05-Berater stellen Struktur-Modelle vor

Jörg Schneider. Mainz.
Es ist der erste Schritt hin zu einer neuen Struktur beim FSV Mainz 05: Am morgigen Sonntag um 11 Uhr stellt der Bundesligist in der VIP-Lounge der Coface Arena die Modelle für eine künftige Neuausrichtung des Vereins seinen Mitgliedern sowie interessierten Anhängern vor und öffentlich zur Diskussion. Mit dieser Info-Veranstaltung möchte die Vereinsführung ein Stimmungsbild erhalten, ergründen, ob die angedachten und von einem Beratungsgremium vorgestellten Struktur- und Satzungspläne auf der im Herbst stattfindenden Mitgliederversammlung die Akzeptanz der 05-Basis und eine Zwei-Drittel-Mehrheit finden können.

05-Chef Harald Strutz erhofft sich von der Info-Veranstaltung in der Coface Arena ein Stimmungsbild von der Basis zu den vorgestellten Struktur-Modellen. Spätestens mit dem Wechsel von Christian Heidel zum FC Schalke 04 und dem damit verbundenen Rücktritt des früheren Managers von seinem Vorstandsamt beim FSV Mainz 05 sind die Diskussionen entbrannt, wie sich die Führung des Bundesligisten künftig aufstellen und ausrichten wird. Darüber, dass der Verein eine Neustrukturierung braucht, sind sich alle einig. Noch in diesem Jahr soll die Reform auf den Weg gebracht und nach Möglichkeit umgesetzt werden. Die Richtung ist klar. Der Klub will weg von einem mehr oder weniger ehrenamtlich arbeitenden Vorstand, hin zu einer hauptamtlichen Führung und einem Aufsichtsrat. Am Anfang dieses Prozesses steht nun eine Informations-Veranstaltung, in der die Verantwortlichen ihre Pläne vorstellen.

Am morgigen Sonntag um 11 Uhr berichtet Mainz 05 in der VIP-Lounge der Coface Arena über die Strukturmodelle und stellt diese öffentlich zur Diskussion. Eingeladen sind alle Mitglieder, aber auch die Fans und interessierte Zuhörer. Die 05er hoffen dabei auf ein größeres Publikum als bei den turnusmäßig abgehaltenen Jahres-Hauptversammlungen, zu denen in der Vergangenheit oft lediglich nur rund 400 der etwa 14.000 Mitglieder erschienen. Seit Wochen befasst sich ein siebenköpfiges Beratungsgremium mit den Verschiedenarten der Strukturvarianten. Das besteht aus den 05-Vorständen Harald Strutz, Jürgen Doetz und Andreas Krafft, außerdem aus zwei 05-Beiräten, dem Rechtsanwalt Johannes Zindel und dem Steuer- und Unternehmensberater Gerd Krämmer. Dazu haben sich die 05er zwei externe Fachleute ins Gremium geholt: den Stadtwerke-Vorstand Detlev Höhne und Engelbert Günster, einst Geschäftsführer von Boehringer Ingelheim, inzwischen Präsident der Industrie- und Handelskammer Rheinhessen. „Wirtschaftsfachleute", sagte Strutz, „die Einblicke in Unternehmensführung haben."

Diese Berater-Kommission wird den Mitgliedern und Fans berichten, welche Modelle für die künftige Neuausrichtung infrage kommen und diese zur Diskussion freigeben. „Wir wollen dann die Stimmungen aufgreifen und eine Satzung entwerfen, die den für Mainz 05 besten Weg darstellt“, sagt Vizepräsident Doetz. Darüber soll im September dann eine Mitgliederversammlung entscheiden. Spätestens Anfang November könnten dann die Wahlen zu den neuen Gremien stattfinden. Klar ist inzwischen, dass eine Ausgliederung der Lizenzabteilung in eine Kapitalgesellschaft von den 05ern nicht angestrebt wird. „Es kann sein, dass sich das Thema irgendwann einmal stellen wird, aber jetzt ist die Notwendigkeit nicht gegeben“, betont Doetz. „Wir wollen ein eigenständiger Verein bleiben.“ Klar ist aber auch, dass die angestrebte Strukturreform diese Ausgliederung in ferner Zukunft vereinfachen wird.

Die große Herausforderung für die 05er ist die Satzungsänderung, die für alle Planungen notwendig ist. Die gibt es nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit der anwesenden Stimmberechtigten in der Mitgliedersammlung. Deshalb wollen die Funktionäre ihre aktuell drei denkbaren Modelle - zum Teil angelehnt an die Strukturen der anderen drei eingetragenen Vereine, die ihren hochklassigen Profifußball noch nicht ausgegliedert haben, nämlich Schalke 04, der VfB Stuttgart und der SC Freiburg - nicht nur vorstellen, sondern auch zur Diskussion stellen. „Mitglieder und Fans sollen und müssen weitere Gedanken äußern können", erklärte Strutz. „Wir werden so ein Stimmungsbild kriegen, von dem abhängt, wie es weitergeht.“ Ob - wie auf Schalke - der Aufsichtsrat den Vorstand bestellt, ob - wie in Stuttgart und Freiburg - nicht nur der Aufsichtsrat, sondern auch der Vorstandschef von der Basis gewählt wird, ob eine eigene Struktur zur Wahl gestellt wird.

Über eines soll am Sonntag in der Coface Arena allerdings nicht geredet werden: über Personalfragen. Darüber, wer die künftig zu besetzenden Posten übernehmen soll. Strutz und Doetz haben angekündigt, dass der amtierende und bis 2017 gewählte Vorstand geschlossen zurücktritt (mit Ausnahme des neuen Sportdirektors Rouven Schröder), um den Weg für die Reform freizumachen. Bis zur Vorlage einer neuen Satzung will der Klub das Ganze aber laut Doetz „komplett  entpersonalisieren“ und eine reine Strukturdiskussion führen. Die Personaldiskussion ist jedoch längst entbrannt. Vor allen Dingen um die künftige Rolle von Harald Strutz. Der 05-Präsident ist seit geraumer Zeit öffentlich in die Diskussion geraten aufgrund seiner äußerst lukrativen Aufwandsentschädigung plus üppigem Beraterhonorar im Ehrenamt. Sein aktuelles Amt ist in den Strukturmodellen nicht mehr vorgesehen. Strutz wäre in Anbetracht seiner bisherigen Arbeit und Verdienste als repräsentierender Vereinschef, der nicht ins operative Geschäft eingebunden war, prädestiniert für das Amt des Vorsitzenden eines künftigen ehrenamtlichen Aufsichtsrates. Es ist jedoch längst kein Geheimnis mehr, dass sich der 65-Jährige selbst auch in der Rolle des hauptamtlichen Vorstandsvorsitzenden mit hochdotierten Bezügen sieht. Sein Vizepräsident bezeichnete im Vorfeld solche Spekulationen als kontraproduktiv. Wichtiger sei es im Moment auszuarbeiten, wie sich der Aufsichtsrat zusammensetzt und welche inhaltlichen Schwerpunkte dort gesetzt werden könnten. „Wir können keine offene Satzungsdiskussion führen, wenn der Eindruck entsteht, es gehe um Beschaffungsprogramme für ältere Mitglieder“, sagte Doetz, für den das Thema Transparenz ganz wichtig ist. „Wir wollen eine zeitgemäße Vereinsstruktur. Wir wollen dabei verbinden, was sich bewährt hat mit dem, was in Zukunft notwendig ist.“

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