05er wittern Morgenluft

Jörg Schneider. Mainz.
Die Chance, am Sonntag bei Hertha BSC Berlin mit einem Sieg das zweitbeste Vorrunden-Ergebnis überhaupt in der Bundesliga erreichen zu können, soll beim FSV Mainz 05 in dieser letzten Trainingswoche des Jahres noch einmal alle Kräfte mobilisieren und eine besondere Motivation freisetzen. „Jeder in der Mannschaft wittert Morgenluft. 24 Punkte sind top, aber wir können nochmal punkten. Und alle wissen, wie wichtig jeder Punkt ist, denn in der Rückrunde geht’s wieder richtig schwer weiter“, sagt Martin Schmidt.

Als Kaspar Hjulmand Ende September seinen noch bestehenden Dreijahresvertrag im Einvernehmen mit dem FSV Mainz 05 aufgelöst hatte, war abzusehen, dass der ehemalige Trainer des Bundesligisten eine neue Aufgabe im Blick haben könnte. Jetzt steht fest, die neue Aufgabe des Dänen ist zugleich dessen alte. Der 43-Jährige kehrt ab 1. Januar zum dänischen Erstligisten FC Nordsjaelland zurück, den er bereits zwischen 2008 und seinem Wechsel nach Mainz im Sommer 2014 trainiert hatte. Hjulmand wird Nachfolger seines Nachfolgers bei diesem Klub und löst Olafur Kristjansson ab, der mit dem Verein derzeit Platz acht in Dänemark belegt.

Martin Schmidt hat mit seiner Mannschaft die Chance, die zweibeste Vorrunde aller Bundesliga-Zeiten zu absolvieren. Dafür müssten die 05er am Sonntag in Berlin gewinnen. Foto: Jörg SchneiderHjulmands Nachfolger am Bruchweg ist unterdessen weit von den Problemen und Schwierigkeiten entfernt, die sein Vorgänger vor einem Jahr beim Bundesligisten hatte und die schließlich zum vorzeitigen Ende des Experiments führten. Martin Schmidt belegt mit dem 05-Team aktuell den siebten Platz, hat bisher 24 Punkte in dieser Halbserie eingesammelt und die Chance, im Auswärtsspiel am Sonntag bei Hertha BSC diese Vorrundenbilanz noch zu verbessern. Mit einem Sieg im Olympiastadion könnte der Schweizer die zweitbeste Halbserie des Vereins in der Bundesliga zementieren.

„Jeder in der der Mannschaft wittert Morgenluft“, beschreibt der 48-Jährige die Stimmungslage seiner Profis, die darauf aus sind, in dieser letzten Trainingswoche des Jahres noch einmal alles an Kraft, Energie und Motivation zu mobilisieren, um in Berlin alles, was möglich ist, rauszuhauen. „24 Punkte sind top, aber wir können nochmal punkten. Und alle wissen, wie wichtig jeder Punkt ist, denn in der Rückrunde geht’s wieder richtig schwer weiter“, sagt Schmidt, der fast bedauert, dass danach Feierabend ist.

„Wir brauchen diese Pause, aber bei dem Zug, den wir im Moment drin haben, ist es schade, dass der Rhythmus nun unterbrochen wird.“ Die 05er sind aktuell die einzige Mannschaft in der Liga, die seit sechs Spielen ungeschlagen ist. „Wir haben vieles stabilisiert. Wir haben nur zwei Gegentore in den vergangenen fünf Spielen kassiert, nur eines aus dem Spiel heraus.“ Gegen die Mannschaften von Platz neun abwärts habe sein Team nur gegen Ingolstadt und Bremen verloren. „Das sind super Voraussetzungen für den Liga-Verbleib und für einen guten, soliden Platz im Mittelfeld. Das Team ist solide gebaut, um im Mittelfeld der Bundesliga zu leben. Das muss weiterhin unser Ansatz sein.“

Interessant in diesem Zusammenhang ist dabei, dass der aktuelle 05-Trainer die Mannschaft mit seiner Philosophie vom schnellen Umschaltspiel in diese Position gebracht und zusammen mit Christian Heidel den Kader dahingehend zusammengestellt hat. Kasper Hjulmands Ansatz, die 05er auf eine Mannschaft zu schulen, die den eigenen Ballbesitz in den Vordergrund stellt, hatte im vergangenen Jahr ein Ergebnis von 18 Vorrundenpunkten eingebracht und war dann später endgültig gescheitert.

Lösungsansätze gesucht

Dass die Mainzer aufgrund ihrer personellen Ausrichtung in dieser Serie Probleme hatten, wenn es darum ging, tief stehende Gegner, deren Priorität das Verteidigen ist und die in der Coface Arena zunächst darauf aus waren, einen Punkt mitzunehmen,  im eigenen Ballbesitz zu bespielen, zeigte sich beim 0:0 gegen den VfB Stuttgart im abschließenden Heimspiel. „Wir haben in solchen Spielen gegen Teams, die hinten stehen, natürlich das große Verlangen der Zuschauer, Gegner wie den VfB an die Wand zu spielen“, sagt Schmidt. Doch solche Ansprüche können in dieser Liga nur wenige erfüllen. Selbst der FC Bayern hat so seine Schwierigkeiten damit, wie deren Heimauftritte gegen den FC Ingolstadt oder jetzt im Pokal gegen die Darmstädter zeigten.

„Aber für Mainz 05 ist es alleine aus finanziellen Gründen nicht möglich, so viele Spieler zu verpflichten, die uns im Ballbesitz besser machen.“ Deshalb müsse mit dem auf das Umschaltspiel zusammengesetzten Spielerkader weiterhin intensiv an Lösungen gearbeitet werden, um die Gegner in solchen Spielen zu knacken und zu zwingen, ihre Defensivorganisation zu lockern. „Natürlich trainieren wir weiterhin intensiv den Ballbesitz mit dem Spiel ins letzte Drittel hinein gegen tief stehende Gegner, aber wir arbeiten auch an neuen Ansätzen, wie an der Verbesserung unserer offensiven Standardsituationen, um daraus mehr Tore zu erzielen, Freistöße und Ecken besser als Dosenöffner nutzen zu können.“

Der 05-Trainer erwartet allerdings auch, dass sich die Herangehensweise etlicher Mannschaften in der Rückrunde ändern wird. „Da wird es vielen nicht mehr reichen können, hinten drin zu stehen und auf einen Punkt aus zu sein. Die Teams, die jetzt 15, 16 Punkte oder weniger haben, die wissen, dass sie Siege brauchen. Das stellt vieles in der Rückrunde neu auf“, sagt Schmidt.   

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