05er sind stolz auf ihren Olympia-Fahrer

Jörg Schneider. Colorado Springs.
Jannik Huth ist also einer der drei Torhüter, die DFB-Trainer Horst Hrubesch für seine Auswahl bei den Olympischen Spielen nominiert hat. Im Trainingslager des FSV Mainz 05 in Colorado Springs löste die gute Nachricht bei den Kollegen Freude aus. „Das wird ein Riesenerlebnis. Darauf kann man stolz sein“, lautete Huths erster Kommentar. „Ich bin richtig stolz als Trainer, dass der Jannik diese Chance kriegt“, sagte auch Martin Schmidt, der die Freigabe für den Schlussmann als Selbstverständlichkeit betrachtet.

Besonders motiviert im Freitags-Training: 05-Torhüter Jannik Huth fährt mit der DFB-Auswahl zu den Olympischen Spielen. Foto: Jörg SchneiderFür Jannik Huth selbst war die Nachricht am Freitag keine große Überraschung mehr. Klaus Thomforde, der zuständige Torwart-Trainer beim DFB, hatte den bisherigen Torhüter der U23 des FSV Mainz 05 bereits vor einigen Tagen darüber informiert, dass Chefcoach Horst Hrubesch den gebürtigen Binger mitnehmen werde zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro. Als einen von drei Torhüter der deutschen Olympiaauswahl. Inzwischen ist die Nominierung offiziell, und die Freude darüber, dass ein 05-Profi bei Olympia dabei ist, hat im Trainingslager des Bundesligisten in Colorado Springs große Freude ausgelöst.

„Das wird ein Riesenerlebnis. Darauf kann man stolz sein“, lautete die erste Reaktion des 22-Jährigen, dem am Morgen im Teamhotel in der Lodge at Flying Horse die komplette Mannschaft gratulierte. „Ich werde so viele Eindrücke wie möglich aus Brasilien mitnehmen. Ich denke, diese Nominierung ist ein Riesen-Privileg. Es kommt ja nicht jeder zu den Olympischen Spielen. Vor allen Dingen nicht als Fußballer“, sagte Huth. Schon vor geraumer Zeit hatte Hansi Flick, der Sportdirektor des DFB, bei der Mainzer Mannschaftleitung am Bruchweg nachgefragt, ob der Klub den Torhüter für die Olympia-Auswahl freistellen werde. „Als Flick angefragt hat, war für mich direkt klar, dass wir Jannik freigeben. Wir haben noch am selben Tag Ende Mai zugesagt“, erklärte Martin Schmidt nach dem Morgentraining in der Air Force Academy. „Ich bin richtig stolz als Trainer, dass der Jannik diese Chance kriegt“, so der 05-Trainer. „Auch, weil ich ihn seit vier oder fünf Jahren begleite. Er kam aus der U19 zu uns, faktisch so als dritter Torhüter, den wir mal dazu nehmen. Wir dachten zuerst, er hätte mit seinen 1,85 nicht die Größe. Wir haben aber schnell gemerkt, dass er Riesenfortschritte macht. Im technischen Bereich mit Stephan Kuhnert, aber auch im Kopf. Jannik ist eine coole Socke“, so der Coach. „Er hat auch sehr vieles von Loris Karius gelernt. Jetzt beim Elfmeterschießen hat man das gesehen. Auch beim Aufbauspiel. Seine Bälle kommen sauber raus. Das sind seine Stärken.“

Es habe nie einer Diskussion wegen dieser Freigabe bei den 05ern gegeben. „Weil wir auch mächtig stolz sind als Mainz 05, dass von uns ein Spieler an der Olympiade teilnimmt.“ Am 30 Juli geht’s ab für den 05-Keeper Richtung Rio. Drei Tage vorher trifft sich das Team schon in Frankfurt. Hrubesch hat neben Huth, die Nummer eins der bisherigen U21, den Kölner Stammkeeper Timo Horn sowie Eric Oelschläger von Werder Bremen für die Spiele nominiert. Außer dem Vereinstraining wird Huth im Erfolgsfall der DFB-Auswahl nur das DFB-Pokalspiel in Unterhaching verpassen. Zum Saisonstart ist der Keeper wieder zurück. „Das ist sicher kein Problem. Wir haben ja bei der DFB-Auswahl auch hochwertiges Training“, sagt der 22-Jährige.

Torhüter-Kollege Jonas Lössl und das gesamte 05-Team gratulierten Jannik Huth zur Olympia-Nominierung. Foto: Jörg SchneiderJannik Huth ist in dieser Saison endgültig aufgestiegen aus dem Mainzer Drittligateam in den 05-Profikader und wird nur in Ausnahmefällen in der Mannschaft von Sandro Schwarz eingesetzt. „Er ist vom Status her bei uns zusammen mit Curci die Nummer zwei. Die beiden sind auf einem Niveau, die können sich ran kämpfen an die Nummer eins. Nur wenn er mal ein Spiel braucht, ist er bei der U23 eingerechnet. Jannik muss jetzt seinen nächsten Schritt machen“, sagte Schmidt. Der 05-Trainer versteht die Diskussion um die Abstellungen und gibt zu, dass er möglicherweise mehr überlegt hätte, wenn Hrubesch einen Stammspieler aus seinem Profiteam nominiert hätte. „Meine grundsätzliche Meinung dazu ist jedoch die, dass man einem jungen Spieler so eine Olympia-Geschichte nicht verbauen darf. Das gibt’s nur alle vier Jahre und man weiß nicht, ob man sich qualifiziert. Ich denke auch, das Fehlen eines solch junger Spieler kann von einem Bundesligateam kompensiert werden. Wenn einer die Chance kriegt, das ist meine Meinung, muss er dahin. Denn das wird etwas sein fürs ganze Leben. Wer kann erzählen, dass er bei Olympia war? Bei uns hier auf dem Platz kein einziger sonst. Wir sind stolz und froh. Und Jannik hat sich das erarbeitet.“

Dass er letztlich mit der Nominierung gerechnet habe, sagte Huth, sei vielleicht übertrieben. „Mir wurde gesagt, dass ich im vorläufigen Kader bin mit sechs Torhütern und dass drei davon mitfahren“, erzählte der 21-Jährige. „Dann kann man sich ja selbst die Wahrscheinlichkeit ausrechnen.“ Huth freut sich nun darauf, seine ehemaligen Klassenkameraden bei Olympia zu treffen. Moritz Moos, den Ruderer vom Mainzer Ruderverein und Julian Weber, Speerwerfer vom USC Mainz, mit denen der 05-Keeper in der IGS in derselben Klasse war. „Mit Julian habe ich heute schon geschrieben“, sagte Huth. „Ich hoffe, dass wir uns dort sehen. Er kommt leider erst am 11. August. Ich hoffe, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch im Turnier sind.“ Huth hofft auch darauf, andere Sportler im olympischen Dorf kennenzulernen. "Am liebsten wäre mir ja natürlich, wenn ich die NBA-Stars treffen würde. Kyrie Irving oder Klay Thompson. Das wäre ein Highlight.“

Für den 21-Jährigen nimmt die Saison ohnehin schon in einem frühen Status einen positiven Verlauf. Aufstieg als festes Mitglied des Profi-Kaders beim Bundesligisten, Olympia-Teilnahme. „Ich bin jetzt froh, oben komplett dabei zu sein und mit der U23 jetzt abgeschlossen zu haben. Es war eine schöne Zeit, aber ich denke, jetzt müssen neue Ziele her, und die werde ich angehen. Ich will auf ein höheres Niveau. Ich will bis ganz nach oben. Das heißt Bundesligaspieler werden.“

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