05-Talente qualifizieren sich für die WM

Christian Karn. Mainz.
Das Minimalziel haben Suat Serdar und Florian Müller erreicht: Als Fünfter der U19-Europameisterschaft erreichten die beiden jungen 05-Profis mit der DFB-Auswahl die Qualifikation zur U20-Weltmeisterschaft in Südkorea im Sommer 2017. Müller sprang nach zwei Auftaktniederlagen für den verletzten Stammtorwart ein und gewann zweimal, Serdar schoss im entscheidenden Spiel um Platz 5 tief in der Nachspielzeit ein entscheidendes Tor. Morgen steigt zumindest der Torwart ins Mannschaftstraining ein, Serdar könnte noch ein paar freie Tage bekommen.

Am Montag beginnt beim FSV Mainz 05 die zweite Phase der Saisonvorbereitung. Der Kurzurlaub, der den 05-Profis nach dem Trainingslager in Colorado gewährt wurde ist vorbei. Und neben dem türkischen EM-Spieler Yunus Malli, der seinen Urlaub vorziehen durfte und seit einer Woche mit den angeschlagenen Kollegen ein Athletikprogramm am Bruchweg absolviert, und dem Neuzugang Jean-Philippe Gbamin, der nicht mehr nach Colorado nachreisen musste, werden voraussichtlich zwei junge Profis mit Verspätung in die Mannschaftsvorbereitung einsteigen: Suat Serdar und Florian Müller, die bisher verhindert waren; der 19-jährige Mittelfeldspieler und der 18-jährige Torwart nahmen an der U19-Europameisterschaft teil, wurden mit der DFB-Auswahl nach zwei Auftakt-Niederlagen immerhin Fünfter, damit qualifizierte sich das Team für die U20-Weltmeisterschaft in Südkorea im Mai und Juni 2017.

Die beiden Mainzer waren keine Stammspieler. Beim 0:1 in Stuttgart stand Serdar in der Startelf, Müller saß als Backup für den Dortmunder Dominik Reimann auf der Bank. Die deutsche Mannschaft war vor 54.689 Zuschauern klar überlegen, hatte etliche Abschlüsse, schaffte es aber einfach nicht, den italienischen Torhüter Alex Meret (Udinese Calcio) zu überwinden. Und verlor durch den zweiten von nur zwei italienischen Torschüssen, einen vom Leipziger Gino Fechner verursachten Foulelfmeter in der 78. Minute. Serdar, der im rechten Mittelfeld gespielt hatte, war bereits nach 69 Minuten ausgewechselt worden.

In der Partie gegen Portugal war die DFB-Auswahl erneut das (etwas) bessere Team - drei Tore von Philipp Ochs (12., 68., 90+3. Minute) reichten aber in Großaspach nicht mal zum Unentschieden. Die Portugiesen glichen das Führungstor des Hoffenheimers in der 37. Minute aus, gingen in der 48. Minute in Führung, legten nach dem Elfmetertor zum 2:2 sofort zwei Kontertore gegen die erschreckend löchriger duetsche Abwehr nach (70., 73.). Der nach einer halben Stunde mit Gelb verwarnte Serdar spielte nur bis zur 52. Minute, Müller war wieder Ersatztorwart.

Für Reimann aber war das Turnier damit vorbei. Der Dortmunder verletzte sich im Abschlusstraining vor dem wichtigen Gruppenspiel gegen Österreich an der Schulter, damit rückte Müller nach. Mit dem Mainzer Torwart (und ohne Serdar, der seinen Stammplatz verlor) kam auch das Spielglück: Ein Doppelschlag von Phil Neumann (Schalke, 50.) und Cedric Teuchert (Nürnberg, 52.) brachte die deutsche Mannschaft in Reutlingen 2:0 in Führung, Bochums Gökhan Gül traf ein paar Minuten nach Serdars Einwechslung zum 3:0-Endstand (87.).

Suat Serdar bejubelt sein Ausgleichstor gegen die Niederlande in der dritten Nachspielminute. Foto: imagoDer Mainzer Mittelfeldspieler war schließlich ein Schlüsselspieler im Spiel um den fünften Platz und um die WM-Qualifikation in Sandhausen. Nach Ochs' Führungstor (44.) kam Serdar in der 71. Minute ins Spiel, sah den Ausgleich (81.) und den das 2:1 (88.) der Niederlande, schoss tief in der Nachspielzeit das 2:2, das die DFB-Auswahl in die Verlängerung rettete. Mit 3:3 ging es ins Elfmeterschießen, in dem Müller keinen Ball hielt, aber die Niederländer zweimal nur den Pfosten trafen. Deutschland gewann so 4:3.

Der Torwart wird morgen als weiterer Herausforderer für Gianluca Curci wieder im Mannschaftstraining erwartet. Der italienische Routinier, im vergangenen Jahr eigentlich klare Nummer 2 hinter Loris Karius, immer wieder aber verletzt, wird sich mühen müssen, den Platz im Spieltagskader zu behaupten. Eine große Perspektive hat Curci allein schon aufgrund seines Alters von 31 Jahren nicht mehr, zudem neigte der in 187 Erstligaspielen in Italien, 15 Champions- und Europa-League-Partien und gut zwei Dutzend Juniorenländerspielen erfahrene Mann in den Testspielen für die 05er zu einem gewissen Leichtsinn. Der neun Jahre jüngere Herausforderer Jannik Huth, der im vergangenen Jahr schon achtmal auf der Bank saß, soll den Nachteil, den seine Körpergröße von nur 185 Zentimetern bringt, inzwischen gut kompensieren, auf Sicht wird er sich mit dem sieben Zentimeter größeren und noch etwas jüngeren Saarländer Müller um die Position hinter Jonas Lössl streiten - und darum, wer in der U23 Stammtorwart sein wird, sein muss.

Serdar, so der 05-Sportdirekter Rouven Schröder, könnte nach der intensiven U19-EM noch ein paar freie Tage bekommen. Früher oder später wird er den Konkurrenzkampf für die beiden Plätze im defensiven Mittelfeld aufnehmen. Gegenüber Müller hat der gebürtige Binger den Vorteil von bereits zwölf Bundesligaspielen; nach den beeindruckenden Kurzeinsätzen der vergangenen Hinrunde hat Serdar jedoch nach seinen beiden Startelf-Nominierungen in Frankfurt (1:2) und gegen den HSV (0:0) gezeigt, zumindest nicht der ganz große Senkrechtstarter zu sein. Natürlich meckert man bei einem 19-Jährigen schnell auf sehr hohem Niveau: Serdar hat schon wertvolle Erfahrungen gesammelt, hat den Fuß in der Tür, wird nicht nur aufgrund des engen, stressigen Terminplans der kommenden Hinrunde in Konkurrenz mit José Rodríguez, Danny Latza, Fabian Frei und Jean-Philippe Gbamin seine Chancen bekommen, um sich weiter zum einem starken Bundesligaspieler zu entwickeln. Er wäre nicht der erste junge 05-Spieler, die diese Chancen nutzt.

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