hochachtung vor dem international renommierten Top-Klub glänzen, sondern durch Leistung. „Wir sind bestens vorbereitet. Das Team steht. Wir sind bereit. Wir sind selbstbewusst. Wir freuen uns auf diese Aufgabe“, sagt der 05-Trainer, der trotz der Schwere dieser Prüfung auf einen Erfolg seines Teams im eigenen Stadion hofft.

Welche deutsche Mannschaft in den vergangen 50 Jahren auch immer im Europapokal antrat, die Wahrscheinlichkeit war groß, irgendwann auf diesen RSC Anderlecht zu treffen. Seit 1963 steht dieses Team aus dem Brüsseler Stadtteil ununterbrochen in den diversen internationalen Wettbewerben. Der belgische Rekordmeister mit 33 Titeln und 21 Vizemeisterschaften, der zweimal den europäischen Pokalsieger-Cup gewann, bestreitet in Mainz sein 369. Europapokalspiel. Da kommt ein internationaler Top-Klub, der dem FSV Mainz 05 heute Abend in der Arena im zweiten Heimspiel der Gruppe C in der Europa-Liga gegenübersteht. Ein Team, mit dem durch diese Tradition gewachsenen Selbstverständnis. „Das muss ein Highlight sein, die hier in unserem Stadion zu sehen. Für uns als Team, für den Verein für die Stadt“, sagt Martin Schmidt vor dieser Partie der beiden die Tabelle anführenden Mannschaften. „Dem müssen wir uns stellen. Und wir wollen nicht nur vor Hochachtung glänzen, sondern durch Leistung. Wir sind bestens vorbereitet. Das Team steht. Wir sind bereit. Wir sind selbstbewusst. Wir freuen uns auf diese Aufgabe.“

Pablo De Blasis führt zusammen mit Yunus Malli mit vier Bundesligatreffern die Torschützenliste der 05er an. Im Europapokal haben beide noch nicht getroffen. Das soll sich heute Abend ändern. Foto: Ekkie Veyhelmann Diese Vorfreude auf das Gipfeltreffen in der Gruppe C, in dem es für die Mainzer schon darum geht, vielleicht einen großen Schritt in Richtung Weiterkommen zu tun, mit einem möglichen Heimsieg die Basis dafür zu legen, einen der beiden Plätze zu erreichen, die für die Teilnahme am Achtelfinale berechtigen, nimmt beim breiten Publikum offenbar jedoch nicht den Stellenwert ein, den die 05er diesem Duell beimessen. Der Klub hat noch keine 20.000 Karten im Vorfeld abgesetzt. Das mag zum großen Teil an der für Besucher unfreundlichen Anstoßzeit liegen, in der der 05-Trainer allerdings ein gutes Omen sieht um „21 Uhr nullfünf“. Andererseits hat die erste Partie in diesem Wettbewerb, das 1:1 gegen AS Saint-Etienne, gezeigt, dass die 05-Anhänger auch ein nicht ausverkauftes Stadion in ein stimmungsvolles, atmosphärisch dichtes, unterstützendes Umfeld verwandeln können, in dem das eigene Team zu einer starken Leistung fähig ist.  

„Die Heimspiele in der Gruppe sind für uns sehr wichtig. Da müssen drei Punkte her. Das heißt, wir wollen dieses Heimspiel unbedingt gewinnen, weil es danach in Anderlecht und Etienne schwer genug wird“, erklärt der Trainer. Mit dem 1:1 zu Hause gegen die Franzosen und dem 3:2-Erfolg in Baku sind die Mainzer in diesem Wettbewerb ebenso gut gestartet wie in der Bundesliga. „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie in beiden Wettbewerben konkurrenzfähig ist. Das ist wichtig für uns, diesen Beweis selber angetreten zu haben.“ Die von vielen im Vorfeld befürchteten Probleme sind größtenteils ausgeblieben. Die 05er stehen in der Liga auf Platz sieben, führen zusammen mit Anderlecht die Tabelle in der Europaliga an. Trotz der ungewohnten Belastungs-Vielfalt. „Wir haben das bis jetzt ganz gut hingekriegt, obwohl der Kader von über 20 zuletzt auf 15, 16 Spieler runterging und die Rotation irgendwann nicht mehr so funktioniert hat, wie ich es mir ausgemalt hatte“, sagt Schmidt. „Jetzt ist der Kader voller, und wir gehen es erneut an. Im Moment haben wir eine Teilstrecke positiv hinter uns gebracht. Jetzt kommt die nächste Etappe, die nicht leichter wird.“ Dafür sei man jedoch  gewappnet und wolle den Beweis weiter führen, dass ein Verein wie Mainz 05 nicht in diese Schwierigkeiten geraten müsse, wie das bei anderen Klubs dieser Größenordnung in der Vergangenheit der Fall war, wenn sie neben der Bundesliga international auftraten. Einen Grund dafür, dass es bei den Mainzern bisher besser lief, sieht der 49-Jährige in der Kaderplanung. „Die war von Anfang an darauf ausgerichtet. Wir wussten, dass es uns nichts bringt, 40 Spieler im Kader zu haben. Das ist keine Lösung. Wir wussten auch, dass es nichts bringt, drei absolute Top-Mittelstürmer zu verpflichten, weil immer nur einer spielen kann. Uns war bewusst, dass wir einen sehr breiten, qualitativ guten Kader aufstellen müssen. 22 bundesligataugliche Spieler. Deshalb haben wir in Qualität investiert von Kaderplatz 15 aufwärts. Davon haben wir schon im September gelebt“, betont der Schweizer. „Beim letzten Spiel waren fast zehn Spieler nicht im Kader. Da fehlen uns Stammspieler wie Latza, Ramalho, Balogun, Frei oder Muto. Man hat jedoch nicht gesehen, dass da Stammspieler fehlen. Es waren immer noch elf davon auf dem Platz. Deshalb haben wir in dem Bereich gut gearbeitet und konnten von der Breite schon früh profitieren in der Hinrunde. Das ist sicher ein Kompliment für die Leute, die in der Planung involviert waren.“

