05-Mitglieder haben die Qual der Wahl

Detlef Rehling. Mainz.
Transparenz hat sich der FSV Mainz 05 auf die Fahnen geschrieben bei der Suche nach neuer Struktur und Führung. Gut 200 Mitglieder folgten dem Ruf des Vereins zu einer außerordentlichen Sitzung, auf der sich die drei Kandidaten für den Vereinsvorsitz und die 16 Bewerber für ein Amt im neu zu bildenden Aufsichtsrat vorstellen konnten. Ernst wird es am 25. Juni. Dann wird die neue Führung des Fußball-Bundesligisten gewählt.

Viele blieben ein wenig ratlos zurück. Klarer sehen wohl nur die wenigsten Mitglieder, wer denn nun in den kommenden drei Jahren die Geschicke der 05er lenken und überwachen soll. Immerhin: Nach der Intervention des Auditoriums konnten die Bewerber um den Vorsitz ein mehrminütiges Statement abgeben. Udo Seyfarth als Versammlungsleiter und Sprecher der Wahlkommission hatte das nicht vorgesehen. Vielmehr sollten sich alle Kandidaten an in den VIP-Räumlichkeiten der Opel Arena verteilten Stehtischen den anwesenden Mitgliedern präsentieren. Auf großes Interesse stießen die Einzelgespräche nicht.

Eins wurde deutlich: Die 05-Familie hat am kommenden Sonntag eine echte Wahl. Die drei Bewerber um den Vorsitz könnten unterschiedlicher nicht sein.

Die Damen und Herren in der ersten Reihe bewerben sich für den Vereinsvorsitz oder einen Platz im Aufsichtsrat der 05er. Foto: FSV Mainz 05Da ist Jürgen Doetz. Der 72-Jährige ist das letzte Überbleibsel aus dem alten Vorstand um den scheidenden Harald Strutz. Doetz kann für sich in Anspruch nehmen, den Verein in- und auswendig zu kennen. Fehler des alten Vorstandes hat er offen zugegeben und er hält sich auch im hohen Alter für lernfähig. Sicher ist, das der ehemalige Geschäftsführer von SAT 1 keine neue Dynastie begründen will, sondern die 05er in eine bessere und transparentere Zukunft führen will. „Ich bin einer, der die Aufgaben kennt und sie lösen will", erklärte Doetz.

Andere Wege will Johannes Kaluza beschreiten. Er setzt auf Tradition und wettert gegen die fortschreitende Kommerzialisierung im Profifußball. Für ihn sind zu viele Clubs nur noch hundertprozentige Kapitalgesellschaften. „Wir müssen unser einzigartiges Vereinsleben in den Vordergrund stellen und die Mitglieder wieder ins Zentrum rücken“, erklärte der 62-jährige Unternehmer, der sich bei einer Wahl ganz dem Verein widmen will. Fußball sei Kulturgut und Mainz 05 müsse die Werte als Traditionsverein hochhalten.

Der dritte und jüngste Kandidat, Frank Röhr, präsentierte sich als smarter Macher, betonte aber ausdrücklich seine Teamfähigkeit. Er wolle alle wichtigen Entscheidungen in den Gremien erarbeiten und entscheiden. Der einzelvertretungsberechtigte Prokurist bei Fischer & Co. glaubt, den Verein dank seines ausgeprägten Zeitmanagements nebenberuflich führen zu können, „Quantität nicht gleich Qualität“ ist. Er werde dieser neuen Aufgabe ausreichend Zeit widmen können.

Fans und Verein sollen unter seiner Ägide zusammenrücken. Das Zusammenstehen im erfolgreich verlaufenen Kampf um den Bundesliga-Klassenerhalt habe die Kraft bewiesen. Röhr forderte, dass das Engagement für die 05er von oben vorgelebt werden muss. Röhr will die Mitgliederzahl deutlich erhöhen, für ein gerechteres Beitragssystem und für mehr Leben rund um die 05-Heimstätte sorgen. Zudem empfahl der 50-Jährige, mehr Finanzmittel in Steine statt Beine zu investieren. Dabei denkt Röhr an den Ausbau des Bruchwegs.

Ausgewogen sei die Kandidatenliste für den Aufsichtsrat, betonte Udo Seyfarth. 16 der 49 Bwerber erhielten die Zulassung durch die Wahlkommission. Wie und warum die Entscheidungen so oder so getroffen wurden, wollte Seyfarth nicht darlegen. Von den 16 Kandidaten waren 13 zur Versammlung erschienen. Auch Christian Viering, der von der neu gegründeten Fanabteilung in das Kontrollgremium entsendet werden soll und durch die Mitglieder bestätigt werden muss, war dabei.

Die kommenden Räte waren in der zweiten Etage platziert worden und warteten vergeblich auf Fragen der Mitglieder. Erst als 05-Geschäftsführer Michael Kammerer die Kandidaten in den Versammlungsraum zurückbeorderte, wurde es lebhafter.  

In Cäcilia Alsfasser (Geschäftsführerin Worf Glaskugeln), der Juristin Eva-Maria Federhenn und Ruth Jüngling (Diplom-Betriebswirtin) stehen auch drei Frauen zur Wahl. Zudem bewerben sich Volker Baas (Rechtsanwalt), Horst Werner Erneth (Vorsitzender der Geschäftsführung der BFE Studio und Medien Systeme), Engelbert Günster (IHK-Präsident), Michael Häfner (Bankbetriebswirt), Sven Hieronymus (Comedian), Detlev Höhne (Vorstandsvorsitzender Mainzer Stadtwerke), Herbert Kerz (Jurist), Michael Klein (Diplom-Betriebswirt), Norbert Krambs (Unternehmensberater), Oliver Michels (Geschäftsführer akzio! Gmbh), Hans Georg Schnücker (Geschäftsführung VRM), Michael Schuhmacher  (Außendienstmitarbeiter und Ex-Spieler), Joachim Secker (Vorstandsvorsitzender Targo Commercial Finance).

 

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