05-Abwehr: Schwere Entscheidung für Schmidt

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 geht in die letzte Woche seiner Saisonvorbereitung. Der Kader für die schwere Prüfung im DFB-Pokal, am Sonntag bei Energie Cottbus, steht soweit. Die Startelf von Martin Schmidt im ersten Pflichtspiel-Einsatz dürfte viel Ähnlichkeit haben mit der, die am Samstag den Abschlusstest mit 1:2 beim englischen Zweitligisten Rotherham United FC verlor. Die nullfünfMixedZone hat in den vergangenen Wochen genau hingeschaut und wagt sich schon mal an eine vorläufige Kader-Einschätzung.

Gesetzt in der Mainzer Startelf: Torhüter Loris Karius und Abwehrchef Stefan Bell. Die letzte Woche vor der ersten schweren Prüfung der neuen Spielzeit ist angebrochen. Der FSV Mainz 05 hat ein umfangreiches Vorbereitungsprogramm hinter sich gebracht und muss in den nächsten Tagen die gesammelten Erkenntnisse, Erfahrungen und Werte umsetzen in einen Matchplan, der für das Erstrundenspiel im DFB-Pokal, am Sonntag (20.30 Uhr) bei Energie Cottbus tauglich und erfolgsversprechend ist. Der Bundesligist nimmt einen neuen Anlauf, die Auftaktrunde zu überstehen. Ein solches Desaster wie vor einem Jahr mit der Niederlage nach Elfmeterschießen beim Chemnitzer FC soll sich nicht wiederholen.

Martin Schmidt hat seine Profis intensiv an diese Aufgabe herangeführt. Der 05-Trainer simulierte zuletzt gar mit der Auslandsreise nach England den Ernstfall gegen einen Zweitligisten, der ähnlich auftrat, wie es die 05er von Cottbus erwarten. Defensiv, körperbetont, um jeden Ball kämpfend und bemüht, auftretende Schwächen beim Gegner für eine Überraschung zu nutzen. Rotherham United erfüllte alle diese Voraussetzungen. Der Zweitligist aus Yoskshire bestrafte am Ende brutal die Mainzer Fehler. Diese 1:2-Niederlage war insofern die perfekte Generalprobe für den Pokal-Auftritt.

Von daher stand auch der Erkenntnisgewinn über dem Ergebnis, wenngleich diese Niederlage die allgemeine Stimmung mächtig trübte. Denn die Pleite war hausgemacht nach einer eigentlich guten Leistung, die für den eigenen Erfolg hätte reichen müssen. Schmidt hatte 16 Feldspieler und zwei Torhüter mit nach England genommen, die alle zum Einsatz kamen. Interessant dabei, dass die Wechselorgie nach gut einer Stunde (sechs Spieler ausgetauscht) keinen Bruch im Mainzer Spiel verursachte. Bis auf wenige Ausnahmen dürfte Schmidt aus diesem Kader auch die Startelf für Cottbus rekrutieren.

In der Torwartfrage gibt es keine Diskussion. Loris Karius ist die eindeutige Nummer eins und unterstrich dies in allen Testspielen. Robin Zentner sitzt auf der Bank. Zumindest solange, wie der Klub auf der Suche nach einem Karius-Stellvertreter noch nicht fündig geworden ist. Der junge Zentner überzeugt im Training, hatte aber in den internationalen Begegnungen einige Wackler im Repertoire und muss sich übers Drittligateam heranarbeiten.

In der Abwehr ist Stefan Bell der absolute Chef. Der Innenverteidiger schwang sich in der Vorbereitung mit klarem, kompromisslosem Abwehrspiel als Anführer der Defensive auf. Niko Bungert hatte ein paar Verletzungs-Rückschläge, sollte aber normalerweise rechts neben Bell gesetzt sein. Doch in den vergangenen Wochen ist dem Routinier starke Konkurrenz gewachsen. Leon Balogun, aus Darmstadt gekommen, meldete mit überzeugenden Vorstellungen Ansprüche an. Der hochgewachsene Neuzugang hat sich nachdrücklich auf der Bungert-Position empfohlen und attackiert auch massiv den bisher konkurrenzlosen Daniel Brosinski auf der rechten Abwehrseite.

