05er im Pokal: Sorglos, naiv, erfolglos

Jörg Schneider. Mainz.
Das Scheitern in der ersten oder zweiten Runde des DFB-Pokals hat beim FSV Mainz 05 Tradition. Am Mittwochabend hat das 05-Team diese trostlose Geschichte um ein neues Kapitel erweitert und sich mit diesem unnötigen 1:2 bei der SpVgg Greuther Fürth aus dem Wettbewerb katapultiert. Der Ärger darüber ist groß am Bruchweg. Auch bei Rouven Schröder, der sich am Tag danach kritisch mit der Leistung der Mannschaft, besonders mit der Sorglosigkeit auseinandersetzte, mit der die 05-Profis in die Niederlage gesteuert waren. Eine Pleite, die den Klub neben dem sportlichen Erfolg locker eine Million Euro gekostet hat.

Wenn der Pokal seine eigenen Gesetze hat, wie man gemeinhin sagt, dann gilt dies für den FSV Mainz 05 in besonderem Maße. Die spezielle Mainzer Besonderheit in diesem Wettbewerb heißt möglichst früh und folglich kurios auszuscheiden. Das hat auch das aktuelle Team des Bundesligisten nun wieder geschafft. 1:2 beim Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth. Verabschiedung in der zweiten Runde.

In diesem Jahrtausend ging’s für die 05er insgesamt nur dreimal überhaupt übers Achtelfinale hinaus. Eine Viertelfinal-Niederlage bei Bayern München nach Verlängerung im Januar 2006, ein 2:3 zu Hause nach Verlängerung gegen Freiburg und das 1:4 im Halbfinale im April 2009 bei Bayer Leverkusen waren die einzigen Highlights in einer ansonsten trostlosen Reihe von Ausrutschern in der ersten und zweiten Runde gegen überwiegend unterklassige Gegner in den vergangenen 16 Jahren: Fürth, im vergangenen Jahr zu Hause 1860 München, davor Chemnitz, davor Köln, Aachen, Lübeck, 1860, Saarbrücken, Karlsruhe, Velbert, Unterhaching, Kaiserslautern, Nürnberg. Das hat was. Die Anhänger des Klubs, so scheint es bis jetzt, nehmen das erneute Aus in diesem ungeliebten Wettbewerb noch relativ gelassen auf. Viele kennen es nicht anders, andere sehen das Positive an der Situation, dass die Mannschaft nun nur noch auf zwei Hochzeiten zu tanzen braucht und sich dadurch besser und kräftesparender aufs Krengeschäft Bundesliga und den Europapokal konzentrieren kann.

Betretende Mienen bei Trainer und Sportdirektor: Rouven Schröder war auch einen Tag nach der Pokal-Pleite in Fürth noch verärgert und kritisierte die 05-Profis. Martin Schmidt hatte dies bereits am Vormittag getan. Fotio: ImagoRouven Schröder war am Tag danach allerdings weit davon entfernt, die Sache gelassen abzuhaken und etwas Positives in diesem neuerlichen Scheitern zu finden. „Ich ärgere mich auch heute noch richtig darüber“, sagte der Sportdirektor der nullfünfMixedZone. „Weil wir in einer Situation, in der man sich sportliches Renommee und einen nicht unbedeutenden finanziellen Hintergrund in diesem Wettbewerb holen kann, gescheitert sind. Wenn man so überlegen ist, führt und dann das Ganze so hergibt, dann ist das ärgerlich und muss klar angesprochen werden intern.“ Die dritte Runde hätte dem Verein alles in allem eine gute Million Euro eingebracht. Geld, das den 05ern in der ohnehin teuren Saison nun fehlt. „Unabhängig von der Saison“, sagt Schröder, „frisches Geld einzunehmen ist immer positiv.“

Was da genau passiert in dieser Schlussphase im Fürther Ronhof, ist auch für den 41-Jährigen noch immer schwer nachvollziehbar. „Wenn man das immer direkt parat hätte…“. Er könne nur sagen, dass Martin Schmidt sehr kritisch mit dieser Situation umgehe und dies bereits am Donnerstagmorgen getan habe. „Wir haben nach dem 1:0 das Ganze kontrolliert.“ Da könne man schon erwarten, dass die klassenhöhere Mannschaft dies auch gegen einen Gegner, der bis dahin nicht stark nach vorne gedrängt habe, bis zum Ende durchhalte. Eine Unkonzentriertheit und eklatantes Zweikampf-Fehlverhalten vor dem Ausgleich, individuell falsches Verteidigen vor dem Knockout. Naivität. „Das hat der Trainer bereits deutlich angesprochen. Das sind Situationen, in denen sich die Spieler klar machen müssen, dass sie dafür Verantwortung tragen und nicht eine solche Sorglosigkeit an den Tag legen können.“

„Da waren bei einigen ein paar Prozent zu wenig"

Erschwerend kam hinzu, dass die Mainzer nach dem Kopfballtor von Jhon Cordoba, das der Dosenöffner in dieser Partie hätte sein müssen, zwei weitere große Möglichkeiten zur vorzeitigen Beruhigung der Geschichte recht billig vergaben. „Trotzdem muss man in der Lage sein, wenigstens in die Verlängerung zu kommen“, sagt Schröder ärgerlich. Dass sich diese Aussetzer im Abwehrbereich wie ein rotes Tuch durch diese Saison ziehen, ist auch dem 05-Sportdirektor bewusst, der das nicht auf anhaltendes Pech zurückführen will. „Das wäre ganz weit hergeholt. Das will ich nicht gelten lassen“, sagt Schröder. Das müsse andere Gründe haben. In Fürth habe er eine gewisse Sorglosigkeit bemerkt. Nach der Devise: Da passiert schon nichts. „Jedes Mannschaftsmitglied muss aber ganz klar sehen, dass es bis zum Ende konzentriert weiter spielt und ebenso konzentriert verteidigt.“ Wenn man die Chancen vorne nicht rein mache, dann dürfe es nicht auch noch hinten schludrig und unkonzentriert werden. „Da waren bei einigen ein paar Prozent zu wenig. Wir brauchen aber immer die 100 Prozent, damit es keine Probleme gibt“, betont Schröder, der sich erstmals in seiner noch jungen Amtszeit derart kritisch mit der Leistung des eigenen Teams auseinandersetzt.

„Ich hoffe, es war ein Warnschuss zur richtigen Zeit“, sagt der 41-Jährige. Diese Niederlage sei nicht notwendig gewesen. „Wir hatten die Sache im Griff. Es war nicht überragend, was wir dort gespielt haben, aber ordentlich.“ Und das hätte reichen müssen. Nun ist der Ärger am Bruchweg groß und die Stimmung erstmals ziemlich getrübt. „Die Mannschaft hatte keinen Spaß auf der Rückfahrt von Fürth. Und auch nicht heute Morgen bei der Analyse des Trainers“, berichtet der Sportdirektor. Nach zwei Niederlagen in dieser Englischen Woche laufen die Mainzer nun Gefahr in einen Negativwirbel zu geraten. Denn am Samstag kommt der FC Ingolstadt zum Heimspiel. Ein Team, das trotz seines Tabellenplatzes ein sehr unbequemer Gegner sein wird aufgrund seiner meist extrem defensiven Herangehensweise. Dem gelte es sich zu stellen. Man wisse, sagt Schröder, dass diese Partie eine große Chance biete sich zu rehabilitieren und die Stimmung vor dem Auswärtsspiel in der Europaliga beim RSC Anderlecht zu verbessern. „Das müssen wir mit aller Macht angehen.“

 

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