05er verlieren Test und verletzten Curci

Jörg Schneider. Saint-Vincent.
Der FSV Mainz 05 hat schon lange vor dem Start in die Europaliga-Gruppenphase seine erste negative, aber lehrreiche Erfahrung gemacht. Der Bundesligist verlor am Donnerstagabend im Stadio Perucca in Saint-Vincent sein zweites Testspiel im Trainingslager. Das Team von Martin Schmidt unterlag dem italienischen Zweitligisten Novara Calcio mit 0:2, zeigte insgesamt keine gute Leistung und ließ zudem im Angriff jegliche Konsequenz vermissen. Zu allem Überfluss verletzte sich Torhüter Gianluca Curci ohne Fremdeinwirkung möglicherweise schwer. Eine genaue Diagnose steht noch aus.

Novara Calcio - FSV Mainz 05 2:0 (1:0)

Donnerstag, 4. August 2016.

FSV Mainz 05: Curci (36. Lössl) - Donati, Balogun, Bell, Bussmann - Serdar, Rodríguez (46. Halimi) - de Blasis, Muto, Jairo - Córdoba.

ab 63. Minute: Lössl - Brosinski, Bell (73. Hack), Bungert, Bengtsson - Frei, Halimi - Malli, Klement, Holtmann - Onisiwo.

Tore: 1:0 Sansone (2., direkter Freistoß), 2:0 Buzzegoli (90+2., direkter Freistoß).

Dass man gegen italienische Mannschaften tunlichst vermeiden sollte, frühzeitig in Rückstand zu geraten, ist eine bekannte Fußball-Weisheit. Diese Erfahrung musste nun auch der FSV Mainz 05 am eigenen Leib erleben. Bereits nach drei Minuten ging der italienische Zweitligist Novara Calcio im Testspiel in Saint-Vincent am Donnerstagabend mit einem direkten Freistoß in Führung. 05-Keeper Gianluca Curci hatte sich einen langen Ball geangelt, stand aber dabei wohl außerhalb seines Strafraums. Gianluca Sasone schlenzte den Ball links oben in den Winkel zum 0:1 aus Mainzer Sicht.

Danach verteidigten die defensivstarken Italiener den Vorsprung bis in die Nachspielzeit, widerstanden allen Mainzer Bemühungen, die allerdings oft auch nicht sonderlich konsequent ausfielen. Die 05er vergaben dennoch eine Reihe von Chancen und kassierten dann in der Nachspielzeit noch das 0:2. Eine Niederlage, die deutlich machte, dass die Mannschaft von Martin Schmidt noch meilenweit weg ist von einer tauglichen Wettkampfform.

Schlimmer noch als die nicht sonderlich gute Vorstellung gegen den unbequemen Gegner war die Tatsache, dass dies ein Pechtag war für Gianluca Curci. Der Keeper verdrehte sich nach einer halben Stunde beim Abwurf eines Balles, blieb am Boden liegen, musste behandelt und vom Platz getragen werden. Das sah nicht gut aus. Eine genaue Diagnose gibt’s noch nicht. Der Italiener soll sich eine schmerzhafte Muskelverletzung im rechten Unterschenkel zugezogen haben und etliche Tage ausfallen.

Viel Platz hatten die 05er - hier Suat Serdar gegen zwei Novaresi - nicht. Und gab es ein bisschen Platz, machten sie nichts daraus. Foto: Instagram.com/1fsvmainz05Es war wenig, was die 05er vor der Pause wirklich konstruktiv nach vorne brachten. Das Team wirkte durch den Führungstreffer des Gegners über weite Strecken völlig aus dem Konzept gebracht. Die Italiener, robust, hart, strukturiert und mit guter Defensivordnung, teilweise bis zu sechs Leuten auf einer Linie in der Abwehr, überließen den Mainzern den Aufbau. Und das sah dann meist so aus, dass die 05er lange Bälle nach vorne feuerten, schon aus der Abwehr heraus ungenau zuspielten und vorne kaum Vernünftiges zustande brachten. „Rumgebolze“, schimpfte Martin Schmidt, der seine Profis immer wieder anhielt, diagonal in die Räume zu spielen.

Sehr viel kam nicht dabei herum. Nach einem Angriff über Pablo De Blasis auf der rechten Seite, verzog Suat Serdar aus 12 Metern. Nach 24 Minuten behauptete sich Jhon Cordoba im Strafraum, setzte den stabilen Körper ein und legte auf für José Rodriguez, dessen Schuss der Novara-Torhüter noch um den Pfosten drehte. Wenn was ging im 05-Angrifsspiel, dann über die rechte Seite mit De Blasis und Giulio Donati. Links mit Jairo und im Zentrum mit Yoshinori Muto auf der Zehn passierte kaum etwas.

Die meiste Zeit vor der Pause sah es dann so aus, dass die robusten Italiener dagegenhielten, die Mainzer zusehends frustrierter wurden. Daraus resultierte eine extrem gereizte Stimmung, in der es auch schon mal zu Handgreiflichkeiten kam. Dabei entwickelte sich vor allen Dingen Cordoba zum Publikumsliebling, der seinem Unmut über die harte Gangart der Gegenspieler dadurch ausdrückte, dass der Kolumbianer in einer Szene in den Infight ging und sich die Gelbe Karte einhandelte. Das Publikum forderte da rot.

Die erste Szene der zweiten Halbzeit hatte der bis dahin schwache Jairo. Der Spanier nahm sich den Ball auf halbrechts, zog Richtung Strafraum und schlenzte die Kugel links oben an die Latte (49.). Die bis dahin beste 05-Szene. Es gab noch mehr für die Mainzer, die das Geschehen nun besser in den Griff bekamen. Serdar scheiterte mit einem Kopfball nach einer Ecke des eingewechselten Besar Halimi (54.), danach zog Cordoba nach öffnendem Konterpass von Donati davon und verzog vor dem Tor (55.).

Der italienische Keeper hatte danach gegen De Blasis und Leon Balogun zwei starke Szenen, verhinderte den Ausgleich. Dann wechselte der 05-Trainer fast komplett durch, brachte seine zweite Formation für diese Partie. Und weiter ging’s mit den 05-Chancen. Philipp Klement scheiterte zweimal mit einem Distanzschuss und einem direkten Freistoß (66. und 73.). Irgendwie fehlte aber die letzte Konsequenz. Und so kam dann am Ende doch, was kommen musste: Novara Calcio, das seit dem Führungstreffer noch keine weitere Tormöglichkeit mehr hatte, kam nochmal auf. Wieder ein Freistoß, wieder an der Strafraumgrenze. Diesmal zentral. Und wieder drin. 2:0 in der Nachspielzeit durch Daniele Buzzegoli. Feierabend. Nicht gut. Das Unternehmen Bundesligatauglichkeit schreibt tiefrote Zahlen.

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