Leon Balogun (hier gegen WM-Star Miro Klose) meldet Ambitionen als Innen- und Rechstverteidiger an. Foto: Imago„Leon ist einer, der als Rechtsverteidiger ständig anschieben will und das auch sehr solide tut“, sagt der 05-Trainer. „Das wird keine einfache Entscheidung in der Abwehr. Der Kampf ist eröffnet.“ Brosinski zeigte in den ersten Wochen eine beachtliche Frühform, hatte aber zuletzt etwas zu kämpfen. „Ich denke jeder Einzelne hat sich in der Vorbereitung präsentiert. Jeder hat es gut gemacht und seine Einsatzzeit bekommen“, erklärte Brosinski nach dem Rotherham-Test. „Jetzt liegt es am Trainer, wie er sich entscheidet.“

In jedem Fall ist Schmidt im hinteren Bereich gut aufgestellt. Als Ersatzmann steht der portugiesische Innenverteidiger Henrique Sereno bereit. Links überzeugten sowohl Joo-Ho Park als auch Pierre Bengtsson. Der Koreaner ist eher der gewiefte Verteidiger, der sich aus schwierigen Situationen fußballerisch befreien und das Spiel aufbauen kann über links. Der Schwede ist der schnellere Mann, kann über den Flügel bis zur Grundlinie stürmen, präzise flanken und passen.

Im Mittelfeld geht kein Weg an Julian Baumgartlinger vorbei. Der Österreicher ist derjenige, der die Pressing-Impulse gibt, der die Zweikämpfe sucht und gewinnt, der in diesem Jahr in einer deutlich defensiveren Rolle spielt und den Part des Löcher stopfenden Defensivorganisators von Johannes Geis übernommen hat, der bekanntlich jetzt beim FC Schalke 04 spielt. Fabian Frei ist neben Baumgartlinger ebenfalls gesetzt. Der prominente Neuzugang aus Basel hat sich langsam an die Mainzer Spielweise gewöhnt. In Rotherham überzeugte der Schweizer mit einer erheblich aggressiveren Zweikampfführung als in den Wochen zuvor, mit vielen gelaufenen Metern und gutem Zustellverhalten. Frei ist der Stratege im 05-Spiel, der Verteiler im Mittelfeld, der die Bälle fordert und die Mitspieler einsetzt. Immer präzise die Diagonalverlagerung des 26-Jährigen, aber auch dessen Passspiel durch die Linien. Frei ist offenbar kein Trainings-Weltmeister. Der erfahrene Mittelfeldspieler braucht die Wettkampfbedingungen, um sich zu steigern.

Clemens und Muto auf den Flügeln

Danny Latza hat sich auf dieser Position gehörig weiterentwickelt. Zuletzt stimmte beim Bochum-Zugang auch das vorher etwas brach liegende Defensivverhalten. Für die Startelf ist der 23-Jährige normalerweise aber noch kein Thema. Martin Schmidt schwärmte zuletzt mehrfach vom gestiegenen Tempo auf den 05-Flügeln und sprach davon, dass er fürs Umschaltspiel dort ein paar echte Kanonen im Kader habe. Christian Clemens, der in der vergangenen Saison oft wegen Verletzungen hinten anstand, hat sich da in den Vordergrund gespielt als Rechtsaußen, als Vorbereiter und Torschütze. Links dürfte in Cottbus Yoshinori Muto den Vorzug vor Jairo erhalten. In einem Spiel, in dem die Mainzer wahrscheinlich über den Ballbesitz kommen müssen, ist der Japaner als Mittelstürmer keine Option. Mutos Schnelligkeit, seine Technik am Ball, seine überraschenden Drehungen und Wendungen sollten dem 23-Jährigen aber den Vorsprung vor Jairo bringen.