Nur eine Teiletappe

Alle Beteiligten, so Schmidt, hätten sich bereits frühzeitig mit den Herausforderungen beschäftigt. Man habe schon in der Vorbereitung vieles richtig gemacht, viel gelernt aus der eigenen Geschichte, aber auch von anderen Klubs, die in der Europaliga waren und ab und zu in Schwierigkeiten geraten seien. „Da haben wir versucht, Erfahrungen einfließen zu lassen und dagegenzuwirken. Mit vielen kleinen Dingen, die die man vorher gar nicht auf der Rechnung hatte, die aber diesen soliden Start ermöglichten. Aus einer guten Struktur heraus meistern wir einiges. Aber darauf haben wir alle ja auch alle ein ganzes Jahr lang hingearbeitet. Wir haben trotz allem nur eine Teiletappe hinter uns gebracht, es kommen immer wieder neue Herausforderungen.“

Die größten dieser Art in der Gruppenphase der Europa League ist der RSC Anderlecht, den seit dieser Saison ein Landsmann von Schmidt coacht. „Ich kenne René Weiler aus der Schweiz als er Trainer in Aarau war. Und von den jährlichen Trainerfortbildungen“, erzählt der 05-Coach. „Wir kennen seine Philosophie aus der vergangenen Saison beim 1. FC Nürnberg. Man sieht, dass auch Anderlecht langsam seine Handschrift trägt. Das ist eine sehr gut strukturierte, spielstarke Mannschaft, gut organisiert, mit einfachem, schnellen Umschaltspiel in die Spitze. Es ist ein Team, das auf Standards großes Gewicht legt und da seine Stärken hat. Ein breit aufgestelltes gutes Team.“ Dazu komme das große Selbstverständnis im ganzen Klub. „Wenn du in einem Land der Krösus bist, über Jahre die meisten Titel eingefahren hast, dann ist ein breites Selbstbewusstsein da. In allen Bereichen. Das strahlen die aus. Dazu haben sie viele starke, hochtalentierte Spieler. Nationalspieler mit sehr großer Qualität. Da kommt nicht irgendeine Mannschaft aus einer schwächeren Liga. Da kommt ein Top-Team, das im Europapokal immer gut aufgestellt ist. Gegen ein solches Team muss man zuerst mal dagegenhalten und sich dieser Herausforderung stellen. Das wird ein sehr schwieriges Spiel für uns hier daheim.“

Dennoch glaubt der Mainzer Trainer, dass seine Mannschaft in der Lage ist, ihre Chancen im eigenen Stadion zu nutzen. Schmidt und dessen Trainercrew haben sich intensiv mit diesem Gegner beschäftigt, waren zweimal in Brüssel, haben den RSC anhand von Videos seiner Auswärtsspiele durchleuchtet. „Wir haben einen Pool von Bildern, um das Team einschätzen und Schwächen herausfinden zu können“, sagt Schmidt. Die Ausgangslage ist klar: Die 05er führen gemeinsam mit den Belgiern punktgleich mit vier Zählern diese Gruppe C an. Gefolgt von AS Saint-Etienne (zwei Punkte), die heute Abend zeitgleich das bisher punktlose Qäbälä FK empfangen. Mit einem Heimsieg könnten sich die Mainzer eine komfortable Ausgangssituation schaffen für die beiden Auswärtsspiele in Brüssel und Frankreich sowie dem abschließenden Heimspiel gegen das Team aus Aserbaidschan.

Für Kurzentschlossene gibt es noch Sitzplätze in allen Kategorien. Und zwar im Online-Ticketshop unter www.mainz05.de, telefonisch über die Tickethotline unter der Rufnummer 06131-375500, in den Fanshops sowie an den Tageskassen des Bruchwegstadions und der Opel Arena.

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