Der Spanier hatte zwar immer wieder seine Szenen in den Testbegegnungen, hat sich auch in der Rückwärtsbewegung deutlich verbessert. Doch Jairo streut immer wieder zu viele Schwächen ein in sein Spiel, verheddert sich. Maximilian Beister hat es nicht geschafft in den England-Kader. Der Ex-Hamburger arbeitet noch daran, Rückstände aufzuholen, sollte aber über kurz oder lang dazugehören. Denn Beisters Schnelligkeit, seine technischen Fähigkeiten und seine Abschlussqualitäten blitzten immer wieder auf. Und bis zum Bundesligastart ist noch ein wenig Zeit.

Dürfte der Start-Mittelstürmer in Cottbus sein: Florian Niederlechner (rechts). Yunus Malli behauptet derzeit die Zehnerposition. Doch der U21-Nationalspieler, der später eingestiegen war, ist noch nicht in Top-Form. In Rotherham brauchte Malli eine ganze Weile und offenbar auch eine Trainer-Ansprache zur Pause, um sich gegen den tiefstehenden Gegner mehr zu zeigen, besser entgegenzukommen und Bälle zu fordern. Mit zunehmender Spieldauer gelang Malli dies gut. Konkurrenz kriegt der 23-Jährige von Ja-Cheol Koo, der ebenfalls als Späteinsteiger nach Mainz zurück kam und immer wieder auch verletzungsanfällig ist. Doch der Koreaner kommt besser in Tritt und ist variabel einsetzbar.

Bleibt die Mittelstürmerposition. Pablo De Blasis fehlt noch eine Weile wegen seines Bänderanrisses im Knie. In England zeigte Florian Niederlechner, dass der aus Heidenheim gekommene Zentrumsstürmer aktuell erste Wahl in der Spitze ist. Niederlechner ist ein Entwicklungsspieler, der sich präsentieren kann, solange die 05er noch keinen Ersatz für Shinji Okazaki verpflichtet haben. Der Zweitliga-Torjäger empfahl sich mit vielen Aktionen mit dem Rücken zum Tor, behauptete Bälle, führte Offensivzweikämpfe, die er teilweise gewann, suchte den Abschluss aus jeder sich bietenden Situation. Das war schon mal eine Ansage.

Christoph Moritz hat sich nach dem vergangenen Seuchenjahr wieder ganz nah heran gespielt. Moritz ist von Hause aus ein Achter. Eine Position, die es in Schmidts Grundordnung so nicht gibt. Der 25-Jährige, inzwischen topfit, hat sich dennoch mit Leistung angeboten und hat in der Vorbereitung Innenverteidiger, zentrales Mittelfeld, Rechts- und Linksaußen gespielt. Überall solide. Das sieht zunächst nach einem festen Bankplatz aus.

Unklar ist nach wie vor die Situation von Niki Zimling und Gonzalo Jara. Beide Profis könnten jederzeit als Backup ihren Mann stehen, doch zu Schmidts Starterkreis gehört das Duo nicht. Nicht unwahrscheinlich, dass sich da doch noch demnächst ein Transfer abzeichnet. Das große Fragezeichen steht hinter Todor Nedelew. Der Bulgare hat sich in einer Form präsentiert, mit der kaum einer gerechnet hatte. Nedelew überzeugte als Zehner, wirkte fit wie nie zuvor und spielte Pässe, die kein anderer spielen kann.

„Aber er braucht jetzt Spielpraxis“, sagt Christian Heidel. Und ob er die im nötigen Umfang kriegt in der 05-Elf, ist fraglich aufgrund der Konkurrenzsituation. Der Manager gibt zu, dass sich die Verantwortlichen nicht sicher sind, was zu tun ist. Den Profi auszuleihen, wäre der normale Weg und sicherlich das Beste für die weitere Entwicklung. Doch die 05er wissen um die Probleme des Spielers, sich in einer neuen, fremden Umgebung zurechtzufinden. Das Thema bleibt spannend. Die Nachwuchsspieler wie Suat Serdar oder Devante Parker müssen sich weiterhin im Profi-Training anbieten und mit überzeugenden Leistungen in der Dritten Liga näher heranrücken.

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